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Aktualisiert am: 23. September 2026
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Kurz beantwortet
Mariendistel-Kapseln lassen sich an 3 Angaben vergleichen: Extraktmenge, Silymarin-Gehalt in Prozent und die daraus berechnete Silymarin-Menge pro Tag. Silymarin ist das Wirkstoffgemisch aus den Samen; 250 mg Extrakt mit 80 % enthalten 200 mg Silymarin. Studien nutzten 140 bis 2.100 mg Silymarin pro Tag, die klassische Arznei-Dosis liegt bei 420 mg; eine Auswertung von 55 Studien fand keinen Zusammenhang zwischen Dosis und Effekt auf die Leberwerte. Bei nichtalkoholischer Fettleber sinken die Leberwerte in mehreren Auswertungen, die Beweiskraft ist niedrig. Bei alkoholischen Leberschäden und Hepatitis C (Leberentzündung durch Viren) ist kein Effekt gesichert. Tee liefert kaum Silymarin, weil Silymarin sich schlecht in Wasser löst.
Evidenz-Check · Herbano Gesundheitsredaktion · Stand der Prüfung: 2026-09-23
Diese Seite ist für alle, die Mariendistel kaufen wollen und vor Angaben wie „80 % Silymarin“, „Phytosom“ oder „Arznei-Extrakt“ stehen. Sie beantwortet 1 Frage: wie viel Silymarin, welcher Extrakt, wofür belegt? Dafür vergleicht sie 4 Zubereitungen nach 6 festen Kriterien, ordnet 17 Studien mit Evidenzstufe ein und prüft 7 verbreitete Werbeaussagen. Die Seite nennt auch die Ergebnisse, die gegen Mariendistel sprechen, denn mehrere große Studien fanden keinen Vorteil gegenüber einem Scheinpräparat (Placebo). Wie die Mariendistel als Pflanze aussieht und wie sie traditionell verwendet wird, steht an anderer Stelle und wird hier nicht wiederholt.
Die Wirkstoffe der Mariendistel sitzen in den Samen, genauer in der Samenschale. Silymarin ist kein einzelner Stoff, sondern ein Gemisch verwandter Pflanzenstoffe (Flavonolignane). Silibinin ist der Hauptbestandteil von Silymarin und der Stoff, den Studien im Blut messen. Die Samen selbst enthalten wenig davon: Das Europäische Arzneibuch verlangt mindestens 1,5 % Silymarin.
Für einen Extrakt wird Silymarin mit einem Lösungsmittel aus den Samen herausgelöst und konzentriert. Die Prozentangabe auf dem Etikett nennt den Silymarin-Anteil am fertigen Extrakt. Ein Extrakt mit 80 % Silymarin besteht zu 4 Fünfteln aus dem Wirkstoffgemisch. Die Rechnung für jede Kapsel lautet: Extraktmenge mal Prozentangabe. 250 mg Extrakt mit 80 % Silymarin enthalten 200 mg Silymarin, 500 mg Extrakt mit 70 % enthalten 350 mg.
Die Milligramm Extrakt allein sagen deshalb wenig. Vergleichbar werden 2 Produkte erst über die Milligramm Silymarin pro Tag.
Eine Feinheit betrifft das Messverfahren. Das ältere photometrische Verfahren (Messung über die Färbung einer Lösung) liefert höhere Silymarin-Werte als die genauere HPLC (ein Trennverfahren, das die Einzelstoffe getrennt erfasst). Die Fachinformation des zugelassenen Arzneimittels nennt für dieselbe Kapsel beide Werte: 140 mg photometrisch und 108 mg per HPLC. Silymarin-Angaben verschiedener Produkte sind deshalb nur bei gleichem Messverfahren genau vergleichbar.
Die Studien decken eine weite Spanne ab: von 140 mg Silymarin pro Tag bis 2.100 mg pro Tag. Die klassische Arznei-Dosis liegt bei 420 mg pro Tag, verteilt auf 3-mal 140 mg. Mit 420 und 450 mg pro Tag liefen die älteren Zirrhose-Studien. Die großen US-Studien zu Hepatitis C und entzündlicher Fettleber prüften bewusst höhere Mengen von 1.260 und 2.100 mg pro Tag. Am unteren Ende steht eine Fettleber-Studie mit 140 mg pro Tag über 3 Monate.
