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Aktualisiert am: 17. Juli 2026
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Ein Griff zur Schokolade am späten Nachmittag. Nächtliches Aufstehen, um doch noch etwas Süßes zu holen. Ein Sättigungsgefühl, das nach einer üppigen Mahlzeit nach 20 Minuten schon wieder verschwunden ist. Drei Muster, die selten zusammen betrachtet werden, Ernährungsberatung erklärt es mit Blutzucker, Psychologie mit Stress, Fitnessratgeber mit fehlender Disziplin. Dabei teilen diese scheinbar unterschiedlichen Beschwerden bei etwa jedem dritten Erwachsenen mit chronischem Heißhunger einen gemeinsamen biochemischen Nenner: einen niedrigen Serotoninspiegel im Gehirn, der das Sättigungssystem systematisch unterbricht. Genau weil klassische Abnehmratgeber nur an Kalorien und Willenskraft schrauben, bleibt die eigentliche Schaltstelle unsichtbar. Dieser Beitrag zeigt, wie 5-HTP an dieser Schaltstelle ansetzt, und warum die Wirkung so wenig mit einem klassischen Abnehmmittel zu tun hat.
Heißhunger fühlt sich an wie ein plötzlicher Hunger, ist aber biochemisch etwas völlig anderes. Klassischer Hunger meldet sich als körperlicher Bedarf: der Magen ist leer, der Blutzucker sinkt, der Körper braucht Energie. Heißhunger dagegen taucht oft nach einer vollständigen Mahlzeit auf, ignoriert das Sättigungssignal und richtet sich fast immer auf eine bestimmte Kategorie von Lebensmitteln, Süßes, Salziges, Kohlenhydratreiches. Diese Präferenz ist kein Zufall.
Etwa 40 bis 60 Prozent aller Erwachsenen berichten laut Ogden et al. 2013 (n=1244) über regelmäßige Heißhungerattacken auf Süßes oder stärkehaltige Lebensmittel, besonders am späten Nachmittag und Abend. Betroffen sind überproportional häufig Frauen in der zweiten Zyklushälfte, Menschen unter chronischem Stress sowie Personen mit Schlafmangel. Auffällig ist: Der Griff geht selten zum Salatblatt.
Genau dieses selektive Verlangen ist der entscheidende Hinweis. Kohlenhydrate erhöhen indirekt die Verfügbarkeit von Tryptophan im Gehirn, der Baustein, aus dem Serotonin entsteht. Der Körper sucht sich unbewusst genau die Nahrung, die seinen Serotoninhaushalt anheben kann. Heißhunger ist damit oft weniger ein Energieproblem als ein Botenstoffproblem.
Echter Hunger baut sich langsam auf, wird durch fast jedes Lebensmittel gestillt und verschwindet nach dem Essen für mehrere Stunden. Heißhunger tritt plötzlich auf, ist auf spezifische Lebensmittel fixiert und kehrt oft schon nach kurzer Zeit zurück, auch wenn objektiv genug gegessen wurde. Dieses Muster spricht gegen ein reines Energie- und für ein Regulationsproblem.
Ein weiteres Indiz: Heißhunger tritt gehäuft zu Tageszeiten auf, an denen der Serotoninspiegel physiologisch niedrig ist, zwischen 15 und 17 Uhr sowie am späten Abend. Klassische Diäten arbeiten gegen dieses Muster, statt es zu verstehen.
Serotonin ist im öffentlichen Bewusstsein vor allem als "Glückshormon" bekannt, eine Verkürzung, die dem eigentlichen Wirkspektrum kaum gerecht wird. Serotonin reguliert im Körper mindestens sieben Systeme mit: Stimmung, Schlaf, Schmerzverarbeitung, Verdauung, Impulskontrolle, Körpertemperatur und eben Sättigung.
