Ginkgo-Extrakt vergleichen: Standardisierung, Dosis, Ginkgolsäure

Ginkgo-Extrakt vergleichen: Standardisierung, Dosis, Ginkgolsäure

27 Min. Lesezeit Aktualisiert am 18. September 2026

Welcher Ginkgo-Extrakt ist der richtige? 3 Zahlen entscheiden

Kurz beantwortet

Ein Ginkgo-Extrakt taugt als Wirkstoffquelle, wenn 3 Angaben auf dem Etikett stehen: die Standardisierung auf 22 bis 27 % Flavonolglykoside und 5 bis 7 % Terpenlactone (kurz „24/6“), die Extraktmenge pro Tagesdosis, denn die Wirkstudien zu Gedächtnis und Demenz arbeiten überwiegend mit 240 mg pro Tag, und ein Ginkgolsäure-Gehalt unter 5 ppm. Blattpulver und Tee erfüllen keinen dieser 3 Punkte. Ein Apothekenpräparat mit dem Extrakt EGb 761 ist klinisch geprüft; eine Nahrungsergänzung mit demselben Standard deklariert dieselben Kenngrößen, ihre klinische Wirkung wurde aber nicht am eigenen Produkt gemessen. Der Unterschied liegt in Zulassung, Chargenprüfung und Preis.

Evidenz-Check · Herbano Gesundheitsredaktion · Stand der Prüfung: 2026-09-22

Diese Seite ist für alle, die Ginkgo kaufen wollen und vor dem Regal oder dem Onlineshop nicht wissen, was die Zahlen auf dem Etikett bedeuten. Sie beantwortet 1 Frage: Woran erkennt man einen Ginkgo-Extrakt, der das liefert, was die Studien untersucht haben? Dafür vergleicht sie die 4 Formen, die im Handel vorkommen, nach 6 festen Kriterien, ordnet die wichtigsten Studien mit Evidenzstufe ein und prüft die häufigsten Werbeaussagen. Ein Ratgeber zur Wirkung von Ginkgo auf Gedächtnis, Durchblutung und Ohren ist bereits vorhanden und wird hier nicht wiederholt.

Welche Wahl für welches Ziel

ZielPassende Wahl
Nachlassende Konzentration und Gedächtnis im Alter, beginnende Demenz mit gesicherter DiagnoseStandardisierter Extrakt 24/6, 240 mg Extrakt pro Tag, mindestens 12 Wochen, Die Wirkstudien mit positivem Ergebnis laufen fast alle mit standardisiertem Extrakt in dieser Dosis über 22 bis 26 Wochen.
Diagnostizierte Demenz mit Unruhe, Reizbarkeit oder SchlafproblemenBehandlung in fachlicher Begleitung; dafür sind zugelassene Arzneimittel mit EGb 761 untersucht, Eine Demenz gehört in medizinische Betreuung; die Studien zu Verhaltenssymptomen wurden mit dem Arznei-Extrakt gemacht.
Ohrgeräusche (Tinnitus) als HauptbeschwerdeKeine Form ist dafür belegt; wer es versucht, nimmt standardisierten Extrakt und zieht nach 8 bis 12 Wochen Bilanz, Die Cochrane-Auswertung findet bei Tinnitus als Hauptproblem wenig bis keinen Effekt; nur bei Demenz-Patienten wurde ein kleiner Effekt gemessen.
Vorbeugung von Demenz bei gesunden MenschenKeine Form ist dafür belegt, Die größte Vorbeugestudie mit 3.069 Menschen ab 75 Jahren fand über 6 Jahre keinen Schutz vor Demenz.
Prüfungsphase, Konzentration bei gesunden ErwachsenenStandardisierter Extrakt, Erwartung klar setzen: Effekt frühestens nach 4 bis 8 Wochen, für gesunde Erwachsene ist die Datenlage dünn; Studien mit klarem Ergebnis stammen aus Gruppen mit bestehenden Beschwerden.
Blutverdünner, Operation in den nächsten Wochen, SchwangerschaftVor der Einnahme Rücksprache mit der Fachperson, die die Medikamente verordnet oder die Operation plant, Ginkgo hemmt die Verklumpung von Blutplättchen; kontrollierte Studien fanden keine Gerinnungsstörung, Einzelfälle mit Blutungen gibt es trotzdem.
Tee oder Blattpulver aus der DrogerieNicht als Wirkstoffquelle geeignet, Ohne Extraktion bleiben die Ginkgolsäuren im Blatt, und kein Wirkstoffgehalt ist definiert; Wirkstudien am Menschen gibt es dazu nicht.