Mehr Silymarin brachte in diesen Studien nicht mehr Wirkung. Die US-Studien mit 1.260 und 2.100 mg pro Tag fanden keinen Vorteil gegenüber Placebo. Eine Auswertung von 55 Studien mit 3.545 Patienten fand keinen Zusammenhang zwischen Dosis und Effekt auf die Leberwerte. In den Untergruppen dieser Auswertung sanken die Leberwerte bei Dosen unter 400 mg sogar stärker als bei höheren Dosen. Ein direkter Vergleich niedriger und hoher Dosen in derselben Studie mit Blick auf Beschwerden oder Lebergewebe fehlt bisher.
Die Kommission E, das frühere deutsche Expertengremium für pflanzliche Arzneimittel, nannte als mittlere Tagesdosis 200 bis 400 mg Silymarin. Eine Tagesmenge von 200 mg Silymarin liegt innerhalb der untersuchten Spanne: über der niedrigsten geprüften Dosis von 140 mg und unter den 420 mg der klassischen Arznei-Dosis. Für Nahrungsergänzungen gilt die Verzehrempfehlung auf dem Etikett. Mehr Kapseln zu nehmen, um eine bestimmte Studiendosis nachzubauen, ist nach dieser Datenlage nicht begründet. Wer wegen einer diagnostizierten Lebererkrankung gezielt eine Arznei-Dosis anwenden möchte, bespricht das mit der behandelnden Fachperson.
Zur Dauer: Die Fettleber-Studien liefen 4 bis 48 Wochen, die Zirrhose-Studien 2 Jahre und länger. Sinkende Leberwerte zeigten sich in der Auswertung von 55 Studien schon bei einer Dauer bis 2 Monate. Bleiben erhöhte Leberwerte trotz Einnahme bestehen, gehört die Ursache fachlich abgeklärt.
Silymarin löst sich schlecht in Wasser. Nach dem Schlucken gelangt deshalb nur ein kleiner Teil ins Blut, und dieser Teil wird rasch umgebaut und über die Galle ausgeschieden. Die geringe Aufnahme gilt für jeden Silymarin-Extrakt und ist eine Eigenschaft des Stoffs, kein Mangel eines einzelnen Produkts. Alle Studien mit sinkenden Leberwerten unter Silymarin-Extrakt kamen trotz dieser geringen Aufnahme zustande.
Der Silibinin-Phospholipid-Komplex (Phytosom) setzt an der Löslichkeit an: Silibinin wird an Phosphatidylcholin gebunden, einen Fettbaustein aus Lecithin. In 2 kleinen Studien mit 9 und 23 Gesunden lagen die Silibinin-Blutspiegel danach höher als nach herkömmlichem Silymarin. Höhere Blutspiegel sind aber noch keine stärkere Wirkung. In der Cochrane-Auswertung von 2025 senkte Silymarin allein den Leberwert ALT gegenüber Placebo möglicherweise, für die Komplexe zeigte sich kein solcher Unterschied.
Auch eine höhere Dosis hebt die Blutspiegel, und zwar überproportional: Bei 5-facher Dosis stieg der Blutspiegel von Silibinin B in einer Studie auf das 38-Fache. Eine messbare Wirkung auf Leberwerte oder Virusmenge ging damit in dieser Studie nicht einher. Blutspiegel eignen sich deshalb nicht als alleiniger Maßstab für die Wahl eines Präparats.
Mariendistel-Tee enthält wegen der schlechten Wasserlöslichkeit nur wenig Silymarin. Die europäische Arzneimittelbehörde führt den Tee als traditionelles Mittel bei Völlegefühl und Verdauungsbeschwerden, nicht als Silymarin-Quelle. Mariendistelöl ist ein Speiseöl aus den Samen; eine Silymarin-Menge wird dafür in der Regel nicht angegeben.
Am häufigsten untersucht ist Silymarin bei nichtalkoholischer Fettleber. Mehrere Meta-Analysen finden sinkende Werte für ALT und AST, eine davon auch niedrigere Blutfette und weniger Leberverfettung in Gewebeproben. Cochrane bewertet dieselbe Studienlage zurückhaltend: Nutzen und Schaden seien unklar, die Beweiskraft niedrig bis sehr niedrig. In 2 Studien mit Gewebeproben über 48 Wochen wurde das Hauptziel verfehlt; 1 davon fand als Nebenbefund häufiger einen Rückgang der Vernarbung. Sinkende Leberwerte sind ein Laborbefund und noch kein Beleg für weniger Folgeerkrankungen.