Interessant ist die Verteilung. Rund 95 Prozent des körpereigenen Serotonins werden im Darm gebildet und wirken dort lokal. Die verbleibenden fünf Prozent sind aber die entscheidenden: Sie werden im Gehirn produziert und regulieren zentrale Prozesse, darunter das Sättigungsempfinden im Hypothalamus. Genau diese Menge kann bei chronischem Stress, Schlafmangel, hormonellen Schwankungen und einseitiger Ernährung deutlich reduziert sein.
Das klassische Bild, voller Magen gleich satt, greift zu kurz. Sättigung ist ein mehrstufiger Prozess. Zunächst meldet der gedehnte Magen mechanisch Fülle. Dann signalisieren Darmhormone wie Cholecystokinin und GLP-1 dem Gehirn, dass Nahrung eingetroffen ist. Und erst in der dritten Stufe entscheidet der Hypothalamus über das eigentliche Sättigungsempfinden. Dieser dritte Schritt läuft maßgeblich über Serotonin.
Fehlt Serotonin im relevanten Hirnbereich, wird der Prozess unterbrochen. Der Magen ist voll, der Darm sendet Signale, aber das Gefühl "genug" stellt sich nicht ein. Das erklärt die typische Erfahrung, nach einer großen Mahlzeit noch etwas Süßes zu brauchen. Es ist kein Willensfehler, sondern eine unterbrochene Signalkette.
5-HTP steht für 5-Hydroxytryptophan, die direkte biochemische Vorstufe von Serotonin. Der Weg vom Nahrungsprotein zum Serotonin verläuft in drei Schritten: Aus der Aminosäure Tryptophan entsteht zunächst 5-HTP, aus 5-HTP wird dann Serotonin, und aus Serotonin kann bei Bedarf Melatonin gebildet werden.
Der entscheidende Punkt: Der Schritt von Tryptophan zu 5-HTP wird vom Enzym Tryptophan-Hydroxylase katalysiert, und genau dieser Schritt ist limitierend. Chronischer Stress, entzündliche Prozesse und Cortisol drosseln die Aktivität dieses Enzyms. Selbst wer viel tryptophanreiche Nahrung isst, produziert unter diesen Bedingungen wenig 5-HTP und entsprechend wenig Serotonin.
5-HTP als Nahrungsergänzung überspringt genau diesen Engpass. Es liefert die Substanz, die der Körper bei überlasteter Enzymaktivität selbst nur mühsam herstellen kann. Anders als Tryptophan aus der Nahrung kann 5-HTP zudem die Blut-Hirn-Schranke gut passieren und dort direkt in Serotonin umgewandelt werden.
Klassische Abnehmpräparate arbeiten mit drei Mechanismen: Sie hemmen die Fettaufnahme im Darm, sie beschleunigen den Stoffwechsel oder sie unterdrücken den Appetit über zentrale Wirkstoffe. Alle drei Ansätze haben deutliche Nachteile, von Verdauungsbeschwerden bis zu Herz-Kreislauf-Belastung.
5-HTP funktioniert grundsätzlich anders. Es beschleunigt keinen Stoffwechsel, blockiert keine Nährstoffaufnahme und unterdrückt keinen Appetit im pharmakologischen Sinn. Stattdessen stellt es einen physiologischen Regulationsmechanismus wieder her: das Sättigungsempfinden. Wer schneller und dauerhafter satt wird, isst automatisch weniger, nicht durch Verzicht, sondern durch ein intaktes Signal.
Genau deshalb ist die Einordnung als "Abnehmmittel" irreführend. 5-HTP verändert nicht das Gewicht direkt, sondern die Voraussetzung, unter der das Essverhalten stattfindet.
Der Standard-Ratschlag beim Abnehmen lautet seit Jahrzehnten gleich: negative Energiebilanz herstellen, weniger essen, mehr bewegen. Rein rechnerisch stimmt das. Praktisch scheitern laut einer Auswertung von Fildes et al. 2015 (n=278982) rund 95 Prozent aller Diäten langfristig, und die verlorenen Kilos kehren innerhalb von fünf Jahren meist zurück.
