Was tun bei Rückenschmerzen? Ein altbewährtes Mittel

Was tun bei Rückenschmerzen? Ein altbewährtes Mittel

11 Min. Lesezeit Aktualisiert am 30. September 2026
Das Wichtigste in Kürze
Rückenschmerzen sind weltweit die häufigste Ursache für Einschränkungen im Alltag, und bei den meisten Betroffenen steckt keine einzelne klar erkennbare Erkrankung dahinter. Bei akuten Beschwerden linderten in Studien Wärme und der Rat, aktiv zu bleiben, die Schmerzen; bei länger anhaltenden Rückenschmerzen sind Bewegungstherapie und Massage gut untersucht. Dieser Ratgeber stellt Yoga und eine einfache Fußmassage als sanfte Wege für einen schmerzfreien Rücken vor.

Ein altbewährtes Mittel gegen Rückenschmerzen

Einer der häufigsten Gründe, weshalb Menschen ihren Arzt aufsuchen, sind chronische Rückenschmerzen.

Es ist erstaunlich, wenn PatientInnen mit Rückenschmerzen Wellness-Kliniken aufsuchen, obwohl sie bereits ein ganzes Arsenal an Pharmaprodukten zu sich nehmen, die man ihnen verschrieben hatte. Die in Frage kommenden Medikamente schließen auch hoch süchtig machende Opiate wie Vicodin, Percocet und OxyContin ein. Darüber hinaus werden häufig sinnlose und potenziell gefährliche Operationen forciert.

Der neueste und äußerst profitable Trend in Bezug auf Rückenschmerzen ist eine Prozedur, die „Wirbelsäulenfusion“ („spinal fusion“) genannt wird und im Zuge derer zwei Wirbel buchstäblich verschweißt werden.

Viele dieser Operationen sind unnötig und riskant. Einige davon ziehen schwere Schäden nach sich: Lähmung, lebensbedrohende Komplikationen, sogar den Tod – und viele hätten ursprünglich gar nicht durchgeführt werden müssen.

In Wahrheit nämlich können viele Erkrankungen und körperliche Probleme erfolgreich behandelt werden, ohne dass der Patient hohe Risiken und ebensolche Kosten auf sich nehmen muss. 

Woher kommen Rückenschmerzen?

Rückenschmerzen können in jedem Alter auftreten, vom Kind bis zum älteren Menschen, und sind heute weltweit die häufigste Ursache für Einschränkungen im Alltag. Bei fast allen Betroffenen lässt sich keine einzelne körperliche Ursache für den Schmerz finden. Nur bei einem kleinen Teil steckt eine klar erkennbare Erkrankung dahinter, etwa ein Wirbelbruch, ein Tumor oder eine Infektion (Hartvigsen et al., 2018).

Ein höheres Risiko haben laut derselben Übersichtsarbeit:

  • Menschen mit körperlich schwerer Arbeit
  • Menschen mit anderen körperlichen oder seelischen Erkrankungen
  • Raucherinnen und Raucher
  • Menschen mit starkem Übergewicht

Die meisten Menschen erholen sich von einer neuen Schmerzphase schnell, die Beschwerden kommen aber häufig wieder. Starke Schmerzen zu Beginn, seelische Belastung und Schmerzen an mehreren Stellen des Körpers erhöhen das Risiko, dass Rückenschmerzen dauerhaft bleiben.

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Was hilft schnell bei akuten Rückenschmerzen?

Wärme: In zwei Studien mit 258 Teilnehmenden mit akuten und subakuten Kreuzschmerzen linderte ein Wärmeumschlag die Schmerzen nach fünf Tagen stärker als eine Placebo-Tablette. In einer Studie mit 90 Teilnehmenden verringerte eine Wärmedecke akute Kreuzschmerzen direkt nach der Anwendung. Kam zur Wärme noch Bewegung dazu, gingen die Schmerzen nach sieben Tagen weiter zurück (French et al., 2006).

In Bewegung bleiben: Bei akuten Kreuzschmerzen brachte der Rat, aktiv zu bleiben, etwas mehr Schmerzlinderung und eine bessere Beweglichkeit im Alltag als der Rat zur Bettruhe (Dahm et al., 2010).

Das Beispiel Yoga

PatientInnen mit Rückenschmerzen ist es ratsam, sich dieser altbewährten Therapie zuzuwenden; Yoga kann dabei helfen, Stress abzubauen und ihre physische Fitness, die Beweglichkeit zu verbessern und die Atemgewohnheit zu optimieren.

Mehrere tausend Jahre lang war Yoga dabei erfolgreich, all das zu erreichen. Und im Gegensatz zu anderen Fitnessprogrammen vermeidet es den gängigen „No pain, no gain“-Unsinn.

Es geht nämlich darum, nur das zu tun, was sich bequem und natürlich anfühlt, damit man sanft und mit individuellem Tempo mehr Stärke und Flexibilität erlangt.

Dadurch werden die Betroffenen glücklicher, ruhiger, konzentrierter und effizienter. So kann Yoga nachhaltig Rückenschmerzen lindern. 