Bei alkoholbedingten Leberschäden und Leberzirrhose widersprechen sich die Studien. Eine Studie mit 170 Patienten fand nach 4 Jahren einen Überlebensvorteil, eine Studie mit 200 Patienten fand keinen. Cochrane sieht über 18 Studien keinen gesicherten Effekt auf die Sterblichkeit. In Deutschland sind standardisierte Extrakte dennoch als Arzneimittel zur unterstützenden Behandlung bei chronisch-entzündlichen Lebererkrankungen, Leberzirrhose und toxischen Leberschäden zugelassen. Die europäische Arzneimittelbehörde stuft Mariendistel-Zubereitungen nur als traditionelles pflanzliches Arzneimittel ein, weil ihr die klinischen Studien für mehr nicht ausreichten.
Bei chronischer Hepatitis C ist das Ergebnis eindeutig: Silymarin zum Einnehmen senkte weder die Leberwerte noch die Virusmenge stärker als Placebo. Beim Blutzucker von Menschen mit Typ-2-Diabetes fallen die Auswertungen positiv aus, stützen sich aber auf wenige kleine Studien, und die Autoren sprechen ausdrücklich keine Empfehlung aus.
Für gesunde Menschen, die Mariendistel zur „Leberkur“ oder „Entgiftung“ nehmen, gibt es unter den ausgewerteten Arbeiten keine Studie. Für Nahrungsergänzungen mit Mariendistel ist in der EU keine gesundheitsbezogene Angabe zugelassen. Wer aus diesem Grund kauft, sollte wissen: Die vorhandenen Daten stammen von Menschen mit Lebererkrankungen und betreffen vor allem Laborwerte.
Ein sauber deklariertes Mariendistel-Produkt nennt 3 Angaben: die Extraktmenge pro Kapsel, den Silymarin-Gehalt in Prozent oder Milligramm und die Tagesmenge. Aus diesen 3 Angaben ergibt sich die Silymarin-Menge pro Tag. Steht auf dem Etikett nur „Mariendistel 500 mg“ oder „Mariendistelsamen-Pulver“, bleibt die Silymarin-Menge offen. Beim Phospholipid-Komplex gehört zusätzlich das enthaltene Silibinin in Milligramm auf das Etikett.
Das zweite Merkmal ist eine Laboranalyse je Charge. Eine Untersuchung von 26 Mariendistel-Präparaten aus den USA und Tschechien fand Silymarin-Gehalte, die oft von den Herstellerangaben abwichen, sowie Schimmelpilzgifte und Pestizid-Rückstände. Mariendistel-Samen sind als Naturprodukt anfällig für Schimmelpilzgifte. Ein Hersteller, der Gehalt und Rückstände je Charge prüfen lässt und die Ergebnisse auf Anfrage zeigt, begegnet genau diesem Risiko.
Die Zutatenliste sollte kurz sein: der Extrakt, die Kapselhülle, bei Bedarf ein Füllstoff. Farbstoffe oder Süßungsmittel haben in einer Mariendistel-Kapsel keine Funktion. Kombinationen mit Artischocke, Löwenzahn oder Cholin sind verbreitet; die hier ausgewerteten Studien beziehen sich aber auf Silymarin und lassen keine Aussage über solche Mischungen zu.
Kurz-Check vor dem Kauf in 3 Schritten: Extraktmenge und Prozentangabe ablesen, daraus die Milligramm Silymarin pro Tag berechnen, nach einer Chargen-Analyse fragen. Der Preis pro Kapsel sagt wenig; vergleichbar wird er erst als Preis pro 100 mg Silymarin.
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Evidenzstufen: stark = mehrere hochwertige Humanstudien oder systematische Reviews · gemischt = Humanstudien mit widersprüchlichen oder methodisch begrenzten Ergebnissen · begrenzt = kleine Studien, Mechanismus, Tier- oder Zellmodelle.
Die Cochrane-Auswertung von 17 kontrollierten Studien mit 2.069 Erwachsenen mit stoffwechselbedingter Fettleber (Dauer 4 bis 48 Wochen) kommt zu dem Schluss, dass Nutzen und Schaden von Silymarin unklar bleiben: Silymarin allein senkte den Leberwert ALT gegenüber Placebo oder keiner Behandlung möglicherweise um 7,21 U/l (Einheiten pro Liter; 6 Studien, 409 Teilnehmer), Silymarin-Komplexe etwa mit Phosphatidylcholin zeigten keinen solchen Unterschied.
