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Der bittere Geschmack von Wermut ist kein Zufall, sondern sein pharmakologischer Wirkmechanismus: Die enthaltenen Sesquiterpenlactone, allen voran Absinthin, aktivieren über die Bitterrezeptoren auf der Zunge reflektorisch die Speichel-, Magensaft- und Gallenproduktion, noch bevor der erste Schluck den Magen erreicht. Genau dieser Bitterstoff-Reflex erklärt, warum ein derart unscheinbares Kraut so vielseitig auf den Verdauungstrakt wirkt, und weshalb es weit mehr ist als nur die Grundlage der berühmten Spirituose Absinth.
Wermut wird oft eingesetzt, um Darmwürmer, insbesondere Spul- und Madenwürmer, zu beseitigen. Aus diesem Grund wird er oft als Teil einer Parasitenkur empfohlen. Zudem ist Wermutkraut der Hauptbestandteil des pflanzlichen Medikaments Artemisinin, welches als stärkstes Malariamittel auf dem Markt beworben wird. Doch damit nicht genug. Wermut-Tee kann bei Magersucht, Schlaflosigkeit, Blutarmut, Appetitlosigkeit, Blähungen, Magenschmerzen, Gelbsucht und Verdauungsstörungen eingesetzt werden. Ein wahres Superkraut für die Gesundheit.
Weshalb bei einigen Wermutprodukten trotzdem Vorsicht geboten ist, worum es sich bei Thujon handelt und warum Wermut nicht gleich Wermut ist, erfahren Sie in diesem Ratgeber.
Die wichtigste Frage vorab, was ist Wermut eigentlich?Artemisia absinthium ist eine mehrjährige Pflanze aus der Familie der Korbblütler, die in Europa, Asien und Teilen Afrikas beheimatet ist. Sie hat einen aromatischen Geruch und einen würzig-bitteren Geschmack. Die Pflanze hat graugrüne oder weiße, fein behaarte Stängel und gelbgrüne Blätter. Diese Blätter besitzen spezielle Drüsen mit harzigen Partikeln, in denen ein natürliches Insektizid gespeichert ist.
Alle oberirdischen Teile der Pflanze, also Stängel, Blätter und Blüten, werden medizinisch eingesetzt. Wermut kann frisch oder getrocknet verwendet werden, Wermut-Tee wird häufig gegen eine Reihe von Beschwerden getrunken.
Wermut kann als Tee, Extrakt, Tinktur oder Salbe eingesetzt werden. Egal in welcher Form, der positive Nutzen dieser Pflanze ist vielfältig. Das liegt unter anderem an den zahlreichen bioaktiven Verbindungen, die in Wermutkraut enthalten sind.
Seit Jahrhunderten wird Wermutkraut als natürliches Mittel gegen mehrere Parasiten eingesetzt. Darmwürmer wie Madenwürmer, Spulwürmer und Bandwürmer können den menschlichen Darm befallen und schwere Krankheiten verursachen.
Die in Wermutkraut enthaltenen natürlichen Wirkstoffe wie Thujon und Sesquiterpenlactone greifen Parasiten im Körper direkt an. Diese Verbindungen hemmen die Beweglichkeit der unerwünschten Eindringlinge und beeinträchtigen ihre Lebensfähigkeit.
Spulwürmer gehören in Europa zu den häufigsten Wurminfektionen. Sie verbreiten sich durch direkten Kontakt und können vor allem bei Kindern unangenehme Symptome hervorrufen. Wermutkraut wird gegen Würmer eingesetzt, da es sie lähmt, abtötet und den Darm wirksam reinigt.
Malaria ist eine gefährliche Erkrankung, die durch den Stich einer, mit Malaria infizierten Mücke übertragen wird. Dabei gelangt ein Parasit in den Körper, welcher die roten Blutkörperchen des Menschen befällt.
Arteminisin ist ein Extrakt, der aus Wermutkraut isoliert wird und gegen Malaria eingesetzt wird. Das pflanzliche Arzneimittel zählt zu den stärksten Malariamitteln auf dem Markt und reduziert die Anzahl der Parasiten im Blut von Malariapatienten. Die WHO empfiehlt Artemisinin-Kombinationstherapien bei unkomplizierter Malaria.