Die übliche Erklärung: fehlende Disziplin. Diese Diagnose übersieht jedoch, dass anhaltender Verzicht Stress erzeugt, Stress den Serotoninhaushalt drückt, ein niedriger Serotoninspiegel die Sättigungssignale schwächt, und der Körper genau dann besonders empfindlich auf Heißhunger reagiert. Diät und Heißhunger stehen in einem kausalen Zusammenhang, nicht in einem moralischen.
Das erklärt, warum der Standard-Ratschlag bei manchen Menschen funktioniert und bei anderen zuverlässig scheitert. Wer einen stabilen Serotoninhaushalt hat, kann Willenskraft aufbringen. Wer einen chronisch reduzierten Serotoninspiegel hat, kämpft nicht gegen Hunger, sondern gegen eine gestörte Signalverarbeitung. Diese Unterscheidung ist entscheidend.
Der Jo-Jo-Effekt wird gerne als reines Stoffwechselphänomen beschrieben, der Körper spart Energie und legt sie später wieder an. Das ist die halbe Wahrheit. Die andere Hälfte ist neurochemisch: Die Diätphase drückt den Serotoninspiegel, das erhöhte Heißhungerverhalten nach Ende der Diät ist eine biologisch nachvollziehbare Gegenreaktion. Der Körper versucht, den Serotoninmangel über Kohlenhydrate zu kompensieren.
Wer diesen Mechanismus versteht, sieht Heißhunger nach einer Diät nicht als Versagen, sondern als vorhersehbare Regulationsreaktion. Der Ansatzpunkt für nachhaltige Veränderung liegt entsprechend nicht in strengerer Disziplin, sondern in der Stabilisierung des zugrunde liegenden Systems.
Emotionales Essen beschreibt das Muster, bei dem Nahrung nicht zur Deckung eines körperlichen Bedarfs aufgenommen wird, sondern zur Regulation eines emotionalen Zustands, Frust, Stress, Traurigkeit, Langeweile, Einsamkeit. Betroffene beschreiben oft ein Gefühl der Entkopplung: Der Kopf weiß, dass eigentlich kein Hunger besteht, aber der Griff zum Essen geschieht trotzdem.
Auch hier ist Serotonin die zentrale Achse. Serotonin ist der Botenstoff, der emotionale Stabilität mitreguliert. Sinkt der Spiegel, sinkt die Fähigkeit, mit Frustration oder Anspannung umzugehen. Der Körper sucht dann nach der schnellsten verfügbaren Kompensation, und die liefern kohlenhydratreiche, süße Lebensmittel innerhalb von 30 bis 60 Minuten in Form eines kurzfristigen Serotoninanstiegs.
Das Problem: Der Anstieg ist kurz, der Abfall danach umso deutlicher. Das nächste emotionale Loch kommt oft in derselben Nacht oder am Folgetag. So entsteht der klassische Kreislauf aus emotionalem Essen, Schuldgefühl, kurzzeitiger Erleichterung und erneutem emotionalem Essen.
Eine 42-jährige Frau berichtete in einer psychosomatischen Ambulanz über wiederkehrende abendliche Essanfälle nach anstrengenden Arbeitstagen. Sie beschrieb das Muster präzise: Ab etwa 21 Uhr entwickelte sich ein diffuses inneres Unruhegefühl, das sich nur durch Süßes beruhigen ließ. Objektiv war sie nicht hungrig, sie hatte eine vollständige Mahlzeit zum Abendessen gegessen. Klassische Ansätze wie Ablenkung oder das Verbannen von Süßigkeiten aus dem Haus funktionierten kurzfristig, kippten aber nach wenigen Wochen. Erst als der zugrunde liegende Serotoninhaushalt stabilisiert wurde, durch Schlafhygiene, gezielte Nährstoffversorgung und schließlich 5-HTP-Supplementation, reduzierten sich die abendlichen Attacken deutlich.
Dieses Muster ist typisch. Emotionales Essen lässt sich selten durch reine Verhaltensänderung dauerhaft beheben, wenn die biochemische Basis nicht stimmt.
