Fasten im Fokus: Was ist der Unterschied zwischen Intervall-, Wasser- und Scheinfasten?

Fasten im Fokus: Was ist der Unterschied zwischen Intervall-, Wasser- und Scheinfasten?

24 Min. Lesezeit Aktualisiert am 30. September 2026
Das Wichtigste in Kürze
Intervallfasten bedeutet regelmäßige Essenspausen, etwa 16:8 oder jeden zweiten Tag; beim Wasserfasten wird mehrere Tage nur Wasser getrunken, beim Scheinfasten an fünf Tagen im Monat sehr wenig gegessen. Drei Scheinfasten-Zyklen senkten in einer Studie mit 100 Erwachsenen Körpergewicht, Körperfett, Blutdruck und den Wachstumsfaktor IGF-1 (Wei et al., 2017). Schwankt die Waage beim Intervallfasten, ist das meist Wasser: Die Zuckerreserve Glykogen ist mit drei bis vier Teilen Wasser gespeichert (Kreitzman et al., 1992). Schwangere, Stillende, Kinder und Menschen mit Essstörung sollten nicht fasten, Menschen mit Diabetes-Medikamenten nur mit ärztlicher Begleitung.

Die meisten von uns wollen ein gesundes, langes Leben führen. Aber wie lässt sich die Fähigkeit unseres Körpers Zellen zu schützen, zu regenerieren und zu verjüngen am besten aktivieren?

In einem Interview beantwortete Dr. Valter Longo, ein Forscher und Direktor des Longevity Institute an der University of Southern California (USC), diese Frage nach über zwei Jahrzehnten Forschung.

Seine Ergebnisse schildert er in seinem kürzlich erschienenen Buch „The Longevity Diet: Discover the New Science Behind Stem Cell Activation and Regeneration to Slow Aging, Fight Disease, and Optimize Weight“. Darin enthalten sind auch alle relevanten Forschungsergebnisse, die die von ihm entwickelte Diät unterstützen.

Bereits früh in seiner Karriere erforschte Longo mit Dr. Roy Walford, seinerzeit Vorreiter in seinem Gebiet, im Rahmen seiner Doktorarbeit die Auswirkungen von Kalorienverzicht. Dabei wurde die Kalorienzufuhr täglich begrenzt – unabhängig von den verwendeten Lebensmitteln.

In der Regel nahmen sie nur 30 Prozent oder weniger ihrer normalen Kalorienmenge auf, bis sie einen Body Mass Index (BMI) von etwa 19 erreicht hatten. Es erübrigt sich beinahe, dass diese Form des Verzichts ziemlich extrem war. Und bei allem Nutzen verursachte diese Ernährungsweise auch einige Probleme. Die Forscher entdeckten schließlich, dass eine Form des Intervallfastens, das sogenannte Scheinfasten, langfristige Vorteile ohne die Nachteile einer ständigen Begrenzung der Kalorienmenge bietet.

Longo erklärt: „Unser Anliegen war es, die Vorteile beizubehalten und gleichzeitig die Probleme zu beseitigen. Und natürlich habe ich den Vorteil, dass ich [über Hintergrundwissen in] Molekularbiologie und Biochemie verfüge. Zu Walfords Zeiten war einfach viel weniger bekannt.“

