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Aktualisiert am: 22. September 2026
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Kurz beantwortet
Weihrauch-Kapseln lassen sich an 3 Angaben vergleichen. Das sind die Pflanzenart (Boswellia serrata, Indischer Weihrauch), die Extraktmenge pro Tag und der Gehalt an Boswelliasäuren (den kennzeichnenden Harzsäuren des Weihrauchs) in Prozent. 65 % bedeutet: 500 mg Extrakt enthalten 325 mg Boswelliasäuren. Studien mit klassischen Extrakten nutzten je nach Erkrankung 900 bis 3600 mg pro Tag, Spezialextrakte mit angereichertem AKBA (einer einzelnen Boswelliasäure) 100 bis 250 mg. Am ehesten belegt ist weniger Schmerz und Steifigkeit bei Kniearthrose (Gelenkverschleiß im Knie) nach etwa 4 Wochen, bei gemischter Studienqualität. Für chronische Darmentzündungen und Asthma gibt es nur kleine, teils negative Studien. Eine fetthaltige Mahlzeit erhöht die Aufnahme der Boswelliasäuren um ein Mehrfaches.
Evidenz-Check · Herbano Gesundheitsredaktion · Stand der Prüfung: 2026-09-22
Diese Seite ist für alle, die Weihrauch-Kapseln kaufen wollen und nicht wissen, was eine Angabe wie „65 % Boswelliasäuren“ bedeutet, wie viel Extrakt pro Tag zu den Studien passt und wofür Weihrauch überhaupt untersucht ist. Sie beantwortet 1 Frage: welcher Boswelliasäure-Gehalt, welche Dosis, wofür belegt? Dafür vergleicht sie 4 Arten von Weihrauch-Produkten nach 6 festen Kriterien, ordnet die wichtigsten Studien mit Evidenzstufe ein und prüft die häufigsten Werbeaussagen. Die Geschichte des Weihrauchs und seine traditionelle Verwendung stehen an anderer Stelle und werden hier nicht wiederholt.
Weihrauch ist das getrocknete Harz von Bäumen der Gattung Boswellia. Für Kapseln wird das Harz meist mit einem Lösungsmittel ausgezogen und getrocknet, so entsteht ein Extrakt. Die Boswelliasäuren sind die Stoffgruppe, an der Forschung und Hersteller die Qualität festmachen.
Eine Angabe wie „65 % Boswelliasäuren“ beschreibt die Summe aller Boswelliasäuren im Extrakt. 500 mg Extrakt mit 65 % enthalten 325 mg Boswelliasäuren. 3 Kapseln mit je 500 mg Extrakt und 65 % ergeben pro Tag 1500 mg Extrakt und 975 mg Boswelliasäuren. Die Rechnung für die Boswelliasäuren pro Tag lautet: Milligramm Extrakt mal Prozentwert mal Kapseln pro Tag.
Spezialextrakte wie 5-Loxin oder Aflapin werden auf 1 einzelne Säure eingestellt, das AKBA, mit 30 % oder 20 %, und in viel kleineren Mengen von 100 bis 250 mg pro Tag eingesetzt. Ein Summen-Extrakt und ein AKBA-Spezialextrakt lassen sich nicht über die Milligramm vergleichen, sondern nur über die Frage, mit welcher Art Extrakt welche Studie gemacht wurde.
Unverarbeitetes Harzpulver enthält dieselben Säuren, aber in wechselnder und meist nicht angegebener Menge. Ätherisches Weihrauchöl besteht aus den flüchtigen Duftstoffen des Harzes. Boswelliasäuren sind große, schwer flüchtige Moleküle und werden auf Ölen in der Regel nicht ausgewiesen.
AKBA gilt in der Werbung oft als die entscheidende Boswelliasäure, weil AKBA und KBA in Zellversuchen das Enzym 5-Lipoxygenase hemmen, das an Entzündungen beteiligt ist. Die AKBA-angereicherten Spezialextrakte beruhen auf dieser Beobachtung aus Zellversuchen.
Messungen am Menschen zeigen, dass AKBA und KBA nach dem Schlucken nur sehr niedrige Blutspiegel erreichen, weit unter den Konzentrationen, die im Labor wirken. Für Beta-Boswelliasäure, die in der Werbung kaum vorkommt, wurden 100-fach höhere Blutspiegel gemessen als für AKBA und KBA. Eine Übersichtsarbeit von 2011 hält den Wirkweg über AKBA wegen der niedrigen Blutspiegel für fraglich und nennt andere Angriffspunkte, an denen Beta-Boswelliasäure ansetzt.