Der Vergleich nach den Herbano-Kriterien

KriteriumStandardisierter Extrakt 24/6 (Nahrungsergänzung)Arznei-Extrakt EGb 761 (z. B. Tebonin)Blattpulver / Tee
Standardisierung22 bis 27 % Flavonolglykoside, 5 bis 7 % Terpenlactone laut Deklaration; ohne diese Prozentwerte ist es kein 24/6-ExtraktGleicher Standard, zusätzlich Chargenprüfung nach ArzneibuchKeine Standardisierung; der Gehalt schwankt mit Ernte, Blattalter und Lagerung
Extraktmenge pro TagesdosisJe nach Produkt 120 bis 800 mg; die Angabe muss pro Kapsel und pro Tag lesbar sein120 oder 240 mg pro Tag (Zulassung); 240 mg ist in den Demenz-Studien die wirksamere DosisKeine definierte Extraktmenge; aus 1 Tasse Tee lässt sich kein Wirkstoffgehalt ableiten
Ginkgolsäure-GehaltGute Hersteller deklarieren unter 5 ppm, oft unter 1 ppm; fehlt die Angabe, ist das ein WarnzeichenUnter 5 ppm ist Pflicht (Arzneibuch)Hoch, weil die Säuren im Blatt bleiben; für Lebensmittel gibt es keinen Grenzwert
Studienlage je IndikationDie Wirkstudien nutzen standardisierten Extrakt; übertragbar, wenn Standard und Tagesdosis übereinstimmenDie meisten RCTs zu Demenz, Tinnitus und Schwindel wurden mit EGb 761 gemachtKeine Wirkstudien am Menschen
Verträglichkeit und WechselwirkungenWie beim Arzneimittel: Vorsicht mit Blutverdünnern, vor Operationen, in der SchwangerschaftWie links; zusätzlich Nebenwirkungen im Beipackzettel dokumentiertZusätzlich Ginkgolsäure-Risiko: Allergien und Magenreizung
Transparenz der DeklarationProzentwerte, Extraktmenge und Ginkgolsäure-Angabe sind das Mindestmaß; Laboranalysen fanden bei einem Teil der Nahrungsergänzungen gestreckte ExtrakteZulassung und Chargenfreigabe; Inhaltsstoffe amtlich geprüftMeist nur „Ginkgoblätter“ ohne jede Gehaltsangabe

Warum „Ginkgo“ auf dem Etikett noch nichts über den Inhalt sagt

Ginkgo ist nicht gleich Ginkgo. Auf dem Etikett kann der Pflanzenname stehen, und dahinter steckt gemahlenes Blatt, ein wässriger Auszug oder ein hochkonzentrierter Extrakt. Diese 3 Dinge haben fast nichts gemeinsam.

Getrocknete Ginkgoblätter, Blattpulver und heller Ginkgo-Extrakt in drei Schalen nebeneinander

Der Grund: Die Wirkstoffe sitzen nur zu einem kleinen Teil im Blatt. Für 1 Gramm Extrakt werden etwa 50 Gramm getrocknete Blätter gebraucht, deshalb steht auf guten Produkten das Verhältnis 50:1. Bei der Extraktion werden 2 Stoffgruppen angereichert, die in den Studien untersucht wurden: Flavonolglykoside (Pflanzenstoffe, die Gefäße schützen) und Terpenlactone (Ginkgolide und Bilobalid, die die Durchblutung und die Nervenzellen beeinflussen). Gleichzeitig werden die Ginkgolsäuren entfernt, die im Blatt Allergien auslösen können.

Ein Blattpulver enthält all das in der Konzentration des Blattes, also stark verdünnt und ohne Kontrolle. Ein Tee löst nur einen Teil der Stoffe aus dem Blatt. Nur der standardisierte Extrakt liefert eine definierte Menge. Wer die Studien zu Ginkgo ernst nimmt, kauft deshalb einen Extrakt und liest die 3 Zahlen, um die es auf dieser Seite geht.

Was die Zahlen 24/6 bedeuten und wie viel Extrakt am Tag sinnvoll ist

„24/6“ ist eine Abkürzung für die Standardisierung: 22 bis 27 % des Extrakts sind Flavonolglykoside, 5 bis 7 % sind Terpenlactone. Ein Extrakt, der diese Prozentwerte trägt, liefert pro Milligramm dieselben Wirkstoffmengen wie der Extrakt aus den Studien. Fehlen die Prozentwerte auf dem Etikett, ist nicht bekannt, was in der Kapsel steckt.

Messlöffel mit Ginkgo-Extraktpulver neben Kapseln und einem frischen Ginkgoblatt
➤ Genau so ist der Arznei-Extrakt EGb 761 definiert, mit dem fast alle Wirkstudien gemacht wurden.

