Was ist eine Binge-Eating-Störung und wie überwinde ich sie?

Was ist eine Binge-Eating-Störung und wie überwinde ich sie?

19 Min. Lesezeit Aktualisiert am 30. September 2026
Das Wichtigste in Kürze
Die Binge-Eating-Störung ist die häufigste Essstörung: Essanfälle mit Kontrollverlust treten im Schnitt mindestens einmal pro Woche über drei Monate auf, ohne dass Betroffene danach erbrechen oder Abführmittel nehmen (Citrome, 2019). Am besten hilft Psychotherapie, vor allem kognitive Verhaltenstherapie; auch strukturierte Selbsthilfe nach diesem Ansatz wirkt (Hilbert et al., 2019). Diäten und Fasten halten Essanfälle eher am Laufen, regelmäßige Mahlzeiten helfen (Zendegui et al., 2014). Hilfe gibt es beim Beratungstelefon des BIÖG unter 0221 892031 und bei der Telefonseelsorge unter 0800 111 0 111 (Österreich 142, Schweiz 143).

Jeder von uns isst manchmal zu viel. Ob an Feiertagen oder im Urlaub, da wird richtig geschlemmt. Aber für manche Menschen gibt es keine einzelnen Tage, an denen sie sich überessen, da es regelmäßig und völlig unkontrolliert geschieht. Bei ihnen wird das „Überessen“ zur Gewohnheit. Genau dann ist die Grenze zu einer Binge-Eating-Störung überschritten.

Was ist Binge-Eating?

Eine Binge-Eating-Störung ist eine ernstzunehmende Essstörung, bei der Betroffene regelmäßig ungewöhnlich große Mengen an Nahrung konsumieren und nicht aufhören können zu essen.  Dabei treten diese unkontrollierten Essattacken im Schnitt mindestens einmal pro Woche über drei Monate auf und belasten die Betroffenen stark (Citrome, 2019).

Die Binge-Eating-Störung ist die am häufigsten vorkommende Essstörung (Guerdjikova et al., 2017).

Viele Menschen mit einer Binge-Eating-Störung haben starkes Übergewicht, etwa die Hälfte aber nicht (Citrome, 2019). Auch Normalgewichtige können von dieser Krankheit betroffen sein.

Beim Binge-Eating geht es um die unkontrollierte Nahrungsaufnahme. Anders als bei einer Bulimie folgen auf die Essanfälle keine regelmäßigen Gegenmaßnahmen, und die Anfälle treten auch nicht ausschließlich im Zuge einer Bulimie oder Magersucht auf. Betroffene gleichen die zusätzlichen Kalorien also nicht aus, indem sie Erbrechen herbeiführen, Abführmittel verwenden oder übermäßig Sport treiben. Viele versuchen danach, mit Diäten oder Fasten gegenzusteuern. Gerade das hält die Essanfälle oft am Laufen (Zendegui et al., 2014).

Die Schwere einer Binge-Eating-Störung richtet sich nach der Häufigkeit der Essanfälle pro Woche.

Eine Binge-Eating-Störung ist durch folgende Merkmale gekennzeichnet:

  • Verzehr einer deutlich größeren Menge an Nahrung innerhalb eines bestimmten Zeitraumes (z.B. von 2 Stunden): Die Menge ist dabei wesentlich größer, als die meisten Menschen innerhalb eines ähnlichen Zeitraums unter ähnlichen Umständen essen würden.
  • Kontrollverlust bezüglich der Nahrungsaufnahme innerhalb dieses Zeitraums: Betroffene haben beispielsweise das Gefühl, dass sie nicht aufhören können zu essen bzw. kontrollieren können, was bzw. wie viel sie essen.

Gleichzeitig gehen diese Attacken mit mindestens drei der folgenden Begleiterscheinungen einher:

  • Sehr schnelles und hektisches Essen
  • Essen, bis man sich unangenehm satt fühlt
  • Verzehr großer Mengen an Nahrung, obwohl man sich nicht hungrig fühlt
  • Alleine essen, da es einem peinlich ist, dass andere mitbekommen, wie viel man isst
  • Das Gefühl von Abscheu bzw. sich deprimiert oder schuldig fühlen, nachdem der Essanfall vorüber ist

Menschen mit einer Binge-Eating-Störung verspüren einen starken Drang zu essen, dem sie nicht widerstehen können. Sie essen einfach weiter. Ob selbst betroffen oder in Sorge um jemanden aus dem Umfeld: Eine Behandlung kann helfen.