Intervallfasten, Wasserfasten und Scheinfasten: die Unterschiede

  • Intervallfasten: Oberbegriff für Essensmuster mit regelmäßigen Pausen, zum Beispiel ein tägliches Essensfenster von acht Stunden (16:8), einzelne Fastentage pro Woche (5:2) oder Fasten an jedem zweiten Tag. In einer Auswertung von 99 Studien mit 6.582 Erwachsenen senkten alle Formen das Körpergewicht im Vergleich zu normalem Essen. Gegenüber einer gleichmäßigen Kalorienreduktion war nur das Fasten an jedem zweiten Tag etwas wirksamer, im Schnitt um 1,29 kg (Semnani-Azad et al., 2025).
  • Wasserfasten: mehrere Tage ohne Nahrung, nur mit Wasser. Bei 768 ärztlich überwachten Fastenaufenthalten waren drei Viertel der Beschwerden mild und bekannte Fastenreaktionen, schwere Zwischenfälle waren sehr selten (Finnell et al., 2018). Nach acht Tagen Wasserfasten zeigten zwölf gesunde Männer allerdings Flüssigkeitsmangel, erhöhte Harnsäure und einen zu niedrigen Natriumspiegel im Blut (Ogłodek & Pilis, 2021).
  • Scheinfasten (Fasting Mimicking Diet): an fünf aufeinanderfolgenden Tagen im Monat eine Kost mit wenig Kalorien, Zucker und Eiweiß, dafür mit ungesättigten Fetten. In einer randomisierten Studie mit 100 gesunden Erwachsenen senkten drei Zyklen Körpergewicht, Bauch- und Gesamtkörperfett, Blutdruck und IGF-1, ernsthafte Nebenwirkungen traten nicht auf (Wei et al., 2017).

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Wassereinlagerungen und Gewichtsschwankungen beim Intervallfasten

Wer mit dem Fasten beginnt, verliert in den ersten Tagen oft auffällig schnell Gewicht. Ein großer Teil davon ist Wasser: Der Körper leert zuerst seine Glykogenspeicher, die Zuckerreserve in Leber, Muskeln und Fettzellen, und Glykogen ist dort mit drei bis vier Teilen Wasser gespeichert. Wird danach wieder reichlich kohlenhydratreich gegessen, füllen sich die Speicher samt Wasser wieder auf, und die Waage steigt stärker, als es dem Fettgewebe entspricht (Kreitzman et al., 1992).

Hinzu kommt ein zweiter Effekt: Beim Fasten scheiden die Nieren vermehrt Wasser und Natrium aus, nach dem Essen kehrt sich das wieder um. Am deutlichsten ist das bei Menschen mit Übergewicht und Bluthochdruck (Heyman et al., 2020). Gewichtsschwankungen von Tag zu Tag sind beim Intervallfasten deshalb normal und sagen wenig über Fettverlust aus.

Für den Fettverlust zählt die Bilanz über Wochen. Intervallfasten senkt das Gewicht im Mittel etwa so stark wie eine gleichmäßige Kalorienreduktion (Semnani-Azad et al., 2025). Wer im Essensfenster mehr isst, als der Körper verbraucht, nimmt also trotz Fasten zu. Aussagekräftiger als der tägliche Blick auf die Waage sind der Wochenschnitt und der Taillenumfang. Anhaltende Schwellungen an Beinen oder Knöcheln sind dagegen keine normale Fastenreaktion und gehören ärztlich abgeklärt.

Zucker und Alterung: was Longo an Hefezellen entdeckte

Longo untersuchte die Auswirkungen von Hunger auf Hefezellen und entdeckte, dass Zucker den Alterungsprozess und einen vorzeitigen Tod fördert. Dies geschieht zumindest teilweise durch die Aktivierung zweier Gene, die als Ras und PKA bekannt sind. Longo erläutert:

„Zusammen mit Walford nutzten wir menschliche Proben und Mäuse. Uns war sehr schnell klar, dass uns fehlende Erkenntnisse über die Gene und die Molekularbiologie bei der Weiterentwicklung stark einschränken würden. Wir setzten alles auf eine Karte und verwendeten einen einfachen Organismus in der Hoffnung, dass unsere Erkenntnisse für den Alterungsprozess sich auf den Menschen übertragen lassen. Und ich denke, unsere Hoffnung ist aufgegangen. Durch unsere Forschung haben wir PKA bzw. Ras/PKA entdeckt. Das ist der Weg, den Zucker in unserem Körper nimmt. Wir entdeckten ferner die sogenannte TOR-S6-Kinase, den Weg von Proteinen im Körper.“

Wissenschaftliche Forschungen zeigen, dass sich diese ersten Ergebnisse mit Hefe auf andere Tiere übertragen lassen, darunter Würmer, Fliegen und Mäuse. Ferner stellten die Wissenschaftler Untersuchungen mit Menschen in Ecuador mit dem Laron-Syndrom an. Dabei handelt es sich um eine seltene genetische Erkrankung. Betroffenen fehlt der nötige Rezeptor für Wachstumshormone. Infolgedessen werden sie nicht größer als 1,20 m.