Beleg: Wang C, Shang Y et al. (2025) · Cochrane Database Syst Rev · PMID 40552569 · Studientyp: Systematisches Review mit Meta-Analyse gemischt
Einschränkung: Die Vertrauenswürdigkeit der Befunde ist niedrig bis sehr niedrig (kleine Studien, Verzerrungsrisiko, uneinheitliche Ergebnisse); keine Studie berichtete Sterblichkeit oder Lebensqualität.
Eine Auswertung von 26 kontrollierten Studien mit 2.375 Patienten mit nichtalkoholischer Fettleber fand unter Silymarin niedrigere Leberwerte (ALT und AST), niedrigere Blutfette (Gesamtcholesterin, Triglyzeride, LDL-Cholesterin) und in Gewebeproben häufiger einen Rückgang der Leberverfettung (Chancenverhältnis 3,25).
Beleg: Li S, Duan F et al. (2024) · Ann Hepatol · PMID 38579127 · Studientyp: Systematisches Review mit Meta-Analyse gemischt
Einschränkung: Der Abstract nennt weder Dosen noch die Qualität der Einzelstudien; die Autoren verlangen eine Bestätigung durch weitere Forschung.
In 55 randomisierten Studien (Zuteilung zu den Gruppen per Zufall) mit 3.545 Patienten senkte Silymarin die Leberwerte AST und ALT, ohne dass Dosis, Alter oder Behandlungsdauer den Effekt erkennbar beeinflussten; Dosen unter 400 mg und eine Dauer bis 2 Monate zeigten sogar stärkere Senkungen, und bei Fettleber und bei Leberentzündung durch Viren sanken die Werte, bei alkoholbedingter Lebererkrankung und Leberschäden durch Medikamente nicht.
Beleg: Shahsavari K, Ardekani SS et al. (2025) · BMC Complement Med Ther · PMID 40221681 · Studientyp: Systematisches Review mit Meta-Analyse gemischt
Einschränkung: Gemessen wurden nur Laborwerte; die Untergruppen-Befunde zu Dosis und Dauer sind Vergleiche zwischen verschiedenen Studien, keine direkten Dosisvergleiche.
Ein systematisches Review mit 17 Studien, von denen 6 in die Meta-Analyse eingingen, fand bei Leberkranken unter Silymarin nur eine minimale Senkung von ALT und AST, die zwar statistisch signifikant war, nach Einschätzung der Autoren aber ohne klinische Bedeutung; der Leberwert Gamma-GT änderte sich nicht.
Beleg: de Avelar CR, Pereira EM et al. (2017) · World J Gastroenterol · PMID 28785154 · Studientyp: Systematisches Review mit Meta-Analyse gemischt
Einschränkung: Die Studien waren sehr uneinheitlich und von geringer methodischer Qualität; Silymarin wurde teils mit anderen Nährstoffen kombiniert.
In einer doppelblinden Studie (weder Teilnehmer noch Behandler wussten, wer welches Mittel bekam) mit 150 Patienten mit nichtalkoholischer Fettleber, verteilt auf 5 Gruppen, sanken ALT und AST nach 3 Monaten mit 140 mg Silymarin pro Tag statistisch signifikant, in der Gruppe mit Lebensstil-Beratung und Placebo dagegen nicht.
Beleg: Anushiravani A, Haddadi N et al. (2019) · Eur J Gastroenterol Hepatol · PMID 30920975 · Studientyp: RCT begrenzt
Einschränkung: Berichtet werden Vorher-Nachher-Vergleiche innerhalb der Gruppen über nur 3 Monate; gemessen wurden Laborwerte, kein Lebergewebe.
Bei 99 Patienten mit durch Gewebeprobe gesicherter entzündlicher Fettleber (NASH) erreichten nach 48 Wochen mit 3-mal täglich 700 mg Silymarin nicht mehr Teilnehmer das Hauptziel einer deutlich geringeren Krankheitsaktivität als unter Placebo (32,7 % gegenüber 26,0 %); ein Rückgang der Vernarbung (Fibrose) war mit 22,4 % gegenüber 6,0 % häufiger.