Der erste und hilfreichste Schritt ist die Erkenntnis, mit dem Problem nicht allein zu sein. Wer sieht, wie andere mit ähnlichen Herausforderungen zurechtkommen, spürt oft, wie der Druck nachlässt.

Warnsignale und Symptome einer Binge-Eating-Störung

Eine Binge-Eating-Störung bringt wie jede andere Störung Warnsignale mit sich, die mehr oder weniger gut von außen beobachtet werden können.

Verhaltensauffälligkeiten und emotionale Warnsignale

  • Beweise für Binge-Eating: das Verschwinden großer Mengen Nahrung innerhalb kurzer Zeit oder viele leere Behälter/ Umverpackungen, die auf den Verzehr großer Mengen hinweisen
  • offensichtliches Unwohlsein, in der Gegenwart anderer zu essen
  • neue extreme Ernährungsgewohnheiten oder Diäten, einschließlich das Vermeiden bestimmter Nahrungsmittelgruppen (kein Zucker, keine Kohlenhydrate, keine Milchprodukte, vegan, vegetarisch)
  • Angst, in der Öffentlichkeit oder in Gegenwart anderer zu essen
  • Stehlen und Horten von Lebensmitteln an ungewöhnlichen Orten 
  • das Schaffen von Plänen oder Ritualen, um Zeit für Essanfälle zu haben 
  • Rückzug von Freunden oder Aktivitäten
  • häufige Diäten 
  • extreme Besorgnis bezüglich Körpergewicht und Form 
  • häufiges Ansehen und Überprüfen im Spiegel auf wahrgenommene Makel
  • wiederholte heimliche Essattacken
  • kein normales Essverhalten, einschließlich Essen über den Tag verteilt ohne feste Mahlzeiten; das Auslassen von Mahlzeiten bzw. der Verzehr geringer Mengen zu regulären Mahlzeiten; sporadisches Fasten
  • Ausbildung bestimmter Essensrituale (z.B. übermäßiges Kauen, Lebensmittel dürfen sich nicht berühren)
  • Ekel-, Scham-, Schuld- bzw. depressive Gefühle aufgrund der verzehrten Mengen
  • geringes Selbstbewusstsein

Körperliche Warnhinweise

  • sichtbare Schwankungen des Körpergewichts (Ab- und Zunahmen)
  • Magenkrämpfe und andere unspezifische Verdauungsbeschwerden (Verstopfung, Sodbrennen usw.)
  • Konzentrationsschwierigkeiten

Welche Rolle spielen Stress und Gefühle beim Binge-Eating?

Negative Gefühle und ein ungünstiger Umgang mit ihnen tragen dazu bei, dass Essanfälle entstehen und bestehen bleiben. Besonders wichtig sind Ärger und Traurigkeit sowie Enttäuschung, Verletztheit oder Einsamkeit im Umgang mit anderen Menschen. Betroffene neigen dazu, unangenehme Gefühle zu unterdrücken oder darüber zu grübeln, und oft gehen Essanfällen mehr negative Gefühle voraus (Dingemans et al., 2017). Deshalb gehört der Umgang mit Gefühlen und Stress zu jeder Behandlung.

Begleitend kann es guttun, im Alltag gezielt für mehr innere Ruhe zu sorgen. GABA ist der wichtigste beruhigende Botenstoff im Nervensystem. Ashwagandha senkte in einer Meta-Analyse von 12 randomisierten Studien Stress und Angst im Vergleich zu Placebo (Akhgarjand et al., 2022). Beides kombiniert das Innere Ruhe Paket – als Ergänzung, nicht als Ersatz für eine Therapie.

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Auswirkungen einer Binge-Eating-Störung auf die Gesundheit

Jede Essstörung schadet der Gesundheit, da es sich immer um abnormales Essverhalten handelt. Risiken bestehen vor allem hinsichtlich:

  • Klinische Fettleibigkeit
  • Gewichtsstigmatisierung
  • Ständige Ab- und Zunahme (Jo-Jo-Effekt)
  • Gesundheitsprobleme

Die meisten Menschen, die als klinisch fettleibig gelten, leiden nicht an einer Binge-Eating-Störung. Umgekehrt hängt die Störung eng mit starkem Übergewicht zusammen (Hudson et al., 2007); etwa die Hälfte der Betroffenen hat jedoch keine Adipositas (Citrome, 2019). Die Störung kann Menschen jeglicher Gewichtsgruppen treffen.