Die zweite Zahl ist die Extraktmenge pro Tag. In den Demenz-Studien wurden 120 und 240 mg pro Tag geprüft. Das Ergebnis ist eindeutig: 240 mg schnitt bei Denkleistung und Alltagsfähigkeiten klar besser ab, 120 mg zeigte in 2 Studien keinen Unterschied zu Placebo. Wer Ginkgo wegen Gedächtnis und Konzentration nimmt, orientiert sich deshalb an 240 mg Extrakt pro Tag. Für höhere Dosen gibt es keine Wirkstudien; sie sind weder als wirksamer noch als riskanter belegt.

Beim Rechnen zählt die Extraktmenge, nicht die Kapselgröße. 1 Kapsel mit 400 mg standardisiertem Extrakt liefert 96 mg Flavonolglykoside und 24 mg Terpenlactone. 1 Kapsel mit 400 mg Blattpulver liefert einen Bruchteil davon, und niemand weiß genau, wie viel.

Kurz-Check vor dem Kauf:

  • Steht „Extrakt“ auf dem Etikett, nicht nur der Pflanzenname oder „Blätter“?
  • Sind die Prozentwerte 24 % Flavonolglykoside und 6 % Terpenlactone angegeben?
  • Lässt sich die Extraktmenge pro Kapsel und pro Tag ablesen?
  • Steht der Ginkgolsäure-Gehalt dabei, unter 5 ppm?
  • Ist das Verhältnis 50:1 genannt?

Die Wirkung braucht Zeit. In den Studien wurde frühestens nach 12 Wochen gemessen, viele liefen 22 bis 26 Wochen. Wer nach 2 Wochen keine Veränderung spürt, hat noch nichts über das Produkt gelernt. Eine faire Testphase dauert 8 bis 12 Wochen mit der Studiendosis; danach wird Bilanz gezogen.

Ginkgolsäure: der Wert, den kaum jemand prüft

Ginkgolsäuren sind Stoffe aus dem Ginkgoblatt, die Kontaktallergien und Magenschleimhautreizungen auslösen können. Im Extrakt werden sie während der Herstellung entfernt. Das Arzneibuch verlangt für Arznei-Extrakte einen Gehalt unter 5 ppm, also unter 5 Millionstel des Extraktgewichts. Für Nahrungsergänzungen gibt es diese Pflicht nicht. Der Hersteller haftet nur allgemein für die Sicherheit seines Produkts.

Frisches Ginkgoblatt mit feinem, gereinigtem Extraktpulver auf einem weißen Teller

Wie groß die Unterschiede sein können, zeigt eine Laboranalyse von Handelsprodukten: Die Spanne reichte von unter 500 ppm bis rund 90.000 ppm, also dem 18.000-Fachen des Arzneibuch-Werts. Die Analyse ist über 20 Jahre alt und stammt vom US-Markt, aber sie zeigt, wie weit ein „Ginkgo-Produkt“ vom Standard entfernt sein kann.

Praktisch heißt das: Ein Hersteller, der seinen Extrakt sauber aufreinigt, schreibt den Ginkgolsäure-Wert aufs Etikett, weil er ein Qualitätsmerkmal ist. Fehlt die Angabe, bleibt die Frage offen. Bei Tee und Blattpulver stellt sich die Frage gar nicht: Dort bleiben die Säuren im Blatt, weil kein Reinigungsschritt stattfindet.

Apotheke oder Nahrungsergänzung: der ehrliche Unterschied

Der Arznei-Extrakt EGb 761 in Präparaten wie Tebonin ist ein zugelassenes Arzneimittel. Das bedeutet: Der Hersteller hat die Wirksamkeit für bestimmte Anwendungsgebiete in Zulassungsstudien nachgewiesen, jede Charge wird nach Arzneibuch geprüft, und Nebenwirkungen stehen im Beipackzettel.

Ginkgo-Tabletten und Ginkgo-Kapseln in zwei Schalen im direkten Vergleich
➤ Dafür ist der Preis pro Milligramm Extrakt höher, und die Dosis ist auf 120 oder 240 mg pro Tag festgelegt.

Eine Nahrungsergänzung mit standardisiertem 24/6-Extrakt deklariert dieselben Kenngrößen in derselben Konzentration, wenn die Deklaration stimmt. Das ist eine Aussage über das Etikett, nicht über eine klinische Prüfung. Sie darf keine Krankheit behandeln und macht keine Zulassungsstudien. Was sie leisten kann: die Extraktmenge aus den Studien zu einem niedrigeren Preis, in frei wählbarer Dosis. Was sie nicht leisten kann: den Nachweis, dass genau dieses Produkt in einer klinischen Studie geprüft wurde.