Beleg: Wah Kheong C, Nik Mustapha NR et al. (2017) · Clin Gastroenterol Hepatol · PMID 28419855 · Studientyp: RCT gemischt
Einschränkung: Das Hauptziel wurde verfehlt, der Fibrose-Befund ist ein Nebenendpunkt und laut Autoren in einer größeren Studie zu bestätigen; die Dosis von 2.100 mg pro Tag liegt weit über üblichen Tagesmengen.
In einer US-Studie mit 78 Patienten mit entzündlicher Fettleber ohne Zirrhose brachte der Arznei-Extrakt Legalon in Dosen von 3-mal täglich 420 mg oder 700 mg über 48 Wochen keinen Vorteil: Das Hauptziel erreichten 19 % und 15 % der Behandelten gegenüber 12 % unter Placebo, ein statistisch nicht bedeutsamer Unterschied, bei guter Verträglichkeit.
Beleg: Navarro VJ, Belle SH et al. (2019) · PLoS One · PMID 31536511 · Studientyp: RCT gemischt
Einschränkung: Bei der zentralen Nachbegutachtung erfüllten 49 der 78 Teilnehmer (63 %) die feingeweblichen Aufnahmekriterien nicht; die Autoren nennen das Ergebnis deshalb nicht schlüssig.
Die Cochrane-Auswertung von 18 randomisierten Studien mit 1.088 Patienten mit alkoholischer Lebererkrankung oder Hepatitis B oder C fand unter Mariendistel keinen signifikanten Effekt auf Sterblichkeit, Komplikationen oder Lebergewebe; die leberbedingte Sterblichkeit war über alle Studien niedriger (relatives Risiko 0,50), in den hochwertigen Studien aber nicht signifikant, und Nebenwirkungen waren nicht häufiger als in den Kontrollgruppen.
Beleg: Rambaldi A, Jacobs BP et al. (2007) · Cochrane Database Syst Rev · PMID 17943794 · Studientyp: Systematisches Review mit Meta-Analyse gemischt
Einschränkung: Nur 28,6 % der Studien erfüllten Merkmale hoher methodischer Qualität; die Autoren stellen den Nutzen infrage und fordern bessere Studien.
In einer doppelblinden Studie mit 170 Zirrhose-Patienten, die 3-mal täglich 140 mg Silymarin oder Placebo erhielten (mittlere Beobachtung 41 Monate), lag die Überlebensrate nach 4 Jahren bei 58 % gegenüber 39 %; in Untergruppen zeigte sich der Vorteil bei alkoholischer Zirrhose und bei anfangs leichter Erkrankung.
Beleg: Ferenci P, Dragosics B et al. (1989) · J Hepatol · PMID 2671116 · Studientyp: RCT gemischt
Einschränkung: 24 Teilnehmer schieden aus und wurden aus der Auswertung genommen; die Untergruppen-Befunde sind nachträgliche Analysen, und eine spätere Studie bestätigte den Vorteil nicht.
In einer doppelblinden Studie an mehreren Zentren mit 200 alkoholkranken Zirrhose-Patienten hatte Silymarin in einer Dosis von 450 mg pro Tag (3-mal 150 mg) über 2 Jahre keinen Einfluss auf das Überleben oder den Krankheitsverlauf; relevante Nebenwirkungen traten nicht auf.
Beleg: Parés A, Planas R et al. (1998) · J Hepatol · PMID 9566830 · Studientyp: RCT gemischt
Einschränkung: Nur 125 der 200 Teilnehmer schlossen die 2 Jahre ab; während der Studie starben 29 Patienten, was die statistische Aussagekraft begrenzt.
In einer doppelblinden US-Studie mit 154 Patienten mit chronischer Hepatitis C senkten 3-mal täglich 420 mg oder 700 mg Silymarin über 24 Wochen die Leberwerte nicht stärker als Placebo: In jeder Gruppe erreichten nur 2 Teilnehmer das Hauptziel, und auch Virusmenge und Lebensqualität unterschieden sich nicht, bei vergleichbaren Nebenwirkungen.
Beleg: Fried MW, Navarro VJ et al. (2012) · JAMA · PMID 22797645 · Studientyp: RCT stark
Einschränkung: Teilnehmer waren Patienten, bei denen eine Interferon-Behandlung zuvor erfolglos war; das Ergebnis gilt für Hepatitis C, nicht für andere Lebererkrankungen.
Bei 23 gesunden Freiwilligen führte eine Einzeldosis von 45 mg Silibinin-Phosphatidylcholin-Komplex in öliger Weichkapsel zu höheren Silibinin-Blutspiegeln als eine herkömmliche Tablette mit 70 mg Silymarin; der Unterschied war statistisch eindeutig.