Komplikationen

Zur Störung können sich psychologische und körperliche Probleme gesellen.

Dazu gehören unter anderem:

  • eingeschränkte Lebensqualität
  • Schwierigkeiten am Arbeitsplatz, im Privaten oder im sozialen Umfeld zu funktionieren
  • soziale Isolation
  • Fettleibigkeit
  • Gesundheitsprobleme im Zusammenhang mit Fettleibigkeit, beispielsweise Gelenkbeschwerden, Herzerkrankungen, Diabetes Typ 2, gastroösophageale Refluxkrankheit (GERD) sowie schlafbedingte Atmungsstörungen.

Häufige psychische Störungen im Zusammenhang mit Binge-Eating:

  • Depressionen
  • bipolare Störungen
  • Ängste
  • Substanzmissbrauch

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Ursachen einer Binge-Eating-Störung

Die genauen Ursachen einer Binge-Eating-Störung sind unbekannt. Doch die Genetik, biologische Faktoren, langfristige Diäten und psychologische Störungen vergrößern das Risiko. Dabei wirken erbliche Einflüsse und belastende Lebensumstände zusammen (Citrome, 2019).

Risikofaktoren für eine Binge-Eating-Störung

Binge-Eating trifft häufiger Frauen als Männer: In einer großen US-Erhebung waren im Laufe des Lebens 3,5 % der Frauen und 2,0 % der Männer betroffen (Hudson et al., 2007). Aber grundsätzlich können Menschen jeden Alters betroffen sein. Oftmals setzt die Störung jedoch im späten Jugendlichen-Alter bzw. in den frühen Zwanzigern ein.

Faktoren, die das Risiko für eine Binge-Eating-Störung erhöhen:

  • Familiäre Vorbelastung: Die Wahrscheinlichkeit, eine Essstörung zu entwickeln, ist viel größer, wenn Eltern oder Geschwister ebenfalls an einer Essstörung leiden oder litten. Dies liefert Anzeichen dafür, dass unsere Gene eine Rolle bei der Ausbildung der Essstörung spielen könnten.
  • Ernährung: Viele Betroffene haben zahlreiche Diäten hinter sich. Diäten bzw. das Beschränken von Kalorien über den Tag können einen Essanfall auslösen, vor allem bei bestehenden Anzeichen einer Depression.
  • Psychologische Ursachen: Viele Betroffene haben ein negatives Bild von sich, ihren Fähigkeiten und ihren Erfolgen entwickelt. Zu den Auslösern der Essanfälle zählen Stress, starke negative Emotionen (Enttäuschungen, verletzt werden, Einsamkeit), eine negative Körperwahrnehmung sowie die Verfügbarkeit von Lebensmitteln, die im Zuge der Essanfälle bevorzugt vertilgt werden.

Vorbeugung einer Binge-Eating-Störung

Es gibt keine sichere Methode, um einer Binge-Eating-Störung vorzubeugen. Wer Symptome einer Essstörung bei sich bemerkt, sollte professionelle Hilfe suchen. Die Hausärztin oder der Hausarzt kann entsprechende Anlaufstellen nennen.

Wer vermutet, dass ein Familienmitglied oder jemand aus dem Bekanntenkreis an der Essstörung leidet, sollte das Gespräch suchen und professionelle Hilfe anbieten, bevor sich die Situation verschlimmert. Kommentare zu Gewicht oder Essmengen helfen dabei nicht.

Für Eltern:

  • Eine gesunde Körperwahrnehmung fördern, unabhängig von Körpergröße oder -form.
  • Auf eine abwechslungsreiche Ernährung achten und mit dem Kind über gesundes Essen sprechen, ohne Lebensmittel zu verbieten.
  • Bedenken mit der Kinderärztin oder dem Kinderarzt besprechen, die frühe Anzeichen einer Essstörung erkennen und entsprechende Schritte einleiten können.

Welche Therapie hilft bei Binge-Eating?