Der wichtigste Unterschied ist deshalb nicht die Pflanze, sondern die Kontrolle. Laboranalysen fanden bei einem Teil der Nahrungsergänzungen gestreckte Extrakte, bei denen der Flavonoid-Anteil mit billigen Fremdstoffen aufgefüllt war, oder Produkte ohne echten Ginkgo-Blattextrakt. Deshalb ist die vollständige Deklaration mit Prozentwerten, Extraktmenge und Ginkgolsäure-Angabe das Mindestmaß, das ein seriöser Anbieter erfüllt. Wer diese Angaben findet, kann eine Nahrungsergänzung mit dem Apothekenpräparat vergleichen. Wer sie nicht findet, vergleicht Äpfel mit Birnen.

Für die Einordnung der Studien gilt: Die meisten kontrollierten Studien zu Ginkgo wurden mit EGb 761 durchgeführt. Ein Produkt mit demselben Standard und derselben Tagesdosis deklariert dieselben Kenngrößen; klinisch untersucht wurde es damit noch nicht. Ob es im Körper genauso wirkt, ist plausibel, aber nicht für jedes einzelne Produkt geprüft. Das ist der ehrliche Stand.

Wo Ginkgo an seine Grenzen kommt

Ginkgo ist kein Schutz vor Demenz. Die GEM-Studie hat mit 3.069 Menschen ab 75 Jahren über 6 Jahre genau das geprüft und keinen Unterschied zu Placebo gefunden. Wer gesund ist und Ginkgo nimmt, um später keine Demenz zu bekommen, hat dafür keinen Beleg.

Gelbe Ginkgoblätter im Herbst auf hellem Leinen

Ginkgo ist auch kein Mittel gegen Ohrgeräusche, wenn diese die Hauptbeschwerde sind. Der einzige messbare Effekt auf Ohrgeräusche stammt aus Studien mit Demenz-Patienten, bei denen die Geräusche ein Begleitsymptom waren. Wer Ginkgo wegen Tinnitus kauft, sollte das wissen und nach 8 bis 12 Wochen ehrlich prüfen, ob sich etwas verändert hat.

➤ Die Cochrane-Auswertung von 12 Studien findet wenig bis keinen Effekt.

Belegt ist der Nutzen dort, wo die Studien ihn gemessen haben: bei Menschen mit nachlassender Denkleistung, leichter kognitiver Beeinträchtigung oder Demenz, mit 240 mg standardisiertem Extrakt pro Tag über mindestens 12 Wochen. Genau für diese Gruppe lohnt sich der Blick auf die 3 Zahlen.

 

Was die Studien zeigen

Evidenzstufen: stark = mehrere hochwertige Humanstudien oder systematische Reviews · gemischt = Humanstudien mit widersprüchlichen oder methodisch begrenzten Ergebnissen · begrenzt = kleine Studien, Mechanismus, Tier- oder Zellmodelle.

Bei Menschen mit Gedächtnisstörungen oder Demenz verbesserte der standardisierte Extrakt EGb 761 in 9 Studien mit 2.561 Teilnehmern über 22 bis 26 Wochen das Denkvermögen und die Alltagsfähigkeiten gegenüber Placebo; der Nutzen zeigte sich vor allem bei 240 mg pro Tag.

Beleg: Tan MS, Yu JT et al. (2015) · J Alzheimers Dis · PMID 25114079 · Studientyp: Systematisches Review mit Meta-Analyse stark

Einschränkung: Nur Patienten mit bestehender Beeinträchtigung, Laufzeit maximal 26 Wochen, alle Studien mit dem Arznei-Extrakt EGb 761.

Bei leichter Demenz schnitten Patienten mit 240 mg EGb 761 täglich in 4 Studien mit 782 Personen bei Denkleistung, Gesamturteil, Alltagsfähigkeiten und Lebensqualität besser ab als mit Placebo; Nebenwirkungen traten in beiden Gruppen gleich häufig auf.

Beleg: Riepe M, Hoerr R et al. (2025) · World J Biol Psychiatry · PMID 39895346 · Studientyp: Meta-Analyse stark

Einschränkung: Gepoolte Untergruppe aus 4 Studien, nur leichte Demenz (SKT-Testwert 9 bis 15), Extrakt des Herstellers.

Die Cochrane-Auswertung von 82 Studien mit 10.613 Teilnehmern findet bei Demenz nach 6 Monaten kleine bis mittlere Vorteile für Gesamtzustand, Denkleistung und Alltagsfähigkeiten, bei leichter kognitiver Beeinträchtigung dagegen wahrscheinlich wenig oder keinen Effekt; schwere Nebenwirkungen waren nicht häufiger als unter Placebo.

