Ist Lebermoos die legale Alternative zu Cannabis?

Ist Lebermoos die legale Alternative zu Cannabis?

10 Min. Lesezeit Aktualisiert am 29. September 2026
Das Wichtigste in Kürze
Einige wenige Lebermoose der Gattung Radula enthalten Perrottetinen (PET), einen Stoff, der ähnlich aufgebaut ist wie THC aus Cannabis. Bei Mäusen gelangte PET rasch ins Gehirn und wirkte über den Cannabinoid-Rezeptor CB1 schmerzlindernd, senkte die Körpertemperatur und verlangsamte die Bewegungen (Chicca et al., 2018). Studien am Menschen gibt es bisher nicht, und der Lebermoos-Extrakt aus dem Gartenhandel ist für Pflanzen gedacht, nicht zum Einnehmen.

Hierzulande gilt Lebermoos als Störenfried im Garten. Wissenschaftler fanden aber heraus, dass Lebermoos gewisse Wirkstoffe beinhaltet, die Tetrahydrocannabinol (THC) sehr nahekommen. Bei THC handelt es sich um den psychoaktiven Wirkstoff der Cannabispflanze. Deshalb wird das Moos mittlerweile als ein „legal high“  angesehen.

 

Früher glaubte man, mit Lebermoos Leberleiden heilen zu können. Heute interessiert sich die Forschung aus einem anderen Grund für die Pflanze: Bestimmte Lebermoosarten enthalten einen Stoff, der bei Mäusen ähnlich wie Cannabis schmerzhemmend wirkt.

 



Was ist Lebermoos?

Lebermoos ist eine Pflanze, die zur Gruppe der Moose zählt. Es hat sich im Laufe der Zeit meist dort angesiedelt, wo andere Pflanzenarten nicht stehen möchten. Während viele Pflanzen eher sonnige Plätze zum Wachsen und Gedeihen bevorzugen, steht Lebermoos am liebsten im Schatten.

 



 

Schon 1994 beschrieb der japanische Wissenschaftler Masao Toyota mit seinem Team von der Universität Tokushima Bunri eine Cannabinoid-Verbindung im Lebermoos Radula perrottetii (Toyota et al., 1994). 1999 fanden Frank Cullmann und Hans Becker denselben Stoff, Perrottetinen, auch in Radula laxiramea (Cullmann & Becker, 1999).

 

Achtung: Lebermoos ist nicht gleich Lebermoos. Nicht alle Arten von Lebermoosen enthalten die cannabisähnlichen Wirkstoffe.

 

Die Rede ist von der sogenannten Radula-Gattung: Radula perrottetii, Radula marginata und Radula laxiramea. Diese wachsen hauptsächlich in Japan, Neuseeland und Costa Rica.

 

Nach ihrer Wuchsform unterscheidet man zwei Gruppen von Lebermoosen.

Es gibt die thallosen und die blättrigen Lebermoose.

  • Die blättrigen Lebermoose sind in der Natur unscheinbar, da sie mit Farn oder anderen Gewächsen verwechselt werden. Am Stängel der blättrigen Lebermoose befinden sich winzige Härchen.
  • Die thallosen sind die bekanntere Gruppe von Lebermoosen. Sie wachsen als flache, gelappte Lager am Boden und besitzen die namensgebende, leberähnliche Form.

Die Radula-Arten mit Perrottetinen gehören zu den blättrigen Lebermoosen. Das Brunnenlebermoos (Marchantia polymorpha), das häufig in Gärten und Blumentöpfen wächst, ist dagegen ein thalloses Lebermoos.

Lebermoos-Anwendung beim Menschen: Was ist untersucht?

Kurz gesagt: sehr wenig. Alle Daten zur Wirkung von Perrottetinen (PET) stammen aus Versuchen mit Mäusen und aus dem Labor. Kontrollierte Studien am Menschen gibt es bisher nicht, weder zur Einnahme noch zum Rauchen noch zur Anwendung auf der Haut. Menschen, die bestimmte Radula-Zubereitungen als Legal High konsumieren, berichten nur von einer mäßigen Wirkung (Chicca et al., 2018).

Unklar ist auch, wie viel PET eine Pflanze überhaupt enthält. In Neuseeland untersuchten Forschende 75 Sammelproben des Lebermooses Radula marginata. Je nach Fundort enthielten sie vor allem PET, einen CBD-ähnlichen Stoff (Perrottetinen-Diol) oder einen CBG-ähnlichen Stoff (Andre et al., 2025). Wer ein Lebermoos kauft, weiß also nicht, was darin steckt.

Hinzu kommen zwei Risiken. PET wirkt bei Mäusen wie THC über den CB1-Rezeptor und ist psychoaktiv, zu Dosis und Sicherheit beim Menschen gibt es keine Daten. Und manche Lebermoose lösen Allergien aus: Das Lebermoos Frullania ist ein bekannter Auslöser von Kontaktekzemen, in einer Untersuchung reagierten alle sieben Betroffenen im Hauttest darauf (Quirce et al., 1994). Der im Gartenhandel verkaufte Lebermoos-Extrakt ist für Pflanzen gedacht und nicht zum Einnehmen.