Beleg: Méndez-Sánchez N, Dibildox-Martinez M et al. (2019) · BMC Pharmacol Toxicol · PMID 30635055 · Studientyp: Klinische Studie (Pharmakokinetik) begrenzt
Einschränkung: Einzeldosis bei Gesunden; gemessen wurden nur Blutspiegel, und die Autoren betonen, dass die klinische Bedeutung erst in Studien an Leberkranken gezeigt werden muss.
In einer Dosisfindungs-Studie erhielten 4 Gruppen mit je 8 Hepatitis-C-Patienten 7 Tage lang alle 8 Stunden 140, 280, 560 oder 700 mg Silymarin oder Placebo: Bei 5-facher Dosis stiegen die Blutspiegel von Silibinin A auf das 11-Fache und von Silibinin B auf das 38-Fache, bis zu 2,1 g pro Tag wurden gut vertragen, und weder Leberwerte noch Virusmenge sanken in bedeutsamem Ausmaß.
Beleg: Hawke RL, Schrieber SJ et al. (2010) · J Clin Pharmacol · PMID 19841158 · Studientyp: Klinische Studie (Phase I, Pharmakokinetik) begrenzt
Einschränkung: Nur 7 Tage und wenige Teilnehmer je Dosis; die höheren Blutspiegel gingen in dieser Studie nicht mit einer messbaren Wirkung einher.
Eine Auswertung von 5 kontrollierten Studien mit 270 Menschen mit Typ-2-Diabetes fand unter Silymarin einen niedrigeren Nüchternblutzucker (minus 26,86 mg/dl) und einen niedrigeren Langzeitwert HbA1c (minus 1,07), aber keinen Effekt auf die Blutfette.
Beleg: Voroneanu L, Nistor I et al. (2016) · J Diabetes Res · PMID 27340676 · Studientyp: Systematisches Review mit Meta-Analyse gemischt
Einschränkung: Die Autoren sprechen wegen der geringen Qualität und der stark uneinheitlichen Ergebnisse der Studien ausdrücklich keine Empfehlung aus.
Bei 9 gesunden Freiwilligen veränderte ein standardisierter Mariendistel-Extrakt, 3-mal täglich über 14 Tage eingenommen, die Aktivität der Abbau-Enzyme CYP1A2, CYP2C9, CYP2D6 und CYP3A4/5 nicht signifikant.
Beleg: Kawaguchi-Suzuki M, Frye RF et al. (2014) · Drug Metab Dispos · PMID 25028567 · Studientyp: Klinische Studie (Wechselwirkungen) begrenzt
Einschränkung: Nur 9 gesunde Teilnehmer und 14 Tage; geprüft wurden 4 Testsubstanzen, nicht jedes einzelne Medikament.
Eine Übersichtsarbeit zur Sicherheit stuft Silymarin in therapeutischen Dosen als sicher und gut verträglich ein, selbst bei 3-mal täglich 700 mg über 24 Wochen; beschrieben sind Magen-Darm-Beschwerden wie Übelkeit und Durchfall, wenige Wechselwirkungen ohne größeren Einfluss auf die CYP-Enzyme sowie der Rat zur Vorsicht bei Medikamenten mit engem Dosierungsspielraum und in der Schwangerschaft.
Beleg: Soleimani V, Delghandi PS et al. (2019) · Phytother Res · PMID 31069872 · Studientyp: Übersichtsarbeit gemischt
Einschränkung: Erzählende Übersicht ohne eigene statistische Auswertung; zur Schwangerschaft liegt laut Abstract nur 1 klinische Studie vor.
Eine Laboruntersuchung von 26 Mariendistel-Nahrungsergänzungen vom US-amerikanischen und tschechischen Markt (gekauft 2016 und 2017) fand große Unterschiede im Silymarin-Gehalt, oft abweichend von den Herstellerangaben und auch zwischen Chargen desselben Produkts, sowie Schimmelpilzgifte, Pestizid-Rückstände und mikrobielle Verunreinigungen.
Beleg: Fenclova M, Novakova A et al. (2019) · Sci Rep · PMID 31366891 · Studientyp: Laboranalyse (Produktuntersuchung) begrenzt
Einschränkung: Stichprobe aus 2 Märkten und 2 Jahren; die Befunde lassen sich nicht auf jedes Produkt übertragen, zeigen aber, warum Chargen-Analysen zählen.