Um zu verstehen, wieso Wermut einen positiven Einfluss auf die Psyche hat, muss man wissen, dass die Psyche und die Verdauung eng miteinander verbunden sind. Der Großteil des Glückshormons Serotonin wird im Darm gebildet. Wermutkraut enthält Bitterstoffe, die die Verdauung anregen und somit indirekt auf die Psyche wirken. Denn ein gesunder Magen-Darm-Trakt wirkt sich positiv auf die Stimmung aus.
Viele Menschen berichten außerdem von einer beruhigenden Wirkung nach der Einnahme von Wermut-Tee oder Wermutauszügen. Dieser Effekt könnte auf eine milde sedierende Wirkung zurückzuführen sein, die Spannungszustände und Unruhe lindert.
Gerade im Hinblick auf die psychische Gesundheit ist jedoch Vorsicht geboten. Wermut enthält den Wirkstoff Thujon, der in hohen Dosen neurotoxisch ist. Der Wirkstoff hemmt den beruhigenden Neurotransmitter GABA, was zu einer erhöhten Erregbarkeit des Nervensystems führt. Zu hohe Mengen Thujon können psychoaktive Wirkungen hervorrufen, die sich in Halluzinationen, Unruhe, Angstzuständen bis hin zu Krampfanfällen äußern können. Diese Effekte treten jedoch nur bei stark überdosierten oder unverdünnten Zubereitungen auf.
Studien haben gezeigt, dass die ätherischen Öle des Wermutkrauts antimikrobielle Eigenschaften besitzen. Wermutöl besitzt ein breites Spektrum antimikrobieller Aktivität gegen verschiedene Bakterienstämme, einschließlich E.coli und Salmonellen.
Das Öl kann aber nicht nur Bakterien abtöten, sondern nachweislich auch Pilze. Verschiedene Untersuchungen kamen zu dem Ergebnis, dass das ätherische Wermutöl, welches aus den oberirdischen Teilen der Artemisia absinthium destilliert wird, das Wachstum einer Vielzahl an getesteten Pilzen hemmt. Das Öl zeigte zudem auch antioxidative Eigenschaften.Außerdem kann das Wermutöl das Wachstum von Candida albicans hemmen. Dabei handelt es sich um die häufigste Hefepilzinfektion, die im Mund, im Darm und in der Vagina vorkommt und auch die Haut und andere Schleimhäute befallen kann.
Viele Menschen wenden sich natürlichen und alternativen Behandlungsmethoden zu, wenn sie Probleme mit ihrem Magen-Darm-Trakt haben, und das aus gutem Grund. Studien zeigen, dass pflanzliche Mittel wie Wermut-Tee oder Wermutkraut-Kapseln hervorragend gegen eine bakterielle Überbesiedelung des Dünndarms oder SIBO-Symptome helfen können.
Die heute übliche Behandlung von SIBO beschränkt sich auf orale Antibiotika mit unterschiedlicher Wirksamkeit. Im Jahr 2014 erhielten 104 Patienten mit neu diagnostizierter SIBO im Rahmen einer Studie vier Wochen lang täglich entweder eine hohe Dosis Rifaximin oder eine pflanzliche Therapie.
Die pflanzlichen Produkte wurden speziell ausgewählt, da sie antimikrobielle Kräuter wie Wermut, Oregano-Öl, Thymian- und Berberin-Extrakte enthielten. Zu den Nebenwirkungen, die bei den Rifaximin-Patienten gemeldet wurden, gehörten Anaphylaxie (potenziell lebensbedrohliche allergische Reaktion), Nesselsucht, Durchfall und C.difficile Kolitis. In der Gruppe der Patienten mit pflanzlicher Therapie gab es einen Fall von Durchfall, weitere Nebenwirkungen wurden nicht gemeldet.
Wermutkraut ist als ätherisches Öl, in Form von Kapseln, Tabletten, Tinkturen, Salben und Flüssigextrakten erhältlich. Es kann auch frisch oder getrocknet als Tee oder Aufguss verwendet werden.
