Warum Mutterkraut bei Migräne oft mehr bewirkt als gedacht

Warum Mutterkraut bei Migräne oft mehr bewirkt als gedacht

12 Min. Lesezeit Aktualisiert am 30. September 2026

Warum Mutterkraut bei Migräne oft mehr bewirkt als gedacht

Das Wichtigste in Kürze
Mutterkraut senkt die Häufigkeit von Migräne-Attacken bei regelmäßiger Einnahme über mindestens 8 bis 12 Wochen. Der Wirkstoff Parthenolid stabilisiert Blutgefäße und hemmt entzündungsfördernde Botenstoffe. Entscheidend ist ein standardisierter Extrakt mit festem Parthenolid-Gehalt. In der Essener Studie von Diener et al. 2005 (n=170) sank die Zahl der Attacken von 4,76 auf 2,86 pro Monat.

In Deutschland erfüllen 14,8 Prozent der Frauen und 6,0 Prozent der Männer die Kriterien einer Migräne (Porst et al., 2020), doch nur ein Bruchteil kennt eine Pflanze, die bereits seit dem Mittelalter zur Vorbeugung eingesetzt wird: Mutterkraut (Tanacetum parthenium). Während die meisten Betroffenen bei akuten Attacken zu Triptanen greifen, adressiert Mutterkraut das eigentliche Problem, die Anfallshäufigkeit selbst. Dieser Ratgeber zeigt, welche Dosierung an Parthenolid in kontrollierten Studien wirkt, wie lange die Einnahme dauern muss, bis erste Effekte spürbar werden, und warum ein standardisierter Extrakt der entscheidende Qualitätsfaktor ist.

Mutterkraut senkt die Häufigkeit von Migräne-Attacken, indem sein Hauptwirkstoff Parthenolid gleich an mehreren Stellen im Körper eingreift. Die Pflanze wurde bereits im Mittelalter gegen Kopfschmerzen eingesetzt, doch erst moderne Forschung hat die Mechanismen entschlüsselt.

Parthenolid hemmt die Freisetzung von Serotonin aus Blutplättchen. Genau dieser Botenstoff spielt bei der Entstehung einer Migräne-Attacke eine zentrale Rolle: Erst verengen sich die Blutgefäße im Gehirn, dann erweitern sie sich wieder, und lösen den pochenden Schmerz aus. Parthenolid stabilisiert diesen Vorgang und bremst zusätzlich entzündungsfördernde Botenstoffe.

Parthenolid hemmt Serotonin-Freisetzung → Blutgefäße bleiben stabil → Migräne-Attacken werden seltener und schwächer.

Wichtig ist die klare Abgrenzung: Mutterkraut wirkt vorbeugend, nicht als Akutmittel. Bei einer bereits laufenden Migräne-Attacke bringt die Pflanze keine schnelle Linderung. Der Nutzen zeigt sich in der Reduktion der Anfallshäufigkeit über Wochen und Monate.

Studienlage: Was Parthenolid wirklich leistet

Die Wirksamkeit von Mutterkraut ist durch mehrere klinische Studien belegt. In der größten Studie aus Essen sank die monatliche Migränefrequenz von 4,76 auf 2,86 Anfälle, ein Rückgang um fast 40 Prozent.

➤ Diener et al. 2005 (n=170) untersuchten einen standardisierten CO2-Extrakt mit 6,25 mg dreimal täglich über 16 Wochen.

Murphy et al. 1988 (n=72) beobachteten in einer doppelblinden, placebokontrollierten Studie, dass mit Mutterkraut Zahl und Schwere der Attacken sowie das Erbrechen zurückgingen. Pfaffenrath et al. 2002 (n=147) testeten drei Dosierungen des standardisierten Extrakts MIG-99: Bei Patienten mit mindestens 4 Attacken im Monat zeigte 3 × 6,25 mg täglich den größten Effekt mit 1,8 Attacken weniger pro Monat. Auf dieser Dosis baute die Essener Studie auf.

Studie
Cephalalgia 2005;25(11):1031-1041 · doi:10.1111/j.1468-2982.2005.00950.x
Efficacy and safety of 6.25 mg t.i.d. Feverfew CO2-extract (MIG-99) in migraine prevention
Diener HC, Pfaffenrath V, Schnitker J, Friede M, Henneicke-von Zepelin HH

Die Cochrane-Übersicht von Wider et al. 2015 wertet die Essener Studie als die größte und methodisch strengste der bisherigen Mutterkraut-Studien. Sie verwendete einen stabilen, standardisierten Extrakt in einer zuvor ermittelten Dosis. Ein standardisierter Extrakt ist deshalb die Grundlage für eine verlässliche Wirkung.