Beleg: Wieland LS, Ludeman E et al. (2026) · Cochrane Database Syst Rev · PMID 41641880 · Studientyp: Systematisches Review mit Meta-Analyse gemischt

Einschränkung: Niedrige Sicherheit der Evidenz bei Demenz, weil die Studien sehr unterschiedlich ausfielen; nur 4 von 82 Studien hatten durchgehend ein niedriges Verzerrungsrisiko.

Zur Vorbeugung von Demenz bei Menschen ab 75 Jahren half Ginkgo nicht: In der GEM-Studie mit 3.069 Teilnehmern senkten 2 × 120 mg Extrakt täglich über im Mittel 6,1 Jahre weder die Demenzrate (3,3 gegenüber 2,9 Fälle je 100 Personenjahre) noch das Fortschreiten einer leichten kognitiven Beeinträchtigung.

Beleg: DeKosky ST, Williamson JD et al. (2008) · JAMA · PMID 19017911 · Studientyp: RCT stark

Einschränkung: Nur Menschen ab 75 Jahren und nur der Endpunkt „neue Demenz“; über Gedächtnisleistung im Alltag sagt die Studie nichts.

In 13 Studien mit 2.381 Demenz-Patienten hing das Ergebnis an Dosis und Messmethode: Beim Gedächtnistest SKT schnitt Ginkgo-Extrakt besser ab als Placebo, mit 240 mg täglich deutlich, während 2 Studien mit 120 mg über 26 Wochen auf der ADAS-Cog-Skala keinen Unterschied zeigten.

Beleg: Hashiguchi M, Ohta Y et al. (2015) · J Pharm Health Care Sci · PMID 26819725 · Studientyp: Meta-Analyse gemischt

Einschränkung: Nur 9 der 13 Studien waren auswertbar, Laufzeiten 12 bis 52 Wochen, überwiegend Hersteller-Extrakt.

Bei Ohrgeräuschen als Hauptbeschwerde hat Ginkgo nach 3 bis 6 Monaten wahrscheinlich wenig bis keinen Effekt auf den Schweregrad; die Cochrane-Auswertung umfasst 12 Studien mit 1.915 Teilnehmern, die gepoolten Daten zu diesem Endpunkt stammen aber nur aus 2 Studien mit 85 Personen.

Beleg: Sereda M, Xia J et al. (2022) · Cochrane Database Syst Rev · PMID 36383762 · Studientyp: Systematisches Review begrenzt

Einschränkung: Hohes oder unklares Verzerrungsrisiko in den meisten Studien, sehr niedrige Sicherheit der Evidenz.

Bei Demenz-Patienten, die zusätzlich unter Ohrgeräuschen und Schwindel litten, verringerte 240 mg EGb 761 täglich in 5 Studien beide Beschwerden stärker als Placebo, im Mittel um rund 1 Punkt auf einer 11-stufigen Skala.

Beleg: Spiegel R, Kalla R et al. (2018) · Clin Interv Aging · PMID 29942120 · Studientyp: Meta-Analyse gemischt

Einschränkung: Nur Demenz-Patienten, kleiner Effekt, Ohrgeräusche waren dort Begleitsymptom und nicht Hauptbeschwerde.

Der Arznei-Extrakt EGb 761 wird auf etwa 24 % Flavonglykoside und 6 % Terpenlactone eingestellt, davon 2,8 bis 3,4 % Ginkgolide A, B und C sowie 2,6 bis 3,2 % Bilobalid; er erweitert Gefäße, verbessert die Durchblutung bis in die Kapillaren und hemmt die Verklumpung von Blutplättchen.

Beleg: o. V. (2003) · Drugs R D · PMID 12757407 · Studientyp: Übersichtsarbeit begrenzt

Einschränkung: Beschreibung des Extraktstandards und der Pharmakologie ohne eigene klinische Daten.

Bei Ginkgo-Präparaten vom US-Markt schwankte der Gehalt an Ginkgolsäuren zwischen unter 500 ppm und rund 90.000 ppm, und mehrere Produkte, die sich auf die deutsche Kommission-E-Monographie beriefen, hielten deren Vorgabe von 22 bis 27 % Flavonglykosiden und 5 bis 7 % Terpenlactonen nicht ein.

Beleg: Kressmann S, Müller WE et al. (2002) · J Pharm Pharmacol · PMID 12005361 · Studientyp: Laboranalyse begrenzt

Einschränkung: US-Markt, Stand 2002; keine Aussage über heutige europäische Produkte.

Von 8 Ginkgo-Handelsprodukten aus Australien und Dänemark waren 3 mit freien Flavonol-Aglykonen gestreckt und enthielten Genistein, das in Ginkgo-Blättern nicht vorkommt; die Standard-Prüfmethoden der Arzneibücher können diese Streckung nicht erkennen.