Die beliebteste Art der Anwendung ist die getrocknete Variante, die wenig bis kein Thujon enthält. Um einen Wermut Tee zuzubereiten, folgen Sie diesem Rezept:
Die Dosierung des Wermut-Tees hängt vom Verwendungszweck ab.Wermut-Tee Zubereitungen werden in der Regel schluckweise getrunken, da der stark bittere Geschmack ein wichtiger Bestandteil der therapeutischen Wirkung bei Magenbeschwerden ist. Er kann auch als gelegentliches Energiemittel eingenommen werden.
Bei Darmbeschwerden wie Würmern oder Parasiten wird idealerweise pulverisierter Wermut in Pillenform eingenommen.
Hinweis: Wermut-Tee oder andere Wermut Produkte sollten nur unter fachkundiger Aufsicht eingenommen werden. Die Einnahme sollte immer in kleinen Dosen nach Anweisung und nicht länger als vier Wochen am Stück erfolgen.
Wermut ist nicht für eine langfristige Einnahme geeignet. Achten Sie darauf, die empfohlene Dosierung nicht zu überschreiten, da ein übermäßiger Konsum hochgiftig sein kann. Wird Wermutkraut länger als vier Wochen oder in höherer Dosis als empfohlen eingenommen, können Übelkeit, Erbrechen, Unruhe, Schlaflosigkeit, Schwindel, Zittern und Krämpfe auftreten.
Die amerikanische Gesundheitsbehörde FDA stuft Wermut aufgrund der Toxizität des Thujonöls als unsicher für die innere Anwendung ein. Das Kraut gilt jedoch als sicher, wenn es in Mengen, die üblicherweise in Nahrungsmitteln und Getränken enthalten sind, oral eingenommen wird, vorausgesetzt, diese Produkte enthalten kein Thujon.
Thujonhaltige Produkte wie Absinth können bei oraler Einnahme gefährlich werden. Mögliche Nebenwirkungen von Absinth bzw. Von Thujon sind:
Während der Schwangerschaft und Stillzeit sollte Wermut in keiner Form eingenommen werden. Wermutkraut wirkt nachweislich abtreibend.
Wer allergisch auf das Beifußblättrige Traubenkraut (Ambrosia) oder andere Pflanzen aus der Familie der Korbblütler reagiert, kann auch auf Wermut eine allergische Reaktion zeigen.
Personen, die an Porphyrie leiden (eine Gruppe von Krankheiten, die durch eine Anhäufung von natürlichen Chemikalien verursacht werden, die im Körper Porphyrin produzieren) sollten wissen, dass das im Wermutöl enthaltene Thujon die körpereigene Produktion von Chemikalien (Porphyrine genannt) erhöhen kann. Diese Eigenschaft kann Porphyrie verschlimmern.
Epilepsiepatienten oder Personen mit ähnlichen Erkrankungen sollten vor der Einnahme mit Ihrem Arzt Rücksprache halten. Thujon kann Krampfanfälle auslösen, besonders bei Menschen, die zu epileptischen Anfällen neigen.
Auch Patienten mit Nierenproblemen sollten die Einnahme von Wermutkraut vermeiden. Das Öl kann zu Nierenversagen führen. Von der Verwendung des ätherischen Öls in der Aromatherapie wird grundsätzlich abgeraten, da es eine extrem hohe Menge an Thujon enthält, das nervenschädigend wirkt.
Die Wirkung von Wermut wurde in mehreren klinischen Studien untersucht. Eine kontrollierte Studie von Omer et al. (2007), veröffentlicht im Phytomedicine Journal, verglich 40 Erwachsene mit Morbus Crohn: Die Gruppe, die 1.500 mg Wermutpulver täglich erhielt, zeigte bei 65 Prozent der Teilnehmer eine deutliche Symptomlinderung, während in der Placebogruppe nur 15 Prozent von einer Besserung berichteten. Nach acht Wochen konnte die Wermut-Gruppe zudem die Steroiddosis deutlicher reduzieren als die Kontrollgruppe.
Eine kleinere Pilotstudie mit 20 Betroffenen bestätigte diese Beobachtung: Acht von zehn Teilnehmern, die sechs Wochen lang dreimal täglich 750 mg getrocknetes Wermutpulver einnahmen, berichteten über weniger Symptome und eine spürbar verbesserte Stimmungslage.
