Keine Lust mehr auf Sex? Symptome und Ursachen von Libidoverlust

Veröffentlicht am: August 12, 2025


Wussten Sie, dass Studien zufolge etwa 40 % der Frauen und bis zu 25 % der Männer Phasen erleben, in denen sie kaum sexuelles Verlangen verspüren?
Über Probleme mit der eigenen Sexualität wird häufig geschwiegen. Dabei betrifft sexuelle Lustlosigkeit Paare und Einzelpersonen gleichermaßen.

Libidoverlust


Was ist die Libido? 

Der Begriff „Libido“ kommt aus dem Lateinischen und bedeutet so viel wie „Lust“ oder „Begierde“. Sowohl in der Medizin als auch in der Psychologie beschreibt die Libido das sexuelle Verlangen oder die sexuelle Antriebskraft. Dabei ist die Libido kein fest definierter Zustand, sondern ein Prozess, der von vielen verschiedenen Faktoren beeinflusst wird. Sie kann sich im Laufe des Lebens ändern und ist von Mensch zu Mensch unterschiedlich.


Libido vs. Erregung – Gibt es da einen Unterschied? 

Viele verwechseln die Libido (Verlangen) mit sexueller Erregung (körperliche Reaktion). Dabei handelt es sich um zwei unterschiedliche Prozesse. 

  • Die Libido ist ein psychischer Impuls („Ich habe Lust auf Sex“), der im Lustzentrum im Gehirn entsteht. Sie kann auch ohne Erregung existieren. 
  • Sexuelle Erregung ist eine körperliche Reaktion (z.B. eine Erektion), welche über Nervenbahnen und Hormone entsteht. Eine Erregung kann auch ohne vorherige Lust auftreten. 


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Was ist Libidoverlust? 

Libidoverlust bezeichnet eine anhaltende oder wiederkehrende Abnahme des sexuellen Verlangens. Dabei geht es aber nicht um gelegentliche Unlust, sondern um eine spürbare Verminderung des sexuellen Interesses über einen längeren Zeitraum, welcher oft auch als belastend empfunden wird.  

Ist Lustlosigkeit immer ein Problem? 

Nein – ein vermindertes sexuelles Verlangen ist nicht automatisch krankhaft. Die Libido schwankt natürlicherweise im Laufe des Lebens. Wenn der Verlust der sexuellen Lust aber als große Belastung empfunden wird oder zu Problemen in der Partnerschaft führt, sprechen Ärzte von einer sogenannten Hypoaktiven Sexualitätsstörung.

Wie häufig ist Libidoverlust? 

  • Je nach Studie liegt die Häufigkeit bei Frauen zwischen 30 und 43 %.
  • Etwa 15 bis 25 % der Männer erleben Phasen deutlich verminderter sexueller Lust.



Was sind die häufigsten Gründe für sexuelle Unlust?

1. Hormonelle Einflüsse

Unsere Hormone spielen eine zentrale Rolle bei der Steuerung der Libido. Bereits kleine Veränderungen im Hormonhaushalt können die sexuelle Lust stark beeinflussen. 

Welches sind die wichtigsten Hormone für die Libido? 

  • Testosteron: Dieses Hormon ist sowohl bei Männern als auch bei Frauen hauptverantwortlich für sexuelles Verlangen. 
  • Östrogen (bei Frauen): Fördert die Durchblutung und Feuchtigkeit der Schleimhäute. Ein Östrogenmangel (z.B. in der Menopause) kann Auslöser für sexuelle Lustlosigkeit sein. 
  • Dopamin: Unser “Belohnungshormon” verstärkt sexuelles Verlangen. Ein Dopaminmangel (z.B. bei Depressionen) bremst die Libido.
  • Serotonin: Das “Glückshormon” reguliert die Stimmung. Ein zu hoher Serotoninspiegel (z.B. durch Antidepressiva) kann die sexuelle Lust verringern.
  • Prolaktin: Hohe Prolaktinwerte, beispielsweise nach der Geburt oder bei bestimmten Erkrankungen, wirken lusthemmend.


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2. Psychische Belastungen

Neben den körperlichen Ursachen spielen auch psychische und soziale Faktoren eine extrem wichtige Rolle bei der Libido. Denn Lust entsteht auch im Kopf, nicht nur im Körper.