Beleg: Wohlmuth H, Savage K et al. (2014) · Phytomedicine · PMID 24566389 · Studientyp: Laboranalyse begrenzt

Einschränkung: Kleine Stichprobe aus 2 Ländern.

Unter 20 Ginkgo-Nahrungsergänzungen aus Polen ließen sich mit einer spektroskopischen Methode Produkte identifizieren, die mit Rutin gestreckt waren oder keinen Ginkgo-Blattextrakt enthielten.

Beleg: Walkowiak A, Wnuk K et al. (2022) · Molecules · PMID 35056747 · Studientyp: Laboranalyse begrenzt

Einschränkung: Methodenstudie; die Zahl der auffälligen Produkte ist im Abstract nicht beziffert.

In kontrollierten Studien beeinflusste Ginkgo die Blutgerinnung nicht messbar und veränderte die Sicherheit von gleichzeitig eingenommenem ASS oder Warfarin nicht; Einzelfallberichte über Blutungen sind meist von geringer Qualität, ein seltenes individuelles Blutungsrisiko lässt sich aber nicht ausschließen.

Beleg: Bone KM (2008) · Mol Nutr Food Res · PMID 18214851 · Studientyp: Übersichtsarbeit gemischt

Einschränkung: Fast alle kontrollierten Studien nutzten EGb 761; Übersichtsarbeit ohne Meta-Analyse.

Eine systematische Auswertung von 149 Arbeiten zu Warfarin führt Ginkgo unter den Pflanzen und Nahrungsergänzungen, bei denen Fachleute mit einem erhöhten Blutungsrisiko rechnen sollten.

Beleg: Tan CSS, Lee SWH (2020) · Br J Clin Pharmacol · PMID 32478963 · Studientyp: Systematisches Review gemischt

Einschränkung: Basis sind überwiegend Fallberichte; wie häufig es tatsächlich zu Blutungen kommt, sagt die Auswertung nicht.

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Marketing gegen Studienlage

BehauptungUrteilWarum
„Ginkgo verbessert das Gedächtnis bei jedem."nicht belegtDie Studien mit klarem Ergebnis stammen aus Gruppen mit Demenz oder Gedächtnisstörungen; bei gesunden Älteren senkte Ginkgo über 6 Jahre die Demenzrate nicht.
„Ginkgo hilft gegen Tinnitus."nicht belegtBei Ohrgeräuschen als Hauptbeschwerde findet Cochrane wenig bis keinen Effekt; nur bei Demenz-Patienten wurde ein kleiner Effekt gemessen.
„Hochdosiert wirkt besser."teilweise belegt240 mg pro Tag schnitt in den Demenz-Studien deutlich besser ab als 120 mg; für Dosen über 240 mg gibt es keine Wirkstudien am Menschen.
„Standardisiert auf 24/6 garantiert die Wirkung."teilweise belegtDie Standardisierung ist die Voraussetzung, damit die Studiendosis überhaupt im Produkt steckt; ob ein Effekt eintritt, hängt zusätzlich an Tagesdosis, Dauer und Beschwerdebild.
„Eine Nahrungsergänzung mit 24/6-Extrakt wirkt wie das Apothekenpräparat."teilweise belegtDie Wirkstudien wurden mit EGb 761 gemacht; ein Produkt mit gleichem Standard und gleicher Tagesdosis deklariert dieselben Kenngrößen (Flavonolglykoside, Terpenlactone, Ginkgolsäure) und liefert damit die Wirkstoffmengen der Studien; eine eigene klinische Prüfung des einzelnen Produkts ersetzt das nicht.
„Ginkgo verdünnt das Blut gefährlich."teilweise belegtKontrollierte Studien fanden keine messbare Gerinnungsstörung, Einzelfallberichte über Blutungen existieren aber; deshalb bleibt die Vorsicht bei Blutverdünnern und vor Operationen.

So schneidet das Herbano-Produkt nach denselben Kriterien ab

Ginkgo Biloba Kapseln

Zusammensetzung Ginkgo Biloba Kapseln:

Ginkgo Extrakt aus Ginkgo Biloba Blättern; Hydroxypropylmethylcellulose (Kapselhülle)

Mengenangaben pro Kapsel:

Ginkgo Biloba Blattextrakt 
400 mg
davon  
- Flavonoide 96 mg
- Ginkgolide 24 mg 

Hinweis: 
Das Produkt beinhaltet unter 1 ppm Ginkgolsäure, was einem nahezu Ginkgolsäure-freiem Produkt entspricht.
Ginkgolsäure kann Allergien und Magenschleimhautentzündungen hervorrufen, deshalb sind max. 5 ppm Ginkgolsäure zugelassen.

