Altersdepression: Warum nehmen immer mehr Senioren Antidepressiva?

Altersdepression: Warum nehmen immer mehr Senioren Antidepressiva?

19 Min. Lesezeit Aktualisiert am 29. September 2026
Das Wichtigste in Kürze
Eine Altersdepression ist häufig und gut behandelbar: Rund 2 % der Menschen ab 55 Jahren haben eine schwere Depression, weitere 10 bis 15 % deutliche depressive Beschwerden (Kok & Reynolds, 2017). Wirksam sind Antidepressiva, Psychotherapie und Bewegung; im Alter wählt die Ärztin oder der Arzt das Medikament wegen Sturzrisiko und Wechselwirkungen besonders sorgfältig aus (Seppala et al., 2018). Antidepressiva nie eigenmächtig absetzen – und bei Suizidgedanken sofort Hilfe holen: Telefonseelsorge 0800 111 0 111 (Österreich 142, Schweiz 143, Notruf 112).

Heute nehmen doppelt so viele Senioren Antidepressiva ein wie noch vor 20 Jahren. Dieser Artikel erklärt, woran man eine Altersdepression erkennt, welche Behandlung hilft und worauf bei Antidepressiva im Alter zu achten ist. 

DER ARTIKEL IM ÜBERBLICK

  • In den letzten zwei Jahrzehnten lässt sich ein starker Anstieg der verschriebenen Antidepressiva für Senioren verzeichnen, ohne dass jedoch die Zahl der Depressionserkrankungen in ähnlichem Maße zugenommen hat.
  • In einer ersten Studie nahmen 4,2 Prozent der Menschen ab 65 Jahren Antidepressiva ein. Dieser Wert stieg in einer Folgestudie auf 10,7 Prozent.
  • Der Prozentsatz an Senioren, die an Depressionen leiden und in Pflegeheimen leben, blieb unverändert. Jedoch stieg die Verwendung von Antidepressiva von 7,4 auf 29,2 Prozent.
  • Die meisten Menschen, die Antidepressiva nahmen, hatten zum Zeitpunkt der Befragung keine Depression – und die meisten Menschen mit Depression bekamen keine Antidepressiva.
  • Antidepressiva helfen bei mittelschweren bis schweren Depressionen. Im Alter erhöhen sie aber das Risiko für Stürze und Knochenbrüche und brauchen deshalb eine sorgfältige Auswahl und regelmäßige ärztliche Kontrolle.

Depressionen treten häufig bei Senioren auf. Etwa zwei Prozent der Menschen ab 55 Jahren haben eine schwere Depression. Mit zunehmendem Alter betrifft die Krankheit mehr und mehr Menschen. Zusätzlich kämpfen zwischen zehn und 15 Prozent der Menschen in dieser Altersgruppe mit deutlichen depressiven Symptomen, auch wenn keine schwere Depression diagnostiziert wird (Kok & Reynolds, 2017).

Abgesehen davon lässt sich in den letzten zwei Jahrzehnten ein starker Anstieg der verschriebenen Antidepressiva für Senioren verzeichnen, ohne dass jedoch die Zahl der Depressionserkrankungen in ähnlichem Maße zugenommen hat. Dies sind die Ergebnisse einer Studie, die im Fachmagazin „The British Journal of Psychiatry“ veröffentlicht wurde (Arthur et al., 2020).

Die Ergebnisse deuten darauf hin, dass manchen älteren Menschen Antidepressiva ohne klare Depression verschrieben werden, während viele Betroffene mit Depression gar keine Behandlung bekommen. Beides ist ein Grund, die Diagnose sorgfältig zu stellen und die Behandlung regelmäßig ärztlich zu überprüfen.

Symptome: Woran erkennt man eine Altersdepression?

Eine Depression zeigt sich im Alter mit denselben Beschwerden wie bei Jüngeren: gedrückte Stimmung, Verlust von Freude und Interesse, Antriebslosigkeit, Schlafstörungen, Appetitverlust sowie Schuld- oder Wertlosigkeitsgefühle. Ältere Menschen haben aber häufiger zusätzlich körperliche Erkrankungen und Gedächtnisprobleme, und die Depression bleibt deshalb oft unerkannt oder wird nicht ausreichend behandelt (Kok & Reynolds, 2017). Wer Müdigkeit, Rückzug oder Schlafprobleme einfach dem Alter zuschreibt, übersieht sie leicht.