Warum Triptane das Problem nicht lösen

Der Standard-Weg in der Migräne-Behandlung sieht meist so aus: Wer mit Attacken in die Praxis geht, bekommt in der Regel direkt Triptane oder Schmerzmittel verschrieben, die die akute Attacke unterdrücken. Das ist sinnvoll bei starken Anfällen, aber es löst kein einziges der zugrundeliegenden Probleme.

Triptane bekämpfen Symptome, nicht Ursachen. Sie greifen dann, wenn die Attacke bereits läuft, und viele Betroffene berichten von einem Teufelskreis: Je häufiger sie Akutmittel nehmen, desto häufiger scheinen die Attacken zu werden. Der medikamenteninduzierte Kopfschmerz ist ein bekanntes Phänomen bei häufiger Einnahme.

Nahaufnahme zum Thema mutterkraut migraene
Prophylaxe bedeutet, den Auslöser zu adressieren, nicht das Symptom zu unterdrücken
Genau hier liegt die Stärke von Mutterkraut

Mutterkraut setzt einen anderen Ansatz um: Es reduziert die Anfälligkeit für Attacken. Wer weniger Attacken erlebt, braucht weniger Akutmittel, riskiert weniger Nebenwirkungen und gewinnt an Lebensqualität. Ein ausführlicher Überblick über die Pflanze und ihre traditionelle Anwendung findet sich im Ratgeber zu Mutterkraut.

Die richtige Dosierung und Standardisierung

In den Studien wurden sowohl getrocknete Mutterkraut-Blätter als auch standardisierte Extrakte eingesetzt. Entscheidend ist der Parthenolid-Gehalt, denn Parthenolid ist der Hauptwirkstoff der Pflanze. Die Mutterkraut-Kapseln von Herbano enthalten 200 mg Extrakt mit standardisiert 1,6 mg Parthenolid pro Kapsel, empfohlen sind 1 bis 4 Kapseln täglich.

DosierungsformTagesdosisParthenolid-Gehalt
Herbano Mutterkraut-Kapseln1 bis 4 Kapseln à 200 mg Extrakt1,6 mg pro Kapsel, standardisiert
CO2-Extrakt (MIG-99)6,25 mg 3× täglich (Essener Studie)standardisiert
Getrocknetes Blattpulver1 Kapsel getrocknete Blätter (Lancet-Studie 1988)schwankt je nach Pflanze

Bei getrocknetem Blattpulver ohne Standardisierung schwankt der Parthenolid-Gehalt je nach Anbau, Ernte und Verarbeitung. Für eine verlässliche Wirkung braucht es einen standardisierten Extrakt mit angegebenem Parthenolid-Anteil.

Die Einnahme erfolgt in der Regel morgens zu einer Mahlzeit. Kombi-Präparate mit vielen weiteren Wirkstoffen in einer Kapsel sind meist zu niedrig dosiert, bewährt hat sich ein hochdosiertes Einzelpräparat.

 

Anwendungsdauer: Wann Wirkung eintritt

Mutterkraut wirkt nicht sofort. Der volle Effekt tritt nach 8 bis 12 Wochen ein.

Illustration: wie mutterkraut migraene im Körper entsteht
➤ Die Prophylaxe erfordert Geduld: Erste Veränderungen zeigen sich meist nach 4 bis 6 Wochen.
Nach 4 Wochen erste Attacken werden schwächer
nach 8 Wochen spürbar weniger Migränetage
nach 12 Wochen deutlich reduzierte Anfallshäufigkeit

Viele Betroffene brechen die Einnahme zu früh ab, weil sie eine schnellere Wirkung erwarten. Das ist der häufigste Anwendungsfehler. Für eine faire Beurteilung braucht Mutterkraut mindestens 3 Monate ununterbrochene Einnahme.

➤ In der Studie von Diener et al. wurde der volle Effekt erst nach 16 Wochen dokumentiert.

Nach 3 bis 4 Monaten lässt sich die Wirksamkeit anhand eines Migräne-Tagebuchs bewerten: Zahl der Attacken pro Monat, Intensität und Dauer werden mit den Werten vor Einnahmebeginn verglichen. Bleibt der Effekt aus, kann die Dosis angepasst oder das Präparat gewechselt werden.

Jetzt Mutterkraut Kapseln zur Vorbeugung bei migräneartigen Kopfschmerzen ansehen!