Die Vorteile, die Yoga für die Gesundheit mit sich bringt, sind darüber hinaus gut dokumentiert: Zum Beispiel bei der Kontrolle mentaler Krankheiten wie Depressionen, Angstzuständen, Aufmerksamkeitsstörungen (ADHS), Schizophrenie oder bipolaren Störungen. Oder bei Personen mit hohem Blutdruck, hohem Triglycerid-Spiegel, überhöhtem Blutzucker oder einem problematischen Verhältnis von LDL („bösem Cholesterin“) und HDL („gutem Cholesterin“). Yoga kann auch Entzündungen sowie Ermüdungserscheinungen bei KrebspatientInnen reduzieren. 

Studien deuten auch darauf hin, dass Yoga dazu beiträgt, den Cortisol-Anteil zu verringern, einen kritischen Biomarker für Stress. Denn Stress in Verbindung mit Cortisol ist bekannt dafür, die Telomere zu verkürzen.

„Telomere“ nennt man die Schutzkappen an den Enden der Chromosomen in unseren Zellen, die die Chromosomen daran hindern, ihre Struktur zu verlieren. Jedes Mal, wenn sich eine Zelle teilt, werden die Telomere ein wenig kürzer. Auf diese Weise altern wir.

Im Umkehrschluss bedeutet das, dass wir, je länger die Telomere sind, wahrscheinlich umso länger leben und uns entsprechend jünger fühlen werden. 

Yoga ist eine bessere Behandlungsmethode für chronische Rückenschmerzen als viele Standard-Heilmittel. Entsprechend einer kürzlich erfolgten Studie ist es dabei erfolgreicher als Akupunktur, Bettruhe, Schmerzmittel, Eingriffe an der Wirbelsäule und Fitness-Programme.

Bei ernsthaften Rückenschmerzen ist es ratsam, sich an einen qualifizierten und entsprechend ausgebildeten Yoga-Therapeuten zu wenden. Yoga-Therapeuten haben oft als Physiotherapeuten begonnen, ehe sie eine Yoga-Ausbildung absolviert haben. Andere haben als Yogalehrer angefangen und dann Zusatzausbildungen absolviert, in denen sie unter anderem gelernt haben, wie man mit einem gestressten oder verletzten Rücken umgeht. In schlimmen Fällen sollte man auf jeden Fall Privatstunden vereinbaren. Dabei kann der/die Therapeut/in die Übungen nämlich genau auf die Möglichkeiten und Bedürfnisse des/der Patienten/in zuschneiden. 

Mäßigen oder geringen Rückenschmerzen kann man übrigens mit einer speziellen Yogatechnik begegnen, deren Anwendung zehntausende Jahre zurückreicht – der guten, altmodischen Fußmassage. 

Viele Yogalehrer sagen, dass die Füße die Fundamente des Körpers sind. Sind die Füße sozusagen aus dem Lot, sind es die Knöchel ebenfalls. Sind die Knöchel schlecht ausbalanciert, wirkt sich das auf die Knie aus … Und diese Kettenreaktion setzt sich entlang der Wirbelsäule bis zu den Schultern und zum Hals fort. 

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Was zeigen Studien zu Bewegungstherapie und Massage?

Bewegungstherapie: Eine Auswertung von 249 Studien kam zu dem Ergebnis, dass gezielte Übungen chronische Rückenschmerzen stärker lindern als keine Behandlung, die übliche Versorgung oder eine Scheinbehandlung. Der Unterschied war so groß, dass er für Betroffene spürbar ist (Hayden et al., 2021).

Massage: In einer Auswertung von 25 Studien mit 3.096 Teilnehmenden linderte Massage bei subakuten und chronischen Kreuzschmerzen kurzfristig die Schmerzen und verbesserte die Beweglichkeit im Alltag, verglichen mit keiner Behandlung. Auch im Vergleich mit anderen aktiven Behandlungen schnitt Massage bei den Schmerzen besser ab. Schwere Nebenwirkungen wurden in keiner der Studien berichtet (Furlan et al., 2015).

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Wann sollte man mit Rückenschmerzen zum Arzt?

Die meisten Rückenschmerzen sind harmlos und gehen von selbst wieder weg. Ärztlich abklären lassen sollte man Rückenschmerzen, wenn eines dieser Warnzeichen dazukommt:

  • Taubheit, Kribbeln oder Lähmungen in den Beinen
  • Taubheit im Genital- oder Gesäßbereich oder Probleme beim Wasserlassen oder Stuhlgang
  • Fieber oder ungewollter Gewichtsverlust
  • Schmerzen nach einem Sturz oder Unfall
  • Schmerzen, die nachts oder in Ruhe immer stärker werden

Ein Therapieplan für einen schmerzfreien Rücken:

Am Anfang setzt man sich komfortabel hin, und zwar so, dass man die Füße erreichen kann.