Aus den Blutspiegel-Messungen folgt für die Kaufentscheidung kein Sieger, sondern eine Einordnung. Ein Summen-Extrakt mit hohem Gesamtgehalt liefert viel von den Säuren, die im Blut tatsächlich in größerer Menge gemessen werden. AKBA-Spezialextrakte haben eigene kleine Studien bei Kniearthrose mit günstigem Ergebnis. Ob ein Summen-Extrakt oder ein AKBA-Spezialextrakt bei gleicher Erkrankung mehr leistet, hat bisher keine Studie im direkten Vergleich geprüft.
Zubereitungen mit Mizellen oder Lecithin steigern die Blutspiegel der Boswelliasäuren deutlich. In der bisher einzigen Studie, die danach auch die Entzündungshemmung an Blutproben prüfte, wirkte die Mizellen-Zubereitung trotz vielfach höherer Blutspiegel nicht stärker als ein unveränderter Trockenextrakt. Höhere Blutspiegel von Boswelliasäuren sind noch kein Beleg für mehr Wirkung.
Boswelliasäuren lösen sich in Fett, aber kaum in Wasser. Auf nüchternen Magen gelangt von den Boswelliasäuren nur ein kleiner Teil ins Blut. In einer Studie nahmen gesunde Männer 786 mg Weihrauch-Extrakt einmal nüchtern und einmal zu einer fettreichen Mahlzeit ein. Mit der fettreichen Mahlzeit lagen die Blutspiegel von Beta-Boswelliasäure, KBA und AKBA um ein Mehrfaches höher als nüchtern, und 2 weitere Boswelliasäuren waren überhaupt erst mit Mahlzeit messbar.
Für die Praxis genügt eine normale Mahlzeit, die Fett enthält: ein Frühstück mit Ei, Käse, Joghurt oder Nüssen, ein Mittagessen mit Öl, ein Abendessen mit Fisch oder Avocado. Ein Glas Wasser und ein trockenes Brötchen liefern zu wenig Fett für die Aufnahme der Boswelliasäuren. Die Tagesmenge an Weihrauch-Kapseln lässt sich auf 2 bis 3 Mahlzeiten verteilen, das ist auch für den Magen angenehmer.
Bei der Dauer der Einnahme von Weihrauch zählt Geduld. Einzelne kleine Studien mit AKBA-Spezialextrakten berichten erste Besserungen schon nach 5 bis 7 Tagen. Bleibt nach 8 bis 12 Wochen jede Besserung aus, spricht wenig dafür, die Einnahme von Weihrauch-Kapseln fortzusetzen.
Am umfangreichsten untersucht ist Weihrauch bei Kniearthrose. Mehrere Auswertungen kontrollierter Studien finden bei Kniearthrose unter Weihrauch-Extrakt weniger Schmerz, weniger Steifigkeit und eine bessere Funktion als unter Placebo. Die einzelnen Arthrose-Studien mit Weihrauch sind klein, meist unter 100 Teilnehmer, dauern selten länger als 3 bis 6 Monate und nutzen sehr unterschiedliche Extrakte. 1 Auswertung von 2024 fand für Weihrauch bei Kniearthrose in der Gesamtrechnung keinen gesicherten Effekt und erst im Vergleich gegen Placebo einen Vorteil. Ein Schutz des Knorpels oder ein Nutzen über Jahre ist für Weihrauch nicht belegt.
Bei chronischen Darmentzündungen ist das Bild uneinheitlich. Ältere Studien aus Indien mit Weihrauch-Harz bei Colitis ulcerosa und 1 deutsche Studie mit Weihrauch-Extrakt bei aktivem Morbus Crohn fielen günstig aus, hatten aber keine Placebo-Gruppe. Bei der kollagenen Colitis (einer Form von chronischem wässrigem Durchfall) war der Vorteil von Weihrauch-Extrakt in 1 Studie mit 31 Patienten nur in einer von 2 Auswertungen gesichert. Die größte placebokontrollierte Studie prüfte bei Morbus Crohn über 52 Wochen, ob Weihrauch-Extrakt die Ruhephase erhält, und fand keinen Unterschied zu Placebo.