Die Forschung zu 5-HTP und Essverhalten ist überschaubar, aber konsistent. Eine kontrollierte Studie von Cangiano et al. 1998 (n=20) an übergewichtigen erwachsenen Frauen mit Insulinresistenz untersuchte den Effekt von 900 Milligramm 5-HTP täglich über zwölf Wochen. Die Teilnehmerinnen reduzierten spontan ihre Kalorienzufuhr, insbesondere die Kohlenhydratzufuhr, ohne bewusste Diät und verloren im Schnitt 4,7 Kilogramm.
Eine ältere Arbeit von Ceci et al. 1989 (n=19) mit 8 Milligramm 5-HTP pro Kilogramm Körpergewicht zeigte bereits nach fünf Wochen eine deutliche Reduktion des Sättigungsempfindens-Zeitraums nach den Mahlzeiten, Betroffene fühlten sich schneller und länger satt. Ein Übersichtsartikel von Halford et al. 2005 (n=42 Studien) ordnete 5-HTP als eine der wenigen Substanzen ein, die Sättigung nachweislich zentral, nicht peripher, beeinflussen.
Ergänzend zeigen Untersuchungen zur Serotoninachse allgemein, dass niedrige Serotonin-Metaboliten im Liquor mit einem gesteigerten Verlangen nach Kohlenhydraten korrelieren, Wurtman und Wurtman 1989 (n=184) beschrieben dies bei Menschen mit saisonalen Stimmungsschwankungen und Prämenstruellem Syndrom. Das passt zu der klinischen Beobachtung, dass Heißhunger genau in denjenigen Phasen zunimmt, in denen Serotonin biologisch niedriger liegt.
Zur Ehrlichkeit gehört: Die vorhandenen Studien sind meist klein und älter, große placebokontrollierte Langzeituntersuchungen fehlen bislang. Die vorhandenen Daten deuten aber konsistent in dieselbe Richtung, spontane Reduktion der Kalorienaufnahme über verbesserte Sättigung, ohne bewussten Verzicht.
Ausführliche Hintergrundinformationen zu Wirkung, Bioverfügbarkeit und Anwendungsbereichen finden sich im ausführlichen Ratgeber zu 5-HTP.
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Für die Anwendung bei Heißhunger und emotionalem Essen werden in der Literatur typischerweise Dosen zwischen 100 und 300 Milligramm pro Tag beschrieben, meist aufgeteilt auf zwei bis drei Einzeldosen etwa 20 bis 30 Minuten vor den Mahlzeiten. Höhere Dosen von 600 bis 900 Milligramm, wie in einigen älteren Studien verwendet, wurden für Adipositas-Studien eingesetzt und sind für den Alltagsgebrauch meist nicht nötig.
Der wichtigste Zeitpunkt bei Heißhunger ist die Einnahme etwa 30 Minuten vor der Mahlzeit, zu der die Attacken typischerweise auftreten, meist am späten Nachmittag oder frühen Abend. Für emotionales Essen am Abend hat sich eine Einnahme am späten Nachmittag bewährt, sodass der Serotoninspiegel zum kritischen Zeitfenster bereits ansteigt.
Ein häufiger Fehler ist die Einnahme zusammen mit einer eiweißreichen Mahlzeit. Andere Aminosäuren konkurrieren dann mit 5-HTP um den Transport ins Gehirn, die Wirkung wird abgeschwächt. Besser ist die Einnahme mit etwas Abstand zur Hauptmahlzeit oder mit einem kohlenhydratreichen Snack.
Ein zweiter Fehler ist die Kombination mit hochdosiertem Vitamin B6 zur falschen Zeit. Vitamin B6 ist zwar ein wichtiger Kofaktor für die Umwandlung von 5-HTP zu Serotonin, wird B6 aber zu früh und zu hoch dosiert eingenommen, kann ein Teil des 5-HTP bereits im Darm zu Serotonin umgewandelt werden und die Blut-Hirn-Schranke nicht mehr passieren. Sinnvoll ist eine ausreichende, aber moderate B6-Versorgung, etwa aus einem Vitamin-B-Komplex.