Es gibt eigentlich keine genauen Regeln für diese Übung, aber im Allgemeinen geht man folgendermaßen vor: 

  • Den rechten Fuß zu sich ziehen und seine Außenseite in der linken Hand oder auf dem linken Knie halten.
  • Nun den rechten Daumen benutzen und ihn sanft am Rand der Innenseite des Fußes entlangführen, vom Fußballen bis kurz vor die Ferse. Die Energie, die von Knochen und Muskeln entlang dieser Linie ausgeht, reflektiert normalerweise den Zustand der Wirbelsäule.
  • Nun ein wenig mehr Druck ausüben und den Daumen die gleiche Linie entlangführen. Wo sich eine empfindliche oder geschwollene Stelle findet, diese kreisförmig für etwa eine Minute massieren.
  • Jetzt die nächste empfindliche Stelle suchen und dieselbe Massage durchführen. Der beschriebenen Linie zwei- bis dreimal folgen, bis sich keine empfindlichen oder schmerzhaften Stellen mehr finden lassen.
  • Nun mit dem Daumen dem Bogen zwischen Ferse und Fußsohle folgen. Dieser Bereich weist auf eventuelle Probleme mit dem Ischias-Nerv hin. Wieder nach empfindlichen Stellen suchen und diese massieren.
  • Jetzt dasselbe an der Sohle entlang des Bogens machen, direkt unterhalb der Zehengelenke.
  • Zum Schluss mit den Fingern sanft den Rist massieren, entlang des knöchernen Bogens unter den Zehen. Diese Bereiche weisen auf Schwierigkeiten mit den Schultern und dem oberen Rücken hin. 

Nun das Ganze mit dem linken Fuß wiederholen … Man kann fühlen, wie diese alte Magie Stress und Rückenschmerzen auf wundersame Weise vertreibt.

Gesund bleiben!

Wichtiger Hinweis

Dieser Ratgeber dient nur zur Information und ersetzt keine ärztliche Beratung.

Die Inhalte der Herbano Gesundheitsredaktion werden sorgfältig recherchiert und basieren auf aktuellen wissenschaftlichen Studien.

Inhalt mit Unterstützung künstlicher Intelligenz erstellt und von der Herbano Redaktion bearbeitet.

Häufige Fragen

Bei chronischen Rückenschmerzen ist Yoga eine bessere Behandlungsmethode als viele Standard-Heilmittel. Auch Bewegungstherapie allgemein ist gut untersucht: In einer Auswertung von 249 Studien linderten gezielte Übungen chronische Rückenschmerzen spürbar stärker als keine Behandlung.

Bei akuten Rückenschmerzen linderte Wärme, etwa ein Wärmeumschlag oder eine Wärmedecke, in Studien die Schmerzen schon nach kurzer Zeit. Außerdem ist es besser, aktiv zu bleiben, als sich ins Bett zu legen.

Ja. Bei akuten und subakuten Kreuzschmerzen linderte ein Wärmeumschlag die Schmerzen nach fünf Tagen stärker als eine Placebo-Tablette. Kam Bewegung dazu, gingen die Schmerzen noch weiter zurück.

Ja. In 25 Studien mit über 3.000 Teilnehmenden linderte Massage bei subakuten und chronischen Kreuzschmerzen kurzfristig die Schmerzen und verbesserte die Beweglichkeit im Alltag. Eine einfache Fußmassage, die man selbst machen kann, beschreibt der Therapieplan in diesem Ratgeber.

Bei den meisten Menschen steckt hinter Rückenschmerzen keine einzelne klar erkennbare Erkrankung. Körperlich schwere Arbeit, Stress und seelische Belastung spielen aber eine Rolle und erhöhen das Risiko, dass die Schmerzen bleiben. Deshalb setzt dieser Ratgeber auf Yoga, das auch beim Stressabbau hilft.

  1. [1]
    Hartvigsen J, Hancock MJ, Kongsted A, Louw Q, Ferreira ML, Genevay S, Hoy D, Karppinen J, Pransky G, Sieper J, Smeets RJ, Underwood M; Lancet Low Back Pain Series Working Group (2018) What low back pain is and why we need to pay attention. Lancet, 391(10137):2356-2367. doi: 10.1016/S0140-6736(18)30480-X. https://doi.org/10.1016/S0140-6736(18)30480-X
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    Dahm KT, Brurberg KG, Jamtvedt G, Hagen KB (2010) Advice to rest in bed versus advice to stay active for acute low-back pain and sciatica. Cochrane Database of Systematic Reviews, 2010(6):CD007612. doi: 10.1002/14651858.CD007612.pub2. https://doi.org/10.1002/14651858.CD007612.pub2
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    Hayden JA, Ellis J, Ogilvie R, Malmivaara A, van Tulder MW (2021) Exercise therapy for chronic low back pain. Cochrane Database of Systematic Reviews, 9(9):CD009790. doi: 10.1002/14651858.CD009790.pub2. https://doi.org/10.1002/14651858.CD009790.pub2
  5. [5]
    Furlan AD, Giraldo M, Baskwill A, Irvin E, Imamura M (2015) Massage for low-back pain. Cochrane Database of Systematic Reviews, 2015(9):CD001929. doi: 10.1002/14651858.CD001929.pub3. https://doi.org/10.1002/14651858.CD001929.pub3

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