Für Weihrauch bei Asthma gibt es 1 kleine Studie von 1998, für rheumatoide Arthritis (entzündliches Gelenkrheuma) 1 kleine Studie ohne Unterschied zu Placebo. Aussagen zu Weihrauch und Krebs stützen sich auf Versuche an Zellen und Tieren; klinische Belege für einen Nutzen bei Patienten fehlen.
In Deutschland ist kein Weihrauch-Präparat als pflanzliches Arzneimittel zugelassen. Das indische Präparat H15 kann auf ärztliche Verordnung im Einzelfall über Apotheken importiert werden. Weihrauch-Kapseln im Handel sind Nahrungsergänzungsmittel und damit Lebensmittel. Nahrungsergänzungsmittel dürfen nicht mit der Linderung von Krankheiten beworben werden, und über die beantragte Gesundheitsaussage zu Weihrauch und Gelenken hat die EU bisher nicht entschieden.
Ein sauber deklariertes Weihrauch-Produkt nennt 4 Dinge: die Pflanzenart mit botanischem Namen (Boswellia serrata), den Pflanzenteil (Harz), die Extraktmenge pro Kapsel in Milligramm und den Gehalt an Boswelliasäuren in Prozent. In einer Laboruntersuchung von 17 meistverkauften Weihrauch-Produkten nannten nur 5 alle diese Angaben. 10 der 17 untersuchten Weihrauch-Produkte nannten gar keinen Gehalt an Boswelliasäuren, und 41 % entsprachen im Labor nicht ihrer Deklaration.
Aus den Angaben auf dem Etikett lässt sich die Tagesmenge berechnen und mit den Studien abgleichen. Klassische Extrakte wurden je nach Erkrankung mit 900 bis 3600 mg pro Tag untersucht. Steht auf einem Etikett nur „Weihrauch 400 mg“ ohne Hinweis auf Extrakt und Prozentwert, handelt es sich oft um gemahlenes Harz, dessen Gehalt offen bleibt.
Zusätzliche Angaben erhöhen die Aussagekraft: der Anteil von AKBA und KBA, die Analysemethode und ein Prüfbericht eines unabhängigen Labors. Summen-Extrakte weisen den AKBA-Anteil häufig nicht aus. Ein fehlender AKBA-Wert ist kein Mangel des Extrakts, er begrenzt aber den Vergleich mit AKBA-Spezialextrakten. AKBA-Spezialextrakte nennen meist nicht, wie viel Boswelliasäuren sie insgesamt enthalten.
Zur Einnahme nennen viele Etiketten nur die Zahl der Kapseln und reichlich Wasser. Unabhängig vom Etikett lohnt es sich nach der Studienlage, Weihrauch-Kapseln zu einer Mahlzeit mit Fett zu nehmen. Die Zutatenliste von Weihrauch-Kapseln sollte kurz sein: Extrakt, Kapselhülle, bei Bedarf ein Trennmittel. Der Preis pro Kapsel sagt bei Weihrauch wenig; vergleichbar wird er erst als Preis pro 100 mg Boswelliasäuren.
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Evidenzstufen: stark = mehrere hochwertige Humanstudien oder systematische Reviews · gemischt = Humanstudien mit widersprüchlichen oder methodisch begrenzten Ergebnissen · begrenzt = kleine Studien, Mechanismus, Tier- oder Zellmodelle.
Eine Auswertung von 7 kontrollierten Studien mit 545 Arthrose-Patienten fand unter Weihrauch und Weihrauch-Extrakt weniger Schmerz (minus 8,33 Punkte auf der Schmerzskala VAS), weniger Steifigkeit (minus 10,04 Punkte im WOMAC-Fragebogen für Gelenkbeschwerden) und eine bessere Gelenkfunktion als in den Vergleichsgruppen; die Autoren empfehlen eine Einnahme über mindestens 4 Wochen.
Beleg: Yu G, Xiang W et al. (2020) · BMC Complement Med Ther · PMID 32680575 · Studientyp: Systematisches Review mit Meta-Analyse gemischt
Einschränkung: Nur 7 kleine Studien mit unterschiedlichen Extrakten und Dosen; die Autoren selbst formulieren vorsichtig, Weihrauch könne eine wirksame Option sein.