So wirkt sich beispielsweise Dauerstress negativ auf die sexuelle Lust aus. Stress erhöht das Hormon Cortisol, welches den Sexualtrieb hemmt. Der Parasympathikus, jener Teil im Gehirn, der für Entspannung und sexuelle Erregung zuständig ist, wird blockiert und das sexuelle Verlangen wird weniger.
Auch Depressionen oder Angststörungen beeinträchtigen die Libido. Lustlosigkeit gehört zu den Hauptsymptomen einer Depression, welche Dopamin und Testosteron senkt. Ängste lenken den Fokus auf Bedrohungen und das Bedürfnis nach Sex rückt in den Hintergrund. 


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3. Beziehungsprobleme

Probleme in der Partnerschaft wirken sich direkt auf die Libido aus. Fehlende Kommunikation, emotionale Distanz, aber auch fehlende Intimität im Alltag und wiederkehrende Konflikte haben großen Einfluss auf das Bedürfnis nach sexuellem Kontakt. Oft steht nicht der reine sexuelle Aspekt im Vordergrund, sondern das Gesamtbild der Partnerschaft. 


Studien zeigen, dass vor allem bei Frauen der Zusammenhang zwischen Beziehungskonflikten und Libidoverlust stark ausgeprägt ist, während Männer Sexualität häufiger als Stressabbau nutzen.




4. Körperliche Erkrankungen und Medikamente

Auch chronische Krankheiten und körperliche Einschränkungen haben einen negativen Einfluss auf das Lustempfinden. Folgende Erkrankungen stehen häufig in Zusammenhang mit einer verringerten Libido: 

  • Diabetes mellitus: Schädigt Gefäße und Nerven, was die sexuelle Funktion beeinträchtigen kann. 
  • Herz-Kreislauf-Erkrankungen:Einschränkungen der Durchblutung können die Sexualorgane direkt beeinflussen. 
  • Schilddrüsenerkrankungen: Sowohl eine Unter- als auch eine Überfunktion können Libidoverlust verursachen. 
  • Adipositas (Fettleibigkeit): Erhöht das Risiko eines Testosteronmangels, beeinträchtigt die Gefäße und senkt oft das Selbstwertgefühl, was ebenfalls zum Verlust der Libido führen kann.
  • Neurologische Erkrankungen: Krankheiten wie Multiple Sklerose oder Parkinson können die Lust und die Erregungsfähigkeit beeinträchtigen. 
  • Schlafstörungen: Studien zeigen, dass Schlafmangel den Testosteronspiegel senkt und dadurch das sexuelle Interesse mindern kann. 

Viele Medikamente haben außerdem als Nebenwirkung eine reduzierte Libido. Bestimmte Medikamente wie Antidepressiva, Blutdrucksenker und auch Schmerzmittel können die sexuelle Lust beeinträchtigen. 


5. Lebensstil-Faktoren

Wie beeinflusst der Alltag die Libido?

  • Bewegungsmangel: Zu wenig Bewegung reduziert die Hormonproduktion, führt zu Übergewicht und mindert das Körpergefühl.
  • Alkoholkonsum: Kurzfristig kann Alkohol zwar enthemmend wirken, bei langfristigem Konsum senkt er aber die Testosteronproduktion. 
  • Rauchen: Schädigt die Gefäße und verringert die Durchblutung im Genitalbereich. 
  • Schlechte Ernährung: Eine einseitige Ernährung fördert Übergewicht und kann zudem den Hormonhaushalt stören. 


Libidoverlust durch Rauchen

Unterschiede bei Frauen und Männern

Auch wenn einige der erwähnten Ursachen für Männer und Frauen gleichermaßen gelten, gibt es geschlechtsspezifische Auslöser

  • Bei Frauen spielen oft hormonelle Veränderungen wie die Wechseljahre oder die Einnahme der Antibabypille eine große Rolle.
  • Männer leiden öfter an psychischem Druck oder an einem Testosteronmangel.