Interessanterweise scheint diese genetische Anomalie die Betroffenen vor chronischen Krankheiten wie Diabetes und Krebs zu schützen – selbst bei einer nicht ganz so gesunden Ernährung. In 22 Jahren Beobachtung trat bei ihnen nur eine nicht tödliche Krebserkrankung und kein einziger Diabetes auf, in der Vergleichsgruppe dagegen bei 17 % Krebs und bei 5 % Diabetes (Guevara-Aguirre et al., 2011). Nach Aussage von Longo lassen sich die Ergebnisse auf die meisten Menschen übertragen. Mittlerweile wissen wir, dass Wachstumshormone und Wachstumshormonrezeptoren beim Menschen sowohl den TOR- als auch den PKA-Weg regulieren.

„Wir vermuten jetzt, dass es ein Netzwerk gibt, das mit dem Wachstumshormon beginnt und mit diesen Transkriptionsfaktoren endet, die wir beschrieben haben. Wir nennen sie „Schutzkapitäne“. Sie werden durch aufgenommene Nahrung reguliert“, berichtet Longo.

Zucker, Fasten und Langlebigkeit: von der Hefe zum Menschen

Longo war einer der ersten Forscher, der Zucker als eine Substanz identifizierte, die den Alterungsprozess beschleunigt, und Fasten als eine Methode zur Verbesserung der Langlebigkeit. 1997 veröffentlichte er seine Forschungen, die zeigten, dass Hefezellen länger lebten, wenn sie Hunger ausgesetzt waren. Kurz darauf entdeckten er und sein Team die für dieses Phänomen verantwortlichen Zucker- und Proteinwege.

Grundsätzlich bewirkt eine Ausschaltung sowohl von Ras/PKA als auch SCH9 (das S6-Kinase-Gen der Hefe), dass Hefezellen bis zu fünfmal länger leben. Longo bemerkte: „Es war eindeutig, dass Fasten zumindest teilweise nach Ausschaltung dieser beiden Wege diese Auswirkungen hatte.“ Die Frage war jedoch: Lassen sich die Ergebnisse auf Menschen übertragen?

Longo suchte nach äquivalenten Wegen und Genen. Forschungsarbeiten von John Kopchick und Andrzej Bartke zeigten, dass ein Wachstumshormonmangel sowie ein Wachstumshormonrezeptormangel bei Mäusen die Lebensdauer der Tiere um rekordverdächtige 40 bis 50 Prozent verlängerte. Sie waren auch viel gesünder als normale Mäuse. Die Hälfte von ihnen war zum Zeitpunkt ihres Todes völlig frei von Krankheiten.

Longo bemerkt:

„Das war sehr beeindruckend und bemerkenswert. Wir wussten nun, dass unsere Entdeckungen für Hefe und für Mäuse zutraf. Mithilfe der Laron-Studie konnten wir zeigen, dass sie sich auch auf Menschen übertragen lassen. Fassen wir noch einmal zusammen: Unsere Gesundheit und Lebensdauer wird gefördert durch a) einen niedrigen Wachstumshormonspiegel oder b) einen Mangel an Rezeptoren für Wachstumshormone, sodass es keine Rolle spielt, ob Sie Wachstumshormone oder die entsprechenden Rezeptoren ausschalten.“

Wachstumshormon und IGF-1: nötig, aber nicht im Übermaß

Krafttraining gilt für gewöhnlich als eine Methode zur Stärkung der Gesundheit. Dadurch wird beispielsweise die Bildung von Wachstumshormonen angeregt. Wie lassen sich nun der gesundheitliche Nutzen sowie der Bedarf des Körpers an Wachstumshormonen mit den negativen Auswirkungen dieser auf unsere Lebensdauer in Einklang bringen?