Typische Auslöser im Alter sind Verluste und Belastungen: der Tod des Partners oder der Partnerin, Einsamkeit, chronische Krankheiten, Schmerzen und nachlassende Selbstständigkeit. Dieselben Faktoren erhöhen auch das Suizidrisiko, das mit dem Lebensalter ansteigt und bei älteren Männern am höchsten ist (Conejero et al., 2018).

Wichtig: Äußerungen wie „Ich bin nur noch eine Last“ oder Gedanken an den Tod immer ernst nehmen. Wer Suizidgedanken hat, bekommt sofort und kostenlos Hilfe: Telefonseelsorge Deutschland 0800 111 0 111, Telefonseelsorge Österreich 142, Die Dargebotene Hand in der Schweiz 143, im Notfall 112.

Depression oder Demenz?

Konzentrationsschwäche, Vergesslichkeit und Rückzug kommen bei beiden Erkrankungen vor. Eine Depression kann deshalb wie eine beginnende Demenz wirken, und beide können auch gleichzeitig auftreten. Die Unterscheidung ist wichtig, weil sich die Behandlung unterscheidet: Bei Menschen mit Demenz stützen hochwertige Studien den Einsatz von Antidepressiva nicht (Kok & Reynolds, 2017).

Eine Depression im Alter ist zudem selbst ein Risikofaktor: In einer Auswertung von 23 Studien war das Risiko, später an einer Demenz zu erkranken, bei älteren Menschen mit Depression 1,85-mal so hoch, für eine gefäßbedingte Demenz sogar 2,52-mal (Diniz et al., 2013). Bei neuen Gedächtnisproblemen gehört daher beides auf den Prüfstand: die Stimmung und das Gedächtnis. Die Hausärztin oder der Hausarzt kann Gedächtnistests und Blutwerte veranlassen und an eine Fachpraxis für Psychiatrie oder Neurologie überweisen.

Viele Betroffene leiden neben der gedrückten Stimmung auch unter schlechtem Schlaf. Das Schlaf- & Stimmungspaket kombiniert Safran-Extrakt mit einem Magnesium Komplex. Magnesium trägt zu einer normalen Funktion des Nervensystems und zu einer normalen psychischen Funktion bei; Safran ist in Studien bei leichten bis mittelschweren depressiven Beschwerden untersucht (mehr dazu weiter unten).

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Warum hat sich der Einsatz von Antidepressiva bei Senioren mehr als verdoppelt?

Forscher analysierten Daten aus zwei englischen Kohortenstudien mit 15.397 Personen, um zu ermitteln, ob sich das Auftreten von Depressionen und der Einsatz von Antidepressiva von 1990 bis 2011 bei Menschen ab 65 Jahren verändert hat. Die Studien wurden von 1991 bis 1993 sowie von 2008 bis 2011 durchgeführt.

In der ersten Studie nahmen 4,2 Prozent der Menschen ab 65 Jahren Antidepressiva ein. Dieser Wert stieg in der Folgestudie auf 10,7 Prozent. Im genannten Zeitraum sank die Zahl der Depressionserkrankungen leicht von 7,9 auf 6,8 Prozent. Interessant ist, dass der Prozentsatz an Senioren, die an Depressionen leiden und in Pflegeheimen leben, unverändert blieb, jedoch die Verwendung von Antidepressiva von 7,4 auf 29,2 Prozent anstieg.

Es gab einige Erklärungsansätze, warum die Verschreibungsrate für Antidepressiva so stark gestiegen ist, ohne dass ein ähnlicher Anstieg der Depressionserkrankungen verzeichnet werden konnte. Dazu gehörten auch Überdiagnosen oder das Verschreiben von Antidepressiva für andere Erkrankungen als Depressionen. Im Ergebnis zeigte sich, dass die meisten Menschen, die Antidepressiva nahmen, zum Zeitpunkt der Befragung keine Depression hatten. Umgekehrt bekam nur eine Minderheit der Menschen mit Depression Antidepressiva (Arthur et al., 2020).