In einer Auswertung von 11 kontrollierten Studien mit 1.009 Teilnehmern zu Curcumin und Weihrauch bei Kniearthrose linderten Weihrauch-Zubereitungen Schmerzen stärker als Placebo und verbesserten die Funktion, ohne mehr Nebenwirkungen; die Studienqualität war insgesamt niedrig, und keine Studie verglich Weihrauch mit zugelassenen Schmerzmitteln aus der Gruppe der NSAR (entzündungshemmende Schmerzmittel wie Ibuprofen).
Beleg: Bannuru RR, Osani MC et al. (2018) · Semin Arthritis Rheum · PMID 29622343 · Studientyp: Systematisches Review mit Meta-Analyse gemischt
Einschränkung: Die meisten Studien hatten weniger als 100 Teilnehmer; die Autoren halten die Datenlage für zu klein für eine Behandlungsempfehlung.
Eine Auswertung von 13 Studien zu Weihrauch-Extrakten bei Kniearthrose (850 Patienten mit WOMAC-Werten, 1.185 mit Schmerzskala) fand in der Gesamtrechnung wegen der großen Unterschiede zwischen den Studien keinen gesicherten Effekt (p = 0,0865 für WOMAC, p = 0,3966 für die Schmerzskala); erst die Untergruppe der Vergleiche gegen Placebo zeigte niedrigere WOMAC-Werte unter Weihrauch.
Beleg: Dalmonte T, Andreani G et al. (2024) · Phytother Res · PMID 39314013 · Studientyp: Systematisches Review mit Meta-Analyse gemischt
Einschränkung: Der günstige Befund stammt aus einer nachträglichen Untergruppen-Rechnung; die Autoren verlangen weitere hochwertige Studien.
In 9 kontrollierten Studien mit 712 Teilnehmern senkten Weihrauch-Extrakte den Schmerzwert auf der VAS-Skala um 10,71 Punkte stärker als die Vergleichsbehandlung; in der Untergruppen-Rechnung fiel die Senkung mit dem Spezialextrakt Aflapin größer aus als mit anderen Extrakten (minus 16,09 gegenüber minus 4,68 Punkte), was nach Ansicht der Autoren durch direkte Vergleichsstudien bestätigt werden muss.
Beleg: Dubey V, Kheni D et al. (2024) · Explore (NY) · PMID 38365549 · Studientyp: Systematisches Review mit Meta-Analyse gemischt
Einschränkung: Der Unterschied zwischen den Extrakten ist ein indirekter Vergleich über verschiedene Studien hinweg, kein direkter Vergleich in 1 Studie.
Eine Übersicht über 69 Studien zu 20 Nahrungsergänzungen bei Arthrose zählt Boswellia-serrata-Extrakt zu den 7 Mitteln mit großem Effekt auf den Schmerz in der kurzen Frist; für kein einziges Mittel fand sich ein klinisch bedeutsamer Effekt auf Schmerz in der langen Frist.
Beleg: Liu X, Machado GC et al. (2018) · Br J Sports Med · PMID 29018060 · Studientyp: Systematisches Review mit Meta-Analyse gemischt
Einschränkung: Die großen Effekte beruhen auf wenigen Studien mit wenigen Teilnehmern; die Verlässlichkeit der Belege reichte von sehr niedrig bis hoch.
In einer placebokontrollierten Studie mit 75 Kniearthrose-Patienten besserten 100 mg und 250 mg des Spezialextrakts 5-Loxin (30 % AKBA) täglich über 90 Tage Schmerz und Gelenkfunktion deutlich; mit 250 mg war die Besserung schon nach 7 Tagen messbar.
Beleg: Sengupta K, Alluri KV et al. (2008) · Arthritis Res Ther · PMID 18667054 · Studientyp: RCT begrenzt
Einschränkung: Nur 25 Personen je Gruppe, 70 schlossen die Studie ab; untersucht wurde 1 einzelnes Markenprodukt.
In einer Crossover-Studie (jede Person erhält nacheinander beide Behandlungen) mit 30 Kniearthrose-Patienten berichteten die Teilnehmer nach 8 Wochen Weihrauch-Extrakt über weniger Knieschmerz, bessere Beugung und längere Gehstrecken als unter Placebo; im Röntgenbild änderte sich nichts, als Nebenwirkung traten leichte Magen-Darm-Beschwerden auf.