Longo erläutert:

„Es lässt sich ganz gut mit Insulin vergleichen. Jeder von uns benötigt Insulin. Zu viel Insulin führt jedoch zu einer Insulinresistenz und Diabetes. In unserem Fall geht es nicht so sehr um das Wachstumshormon, sondern um IGF-1 (insulinähnlicher Wachstumsfaktor 1). Die Aktivität der Wachstumshormone lässt sich recht gut durch den IGF-1-Spiegel bestimmen. Menschen, die am Laron-Syndrom leiden, weisen beispielsweise eine sehr geringe Wachstumshormonaktivität sowie einen geringen IGF-1-Wert auf.

Oft wird behauptet, dass eine proteinarme Ernährung die Bildung von Wachstumshormonen einschränkt bzw. die Aktivität der Wachstumshormonsrezeptoren verstärkt bei einem niedrigen IGF-1-Spiegel. Beides geht also Hand in Hand. Allerdings treten immer wieder Ereignisse ein, bei denen sich beides trennt. Wachstumshormone wirken direkt auf TOR [und] auf Insulin sowie wahrscheinlich auf fast jeden Weg, den Sie sich vorstellen können. Sie sind also gewiss nicht ein und dieselbe Sache. Es ist aber viel einfacher, den IGF-1-Wert zu bestimmen.“

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Die Vorteile einer proteinarmen Ernährung

Longo setzt sich für eine erheblich eingeschränkte Proteinzufuhr ein. Longo empfiehlt, nicht mehr als 0,31 bis 0,36 g Protein pro Pfund Körpergewicht zu konsumieren, das sind etwa 0,7 bis 0,8 g pro Kilogramm. Bei einem Körpergewicht von ca. 70 kg entspricht das etwa 50 bis 56 g Protein am Tag. In einer US-Bevölkerungsstudie hatten 50- bis 65-Jährige mit hoher Proteinzufuhr in den folgenden 18 Jahren ein um 75 % höheres Sterberisiko und ein vierfach höheres Risiko, an Krebs zu sterben. Stammte das Protein aus Pflanzen, war dieser Zusammenhang abgeschwächt oder verschwunden, und bei über 65-Jährigen ging eine hohe Proteinzufuhr sogar mit weniger Krebs- und Todesfällen einher (Levine et al., 2014).

Warum nur so wenig?

Das hängt mit der Art und Weise zusammen, wie das Protein mit dem mTOR-Weg interagiert. Diese Interaktion ist an der Entstehung altersbedingter Krankheiten beteiligt und beschleunigt den Alterungsprozess. Proteine steuern die IGF-1-Wege, die ihrerseits die TOR- und PKA-Signalisierung steuern.

Wird der TOR-Weg deaktiviert – entweder durch eine proteinarme Ernährung oder das Ergänzungspräparat Berberin – bremst das in Zell- und Tierversuchen den Alterungsprozess. Die Forscher entdeckten außerdem, dass eine Deaktivierung der TOR- und PKA-Wege die Regeneration fördert. Im Umkehrschluss bedeutet das, dass bei einer zu hohen Proteinzufuhr bzw. zu viel Nahrung das regenerative Potenzial auf Eis gelegt wird.  

In Mäusen ließ ein viertägiges Scheinfasten mehrere Organe zunächst schrumpfen; nach dem Wiederanfüttern stieg die Zahl der Vorläufer- und Stammzellen, und die Organe regenerierten sich (Brandhorst et al., 2015). Dies ist zum Teil der Grund, warum Longo Intervallfasten oder Scheinfasten einer ständigen Begrenzung der Kalorienzufuhr vorzieht. Die „Magie“ geschieht nach seiner Auffassung, sobald nach einer Zeit des Verzichts wieder Nahrung aufgenommen wird.

Wer nur Kalorien einspart, nutzt diesen Wechsel nicht. Hunger löst in den Zellen einen Recyclingprozess aus (Autophagie), bei dem beschädigte Zellbestandteile abgebaut werden; die erneute Zufuhr von Nahrung sorgt für den Wiederaufbau. Beide Phasen gehören zusammen.