Am besten untersucht ist Psychotherapie, vor allem die kognitive Verhaltenstherapie (KVT). In einer Meta-Analyse von 81 randomisierten Studien mit 7.515 Betroffenen verringerte Psychotherapie die Essanfälle stark; strukturierte Selbsthilfe nach dem Ansatz der KVT wirkte mittel bis stark (Hilbert et al., 2019). Nach einer von Fachleuten geleiteten KVT war die Chance, ganz ohne Essanfälle zu sein, knapp fünfmal so hoch wie ohne Behandlung (Brownley et al., 2016).

In der KVT geht es um regelmäßiges Essen, das Erkennen von Auslösern, den Umgang mit belastenden Gefühlen und ein freundlicheres Bild vom eigenen Körper. Reine Abnehmprogramme sind nicht der richtige erste Schritt: Psychotherapie verringerte die Essanfälle in Vergleichsstudien stärker als Programme zur Gewichtsabnahme (Hilbert et al., 2019). Eine Ernährungsberatung kann die Therapie ergänzen, wenn sie auf feste Mahlzeiten statt auf Verzicht setzt.

Auch Medikamente wurden untersucht, ihr Effekt auf die Essanfälle war meist klein (Hilbert et al., 2019). Ob ein Medikament infrage kommt, entscheidet die Ärztin oder der Arzt. Wichtig ist vor allem, überhaupt Hilfe zu suchen: In einer großen US-Erhebung hatte nur eine Minderheit der Betroffenen je eine Behandlung begonnen (Hudson et al., 2007).

Wer die Therapie im Alltag begleiten möchte, kann auf Entspannung und innere Ruhe achten, denn Stress zählt zu den typischen Auslösern von Essanfällen. Nahrungsergänzungsmittel wie das Innere Ruhe Paket mit GABA und Ashwagandha können dabei ergänzen, ersetzen aber keine Behandlung.

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8 Tipps zum Überwinden einer Binge-Eating-Störung

1. Regelmäßig essen statt extremer Regeln

Drastische Nahrungsbeschränkungen und Regeln wirken wie das Spannen einer Steinschleuder. Strenge Ernährungsvorschriften lassen das Verlangen nach genau diesen Lebensmitteln wachsen. Lässt die Willenskraft dann nach, löst die Schleuder aus und das unkontrollierte Essen beginnt.

Mit anderen Worten: Eine Diät kann Essanfälle auslösen. Besser ist ein fester Rhythmus aus drei Mahlzeiten und zwei bis drei geplanten Zwischenmahlzeiten am Tag. Wer sich in einer angeleiteten Selbsthilfe nach dem Ansatz der KVT daran hielt, hatte weniger Essanfälle pro Woche (Zendegui et al., 2014). Auch nach einem Essanfall gilt: die nächste Mahlzeit nicht ausfallen lassen, sondern zum gewohnten Rhythmus zurückkehren.

2. Schwarz-Weiß-Denken loslassen

Schwarz-Weiß-Denkmuster helfen bei der Strukturierung des Lebens. So sind die Dinge entweder gut oder schlecht – das verleiht ein vermeintliches Gefühl von Ordnung und Sicherheit.

Aber die Welt ist NICHT schwarz und weiß!

Es hilft, dieses Denkmuster bewusst loszulassen. Denn genauso gut kann jemand gut sein und dennoch schlechte Entscheidungen treffen. Oder jemand kann gesund leben und dennoch Fast Food essen.

Die Welt ist bunt. Wer sie als Ort mit vielen Möglichkeiten sieht, grenzt sich selbst weniger ein.

3. Keine Angst mehr vor Lebensmitteln und dem Hungergefühl

Diäten sowie die drastische Beschränkung von Nahrungsmitteln führen oft dazu, dass die Signale des Körpers wie das Hungergefühl kaum noch wahrgenommen werden. Die Angst vor Kalorien oder Essattacken sollte nicht vom Essen fernhalten.

Das ist schwer, aber Hunger ist ein ganz normales Gefühl und gehört zum Leben dazu. Es lohnt sich, wieder zu lernen, auf natürliche, gesunde Weise mit dem Hungergefühl umzugehen.

Dabei helfen drei Fragen: Wie hungrig bin ich? Worauf habe ich Hunger? Ist es wirklich Hunger oder spüre ich etwas anderes?