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Mariendistelsamen Extrakt (Silybum Marianum), Hydroxypropylmethylcellulose (Kapselhülle)
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Verzehrempfehlung Mariendistel Kapseln: Zur Nahrungsergänzung täglich 1 Kapsel mit viel Wasser einnehmen, vorzugsweise eine halbe Stunde vor den Mahlzeiten. Die angegebene empfohlene tägliche Verzehrmenge darf nicht überschritten werden. Kühl, trocken und lichtgeschützt lagern.
Die Angaben stammen unverändert vom Etikett im Shop. Wir bewerten das eigene Produkt nach denselben Kriterien wie alle anderen.
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Mariendistel-Extrakt wurde in den Studien gut vertragen, Nebenwirkungen waren nicht häufiger als unter Placebo. Möglich sind Magen-Darm-Beschwerden wie Übelkeit, Blähungen oder Durchfall, selten Kopfschmerzen und allergische Reaktionen. Die Mariendistel gehört zu den Korbblütlern; wer auf Arnika, Kamille, Ringelblume, Beifuß oder Ambrosia allergisch reagiert, meidet Mariendistel-Zubereitungen. In Humanstudien beeinflusste Mariendistel die Abbau-Enzyme CYP1A2, CYP2C9, CYP2D6 und CYP3A4 nicht messbar, Wechselwirkungen gelten deshalb als selten. Für Warfarin ist allerdings 1 Fall beschrieben, in dem der Gerinnungswert INR unter einem Mariendistel-Präparat von 2,64 auf 4,12 stieg und sich nach dem Absetzen normalisierte. Bei Gerinnungshemmern und anderen Medikamenten mit engem Dosierungsspielraum, etwa nach Organtransplantation oder in der Krebsbehandlung, wird die Einnahme vorher mit der Fachperson abgestimmt, die diese Medikamente verordnet. Silymarin kann den Blutzucker senken; wer Insulin oder blutzuckersenkende Tabletten nimmt, kontrolliert die Werte anfangs häufiger. Erhöhte Leberwerte, Gelbfärbung der Haut, dunkler Urin oder anhaltende Oberbauchschmerzen sind kein Fall für Selbstbehandlung, sondern gehören fachlich abgeklärt. In Schwangerschaft und Stillzeit sowie bei Kindern und Jugendlichen fehlen ausreichende Daten; die Entscheidung gehört dann in fachliche Hände, zum Beispiel zu einer Komplementärmedizinerin oder einem Heilpraktiker, die die gesamte Medikation kennen.
Empfehlenswert sind Mariendistel-Kapseln, die Extraktmenge, Silymarin-Gehalt in Prozent oder Milligramm und die Tagesmenge klar nennen, zum Beispiel 250 mg Extrakt mit 80 % Silymarin, also 200 mg Silymarin. Eine Laboranalyse je Charge ist ein weiteres Qualitätsmerkmal, weil eine Untersuchung von 26 Präparaten Abweichungen vom Etikett und Rückstände fand. Produkte ohne Silymarin-Angabe, etwa reines Samenpulver, lassen sich nicht mit der Studienlage vergleichen.
Studien nutzten 140 bis 2.100 mg Silymarin pro Tag, die klassische Arznei-Dosis liegt bei 420 mg. Eine Auswertung von 55 Studien fand keinen Zusammenhang zwischen Dosis und Effekt auf die Leberwerte, und Tagesmengen von 1.260 und 2.100 mg brachten in den US-Studien keinen Vorteil gegenüber Placebo. Für Nahrungsergänzungen gilt die Verzehrempfehlung auf dem Etikett; eine Arznei-Dosis bei diagnostizierter Lebererkrankung gehört mit der behandelnden Fachperson abgestimmt.
Bei nichtalkoholischer Fettleber zeigen mehrere Meta-Analysen sinkende Leberwerte (ALT und AST) unter Silymarin. Cochrane nennt Nutzen und Schaden in seiner Auswertung von 2025 dennoch unklar, weil die Studien klein und uneinheitlich sind, und 2 Studien mit Gewebeproben verfehlten ihr Hauptziel. Die Grundlage der Behandlung bleiben Gewichtsabnahme, Bewegung und weniger Alkohol; Silymarin kann das ergänzen, nicht ersetzen.