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Wann und warum höhere Proteinzufuhr sinnvoll sein kann

Der Teufel steckt wie bei vielen Dingen im Detail. Für den Erhalt der Muskelmasse und beim Krafttraining kann zusätzliches Protein sinnvoll sein.

Longo rät, die Proteinzufuhr an Trainingstagen um 20 bis 25 Prozent zu steigern und an allen anderen Tagen bei etwa 0,7 bis 0,8 g Protein je Kilogramm zu bleiben. Die Studienlage zum Muskelaufbau lässt mehr Spielraum: In einer Auswertung von 49 Studien mit 1.863 Teilnehmenden steigerte zusätzliches Protein beim Krafttraining Kraft und Muskelmasse. Erst oberhalb von etwa 1,6 g Protein je Kilogramm und Tag nahm die Muskelmasse nicht weiter zu (Morton et al., 2018).

„Jeder von uns benötigt Proteine. Daran besteht kein Zweifel. Tatsächlich bewirkten ungefähr 30 bis 35 g hochwertiges Protein je Trainingseinheit eine Optimierung der Muskelsynthese.“

Ältere und gebrechliche Menschen benötigen möglicherweise ebenfalls eine höhere Proteinzufuhr, um Sarkopenie (altersbedingter Muskelschwund) zu verhindern, allerdings nicht sehr viel mehr. Longo empfiehlt, die Proteinzufuhr um 10 bis 20 Prozent im Alter von 65 Jahren zu erhöhen. Ab diesem Alter setzt bei den meisten Menschen der Abbau magerer Körpermasse ein. „Ich denke, solange Ihre magere Körpermasse nicht schwindet, müssen sie sich keine Sorgen machen. Sobald dieser altersbedingte Abbau einsetzt, ist sowohl Muskeltraining als auch die Erhöhung der Proteinzufuhr wichtig.“

Wasserfasten: ein starker Eingriff in den Stoffwechsel

Mehrtägiges Wasserfasten greift stark in den Stoffwechsel ein: Der Blutzucker sinkt, und der Körper bildet vermehrt Ketonkörper aus Fett als Energiequelle (Ogłodek & Pilis, 2021). Nach Longos Modell versetzt Wasserfasten die Zellen dabei in einen schützenden „Anti-Aging-Modus“.

Es fördert die Autophagozytose und ersetzt durch die Aktivierung von Stammzellen Zellkomponenten durch neu erzeugte funktionelle Komponenten.

Bei regelmäßiger Medikamenteneinnahme vorab ärztlich abklären, ob und wie gefastet werden kann. Einige Medikamente müssen während einer Mahlzeit eingenommen werden, um ihre volle Wirkung zu entfalten bzw. um toxische Nebenwirkungen zu vermeiden. Auch Anpassungen der Dosis können nötig sein.

Besonders gefährdet sind Menschen, die Medikamente zur Senkung des Blutzuckerspiegels oder Blutdrucks einnehmen, da deren Wirkung beim Fasten zu stark werden kann. Bei Menschen mit Typ-2-Diabetes und blutzuckersenkenden Medikamenten verdoppelten zwei Fastentage pro Woche die Zahl der Unterzuckerungen, obwohl die Medikamente vorher reduziert worden waren (Corley et al., 2018). Bestimmte Gesundheitszustände können zudem eine strengere medizinische Überwachung erforderlich machen, um die Sicherheit beim Fasten zu gewährleisten.

Longo setzt seinen Schwerpunkt nicht so sehr auf reines Wasserfasten bzw. tägliches Intervallfasten von 20 Stunden. Sehr lange tägliche Essenspausen haben auch Nachteile: In einer zehnjährigen Beobachtung von 4.730 Frauen stieg das Risiko, wegen Gallensteinen ins Krankenhaus zu müssen, mit der Länge der nächtlichen Essenspause und mit Diäten (Sichieri et al., 1991). Außerdem fand er heraus, dass Menschen, die über 100 Jahre alt wurden, dieses Alter nicht aufgrund täglichen Intervallfastens von mehr als 20 Stunden erreicht haben.