Nebenwirkungen und wer Mutterkraut meiden sollte

Mutterkraut gilt bei standardisierter Dosierung als gut verträglich. Gelegentlich treten leichte Magen-Darm-Beschwerden auf. Beim Kauen frischer Blätter kann es zu Mundschleimhautreizungen kommen, deshalb sind Kapseln die bessere Wahl.

  • Nicht in Schwangerschaft und Stillzeit einnehmen
  • Vorsicht bei bekannter Korbblütler-Allergie
  • Nicht bei Kindern unter 12 Jahren
  • Bei blutverdünnenden Medikamenten Rücksprache mit einem Komplementärmediziner oder Heilpraktiker
  • Absetzen nicht abrupt, sondern über 1 bis 2 Wochen ausschleichen

Nach längerer Einnahme kann bei plötzlichem Absetzen ein Rebound-Effekt mit vorübergehend häufigeren Kopfschmerzen auftreten. Wer die Einnahme beenden möchte, reduziert die Dosis daher schrittweise.

Wichtiger Hinweis

Dieser Ratgeber dient nur zur Information und ersetzt keine ärztliche Beratung.

Die Inhalte der Herbano Gesundheitsredaktion werden sorgfältig recherchiert und basieren auf aktuellen wissenschaftlichen Studien.

Inhalt mit Unterstützung künstlicher Intelligenz erstellt und von der Herbano Redaktion bearbeitet.

Häufig gestellte Fragen

Erste Effekte zeigen sich nach 4 bis 6 Wochen. Der volle Nutzen tritt nach 8 bis 12 Wochen ein. Mutterkraut ist ein Präventivmittel und wirkt nicht bei akuten Attacken.

Mutterkraut ersetzt keine Akutmedikation. Es reduziert die Häufigkeit von Attacken, sodass Triptane seltener nötig werden. Beide Ansätze verfolgen unterschiedliche Ziele.

In der Essener Studie wirkte ein standardisierter Extrakt in der Dosis 3 × 6,25 mg täglich. Wichtig ist ein fester Parthenolid-Gehalt: Die Mutterkraut-Kapseln von Herbano enthalten 1,6 mg Parthenolid pro Kapsel, empfohlen sind 1 bis 4 Kapseln täglich.

In den Studien wurde Mutterkraut 12 bis 16 Wochen, in der Lancet-Studie zweimal 4 Monate eingenommen, ohne dass schwere Nebenwirkungen auftraten. Das Absetzen erfolgt schrittweise über 1 bis 2 Wochen.

Mutterkraut gehört zur Familie der Korbblütler. Wer auf Kamille, Beifuß oder Arnika allergisch reagiert, sollte Mutterkraut meiden oder vorab eine ärztliche Verträglichkeitsprüfung durchführen.

  1. [1]
    Diener HC, Pfaffenrath V, Schnitker J, Friede M, Henneicke-von Zepelin HH (2005) Efficacy and safety of 6.25 mg t.i.d. Feverfew CO2-extract (MIG-99) in migraine prevention. Cephalalgia, 25(11):1031-1041. doi:10.1111/j.1468-2982.2005.00950.x. https://doi.org/10.1111/j.1468-2982.2005.00950.x
  2. [2]
    Murphy JJ, Heptinstall S, Mitchell JR (1988) Randomised double-blind placebo-controlled trial of feverfew in migraine prevention. The Lancet, 2(8604):189-192. doi:10.1016/s0140-6736(88)92289-1. https://doi.org/10.1016/s0140-6736(88)92289-1
  3. [3]
    Pfaffenrath V, Diener HC, Fischer M, Friede M, Henneicke-von Zepelin HH (2002) The efficacy and safety of Tanacetum parthenium (feverfew) in migraine prophylaxis. Cephalalgia, 22(7):523-532. doi:10.1046/j.1468-2982.2002.00396.x. https://doi.org/10.1046/j.1468-2982.2002.00396.x
  4. [4]
    Porst M, Wengler A, Leddin J et al. (2020). Migraine and tension-type headache in Germany. Prevalence and disease severity from the BURDEN 2020 Burden of Disease Study. Journal of Health Monitoring, 5(Suppl 6):2-24. doi:10.25646/6990.2
  5. [5]
    Wider B, Pittler MH, Ernst E (2015) Feverfew for preventing migraine. Cochrane Database of Systematic Reviews, 4:CD002286. doi:10.1002/14651858.CD002286.pub3. https://doi.org/10.1002/14651858.CD002286.pub3

Kommentare

Kommentar(e)
herbano-cms-block-one
herbano-cms-block-two