Warum Ginkgo bei Tinnitus wirkt: Die Durchblutung im Innenohr

Warum Ginkgo bei Tinnitus wirkt: Die Durchblutung im Innenohr

10 Min. Lesezeit Aktualisiert am 29. September 2026
Das Wichtigste in Kürze
Ginkgo kann Ohrgeräusche lindern – belegt ist das vor allem für den standardisierten Extrakt EGb 761, den eine systematische Übersicht als belegte Behandlungsoption bei Tinnitus einstuft (von Boetticher, 2011). In fünf placebokontrollierten Studien mit 240 mg täglich wurde der Tinnitus unter dem Extrakt signifikant stärker gelindert als unter Placebo (Spiegel et al., 2018). Dass Tebonin oder Ginkgo den Tinnitus verschlimmert, ist in den Studien nicht belegt; wird das Ohrgeräusch deutlich lauter, gehört es ärztlich abgeklärt – bei plötzlichem Hörverlust sofort in eine HNO-Praxis (Chandrasekhar et al., 2019).

„Mit Tinnitus muss man leben lernen" hören viele Betroffene in der HNO-Praxis. Doch es gibt Ansätze, die das Ohrgeräusch leiser und weniger belastend machen können. Einer der am besten untersuchten pflanzlichen Ansätze ist der standardisierte Ginkgo-Extrakt: Die koreanische Tinnitus-Leitlinie von 2026 hält Ginkgo biloba bei subjektivem Tinnitus für eine erwägenswerte Option (Park et al., 2026). Dieser Ratgeber zeigt, was die Studien sagen, wie Ginkgo in den Studien dosiert wurde und was hinter der Sorge „Tebonin verschlimmert Tinnitus" steckt.

Tinnitus hängt fast immer mit dem Hören zusammen
Mehr als 90 Prozent der Menschen mit chronischem Tinnitus haben eine Hörminderung.

Die feinen Haarzellen in der Hörschnecke sind auf eine konstante Versorgung mit Sauerstoff und Nährstoffen angewiesen. Wird diese Versorgung gestört, können die Zellen fehlerhafte Signale ans Gehirn senden. Das Gehirn interpretiert diese Signale als Ton, obwohl kein äußerer Reiz vorhanden ist. Das ist einer der Erklärungsansätze für Tinnitus.

Der spezielle Ginkgo-biloba-Extrakt EGb 761 setzt an mehreren Stellen gleichzeitig an: Er verbessert die Fließeigenschaften des Blutes, weitet die kleinsten Gefäße im Innenohr und schützt die empfindlichen Haarzellen vor oxidativem Stress. Zwei Wirkstoffgruppen sind entscheidend, die Flavonoide und die Terpenlaktone. Die Flavonoide wirken als Radikalfänger, die Terpenlaktone (Ginkgolide und Bilobalid) hemmen einen Botenstoff, der zusammenklumpende Blutplättchen begünstigt.

Schlechte Durchblutung → Haarzellen unterversorgt → fehlerhafte Signale → Gehirn hört einen Ton.
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Was die Studienlage wirklich zeigt

Die Datenlage zu Ginkgo bei Tinnitus stützt sich vor allem auf den standardisierten Extrakt EGb 761. Eine systematische Übersichtsarbeit fand Belege für seine Wirksamkeit aus drei placebokontrollierten Studien, in denen Tinnitus die Hauptbeschwerde war. Gestützt wird das von fünf weiteren Studien, in denen Tinnitus als Begleitsymptom bei altersbedingten Gedächtnisproblemen oder Demenz auftrat (von Boetticher, 2011). Eine Metaanalyse dieser fünf Studien mit 240 mg EGb 761 pro Tag über mindestens 20 Wochen bestätigte: Der Extrakt linderte Tinnitus und Schwindel signifikant stärker als Placebo (Spiegel et al., 2018).

Auch bei lange bestehendem Tinnitus gibt es positive Daten: In einer offenen Studie nahmen 170 Menschen mit chronischem Tinnitus 24 Wochen lang zweimal täglich 120 mg EGb 761 ein. Alle gemessenen Tinnitus-Werte verbesserten sich deutlich; besonders profitierten Menschen mit normalem Gehör sowie Betroffene mit Angst oder Stress (Lisowska et al., 2025). Entscheidend ist die Extraktqualität: Die Studien arbeiten mit einem Extrakt, der auf 24 Prozent Flavonoide und 6 Prozent Terpenlaktone standardisiert ist. Einfaches Blattpulver ist damit nicht vergleichbar.