Beleg: Kimmatkar N, Thawani V et al. (2003) · Phytomedicine · PMID 12622457 · Studientyp: RCT begrenzt
Einschränkung: 30 Teilnehmer und 8 Wochen je Phase; die Zusammenfassung nennt weder Dosis noch Zahlenwerte der Besserung.
Bei Morbus Crohn in Ruhephase hielt ein Weihrauch-Extrakt (3-mal täglich 2 Kapseln zu je 400 mg) über 52 Wochen die Beschwerdefreiheit nicht häufiger aufrecht als Placebo (59,9 % gegenüber 55,3 %, P = 0,85); die Studie in 22 deutschen Zentren wurde deshalb vorzeitig beendet, die Verträglichkeit entsprach der von Placebo.
Beleg: Holtmeier W, Zeuzem S et al. (2011) · Inflamm Bowel Dis · PMID 20848527 · Studientyp: RCT gemischt
Einschränkung: Von 108 geplanten Patienten wurden 82 zugeteilt und 66 ausgewertet; geprüft wurde der Erhalt der Ruhephase, nicht die Behandlung eines Schubs.
Bei aktivem Morbus Crohn sank der Krankheitsaktivitäts-Wert CDAI unter dem Weihrauch-Extrakt H15 im Mittel um 90 Punkte und unter dem Standardmittel Mesalazin um 53 Punkte; H15 erwies sich damit als nicht unterlegen, ein Vorteil gegenüber Mesalazin war statistisch nicht nachweisbar.
Beleg: Gerhardt H, Seifert F et al. (2001) · Z Gastroenterol · PMID 11215357 · Studientyp: RCT begrenzt
Einschränkung: 102 Patienten zugeteilt, ausgewertet wurden 44 unter H15 und 39 unter Mesalazin; es gab keine Placebo-Gruppe.
Bei Colitis ulcerosa vom Grad II und III gingen nach 6 Wochen mit einer Harzzubereitung aus Indischem Weihrauch (3-mal täglich 350 mg) 82 % der Behandelten in Remission (beschwerdefreie Phase), unter dem Vergleichsmittel Sulfasalazin 75 %.
Beleg: Gupta I, Parihar A et al. (1997) · Eur J Med Res · PMID 9049593 · Studientyp: Klinische Studie begrenzt
Einschränkung: Die Zusammenfassung nennt weder die Zahl der Teilnehmer noch eine zufällige Zuteilung oder Verblindung; eine Placebo-Gruppe fehlte.
In einer placebokontrollierten Doppelblindstudie besserte sich das Asthma bei 70 % von 40 Patienten, die 6 Wochen lang 3-mal täglich 300 mg einer Harzzubereitung aus Indischem Weihrauch erhielten, gegenüber 27 % von 40 Patienten unter Milchzucker als Placebo.
Beleg: Gupta I, Gupta V et al. (1998) · Eur J Med Res · PMID 9810030 · Studientyp: RCT begrenzt
Einschränkung: Einzelne kleine Studie über 6 Wochen mit einem weit gefassten Maß für Besserung; eine Bestätigung durch größere Studien fehlt bis heute.
Bei rheumatoider Arthritis (entzündlichem Gelenkrheuma) zeigte der Extrakt H15 mit 3600 mg pro Tag zusätzlich zur laufenden Behandlung nach 12 Wochen bei 37 ausgewerteten Patienten in keinem Messwert einen Unterschied zu Placebo.
Beleg: Sander O, Herborn G et al. (1998) · Z Rheumatol · PMID 9566100 · Studientyp: RCT begrenzt
Einschränkung: Von 78 Patienten aus 4 Zentren konnten nur die 37 eines Zentrums im Detail ausgewertet werden; die Autoren halten größere Studien für nötig.
Gesunde Männer nahmen 786 mg Weihrauch-Trockenextrakt einmal nüchtern und einmal zu einer fettreichen Mahlzeit ein: Mit der Mahlzeit stiegen Gesamtaufnahme und Spitzenwerte von Beta-Boswelliasäure, KBA und AKBA im Blut um ein Mehrfaches, und 2 weitere Boswelliasäuren waren überhaupt nur mit Mahlzeit nachweisbar.
Beleg: Sterk V, Büchele B et al. (2004) · Planta Med · PMID 15643550 · Studientyp: Klinische Studie (Pharmakokinetik, randomisierter Crossover) begrenzt
Einschränkung: Einzeldosis bei gesunden Männern; gemessen wurden Blutspiegel, keine Wirkung auf Beschwerden.