 

Die häufigsten Symptome von Libidoverlust

Es ist wichtig zu wissen, dass es einen großen Unterschied gibt zwischen “gerade keine Lust haben” und einer echten Störung. Jeder Mensch hat Phasen, in denen die sexuelle Lust schwankt. Das ist völlig normal und kein Grund zur Sorge. 
Erst wenn der Rückgang der Libido über einen längeren Zeitraum anhält und als Belastung empfunden wird, sprechen Mediziner von einem Libidoverlust oder einer Hypoaktiven Sexualitätsstörung (HSDD)

 


Von einer behandlungsbedürftigen sexuelle Funktionsstörung wird erst gesprochen, wenn die Symptome mindestens 6 Monate bestehen und zu deutlichem Leidensdruck führen.


 

Was sind typische Symptome eines Libidoverlusts

 

  • 1. Vermindertes sexuelles Verlangen über längere Zeit
    • Es besteht kein oder nur sehr geringes Interesse an sexuellen Aktivitäten 
    • Kein innerer Impuls, aktiv nach sexueller Nähe zu suchen
    • Keine oder seltene sexuelle Gedanken und Fantasien


  • 2. Kaum Interesse an Selbstbefriedigung
    Bei Libidoverlust verlieren die Betroffenen meist nicht nur das Interesse an Intimität mit dem Partner, sondern auch an Masturbation. Viele Menschen mit Libidoverlust berichten, dass sie selbst in entspannten Situationen keinen inneren Antrieb verspüren.


  • 3. Mangel an sexuellen Fantasien
    • Sexuelle Vorstellungen, Tagträumereien oder Fantasien bleiben aus.
    • Filme, erotische Literatur und intime Situationen, die früher Lust erzeugt haben, lösen keine Reaktion mehr aus.

  • 4. Emotionale Belastung durch den Lustverlust
    Ein entscheidendes Symptom ist die eigene Wahrnehmung. Betroffene empfinden den Libidoverlust als störend und oft entsteht ein Gefühl von “mit mir stimmt etwas nicht”. Auch Schuldgefühle gegenüber dem Partner und Angst vor Beziehungsproblemen durch die ausbleibende Lust sind häufig.


  • 5. Vermeidungsverhalten
    Viele Betroffene entwickeln Strategien, um Situationen umgehen zu können, in denen Sexualität eine Rolle spielen könnte. Oft wird körperliche Nähe reduziert (z.B. weniger Umarmungen, kein Küssen), aus Angst, der Partner könnte dies als Initiative für sexuelle Aktivitäten verstehen.

 

Wie kann man die Libido wieder steigern?

In den meisten Fällen kann die Libido auf natürliche Weise wieder angeregt werden. Wichtig ist eine gesunde Lebensweise mit ausreichend Bewegung, einer ausgewogenen Ernährung und gutem Schlaf. Stress im Beruf und im Privatleben sollte so gut es geht vermieden werden. Unterstützend können auch pflanzliche Nahrungsergänzungsmittel wie Maca, Ashwagandha oder Ginseng helfen, die sexuelle Lust wieder zu steigern. 

Libido steigern

Aber auch der offene Austausch mit dem Partner über eigene Wünsche und Bedürfnisse kann das Interesse an Sex fördern. Bei hormonellen oder medizinischen Ursachen sollte eine ärztliche Anamnese durchgeführt werden, um gezielte Behandlungsmaßnahmen zu finden. Auch eine Sexualtherapie kann in vielen Fällen dabei helfen, wieder einen positiven Zugang zur eigenen Sexualität zu finden. 

 

 

Fazit

Auch wenn oft nicht darüber gesprochen wird, Libidoverlust ist ein weit verbreitetes Leiden, welches sowohl Männer als auch Frauen betreffen kann. In den meisten Fällen geht es dabei nicht um persönliches Versagen, sondern um ein komplexes Zusammenspiel aus  biologischen, psychischen, partnerschaftlichen und sozialen Faktoren. 

Die Libido ist individuell und es gibt keine allgemeine “Norm” für sexuelle Lust. Wenn der Verlust der Libido aber zur Belastung wird und Probleme in der Beziehung als Folge hat, dann spricht man von einer behandlungsbedürftigen Störung.

Das Gute ist, dass man Libidoverlust meist gut behandeln kann. Wenn der eigene Körper, die eigenen Bedürfnisse und mögliche Einflussfaktoren besser verstanden werden, ist eine erfolgreiche Behandlung in jedem Alter möglich.

 

 


Forschungsnachweise

Quellen (in englischer Sprache) 

 

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