Studie
Neuropsychiatric Disease and Treatment 2011;7:441-447 · doi:10.2147/NDT.S22793
EGb 761 bei Tinnitus: Systematische Übersicht wertet den Extrakt als belegte Behandlungsoption
von Boetticher A, systematische Übersicht

 

Frau um die 45 sitzt nachdenklich auf dem Sofa in einer hellen, modernen Wohnung und berührt ihr Ohr

Tebonin, Ginkgo und die Extraktqualität EGb 761

Wer nach „Tebonin Tinnitus Erfahrung" sucht, sucht in Wahrheit nach Ginkgo. Tebonin ist ein Markenname, der Wirkstoff dahinter ist der standardisierte Ginkgo-Extrakt EGb 761. Genau deshalb macht die pauschale Frage „hilft Tebonin oder Ginkgo?" wenig Sinn. Sie fragt dasselbe zweimal.

1
Standardisierung
24 Prozent Flavonglykoside und 6 Prozent Terpenlaktone müssen deklariert sein
2
Ginkgolsäure
unter 5 ppm, denn Ginkgolsäure kann Allergien und Magenreizungen auslösen
3
Dosierung
in den Studien 120 bis 240 mg Extrakt pro Tag

Das Herbano Ginkgo enthält einen auf 24 Prozent Flavonoide und 6 Prozent Terpenlaktone standardisierten, nahezu ginkgolsäurefreien Extrakt mit 400 mg pro Kapsel und ist damit eine direkte Alternative zu Marken wie Tebonin.

Flavonoide
oxidativen Stress
abfangen
+
Terpenlaktone
Mikrozirkulation
verbessern
Wirkprinzip des standardisierten Extrakts
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Verschlimmert Tebonin oder Ginkgo den Tinnitus?

Zu den häufigsten Sorgen gehört die Frage „Tebonin verschlimmert Tinnitus". In den kontrollierten Studien ist das nicht belegt: In der placebokontrollierten Studie von Morgenstern und Biermann traten unter EGb 761 keine Nebenwirkungen auf, die dem Extrakt zuzuordnen waren (Morgenstern & Biermann, 2002). In den fünf Demenz-Studien wurde der Tinnitus unter EGb 761 im Mittel leiser, nicht lauter (Spiegel et al., 2018). Wie stark ein Ohrgeräusch belastet, schwankt allerdings auch von sich aus: Es hängt eng mit Stress, Angst, depressiver Stimmung und Schlafproblemen zusammen (Hesse et al., 2024).

Wird das Ohrgeräusch während der Einnahme deutlich lauter, kommt ein neues Geräusch hinzu oder verändert sich das Hören, gehört das ärztlich abgeklärt, statt es auszusitzen. Ein plötzlicher Hörverlust auf einem Ohr, oft zusammen mit Ohrgeräusch oder Schwindel, ist ein Verdacht auf Hörsturz: Dann sofort in eine HNO-Praxis, denn schnelles Erkennen und Behandeln kann die Erholung des Gehörs verbessern (Chandrasekhar et al., 2019).

Dosierung, Einnahme und wie lange es dauert

Der häufigste Fehler bei Ginkgo ist die Ungeduld. Ginkgo wirkt nicht wie eine Schmerztablette. Die Verbesserung der Mikrozirkulation im Innenohr braucht Zeit. In der Studie von Morgenstern und Biermann mit 60 Menschen mit chronischem Tinnitus war EGb 761 (2 × 80 mg täglich nach einer zehntägigen Infusionsphase) dem Placebo nach 4, 8 und 12 Wochen überlegen (Morgenstern & Biermann, 2002).

Anatomie-Zeichnung der betroffenen Körperregion bei ginkgo bei tinnitus

In den Studien wurden Tagesdosen zwischen 120 mg und 240 mg des standardisierten Extrakts eingesetzt, aufgeteilt auf ein bis zwei Einnahmen. Bei 195 Menschen mit neu aufgetretenem Tinnitus nach einem Hörsturz wirkten 120 mg und 240 mg EGb 761 pro Tag ähnlich gut; die Tinnitus-Belastung sank im Mittel von 48,99 auf 28,33 Punkte nach einem Monat und auf 10,54 Punkte nach 18 Monaten (Chen et al., 2026). Für die Herbano Ginkgo Kapseln gilt die Verzehrempfehlung: täglich 1 bis 2 Kapseln mit reichlich Wasser, vorzugsweise eine halbe Stunde vor den Mahlzeiten.

Nach 4 Wochen in einer placebokontrollierten Studie bereits ein messbarer Vorteil
nach 12 Wochen Vorteil gegenüber Placebo weiterhin nachweisbar
nach 24 Wochen deutliche Verbesserung bei chronischem Tinnitus in einer Langzeitstudie
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Wechselwirkungen und wann Ginkgo nicht passt

Ginkgo beeinflusst die Blutgerinnung leicht. Zusammen mit blutverdünnenden Medikamenten wie Marcumar, Aspirin in hoher Dosierung oder den neueren Antikoagulanzien kann das die Blutungsneigung erhöhen. Eine systematische Auswertung fand 78 Kräuter, Lebensmittel und Nahrungsergänzungen, die mit dem Gerinnungshemmer Warfarin wechselwirken; bei 20 davon wurden Blutungen beschrieben, Ginkgo zählt zu den Pflanzen mit erhöhtem Blutungsrisiko (Tan & Lee, 2021). Wer solche Medikamente einnimmt, sollte Ginkgo nur nach ärztlicher Rücksprache verwenden. Zwei Wochen vor geplanten Operationen sollte Ginkgo abgesetzt werden. Auch bei bekannten Blutgerinnungsstörungen ist Vorsicht geboten.