Der leitende Studienautor Antony Arthur, Ph.D. der University of East Anglia in Norwich in Großbritannien, erklärte gegenüber Medscape: „Manchmal werden Antidepressiva zur Behandlung leichter Depressionen gegeben, die sich außerhalb unserer Definition von Depressionen befinden. Zahlreiche Beweise belegen die Wirksamkeit von Antidepressiva für Menschen mit mittelschweren oder schweren Depressionen. Antidepressiva werden zudem zur Behandlung anderer Erkrankungen eingesetzt, z.B. neuropathischer Schmerzen und Schlafstörungen.“

Er fügte hinzu, dass regelmäßig geprüft werden sollte, ob eine Behandlung noch nötig ist. Diese Entscheidung gehört in ärztliche Hand: Antidepressiva werden, wenn überhaupt, schrittweise über mehrere Wochen und unter Beobachtung reduziert, weil die Depression nach dem Absetzen zurückkehren kann (Kok & Reynolds, 2017). „Unabhängig davon, warum Antidepressiva verschrieben werden, hat der verstärkte Einsatz nicht zu einem Rückgang von Depressionen in der Altersgruppe ab 65 Jahren geführt. Über die Ursachen von Depressionen bei älteren Menschen, Faktoren, die zur Aufrechterhaltung beitragen, sowie Möglichkeiten zur Bewältigung wissen wir immer noch sehr wenig. Diese Fragen verdienen mehr Aufmerksamkeit.“

Eine weitere Studie wurde 2017 im Magazin „World Psychiatry“ veröffentlicht. Wissenschaftler überprüften dafür Daten aus Australien, Kanada, England und den USA aus den Jahren 1990 bis 2015. Sie kamen ebenfalls zu dem Schluss, dass „die Häufigkeit von Stimmungs- und Angststörungen sowie entsprechenden Symptomen trotz einer erheblichen Ausweitung des Behandlungsangebots und insbesondere der verstärkten Gabe von Antidepressiva nicht abgenommen habe.“ (Jorm et al., 2017)

Nebenwirkungen von Antidepressiva bei Senioren

Bei Depressionen handelt es sich um ernste psychische Erkrankungen, die mit vielen negativen Folgen für Senioren einhergehen. Neben dem persönlichen Leid, das den Betroffenen widerfährt, erhöhen Depressionen das Risiko für den Verfall kognitiver Fähigkeiten, Demenz, Suizid sowie einen vorzeitigen Tod. Eine Depression im Alter unbehandelt zu lassen, ist deshalb keine sichere Alternative.

Antidepressiva sind die am besten untersuchte Behandlung der Altersdepression. Weil ältere Menschen aber oft mehrere Krankheiten haben und viele Medikamente gleichzeitig nehmen, kommt es bei ihnen häufiger zu Nebenwirkungen und Wechselwirkungen (Kok & Reynolds, 2017). Die wichtigsten Risiken kennt man gut, und die Ärztin oder der Arzt kann sie bei der Auswahl und Kontrolle berücksichtigen.

So erhöht sich beispielsweise das Risiko, an Diabetes Typ 2 zu erkranken. In einer Auswertung von 20 Studien lag es bei Menschen, die Antidepressiva nahmen, um 27 % höher (Salvi et al., 2017). Dies gilt selbst dann, wenn die Daten um andere Risikofaktoren wie den Body Mass Index (BMI) bereinigt wurden (Pan et al., 2012). Regelmäßige Blutzuckerkontrollen sind deshalb sinnvoll.

In einer großen Studie aus Taiwan stand die Einnahme von SSRI, MAO-Hemmern und einigen anderen Antidepressiva im Zusammenhang mit einem höheren Demenzrisiko, trizyklische Antidepressiva dagegen mit einem niedrigeren (Lee et al., 2016). Solche Beobachtungsstudien zeigen einen Zusammenhang, aber keine Ursache – zumal die Depression selbst ein Risikofaktor für Demenz ist.