Auch für die Anwendung bei Nagelpilz gibt es mit Lebermoos keine Studien am Menschen. Wer Nagelpilz von innen begleiten möchte, kann auf das Nagelpilz Abwehr Paket zurückgreifen: Silizium für ein festes Nagelwachstum, Zink mit Vitamin C für die Immunabwehr und Propolis, das traditionell bei Pilzbelastung eingesetzt wird. Mehr dazu im Ratgeber Propolis gegen Nagelpilz.

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Lebermoos vs. Cannabis

Lange Zeit gingen Mediziner davon aus, dass nur die Hanfpflanze Cannabinoide bildet. Heute ist bekannt, dass solche Stoffe auch in einigen Blütenpflanzen, Lebermoosen und Pilzen vorkommen (Gülck & Møller, 2020). Bei Mäusen konnte gezeigt werden, dass die nachgewiesene Cannabinoid-Verbindung an den Cannabinoid-Rezeptoren andockt.



 

Jürg Gertsch von der Universität Bern und Erick Carreira von der ETH Zürich verglichen Perrottetinen – die THC-ähnliche Substanz – biochemisch und pharmakologisch mit THC. Im Tierversuch gelangte Perrottetinen wie THC leicht ins Gehirn und aktivierte dort Cannabinoid-Rezeptoren. Dabei zeigten sich aber auch Unterschiede zwischen beiden Stoffen (Chicca et al., 2018).

 

Ob sich daraus eine schmerzstillende oder entzündungshemmende Wirkung beim Menschen ergibt, ist offen. Die Ergebnisse stammen aus Versuchen, in denen Mäuse im Labor hergestelltes Perrottetinen erhielten, nicht Lebermoos selbst.

 

Wie THC können Perrottetinen leicht die Blut-Hirn-Schranke passieren und im Gehirn spezielle Cannabinoid-Rezeptoren aktivieren. Bei den Versuchen mit Mäusen zeigten sich Eigenschaften, die bei einem Cannabiskonsum typisch sind. Die Mäuse waren weniger schmerzempfindlich, ihre Bewegungen verlangsamten sich, sie verfielen zeitweise in eine Starre und ihre Körpertemperatur sank. Die Forschenden sehen darin die Erklärung dafür, dass Radula-Zubereitungen als mäßig wirksames Legal High beschrieben werden. Zudem senkte Perrottetinen die Menge an Prostaglandinen – hormonähnliche Botenstoffe, die an Entzündungen beteiligt sind – im Gehirn. Diese Botenstoffe werden mit Nebenwirkungen von THC in Verbindung gebracht (Chicca et al., 2018).

 

Wer eine gut untersuchte Alternative ohne Rausch sucht, greift eher zu CBD-Öl. CBD (Cannabidiol) stammt aus der Hanfpflanze, berauscht aber nicht. In einer kontrollierten Studie mit Menschen, die Erfahrung mit Drogen hatten, wurde eine übliche Dosis von 750 mg CBD nicht stärker „gemocht“ als ein Scheinmittel, und sie hatte keinen Einfluss auf Denk- und Reaktionstests (Schoedel et al., 2018). Wie CBD bei innerer Unruhe eingesetzt wird, steht im Ratgeber CBD bei Angst.

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Forscherin untersucht ein Lebermoos in einer Glasschale im Labor – die Wirkung von Lebermoos ist bisher nur im Labor und an Mäusen untersucht

Wirkung von Lebermoos: Was ist belegt und was nicht?

Die angeblichen Einsatzmöglichkeiten von Lebermoos sind ähnlich breit gefächert wie die Anwendungsgebiete von Cannabis.

Neben der vermuteten schmerzstillenden und entzündungshemmenden Wirkung von Lebermoos wird es außerdem bei folgenden Erkrankungen eingesetzt:

  • Depressionen
  • Erschöpfungszustände
  • Muskelkrämpfe
  • Kreislaufprobleme wie Schwindel
  • Nagelpilz und weitere Pilzerkrankungen

Für keine dieser Anwendungen gibt es Studien am Menschen. Am ehesten untersucht ist die Wirkung gegen Pilze, allerdings nur im Labor und im Tierversuch: Aus dem Brunnenlebermoos (Marchantia polymorpha) isolierten Forschende sieben Stoffe mit Wirkung gegen den Hefepilz Candida albicans (Niu et al., 2006). Riccardin D, ein Stoff aus einem anderen Lebermoos, bremste bei Tieren die Bildung von Candida-Belägen auf Kathetern (Li et al., 2012).

Ob ein Lebermoos-Extrakt auf der Haut oder am Nagel gegen Pilze hilft, ist beim Menschen nicht untersucht. Da manche Lebermoose Kontaktallergien auslösen, ist bei der Anwendung auf der Haut Vorsicht geboten. Wer Nagelpilz von innen begleiten möchte, findet im Nagelpilz Abwehr Paket drei Einzelprodukte für Nagel und Abwehr. Mehr zum Thema steht im Ratgeber Nagelpilz am Zehennagel.

 



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