Eine Übersichtsarbeit zur Pharmakokinetik (dem Weg eines Stoffs durch den Körper) hält fest, dass AKBA und KBA nach dem Schlucken nur sehr niedrige Blutspiegel erreichen, weit unter den im Labor wirksamen Konzentrationen, während für Beta-Boswelliasäure 100-fach höhere Blutspiegel gemessen wurden; die Autoren halten deshalb den lange angenommenen Wirkweg über AKBA und KBA für fraglich.
Beleg: Abdel-Tawab M, Werz O et al. (2011) · Clin Pharmacokinet · PMID 21553931 · Studientyp: Übersichtsarbeit begrenzt
Einschränkung: Erzählende Übersicht ohne eigene Patientendaten; welche Säure beim Menschen die Wirkung trägt, ist damit nicht entschieden.
Bei 20 gesunden Freiwilligen erhöhte eine Mizellen-Zubereitung (Extrakt in winzigen, wasserlöslichen Tröpfchen) von 800 mg Weihrauch-Extrakt die Aufnahme der gemessenen Säuren ins Blut auf 1.720 bis 4.291 % des Werts eines unveränderten Trockenextrakts; im anschließenden Entzündungstest an den Blutproben wirkte sie trotzdem nicht stärker, und nur der unveränderte Extrakt senkte neben TNF-alpha auch die Botenstoffe IL-1-beta und IL-6.
Beleg: Schmiech M, Abdel-Kahaar E et al. (2024) · Phytomedicine · PMID 39033725 · Studientyp: Klinische Studie (Pharmakokinetik) begrenzt
Einschränkung: Einzeldosis bei Gesunden; die Entzündungshemmung wurde an Blutproben im Labor gemessen, nicht an Beschwerden.
Eine Laboranalyse von 17 meistverkauften Weihrauch-Nahrungsergänzungen aus Europa und den USA fand nur bei 5 Produkten alle nötigen Angaben (Art, Pflanzenteil, Gehalt an Boswelliasäuren); 10 Produkte nannten keinen Gehalt, 41 % entsprachen nicht ihrer Deklaration, und 1 Produkt enthielt keine der 6 kennzeichnenden Boswelliasäuren.
Beleg: Meins J, Artaria C et al. (2016) · Planta Med · PMID 27054914 · Studientyp: Laboranalyse (Marktuntersuchung) begrenzt
Einschränkung: Stichprobe von 2016 mit 17 Produkten; über heutige Produkte sagt sie nichts Direktes, wohl aber über den Wert vollständiger Angaben.
Im Labor hemmten Harz-Extrakte aus Boswellia carteri, frereana, sacra und serrata gleich stark und nicht selektiv die 6 Enzyme CYP 1A2, 2C8, 2C9, 2C19, 2D6 und 3A4, über die der Körper viele Medikamente abbaut; die Boswelliasäuren selbst waren dabei nicht der wichtigste hemmende Bestandteil.
Beleg: Frank A, Unger M (2006) · J Chromatogr A · PMID 16364338 · Studientyp: Laborstudie (in vitro) begrenzt
Einschränkung: Versuch mit Enzymen im Reagenzglas; ob bei üblicher Einnahme beim Menschen Wechselwirkungen entstehen, wurde nicht geprüft.
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Zusammensetzung der Weihrauch Kapseln:Weihrauch Extrakt (Boswellia Serrata, enthält 65 % Boswelliensäure), Hydroxypropylmethylcellulose (Kapselhülle)
Mengenangaben pro Kapsel:
Verzehrempfehlung der Weihrauch Kapseln: Zur Nahrungsergänzung 3 Kapseln über den Tag verteilt mit viel Wasser einnehmen. Die angegebene empfohlene tägliche Verzehrmenge darf nicht überschritten werden. Kühl, trocken und lichtgeschützt lagern. Außerhalb der Reichweite von kleinen Kindern aufbewahren.
Die Angaben stammen unverändert vom Etikett im Shop. Wir bewerten das eigene Produkt nach denselben Kriterien wie alle anderen.