Verzehrempfehlung Ginkgo Biloba Kapseln: Zur Nahrungsergänzung täglich 1 bis 2 Kapseln mit reichlich Wasser einnehmen, vorzugsweise eine halbe Stunde vor den Mahlzeiten. Die angegebene empfohlene tägliche Verzehrmenge darf nicht überschritten werden. Kühl, trocken und lichtgeschützt lagern.

Die Angaben stammen unverändert vom Etikett im Shop. Wir bewerten das eigene Produkt nach denselben Kriterien wie alle anderen.

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Wann nicht auf eigene Faust

Ginkgo-Extrakt hemmt die Verklumpung von Blutplättchen. Wer Blutverdünner wie Phenprocoumon, Warfarin, ASS oder Clopidogrel nimmt, klärt die Einnahme vorher mit der Fachperson, die diese Medikamente verordnet hat; kontrollierte Studien fanden keine Gerinnungsstörung, Einzelfallberichte über Blutungen gibt es trotzdem. Vor einer geplanten Operation wird Ginkgo einige Tage vorher abgesetzt, den genauen Zeitpunkt legt das Behandlungsteam fest. In Schwangerschaft und Stillzeit fehlen Sicherheitsdaten, deshalb wird darauf verzichtet. Bei Epilepsie, bei Kindern und bei gleichzeitiger Einnahme mehrerer Medikamente gehört die Entscheidung in fachliche Hände, zum Beispiel zu einer Komplementärmedizinerin oder einem Heilpraktiker, die die gesamte Medikation kennen.

Zwei Kapseln neben einem Glas Wasser und einer Tablettenbox auf einem Holztisch

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Häufige Fragen

Ist Ginkgo aus der Apotheke besser als Ginkgo-Kapseln aus dem Internet?

Das Apothekenpräparat ist ein zugelassenes Arzneimittel mit geprüften Chargen und Zulassungsstudien. Eine Nahrungsergänzung mit standardisiertem 24/6-Extrakt deklariert dieselben Kenngrößen, wenn die Deklaration vollständig ist: Prozentwerte, Extraktmenge pro Tag und Ginkgolsäure-Gehalt. Klinisch geprüft ist damit nur der Arznei-Extrakt, nicht das einzelne Nahrungsergänzungsmittel. Fehlen diese Angaben, ist das Internetprodukt nicht vergleichbar. Stehen sie da, ist der Unterschied die Kontrolle und der Preis, nicht die Pflanze.

Was bedeutet standardisierter Ginkgo-Extrakt 24/6?

Der Extrakt enthält 22 bis 27 % Flavonolglykoside und 5 bis 7 % Terpenlactone, im Mittel also 24 % und 6 %. Das ist der Standard des Arznei-Extrakts EGb 761, mit dem die meisten Studien gemacht wurden. Dazu gehört, dass die Ginkgolsäuren auf unter 5 ppm entfernt wurden. Ein Extrakt ohne diese Prozentwerte ist nicht standardisiert.

Wie viel Ginkgo-Extrakt am Tag ist sinnvoll?

Die Studien mit klarem Ergebnis zu Gedächtnis und Demenz arbeiten mit 240 mg standardisiertem Extrakt pro Tag. 120 mg zeigte in 2 Studien keinen Unterschied zu Placebo. Für Dosen über 240 mg gibt es keine Wirkstudien am Menschen. Entscheidend ist die Extraktmenge, nicht die Kapselgröße: 400 mg Blattpulver sind nicht dasselbe wie 400 mg Extrakt.

Ginkgo 240 mg oder 120 mg, was ist besser?

240 mg pro Tag. In der Meta-Analyse von 13 Demenz-Studien schnitt 240 mg beim Gedächtnistest SKT deutlich besser ab als Placebo, 120 mg zeigte auf der ADAS-Cog-Skala keinen Unterschied. Auch die Cochrane-Auswertung und die Analyse zu leichter Demenz beziehen sich auf 240 mg. Wer Ginkgo für Konzentration und Gedächtnis nimmt, orientiert sich an dieser Dosis.

Was ist Ginkgolsäure und warum ist sie problematisch?

Ginkgolsäuren sind Stoffe aus dem Ginkgoblatt, die Kontaktallergien und Reizungen der Magenschleimhaut auslösen können. Bei der Extraktion werden sie entfernt; das Arzneibuch verlangt unter 5 ppm. Für Nahrungsergänzungen gibt es diese Pflicht nicht, deshalb lohnt der Blick aufs Etikett: Ein Hersteller mit sauberem Extrakt nennt den Wert. In Tee und Blattpulver bleiben die Säuren enthalten.

Wie lange dauert es, bis Ginkgo wirkt?

