Der Biofilm im Darm & seine Folgen

Veröffentlicht am: März 08, 2021 | Aktualisiert am: Februar 17, 2022
Irina Fink
Irina Fink

Heilpraktikerin

Im ersten Teil unseres Ratgebers zum Biofilm haben wir Ihnen erklärt, was der Biofilm ist, was er in unserem Körper anstellt und welche schädlichen Bewohner unser Darm dabei beherbergt.

Aber Parasiten, Viren, Pilze und Bakterien sind nicht die einzigen Probleme, die ein Biofilm mit sich bringt. Langfristig können viele gesundheitliche Beschwerden entstehen.

Biofilm im Darm: langfristige Probleme für die Gesundheit

1) Chronische bakterielle Infektionen: 

Bakterielle Infektionen sind seit jeher eine große Bedrohung für die menschliche Gesundheit - trotz der Fortschritte in der Gesundheitsversorgung. Infektionen können in jeder Phase des Lebens auftreten, werden aber meist durch ein gesundes Immunsystem kontrolliert. Besteht jedoch ein Biofilm, kann dieses nicht richtig arbeiten und die Infektion hält an. Einer Studie zufolge können sogar bis zu 80 % aller bakteriellen Infektionen mit einem Biofilm in Verbindung gebracht werden. 

2) Multiresistente Keime:

Besonders in Krankenhäusern sind die multiresistenten Keime gefürchtet, da sie speziell immungeschwächte Patienten, ältere Menschen und Patienten mit bestehenden chronischen Erkrankungen angreifen. Wie kommt es dazu? Die Bakterien siedeln sich an Oberflächen und Geräten an und bilden auch dort einen Biofilm. Infiziert man sich damit, haben Medikamente wie Antibiotika kaum mehr eine Chance, den Erregern entgegenzuwirken. Infektionen dieser Art führen oft zu langwierigen Behandlungen und teils schwerwiegenden Komplikationen bis hin zum Tod.

3) Krankheiten aller Art:

Die Störung der Darmflora wird mit einer Vielzahl von Krankheiten in Verbindung gebracht. Dazu zählen chronische Entzündungen, Diabetes, Fettleibigkeit, Darmerkrankungen und Depressionen. 

4) Nährstoffmangel:

Bakterien und Co. brauchen genauso Nährstoffe, um zu überleben. Um diese zu bekommen, schnappen sie uns diese weg und uns stehen weniger zur Verfügung. Mit der Zeit mangelt es uns dann an den wichtigen Nährstoffen.

5) Trockene Darmwand: 

Die Darmwand ist mit einer feuchten Schleimhaut ausgekleidet. Der Biofilm lässt aber keine Feuchtigkeit durch, weshalb die Darmhaut austrocknet und es zu Entzündungen kommt.

➤ 80 % aller bakteriellen Infektionen werden mit einem Biofilm in Verbindung gebracht!

Biofilm entfernen – so geht’s

1) Reishi Pilz

Die Forschung zeigt, dass bestimmte Vitalpilze, wie etwa der Reishi Pilz gegen den Biofilm ankommen und eine antibakterielle Wirkung aufweisen. Sie helfen dabei zu verhindern, dass die typischen Bakterien eine Verbindung eingehen und so einen Biofilm mit komplexen Koloniestrukturen bilden können. 

2) Enzyme

Häufig werden Enzympräparate (beispielsweise welche mit α-Amylase) verwendet, um die Biofilm-Matrix gezielt abzubauen und aufzulösen. Des Weiteren stören Enzyme die Kommunikation zwischen den Bakterien, Parasiten und Co. und verhindern so einen erneuten Aufbau des Biofilms. 

3) Curcumin

In einer Studie wurden Flavonoide untersucht, darunter Curcumin aus der Kurkuma Wurzel. Diese hemmen nachweislich die Biofilmbildung. Dabei konnte Curcumin – dem aktivsten Flavonoid, die größte Antibiofilm-Aktivität aufweisen.

4) Phagen-Therapie

Bakteriophagen sind bisher vor allem in der Bekämpfung von multiresistenten Keimen bekannt. Sie werden aber auch als effektive therapeutische Strategie zur Entfernung von Biofilmzellen eingesetzt. Leider ist die Phagen-Therapie bei uns derzeit noch nicht zugelassen.

Dem Biofilm im Darm jetzt vorbeugen

Um die Darmflora zu schützen und zu unterstützen, eignen sich Pro- und Präbiotika, da sie wertvolle Mikroorganismen-Stämme sowie Ballaststoffe enthalten. Die Mikroflora wird vergrößert und gestärkt. Des Weiteren kann MSM zur regelmäßigen Entgiftung bzw. Bekämpfung von Parasiten eingesetzt werden 

Passen Sie Ihre Ernährung an und bieten Sie schädlichen Bakterien kein Umfeld. Kennen Sie schon die basische Ernährung? Wahrscheinlich ist keine Ernährung besser geeignet für ein gesundes Leben. Ihr Ziel ist es, Entzündungen zu lindern und zugesetzter Zucker, Fertigprodukte und schlechte Fette zu vermeiden. Gleichzeitig wird mehr Obst, Gemüse, Ballaststoffe sowie gute Fette konsumiert. Das freut vor allem die guten Mikroorganismen im Darm.

Fazit:

Fühlen wir uns krank, greifen wir auf Medikamente und Therapien zurück. Was aber, wenn das nichts nützt, weil sich die schädlichen Bakterien unter einem Schutzschild verstecken?

Ein Biofilm bringt viele gesundheitlichen Folgen mit sich und begünstigt Krankheiten. Deshalb ist es wichtig, diesen aufzubrechen und die schädlichen Bakterien, Parasiten und Co. inklusive Toxine zu eliminieren. Es gibt einige Ansätze, wie ein Biofilm abgebaut werden kann und wie vor einem neuen Aufbau vorgebeugt werden kann. 

Bringen Sie Ihre Darmflora wieder auf den aktuellen Stand und fühlen Sie sich wieder wohl.

 

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