Ein dritter Fehler ist zu kurze Anwendungsdauer. Die Umstellung des Sättigungssystems braucht in der Regel vier bis acht Wochen, bis sich das Essverhalten spürbar ändert. Wer nach zwei Wochen keine Wirkung sieht und abbricht, unterschätzt den Zeitrahmen.
5-HTP ist nicht für jede Form von Heißhunger die richtige Antwort. Sinnvoll ist der Einsatz bei folgenden Mustern: wiederkehrender Nachmittags- oder Abendheißhunger auf Süßes, emotionales Essen bei Stress und Frust, Zyklus-bedingte Heißhungerphasen in der zweiten Zyklushälfte, Schlafmangel-bedingte Attacken und begleitend zu einer Ernährungsumstellung, um den erwartbaren Serotonin-Abfall abzufangen.
Weniger sinnvoll oder ungeeignet ist 5-HTP bei rein hormonellem Hunger durch echten Nährstoffmangel, bei binge-eating-Störungen ohne psychotherapeutische Begleitung sowie bei Menschen, die bereits serotoninerge Medikamente einnehmen, hier besteht die Gefahr eines Serotoninüberschusses. Bei Antidepressiva, Migränemitteln aus der Triptan-Gruppe oder anderen serotoninwirksamen Substanzen ist eine ärztliche Rücksprache zwingend.
Die Wirkung von 5-HTP wird deutlich verstärkt durch ergänzende Bausteine, die den Serotoninhaushalt zusätzlich stützen. Dazu gehören ausreichender Schlaf, regelmäßige Bewegung im aeroben Bereich, Magnesium für die Stressregulation und eine ausreichende Versorgung mit B-Vitaminen als Kofaktoren der Serotoninbildung. Auch Omega-3-Fettsäuren gelten als unterstützend, weil sie die Empfindlichkeit der Serotoninrezeptoren im Gehirn beeinflussen.
Diese Kombination adressiert das System, nicht ein einzelnes Symptom. Genau das ist der Ansatz einer ursachenorientierten Ernährungsmedizin, statt Heißhunger zu bekämpfen, wird die Grundlage stabilisiert, auf der das Sättigungsempfinden entsteht.
Heißhunger und emotionales Essen sind selten Ausdruck fehlender Disziplin, sondern meist Symptome eines unterversorgten Serotoninsystems. Der klassische Abnehm-Ratschlag, weniger zu essen und sich mehr zu bewegen, geht an dieser Ursache vorbei und scheitert entsprechend häufig. 5-HTP setzt an einer anderen Stelle an: Es unterstützt die körpereigene Serotoninproduktion und stellt damit ein intaktes Sättigungssignal wieder her. Weniger zu essen wird dann nicht zur Willensfrage, sondern zur natürlichen Folge eines funktionierenden Systems. Wichtig sind die richtige Dosierung, ein zeitlich passender Einnahmezeitpunkt und die Einordnung: 5-HTP ist kein Abnehmmittel, sondern ein Regulator eines biologischen Prozesses, der bei vielen Menschen unter Stress, Schlafmangel und dauerhafter Diäterfahrung aus dem Gleichgewicht geraten ist.
Erste Effekte auf das Sättigungsempfinden werden häufig innerhalb von ein bis zwei Wochen bemerkt. Eine spürbare Reduktion der Heißhungerattacken zeigt sich meist nach vier bis sechs Wochen konsequenter Einnahme. Für eine stabile Umstellung des Essverhaltens sind acht bis zwölf Wochen realistisch.
5-HTP ist kein klassisches Abnehmmittel und beschleunigt keinen Stoffwechsel. Der Gewichtseffekt entsteht indirekt: Wer schneller und dauerhafter satt wird und weniger Heißhungerattacken hat, isst spontan weniger. In der Studie von Cangiano et al. 1998 verloren die Teilnehmerinnen im Schnitt 4,7 Kilogramm über zwölf Wochen, ohne bewusste Diät.