4. Gefühle wahrnehmen und durch Bewegung verarbeiten

Fühlen sich Betroffene schlecht, also sind Gefühle im Spiel, führt das oft direkt zu Essanfällen. Daher versuchen manche Betroffene, ihre Gefühle auszublenden.

Der erste Schritt besteht darin, die eigenen Gefühle einfach nur wahrzunehmen: sie zulassen, erkennen, welches Gefühl gerade die Oberhand hat, und es nicht weiter unterdrücken. Es ist okay, sich mal traurig, ängstlich, enttäuscht oder beschämt zu fühlen.

Auch Bewegung kann helfen, zum Beispiel ein kurzer Spaziergang oder Yoga. Das baut Anspannung ab und schafft Abstand zum Drang zu essen. Sport sollte dabei nie als Ausgleich für einen Essanfall dienen.

5. Sich selbst annehmen

Ein gestörtes Essverhalten kann aus einer falschen Vorstellung von Selbstliebe heraus entstehen, etwa aus dem Gedanken, nur dann liebenswert zu sein, wenn man etwas erreicht oder andere einen für liebenswert halten.

Dieser Gedanke kann sich festsetzen und abhängig von der Bestätigung anderer machen.

Aber halt – das stimmt nicht!

Es hilft, sich Schritt für Schritt von dieser Bestätigung von außen zu lösen. Denn:

JEDER MENSCH VERDIENT ES, GELIEBT ZU WERDEN, UND IST LIEBENSWERT – egal was andere denken.

Das gilt ungeachtet der äußeren Erscheinung oder des Essverhaltens. Fällt dieser Gedanke schwer, lohnt es sich, täglich daran zu arbeiten.

6. Die Perspektive wechseln

Ja, Gesundheit ist wichtig. Ja, die Fähigkeit, körperlich aktiv zu sein, ist auch wichtig. Doch abgesehen davon ist das Gewicht nicht halb so wichtig, wie wir häufig annehmen.

Der Stress rund um Gewicht und Aussehen hängt stark von der eigenen Sichtweise ab. Nicht die zehn Kilo mehr sind das eigentliche Problem, sondern der Blick darauf.

Mit Freunden lachen, bis die Tränen kommen – das hat nichts damit zu tun, ob gestern zwei Donuts gegessen wurden oder nicht. Wer in dieser Sichtweise gefangen ist, erlaubt sich oft keinen Spaß, solange nicht alles „nach Plan“ läuft oder ein bestimmtes Gewicht erreicht ist. Gespräche mit guten Freunden darüber, wie sie einen sehen, zeigen oft, wie unterschiedlich die Sichtweisen sind.

7. Unterstützung holen

Ein wichtiger Schritt aus der Essstörung ist eine Psychotherapie, oft ergänzt durch eine Selbsthilfegruppe. Gruppen für Menschen mit Essstörungen gibt es in vielen Städten, dort fühlt man sich mit dem Problem nicht allein. Eine Therapeutin oder ein Therapeut hilft, die Essanfälle in den Griff zu bekommen.

Es ist in Ordnung, wenn dieser Gedanke zunächst einmal Angst macht. Über das eigene Essverhalten zu sprechen, hilft, es zu überwinden. Manchmal reicht als erster Schritt auch schon ein Gespräch mit engen Freunden oder der Familie. Viele fühlen sich danach erleichtert und von einer großen Last befreit.

8. Leidenschaften neu entdecken

Vielleicht liegt die große Leidenschaft in der Musik oder in etwas anderem. Es lohnt sich, die Freude an Kreativität neu zu entfachen, denn das stärkt das Selbstbewusstsein. Gut sind Hobbys und Aktivitäten, in denen man sich verlieren kann, die Energie geben und glücklich machen. Was hat als Kind Spaß gemacht? Zeichnen, Basteln, Werkeln oder Gartenarbeit? Eine gesunde Form der Ablenkung zeigt, was in einem steckt.

Wann es an der Zeit ist, einen Arzt aufzusuchen

Wer Anzeichen einer Binge-Eating-Störung bei sich bemerkt, sollte sich so schnell wie möglich ärztliche Hilfe suchen. Binge-Eating-Störungen können, wenn sie unbehandelt bleiben, jahrelang andauern.