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Weihrauch-Extrakt wurde in den Studien gut vertragen; am häufigsten sind leichte Magen-Darm-Beschwerden wie Übelkeit, Sodbrennen oder Durchfall, selten allergische Reaktionen. Im Labor hemmen Weihrauch-Extrakte mehrere Enzyme, die Medikamente abbauen, und beeinflussen ein Transporteiweiß im Darm (P-Glykoprotein). Wer Gerinnungshemmer wie Phenprocoumon oder Warfarin, Mittel nach einer Organtransplantation, Krebsmedikamente oder mehrere Dauermedikamente nimmt, klärt die Einnahme deshalb vorher mit der Fachperson, die diese Mittel verordnet hat. Bei Colitis ulcerosa, Morbus Crohn, Asthma oder Gelenkrheuma werden verordnete Medikamente nicht eigenmächtig abgesetzt oder reduziert, auch nicht bei gefühlter Besserung. Für Schwangerschaft, Stillzeit und Kinder fehlen Sicherheitsdaten, die Entscheidung gehört in fachliche Hände, zum Beispiel zu einer Komplementärmedizinerin oder einem Heilpraktiker, die die gesamte Medikation kennen. Anhaltende oder zunehmende Gelenkschmerzen, Blut im Stuhl oder Atemnot gehören fachlich abgeklärt. Ätherisches Weihrauchöl und Räucherharz sind nicht zum Einnehmen bestimmt.
Empfehlenswert sind Weihrauch-Kapseln, die Boswellia serrata als Art, das Harz als Pflanzenteil, die Extraktmenge pro Kapsel und den Gehalt an Boswelliasäuren in Prozent nennen. Mit diesen 4 Angaben lässt sich die Tagesmenge berechnen und mit den Studien vergleichen. Extrakte mit 65 % Boswelliasäuren und AKBA-Spezialextrakte sind 2 verschiedene Wege mit jeweils eigenen Studien; Harzpulver ohne Gehaltsangabe und Weihrauchöl lassen sich nicht auf Boswelliasäuren umrechnen.
Eine amtliche Empfehlung für Boswelliasäuren gibt es nicht. Studien mit klassischen Weihrauch-Extrakten nutzten je nach Erkrankung 900 bis 3600 mg Extrakt pro Tag, verteilt auf 2 bis 3 Einnahmen. 1500 mg eines Extrakts mit 65 % liefern 975 mg Boswelliasäuren pro Tag. AKBA-Spezialextrakte wurden mit 100 bis 250 mg pro Tag untersucht und sind über die Milligramm nicht mit Summen-Extrakten vergleichbar.
Bei Kniearthrose finden mehrere Auswertungen kontrollierter Studien unter Weihrauch-Extrakt weniger Schmerz und Steifigkeit als unter Placebo, empfohlen wird eine Einnahme über mindestens 4 Wochen. Die Studien sind klein und von gemischter Qualität, 1 Auswertung fand in der Gesamtrechnung keinen gesicherten Effekt. Ein Nutzen über viele Monate oder ein Schutz des Knorpels ist nicht belegt. Weihrauch-Kapseln sind Nahrungsergänzungsmittel und ersetzen keine Arthrose-Behandlung.
65 % Boswelliasäuren bedeutet, dass 65 von 100 mg des Extrakts aus Boswelliasäuren bestehen, den kennzeichnenden Harzsäuren des Weihrauchs. 500 mg Extrakt enthalten dann 325 mg Boswelliasäuren. Der Wert beschreibt die Summe aller Boswelliasäuren und sagt nichts darüber, wie viel AKBA oder KBA im Einzelnen enthalten ist.
Ja, Weihrauch-Kapseln gehören zu einer Mahlzeit, die Fett enthält. In einer Studie an gesunden Männern lagen die Blutspiegel mehrerer Boswelliasäuren mit einer fettreichen Mahlzeit um ein Mehrfaches höher als nach Einnahme auf nüchternen Magen. Die Tagesmenge lässt sich dafür auf 2 bis 3 Mahlzeiten verteilen.
Die Auswertung der Arthrose-Studien empfiehlt eine Einnahme von Weihrauch-Extrakt über mindestens 4 Wochen. Kleine Studien mit AKBA-Spezialextrakten berichten erste Besserungen schon nach 5 bis 7 Tagen, die meisten Studien liefen 4 bis 12 Wochen. Zeigt sich nach 8 bis 12 Wochen keine Besserung, spricht wenig für eine Fortsetzung.