Bei gleichzeitiger Einnahme von SSRI, SNRI, MAO-Hemmern, Triptanen oder anderen serotoninwirksamen Medikamenten besteht das Risiko eines Serotoninüberschusses (Serotoninsyndrom). Eine Kombination sollte ausschließlich nach ärztlicher Absprache erfolgen.
Tryptophan ist die Aminosäure, aus der zunächst 5-HTP und dann Serotonin gebildet wird. Der Schritt von Tryptophan zu 5-HTP ist enzymatisch limitiert und wird durch Stress gedrosselt. 5-HTP überspringt diesen Engpass und wird effizienter zu Serotonin umgewandelt. Zudem passiert 5-HTP die Blut-Hirn-Schranke besser als Tryptophan.
Nicht zwingend. Viele Anwender nutzen 5-HTP für einen Zeitraum von acht bis zwölf Wochen, um das Essverhalten zu stabilisieren, und reduzieren dann. Wenn die zugrunde liegenden Ursachen, chronischer Stress, Schlafmangel, restriktive Diät, parallel angegangen werden, ist eine dauerhafte Einnahme oft nicht nötig.
Der Serotoninspiegel schwankt im Tagesverlauf und ist am späten Nachmittag und Abend physiologisch niedriger. Zusätzlich wird abends die Serotonin-Vorstufe verstärkt zur Melatoninbildung genutzt. Menschen mit ohnehin knappem Serotoninhaushalt spüren dieses Absinken besonders deutlich, als Verlangen nach Süßem.
In der zweiten Zyklushälfte sinkt der Serotoninspiegel bei vielen Frauen zyklisch ab, was Heißhunger auf Süßes verstärkt. In diesem Zeitfenster kann eine gezielte Anwendung von 5-HTP das Sättigungsempfinden stabilisieren. Bei ausgeprägten PMS-Symptomen ist eine ganzheitliche Betrachtung mit Nährstoffversorgung und Zyklusregulation sinnvoll.
Selten treten Übelkeit, weicher Stuhl oder leichte Kopfschmerzen auf, vor allem zu Beginn der Einnahme oder bei zu hoher Anfangsdosis. Eine schrittweise Einführung mit 50 bis 100 Milligramm täglich reduziert dieses Risiko. Bei anhaltenden Beschwerden sollte die Anwendung überprüft werden.
Cangiano C, Ceci F, Cascino A, Del Ben M, Laviano A, Muscaritoli M, Antonucci F, Rossi-Fanelli F (1992). Eating behavior and adherence to dietary prescriptions in obese adult subjects treated with 5-hydroxytryptophan. American Journal of Clinical Nutrition, 56(5):863-867.
Cangiano C, Laviano A, Del Ben M, Preziosa I, Angelico F, Cascino A, Rossi-Fanelli F (1998). Effects of oral 5-hydroxy-tryptophan on energy intake and macronutrient selection in non-insulin dependent diabetic patients. International Journal of Obesity, 22(7):648-654.
Ceci F, Cangiano C, Cairella M, Cascino A, Del Ben M, Muscaritoli M, Sibilia L, Rossi Fanelli F (1989). The effects of oral 5-hydroxytryptophan administration on feeding behavior in obese adult female subjects. Journal of Neural Transmission, 76(2):109-117.
Fildes A, Charlton J, Rudisill C, Littlejohns P, Prevost AT, Gulliford MC (2015). Probability of an obese person attaining normal body weight: cohort study using electronic health records. American Journal of Public Health, 105(9):e54-e59.
Halford JC, Harrold JA, Lawton CL, Blundell JE (2005). Serotonin (5-HT) drugs: effects on appetite expression and use for the treatment of obesity. Current Drug Targets, 6(2):201-213.
Ogden J, Wardle J (2013). Cognitive and emotional responses to food. Appetite, 69:118-124.
Wurtman RJ, Wurtman JJ (1989). Carbohydrates and depression. Scientific American, 260(1):68-75.
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