Mann um die 50 macht mit Kopfhörern einen Hörtest in einer hellen, modernen Praxis, eine Audiologin bedient das Messgerät

Selten kommt es zu Magenbeschwerden, leichten Kopfschmerzen oder Hautreaktionen. Diese sind meist mild und verschwinden nach den ersten Wochen. Wer Antidepressiva vom SSRI-Typ einnimmt, sollte die Kombination mit dem Arzt besprechen. Vertiefende Informationen zu weiteren Ansätzen finden sich im Ratgeber Tinnitus natürlich behandeln.

Ginkgo ist kein Blutverdünner im medizinischen Sinn
Aber die leichte gerinnungshemmende Wirkung addiert sich zu echten Blutverdünnern. Bei Marcumar, DOAKs oder hochdosiertem ASS ärztlich abklären.

Was die Tinnitus-Leitlinie empfiehlt

Die deutsche S3-Leitlinie „Chronischer Tinnitus" stellt drei Bausteine in den Mittelpunkt: Beratung, Maßnahmen gegen eine Hörminderung wie Hörgeräte und Psychotherapie, vor allem die kognitive Verhaltenstherapie (Mazurek et al., 2022; Hesse et al., 2024). Das hat einen Grund: Mehr als 90 Prozent der Menschen mit chronischem Tinnitus haben eine Hörminderung, und viele gewöhnen sich mit der Zeit an das Geräusch, sodass es in den Hintergrund tritt (Hesse et al., 2024). Ein Hörtest in der HNO-Praxis ist deshalb der erste Schritt.

Die koreanische Leitlinie von 2026 empfiehlt ebenfalls Hörgeräte bei begleitender Hörminderung, kognitive Verhaltenstherapie, Tinnitus-Retraining-Therapie und Geräuschtherapie. Ginkgo biloba nennt sie bei subjektivem Tinnitus als erwägenswerte Option (Park et al., 2026). Ginkgo und diese Verfahren schließen sich also nicht aus, sondern lassen sich ergänzen.

Wichtiger Hinweis

Dieser Ratgeber dient nur zur Information und ersetzt keine ärztliche Beratung.

Die Inhalte der Herbano Gesundheitsredaktion werden sorgfältig recherchiert und basieren auf aktuellen wissenschaftlichen Studien.

Inhalt mit Unterstützung künstlicher Intelligenz erstellt und von der Herbano Redaktion bearbeitet.

Häufige Fragen

In den kontrollierten Studien ist das nicht belegt: Unter dem Ginkgo-Extrakt EGb 761 wurde der Tinnitus im Mittel leiser, und in einer placebokontrollierten Studie traten keine Nebenwirkungen auf, die dem Extrakt zuzuordnen waren. Die Belastung durch ein Ohrgeräusch schwankt aber auch mit Stress und Schlaf. Wird der Tinnitus deutlich lauter, gehört das ärztlich abgeklärt.

Ein deutlich lauteres oder neues Ohrgeräusch gehört in die HNO-Praxis, statt es auszusitzen. Kommt ein plötzlicher Hörverlust auf einem Ohr dazu, besteht Verdacht auf einen Hörsturz, dann ist sofortige ärztliche Hilfe nötig. Dort lässt sich auch klären, ob die Einnahme fortgesetzt werden soll.

Tebonin enthält den Ginkgo-Extrakt EGb 761, und der wirkt nicht sofort. In einer placebokontrollierten Studie zeigte sich ein Vorteil gegenüber Placebo nach 4 Wochen, der auch nach 8 und 12 Wochen bestand. In einer Langzeitstudie mit chronischem Tinnitus verbesserten sich die Beschwerden über 24 Wochen deutlich.

Vorsicht gilt bei blutverdünnenden Medikamenten wie Marcumar, DOAKs oder hochdosiertem ASS sowie bei bekannten Blutgerinnungsstörungen, denn Ginkgo kann die Blutungsneigung erhöhen. Vor geplanten Operationen sollte Ginkgo zwei Wochen vorher abgesetzt werden. Bei Antidepressiva vom SSRI-Typ ist eine ärztliche Rücksprache sinnvoll.

Ja. Eine systematische Übersicht stuft den Extrakt EGb 761, der in Tebonin steckt, als belegte Behandlungsoption bei Tinnitus ein, und eine Metaanalyse von fünf placebokontrollierten Studien fand eine signifikante Linderung gegenüber Placebo. Die koreanische Tinnitus-Leitlinie von 2026 nennt Ginkgo biloba bei subjektivem Tinnitus als erwägenswerte Option.

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