Im Gespräch mit der Ärztin oder dem Arzt können Symptome und Gefühle offen angesprochen werden. Wer darüber nicht mit einer Ärztin oder einem Arzt sprechen möchte, kann sich zuerst einer Vertrauensperson öffnen. Freundinnen und Freunde, Lehrkräfte oder Seelsorger können bei den ersten Schritten aus der Essstörung helfen.

Wo gibt es Hilfe in Deutschland, Österreich und der Schweiz?

Für ein erstes Gespräch gibt es anonyme Beratungstelefone:

  • Deutschland: Beratungstelefon zu Essstörungen des Bundesinstituts für Öffentliche Gesundheit (BIÖG, früher BZgA), 0221 892031 (Montag bis Donnerstag 10 bis 22 Uhr, Freitag bis Sonntag 10 bis 18 Uhr)
  • Deutschland: Telefonseelsorge, 0800 111 0 111 (kostenlos, rund um die Uhr)
  • Österreich: Telefonseelsorge, 142
  • Schweiz: Die Dargebotene Hand, 143

In einer akuten Krise hilft der Notruf 112.

Wie Angehörige helfen können

Betroffene, die an einer Binge-Eating-Störung leiden, werden mitunter wahre Experten darin, ihr Verhalten vor anderen zu verstecken. Dadurch ist es manchmal sehr schwer, das Problem überhaupt zu erkennen. Hilfreich ist ein offenes und ehrliches Gespräch mit der Person, die Anzeichen einer Binge-Eating-Störung zeigen könnte, ohne Vorwürfe und ohne Kommentare zu Gewicht oder Essmengen.

Angehörige können Hilfe und Unterstützung anbieten, etwa bei der Suche nach einer qualifizierten Ärztin, einem Arzt oder einer Therapeutin und bei der Vereinbarung eines Termins. Wer die Person sogar zum Termin begleitet, macht ihr den Weg dorthin oft leichter. Wichtig ist die Unterstützung.

Der Weg aus der Essstörung lohnt sich

Angst ums Essen und Selbstzweifel müssen nicht das ganze Leben bestimmen. Wer leidet, sollte sich Hilfe holen, denn Psychotherapie hilft vielen Betroffenen nachweislich.

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Wichtiger Hinweis

Dieser Ratgeber dient nur zur Information und ersetzt keine ärztliche Beratung.

Die Inhalte der Herbano Gesundheitsredaktion werden sorgfältig recherchiert und basieren auf aktuellen wissenschaftlichen Studien.

Inhalt mit Unterstützung künstlicher Intelligenz erstellt und von der Herbano Redaktion bearbeitet.

Häufige Fragen

Am wirksamsten ist eine Psychotherapie, vor allem die kognitive Verhaltenstherapie. Im Alltag helfen regelmäßige Mahlzeiten statt Diäten, das Erkennen von Auslösern wie Stress oder Einsamkeit und Unterstützung durch vertraute Menschen. Ein erstes Gespräch bietet zum Beispiel das Beratungstelefon des BIÖG unter 0221 892031.

Erste Wahl ist die kognitive Verhaltenstherapie. In einer Meta-Analyse von 81 Studien verringerte Psychotherapie die Essanfälle stark, strukturierte Selbsthilfe nach demselben Ansatz wirkte mittel bis stark. Medikamente hatten meist kleinere Effekte; ob sie infrage kommen, entscheidet die Ärztin oder der Arzt.

Strukturierte Selbsthilfe nach dem Ansatz der kognitiven Verhaltenstherapie, etwa mit einem Selbsthilfeprogramm, wirkte in Studien mittel bis stark. Bleiben die Essanfälle trotzdem, ist eine Psychotherapie der nächste Schritt. Niemand muss den Weg aus der Essstörung allein gehen.

Es gibt keine bestimmten Lebensmittel, die Essanfälle verhindern. Wichtiger ist ein fester Rhythmus aus drei Mahlzeiten und zwei bis drei geplanten Zwischenmahlzeiten am Tag, ohne Lebensmittel zu verbieten. Wer sich in einer Studie daran hielt, hatte weniger Essanfälle pro Woche.

Ein Rückfall ist kein Scheitern. Wichtig ist, danach nicht zu fasten oder Mahlzeiten ausfallen zu lassen, sondern zum gewohnten Essrhythmus zurückzukehren. Hilfreich ist, den Auslöser festzuhalten und mit der Therapeutin oder dem Therapeuten zu besprechen.

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