Mariendistel-Tee enthält nur wenig Silymarin, weil sich Silymarin schlecht in Wasser löst. Tee gilt als traditionelles Mittel bei Völlegefühl und Blähungen. Wer eine berechenbare Silymarin-Menge möchte, wie sie in den Studien verwendet wurde, braucht einen standardisierten Extrakt in Kapseln oder Tabletten.
Die Angabe 80 % Silymarin bedeutet, dass der Extrakt zu 80 % aus Silymarin besteht, dem Wirkstoffgemisch aus den Mariendistel-Samen. 250 mg Extrakt mit 80 % Silymarin enthalten 200 mg Silymarin. Die unverarbeiteten Samen müssen nach dem Europäischen Arzneibuch nur mindestens 1,5 % Silymarin enthalten; die Prozentangabe zeigt also, wie stark der Extrakt konzentriert wurde.
Die Studien zur Fettleber liefen 4 bis 48 Wochen, die Studien zur Leberzirrhose 2 Jahre und länger, jeweils bei guter Verträglichkeit. In einer Auswertung von 55 Studien sanken die Leberwerte schon bei einer Einnahmedauer bis 2 Monate. Bleiben erhöhte Leberwerte nach 2 bis 3 Monaten bestehen, gehört die Ursache fachlich abgeklärt.
In Studien mit gesunden Freiwilligen veränderte Mariendistel-Extrakt die wichtigsten Abbau-Enzyme für Medikamente (CYP-Enzyme) nicht messbar. Für den Gerinnungshemmer Warfarin ist 1 Fall beschrieben, in dem die Gerinnungshemmung unter einem Mariendistel-Präparat zunahm. Wer Gerinnungshemmer, Diabetes-Medikamente oder andere Mittel mit engem Dosierungsspielraum nimmt, stimmt die Einnahme vorher mit der behandelnden Fachperson ab.
Quellen sind ausschließlich in PubMed gelistete Studien. Jede Aussage wurde gegen den Abstract der zitierten Arbeit geprüft; Studientyp und Evidenzstufe sind so angegeben, wie die Arbeit sie hergibt. Wo die Datenlage keine sichere Antwort erlaubt, steht das so. Die vollständigen Regeln stehen im Herbano Evidence Standard.
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Herbano verkauft selbst ein Produkt zu diesem Thema. Diese Seite hat deshalb einen wirtschaftlichen Interessenkonflikt. Unser Anspruch ist, die Studienlage trotzdem nach denselben Kriterien zu bewerten, auch wenn ein Ergebnis keinen Vorteil für ein Herbano-Produkt ergibt.
Wang C, Shang Y et al. (2025). Silymarin for adults with metabolic dysfunction-associated steatotic liver disease. Cochrane Database Syst Rev. doi:10.1002/14651858.CD015524.pub2
Li S, Duan F et al. (2024). Administration of silymarin in NAFLD/NASH: A systematic review and meta-analysis. Ann Hepatol. doi:10.1016/j.aohep.2023.101174
Shahsavari K, Ardekani SS et al. (2025). Are alterations needed in Silybum marianum (Silymarin) administration practices? A novel outlook and meta-analysis on randomized trials targeting liver injury. BMC Complement Med Ther. doi:10.1186/s12906-025-04886-y
de Avelar CR, Pereira EM et al. (2017). Effect of silymarin on biochemical indicators in patients with liver disease: Systematic review with meta-analysis. World J Gastroenterol. doi:10.3748/wjg.v23.i27.5004
Anushiravani A, Haddadi N et al. (2019). Treatment options for nonalcoholic fatty liver disease: a double-blinded randomized placebo-controlled trial. Eur J Gastroenterol Hepatol. doi:10.1097/MEG.0000000000001369
Wah Kheong C, Nik Mustapha NR et al. (2017). A Randomized Trial of Silymarin for the Treatment of Nonalcoholic Steatohepatitis. Clin Gastroenterol Hepatol. doi:10.1016/j.cgh.2017.04.016
Navarro VJ, Belle SH et al. (2019). Silymarin in non-cirrhotics with non-alcoholic steatohepatitis: A randomized, double-blind, placebo controlled trial. PLoS One. doi:10.1371/journal.pone.0221683
Rambaldi A, Jacobs BP et al. (2007). Milk thistle for alcoholic and/or hepatitis B or C virus liver diseases. Cochrane Database Syst Rev. doi:10.1002/14651858.CD003620.pub3
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