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Wasserfasten im Vergleich zum Scheinfasten

Longos Scheinfasten ist kein reines Wasserfasten. Beim Scheinfasten wird an fünf aufeinanderfolgenden Tagen im Monat wenig gegessen: kalorien-, zucker- und eiweißarm, dafür mit ungesättigten Fetten (Wei et al., 2017). Es wird also nicht vollständig auf Nahrung verzichtet. Das macht es leichter als reines Wasserfasten, die „Vorschriften“ einzuhalten. Eine kalorienarme Ernährung senkt außerdem das Risiko für Nebenwirkungen, ohne auf die vielen Vorteile verzichten zu müssen.

„Wir haben vor etwa 10 Jahren mit Krebspatienten begonnen... Das National Cancer Institute... finanzierte uns die Forschung zur Entwicklung einer Scheinfastendiät... Es gab nämlich beim vollständigen Verzicht auf Kalorien sowohl Probleme bei der Einhaltung als auch der Sicherheit. Reines Wasserfasten bzw. eine sehr kalorienarme Ernährung wurde fast ausschließlich in Kliniken durchgeführt. Natürlich könnten Sie sich auch zu Hause daran versuchen, doch es gibt einen Grund, warum diese Art Fasten nur unter ärztlicher Aufsicht in einer Klinik praktiziert wird.

Reines Wasserfasten greift elementar in Ihren Stoffwechsel ein. Dieser Eingriff kann für viele Menschen gefährlich werden. Hypotonie [zu niedriger Blutdruck] [und] Hypoglykämie [Unterzuckerung] [sind mögliche Nebenwirkungen]. Der Zweck der Scheinfastendiät ist es, das Fasten an sich den Menschen zu erleichtern, aber auch sicherzustellen, dass die Gesundheit keinen Schaden nimmt. Es können sich nämlich sehr wohl schwere Nebenwirkungen einstellen, das haben wir in unserer klinischen Studie gesehen.

Wir konnten beobachten, dass auch eine Scheinfastendiät Probleme bei einigen Menschen verursacht und sie schwächt. Diese Probleme sind aber nicht vergleichbar mit denen, die reines Wasserfasten durchführen... Deshalb denke ich, dass die Scheinfastendiät der richtige Weg ist.“

Wer nicht fasten sollte

Folgende Personengruppen sollten nicht fasten (weder Wasserfasten noch Scheinfasten noch eine andere Art des Fastens betreiben):

  • Schwangere und Stillende
  • Kinder und Jugendliche
  • stark Untergewichtige (niedriger Body-Mass-Index)
  • Menschen mit einer Essstörung wie Anorexie oder Bulimie
  • Senioren über 70 Jahre (es sei denn, sie sind außergewöhnlich gesund)
  • gebrechliche Menschen bzw. Menschen mit Leber- oder Nierenerkrankungen.

Menschen mit Typ-1-Diabetes oder mit Diabetes, der mit Insulin oder blutzuckersenkenden Tabletten behandelt wird, sollten nur mit ärztlicher Begleitung fasten, weil sonst Unterzuckerungen drohen (Corley et al., 2018). Bei chronischen Erkrankungen das Vorhaben zunächst ärztlich besprechen und um eine engmaschige Überwachung bitten.

Fasten über mehr als fünf Tage gehört in ärztliche Begleitung, etwa in eine Fastenklinik. Dort wurden Fastenkuren von 4 bis 21 Tagen mit 200 bis 250 kcal pro Tag bei 1.422 Teilnehmenden gut vertragen, Nebenwirkungen traten bei weniger als 1 % auf (Wilhelmi de Toledo et al., 2019).

Fasten während einer Chemotherapie: sinnvoll oder gefährlich?

Scheinfasten, eine äußerst kalorienarme Diät, wurde entwickelt, um sich die Vorteile des reinen Wasserfastens zu sichern, einschließlich der positiven Auswirkungen auf die Autophagozytose, die Aktivierung von Stammzellen, die Bildung von Ketonkörpern, den IGF-1-Spiegel, IGFBP1, Glukose usw. Longo ist zwar ein langjähriger Experte auf diesem Gebiet, allerdings bleiben Zweifel, dass eine sehr kalorienarme Ernährung genauso viele Vorteile für den Stoffwechsel bietet wie ein fünftägiges reines Wasserfasten, solange nichts dagegen spricht.