In den Studien wurde frühestens nach 12 Wochen gemessen, die meisten liefen 22 bis 26 Wochen. Eine faire Testphase dauert deshalb 8 bis 12 Wochen mit 240 mg Extrakt pro Tag. Wer nach 2 Wochen nichts merkt, weiß noch nichts. Wer nach 12 Wochen nichts merkt, kann absetzen.

Hilft Ginkgo gegen Tinnitus?

Bei Ohrgeräuschen als Hauptbeschwerde hat Ginkgo nach der Cochrane-Auswertung von 12 Studien wahrscheinlich wenig bis keinen Effekt. Ein kleiner Effekt wurde nur bei Demenz-Patienten gemessen, bei denen die Geräusche ein Begleitsymptom waren. Wer es trotzdem versucht, nimmt standardisierten Extrakt und zieht nach 8 bis 12 Wochen Bilanz.

So wurde geprüft

Quellen sind ausschließlich in PubMed gelistete Studien. Jede Aussage wurde gegen den Abstract der zitierten Arbeit geprüft; Studientyp und Evidenzstufe sind so angegeben, wie die Arbeit sie hergibt. Wo die Datenlage keine sichere Antwort erlaubt, steht das so. Die vollständigen Regeln stehen im Herbano Evidence Standard.

Transparenzhinweis

Herbano verkauft selbst ein Produkt zu diesem Thema. Diese Seite hat deshalb einen wirtschaftlichen Interessenkonflikt. Unser Anspruch ist, die Studienlage trotzdem nach denselben Kriterien zu bewerten, auch wenn ein Ergebnis keinen Vorteil für ein Herbano-Produkt ergibt.

Quellen (in englischer Sprache)

Tan MS, Yu JT et al. (2015). Efficacy and adverse effects of ginkgo biloba for cognitive impairment and dementia: a systematic review and meta-analysis. J Alzheimers Dis. doi:10.3233/JAD-140837

Riepe M, Hoerr R et al. (2025). Ginkgo biloba extract EGb 761 is safe and effective in the treatment of mild dementia - a meta-analysis of patient subgroups in randomised controlled trials. World J Biol Psychiatry. doi:10.1080/15622975.2024.2446830

Wieland LS, Ludeman E et al. (2026). Ginkgo biloba for cognitive impairment and dementia. Cochrane Database Syst Rev. doi:10.1002/14651858.CD013661.pub2

DeKosky ST, Williamson JD et al. (2008). Ginkgo biloba for prevention of dementia: a randomized controlled trial. JAMA. doi:10.1001/jama.2008.683

Hashiguchi M, Ohta Y et al. (2015). Meta-analysis of the efficacy and safety of Ginkgo biloba extract for the treatment of dementia. J Pharm Health Care Sci. doi:10.1186/s40780-015-0014-7

Sereda M, Xia J et al. (2022). Ginkgo biloba for tinnitus. Cochrane Database Syst Rev. doi:10.1002/14651858.CD013514.pub2

Spiegel R, Kalla R et al. (2018). Ginkgo biloba extract EGb 761 alleviates neurosensory symptoms in patients with dementia: a meta-analysis of treatment effects on tinnitus and dizziness in randomized, placebo-controlled trials. Clin Interv Aging. doi:10.2147/CIA.S157877

o. V. (2003). EGb 761: ginkgo biloba extract, Ginkor. Drugs R D. doi:10.2165/00126839-200304030-00009

Kressmann S, Müller WE et al. (2002). Pharmaceutical quality of different Ginkgo biloba brands. J Pharm Pharmacol. doi:10.1211/0022357021778970

Wohlmuth H, Savage K et al. (2014). Adulteration of Ginkgo biloba products and a simple method to improve its detection. Phytomedicine. doi:10.1016/j.phymed.2014.01.010

Walkowiak A, Wnuk K et al. (2022). Discrimination of Adulterated Ginkgo Biloba Products Based on 2T2D Correlation Spectroscopy in UV-Vis Range. Molecules. doi:10.3390/molecules27020433

Bone KM (2008). Potential interaction of Ginkgo biloba leaf with antiplatelet or anticoagulant drugs: what is the evidence? Mol Nutr Food Res. doi:10.1002/mnfr.200700098

Tan CSS, Lee SWH (2020). Warfarin and food, herbal or dietary supplement interactions: A systematic review. Br J Clin Pharmacol. doi:10.1111/bcp.14404

Wichtiger Hinweis

Dieser Ratgeber dient nur zur Information und ersetzt keine ärztliche Beratung.

Die Inhalte der Herbano Gesundheitsredaktion werden sorgfältig recherchiert und basieren auf aktuellen wissenschaftlichen Studien.

Inhalt mit Unterstützung künstlicher Intelligenz erstellt und von der Herbano Redaktion bearbeitet.

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