Für die antiparasitäre Wirkung ist vor allem der sesquiterpenoide Bitterstoff Artemisinin bedeutsam, ein Verwandter des Malaria-Wirkstoffs, der aus Artemisia annua isoliert wurde und für dessen Entdeckung Youyou Tu 2015 den Medizin-Nobelpreis erhielt. Die Forschung zeigt, dass ähnliche Sesquiterpenlactone auch in Artemisia absinthium die Zellmembranen von Parasiten schädigen und deren Energiestoffwechsel stören.
Wermut ist in der antiparasitären Anwendung stark, entfaltet sein volles Potenzial aber im Zusammenspiel mit ergänzenden Nährstoffen. Wer Wermut gezielt einsetzt, sollte an die begleitende Entlastung des Körpers denken, denn abgetötete Parasiten setzen Stoffwechselprodukte frei, die Leber und Ausscheidungsorgane fordern.
MSM (Methylsulfonylmethan) unterstützt die körpereigenen Entgiftungswege und wird traditionell in Parasiten-Kuren begleitend eingesetzt, weil es die Darmschleimhaut in ihrer Barrierefunktion stärkt.
Akazienfaser und Inulin wirken als lösliche Ballaststoffe: Sie binden abgetötete Parasiten und Stoffwechselreste im Darm, fördern die Ausscheidung und dienen gleichzeitig als Nahrung für förderliche Darmbakterien.
Probiotika sind nach einer Parasitenkur besonders wichtig, weil das mikrobielle Gleichgewicht im Darm häufig gestört ist. Ausgewählte Milchsäurebakterien-Stämme helfen, die Darmflora wieder aufzubauen.
Mariendistel mit dem Wirkstoff Silymarin schützt die Leberzellen während der Ausleitungsphase und unterstützt die Regeneration des wichtigsten Entgiftungsorgans.
Kurkuma ergänzt Wermut durch seine entzündungshemmenden Eigenschaften im Verdauungstrakt, gerade bei chronisch gereizter Darmschleimhaut eine sinnvolle Ergänzung.
Zink und Vitamin C stärken die Immunabwehr, die bei einem länger bestehenden Parasitenbefall häufig geschwächt ist. Zink ist zudem entscheidend für die Regeneration der Darmschleimhaut.
Diese Kombination bildet den Kern gezielter Anti-Parasiten-Strategien: Wermut wirkt direkt gegen die Parasiten, während MSM, Ballaststoffe, Probiotika und Mariendistel die Ausleitung und Regeneration begleiten.
Morbus Crohn ist eine chronisch-entzündliche Darmerkrankung, die mit starken Bauchschmerzen, Durchfall und ausgeprägter Müdigkeit einhergeht. Die Standardbehandlung basiert häufig auf Kortikosteroiden, Medikamenten, die bei längerer Einnahme erhebliche Nebenwirkungen haben können. Genau deshalb rückt Wermut als pflanzliche Ergänzung zunehmend in den Fokus der Forschung.
Der Wirkmechanismus lässt sich einfach erklären: Die Bitterstoffe im Wermut, allen voran Absinthin, regen die Produktion von Verdauungssäften an und wirken zugleich lokal beruhigend auf entzündete Darmabschnitte. Zusätzlich hemmen die enthaltenen Sesquiterpene entzündungsfördernde Botenstoffe im Körper.
In der bereits erwähnten Studie von Omer et al. Erhielten Betroffene über acht Wochen 1.500 mg Wermutpulver täglich, aufgeteilt in drei Einzeldosen zu je 500 mg vor den Mahlzeiten. Neben der Symptomlinderung fiel den Forschenden auf, dass sich auch die Stimmung der Teilnehmer verbesserte. Dieser Doppeleffekt, Darm und Psyche, ist bei Morbus Crohn besonders wertvoll, weil viele Betroffene unter der psychischen Belastung durch die Erkrankung leiden.
Wichtig ist die Einordnung: Wermut ersetzt keine medizinische Therapie bei Morbus Crohn. Er kann jedoch begleitend eingesetzt werden, idealerweise in Absprache mit dem behandelnden Komplementärmediziner oder Heilpraktiker oder dem behandelnden Arzt, weil sich die Kortikosteroid-Dosis bei erfolgreicher Ergänzung möglicherweise anpassen lässt.
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