In seinem Buch empfiehlt Longo seine Scheinfastendiät vor allem Krebspatienten. Die bisherigen Studien am Menschen sind klein, aber ermutigend.

In einer randomisierten Studie mit 131 Frauen mit Brustkrebs (HER2-negativ, Stadium II oder III) folgte die Hälfte drei Tage vor und während jeder Chemotherapie dem Scheinfasten. Die Nebenwirkungen waren nicht häufiger als ohne Fasten, und die Tumoren sprachen in der Bildgebung häufiger vollständig oder teilweise auf die Behandlung an. Frauen mit Diabetes oder einem BMI unter 18 waren von der Studie ausgeschlossen (de Groot et al., 2020). Bei 20 Frauen mit Krebs der Eierstöcke, der Gebärmutter oder des Gebärmutterhalses wurde ein 48-stündiges Wasserfasten rund um jede Chemotherapie gut vertragen, und die Chemotherapie musste seltener verschoben oder in der Dosis verringert werden (Riedinger et al., 2020).

Fasten ersetzt keine Krebstherapie. Während einer Chemotherapie nur in Absprache mit dem behandelnden Onkologen fasten, besonders bei Untergewicht, ungewolltem Gewichtsverlust oder Diabetes.

„Das war ein schwieriger Kampf. Wir arbeiten mit den besten Krebskliniken der Welt zusammen: MD Anderson, Mayo Clinic, USC Norris Cancer Center. Wir haben uns die Rolle als Rebell nicht gewünscht. Aber wir haben für die Patienten gekämpft, sehr hart gekämpft. Unser Anliegen war es jedoch, dass auch die Ärzte mit uns übereinstimmen. Wir wünschten uns im Grunde genommen folgende Aussage von den Onkologen: „Ja, das ist ein guter Weg. Lasst es uns probieren.“ Letztlich waren wir uns einig.

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Scheinfasten als Anti-Aging-Strategie

In seinem Buch zitiert Longo Tierversuche zum Scheinfasten in Kombination mit Laufbandübungen. Es zeigte sich ein besserer Erhalt der Muskelmasse sowie ein Rückgang der Sarkopenie. Interessanterweise funktionierte keiner der beiden Ansätze für sich allein. In der entsprechenden Studie wurden die Mäuse zweimal im Monat vier Tage lang kalorienarm ernährt. Die übrige Zeit erhielten sie normale Kost.

Infolgedessen verloren sie viszerales Fett, aber keine Muskelmasse. Laut Longo unterscheidet sich Scheinfasten in diesem Punkt „von den meisten, wenn nicht sogar allen anderen Diäten, bei denen immer Fett, Wasser und Muskeln durch den Gewichtsabnahmeprozess verloren gehen.“ Longos Forschung zeigt ferner, dass Scheinfasten bei Mäusen Hautentzündungen reduziert (Brandhorst et al., 2015). Beim Menschen gibt es erste Hinweise: Bei leichtem bis mittelschwerem Morbus Crohn sprachen nach drei Scheinfasten-Zyklen 69,2 % der Teilnehmenden auf die Behandlung an, mit normaler Kost 43,8 % (Kulkarni et al., 2026).

Bei den Mäusen traten Krebserkrankungen seltener auf. Wichtig ist in diesem Zusammenhang, dass Krebserkrankungen auch erst verzögert auftreten und viele Tumore eher gutartig als bösartig sind. Die kognitive Leistung verbesserte sich ebenfalls. Mäuse, die zweimal im Monat einem Scheinfasten unterzogen wurden, zeigten bessere kognitive Leistungen als Mäuse, die normal ernährt wurden.

Das Immunsystem der Tiere wurde gestärkt, ja, geradezu verjüngt (Brandhorst et al., 2015). Beim Menschen nahmen Risikofaktoren für Diabetes, Herz-Kreislauf-Erkrankungen und Krebs ab (Wei et al., 2017), und Marker für einen fortschreitenden Alterungsprozess verbesserten sich: Nach drei Zyklen lag das biologische Alter im Mittel 2,5 Jahre niedriger, unabhängig vom Gewichtsverlust (Brandhorst et al., 2024).