Nein, in Deutschland ist kein Weihrauch-Präparat als pflanzliches Arzneimittel zugelassen. Das indische Präparat H15 kann im Einzelfall auf ärztliche Verordnung über eine Apotheke importiert werden. Weihrauch-Kapseln im freien Handel sind Nahrungsergänzungsmittel, für die kein Wirksamkeitsnachweis verlangt wird; umso wichtiger sind vollständige Angaben zu Art, Extraktmenge und Boswelliasäure-Gehalt.
Quellen sind ausschließlich in PubMed gelistete Studien. Jede Aussage wurde gegen den Abstract der zitierten Arbeit geprüft; Studientyp und Evidenzstufe sind so angegeben, wie die Arbeit sie hergibt. Wo die Datenlage keine sichere Antwort erlaubt, steht das so. Die vollständigen Regeln stehen im Herbano Evidence Standard.
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Herbano verkauft selbst ein Produkt zu diesem Thema. Diese Seite hat deshalb einen wirtschaftlichen Interessenkonflikt. Unser Anspruch ist, die Studienlage trotzdem nach denselben Kriterien zu bewerten, auch wenn ein Ergebnis keinen Vorteil für ein Herbano-Produkt ergibt.
Yu G, Xiang W et al. (2020). Effectiveness of Boswellia and Boswellia extract for osteoarthritis patients: a systematic review and meta-analysis. BMC Complement Med Ther. doi:10.1186/s12906-020-02985-6
Bannuru RR, Osani MC et al. (2018). Efficacy of curcumin and Boswellia for knee osteoarthritis: Systematic review and meta-analysis. Semin Arthritis Rheum. doi:10.1016/j.semarthrit.2018.03.001
Dalmonte T, Andreani G et al. (2024). Efficacy of Extracts of Oleogum Resin of Boswellia in the Treatment of Knee Osteoarthritis: A Systematic Review and Meta-Analysis. Phytother Res. doi:10.1002/ptr.8336
Dubey V, Kheni D et al. (2024). Efficacy evaluation of standardized Boswellia serrata extract (AflapinⓇ) in osteoarthritis: A systematic review and sub-group meta-analysis study. Explore (NY). doi:10.1016/j.explore.2024.02.001
Liu X, Machado GC et al. (2018). Dietary supplements for treating osteoarthritis: a systematic review and meta-analysis. Br J Sports Med. doi:10.1136/bjsports-2016-097333
Sengupta K, Alluri KV et al. (2008). A double blind, randomized, placebo controlled study of the efficacy and safety of 5-Loxin for treatment of osteoarthritis of the knee. Arthritis Res Ther. doi:10.1186/ar2461
Kimmatkar N, Thawani V et al. (2003). Efficacy and tolerability of Boswellia serrata extract in treatment of osteoarthritis of knee, a randomized double blind placebo controlled trial. Phytomedicine. doi:10.1078/094471103321648593
Holtmeier W, Zeuzem S et al. (2011). Randomized, placebo-controlled, double-blind trial of Boswellia serrata in maintaining remission of Crohn's disease: good safety profile but lack of efficacy. Inflamm Bowel Dis. doi:10.1002/ibd.21345
Gerhardt H, Seifert F et al. (2001). [Therapy of active Crohn disease with Boswellia serrata extract H 15]. Z Gastroenterol. doi:10.1055/s-2001-10708
Gupta I, Parihar A et al. (1997). Effects of Boswellia serrata gum resin in patients with ulcerative colitis. Eur J Med Res. PMID: 9049593
Gupta I, Gupta V et al. (1998). Effects of Boswellia serrata gum resin in patients with bronchial asthma: results of a double-blind, placebo-controlled, 6-week clinical study. Eur J Med Res. PMID: 9810030
Sander O, Herborn G et al. (1998). [Is H15 (resin extract of Boswellia serrata, "incense") a useful supplement to established drug therapy of chronic polyarthritis? Results of a double-blind pilot study]. Z Rheumatol. doi:10.1007/s003930050051
Sterk V, Büchele B et al. (2004). Effect of food intake on the bioavailability of boswellic acids from a herbal preparation in healthy volunteers. Planta Med. doi:10.1055/s-2004-835844
Abdel-Tawab M, Werz O et al. (2011). Boswellia serrata: an overall assessment of in vitro, preclinical, pharmacokinetic and clinical data. Clin Pharmacokinet. doi:10.2165/11586800-000000000-00000
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