„Wie erwartet beeinflusst diese Ernährungsweise multiple Körpersysteme und bewirkt eine Regeneration auf allen Ebenen. Das führt zu einer Verjüngung und Leistungssteigerung“, erläutert Longo.

Weitere Informationen

Eine der wichtigsten Botschaften in Longos Buch ist, welche Bedeutung verschiedene Ernährungsphasen haben – episodisches Fasten und Essen ist tatsächlich der Schlüssel zum Erfolg. So lassen sich die negativen Auswirkungen eines kontinuierlichen Fastens oder einer chronischen Unterernährung vermeiden.

Longo fügt hinzu:

„Ich möchte auch darauf hinweisen, dass Sie nicht jeden Monat ein Scheinfasten durchführen müssen. Sie können, wenn Sie mögen. Und in der Tat empfehlen wir Menschen, die fettleibig sind, einen hohen Cholesterinspiegel aufweisen und unter Bluthochdruck leiden, solange jeden Monat ein Scheinfasten durchzuführen, bis sie gesund sind. Doch wenn Sie nicht zu dieser Risikogruppe gehören, ist eine Einheit alle drei Monate ausreichend: Alle 90 Tage machen Sie fünf Tage lang eine Scheinfastendiät, das ist sehr vernünftig.

Unsere Forschungen belegen eine langanhaltende Wirkung des Scheinfastens. Nach drei Scheinfastenzyklen konnten wir drei Monate nach dem Ende des dritten Zyklus noch etwa 60 Prozent der Veränderungen nachweisen. Mitunter dauert es also drei bis sechs Monate, bis die positive Wirkung des Scheinfastens erloschen ist.“

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Wichtiger Hinweis

Dieser Ratgeber dient nur zur Information und ersetzt keine ärztliche Beratung.

Die Inhalte der Herbano Gesundheitsredaktion werden sorgfältig recherchiert und basieren auf aktuellen wissenschaftlichen Studien.

Inhalt mit Unterstützung künstlicher Intelligenz erstellt und von der Herbano Redaktion bearbeitet.

Häufige Fragen

In der Regel nicht, zu Beginn verliert der Körper eher Wasser, weil er die Glykogenspeicher leert und vermehrt Natrium ausscheidet. Nach einer kohlenhydratreichen Mahlzeit füllen sich die Speicher samt Wasser wieder auf. Das lässt die Waage kurzfristig steigen, ohne dass Fett dazugekommen ist.

Intervallfasten senkt das Gewicht im Mittel etwa so stark wie eine gleichmäßige Kalorienreduktion. Wer im Essensfenster mehr isst, als der Körper verbraucht, nimmt also trotzdem zu. Kurzfristige Zunahmen nach dem Essen sind dagegen meist Wasser, das mit dem Glykogen wieder gespeichert wird.

Der größte Wasserverlust fällt in die ersten Tage einer stark kalorienreduzierten Diät oder eines Fastens, solange der Körper seine Glykogenspeicher leert und vermehrt Wasser und Natrium ausscheidet. Sobald wieder normal gegessen wird, kehrt sich dieser Effekt um. Für den Fettverlust zählt deshalb der Verlauf über mehrere Wochen.

Beim Fasten selbst scheidet der Körper eher Wasser aus, nach dem Fasten hält er beim Essen wieder mehr Natrium und Wasser zurück. Deutliche oder anhaltende Schwellungen an Beinen oder Knöcheln sind aber keine normale Fastenreaktion und gehören ärztlich abgeklärt.

Ja, bei starker Mangelernährung, etwa bei einer Essstörung, können beim Wiederaufbau der Ernährung Wassereinlagerungen auftreten, sogenannte Refeeding-Ödeme (Kristian, 2026). Menschen mit Essstörung sollten deshalb nicht fasten und brauchen beim Essensaufbau ärztliche Begleitung.

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