Am besten belegt ist bei älteren Menschen das höhere Sturzrisiko. In einer Auswertung von 248 Studien an Menschen ab 60 Jahren war die Wahrscheinlichkeit zu stürzen unter Antidepressiva 1,57-mal so hoch, unter SSRI 2,02-mal (Seppala et al., 2018). Auch deshalb wird die Dosis im Alter meist niedrig begonnen und langsam gesteigert; viele ältere Menschen brauchen am Ende aber dieselbe Dosis wie Jüngere (Kok & Reynolds, 2017).

So ergab eine Studie aus dem Jahr 2015 mit Frauen zwischen 40 und 64 Jahren ohne psychische Erkrankung, dass die Knochenbruchrate im ersten Jahr der Einnahme von selektiven Serotonin-Wiederaufnahmehemmern (SSRI) um 76 Prozent höher lag als bei Frauen, die mit H2-Antagonisten oder Protonenpumpenhemmern (Medikamente bei Verdauungsstörungen) behandelt wurden. Nach zwei Jahren Behandlung war die Frakturrate 73 Prozent höher (Sheu et al., 2015).

Darüber hinaus nahmen im Jahr 2010 39 Prozent der Menschen ab 65 Jahren in den USA täglich mindestens fünf verschreibungspflichtige Medikamente ein – dreimal so viele wie 1988. Die Wissenschaftler führten diese Zunahme zum Teil auf den steigenden Einsatz von Herz-Kreislauf-Mitteln und Antidepressiva zurück (Charlesworth et al., 2015). Je mehr Mittel zusammenkommen, desto eher treten Wechselwirkungen auf. Hilfreich ist, einmal im Jahr die gesamte Medikamentenliste mit der Hausärztin, dem Hausarzt oder in der Apotheke durchzusehen.

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Wie gut wirken Antidepressiva im Alter?

Wie stark Antidepressiva helfen, hängt vom Schweregrad der Depression ab. In einer Auswertung von Patientendaten war ihr Vorteil gegenüber einem Scheinmedikament (Placebo) bei leichten bis mittelschweren Beschwerden im Schnitt gering, bei sehr schweren Depressionen dagegen deutlich (Fournier et al., 2010). Bei leichter bis mittelschwerer Altersdepression wird deshalb vor allem Psychotherapie empfohlen (Kok & Reynolds, 2017).

In einer anderen Studie mit älteren Erwachsenen, denen die Hausarztpraxis neu ein Antidepressivum verschrieben hatte, hatten 57 % keine schwere depressive Störung (MDD) (Maust et al., 2017). Für solche leichteren Beschwerden sind die Mittel nicht gedacht. Die Forscher schlussfolgerten:

Ärzte, Therapeuten sowie die allgemeine Öffentlichkeit sehen in Depressionen zunehmend ein medizinisches Problem, das unbedingt behandelt werden muss. Alle sollten sich jedoch darüber im Klaren sein, dass Antidepressiva für depressive Symptome, die nicht den Kriterien einer MDD entsprechen, nicht förderlich sind, die potenziellen Nebenwirkungen und Kosten jedoch bestehen bleiben – unabhängig davon, ob tatsächlich eine MDD vorliegt.

Studienautoren

Eine Auswertung der Zulassungsstudien bei der US-Arzneimittelbehörde FDA kam zu einem ähnlichen Ergebnis: Der Abstand zwischen Antidepressivum und Placebo wächst mit dem Schweregrad der Depression (Kirsch et al., 2008). Für die Altersdepression im engeren Sinn zeigt eine Meta-Analyse von 15 Studien mit Menschen ab 55 Jahren, dass Antidepressiva bei einer schweren Depression wirksam sind (Tedeschini et al., 2011). In Studien nur mit Menschen ab 65 Jahren war der Effekt weniger eindeutig; Fachleute empfehlen deshalb, die Wirkung im Alter eng zu kontrollieren (Tham et al., 2016).

Besonders wichtig ist ihr Nutzen nach einer überstandenen Episode: Wer bei Menschen ab 65 Jahren die SSRI-Behandlung fortführte, verhinderte deutlich häufiger einen Rückfall als mit Placebo – statistisch wurde bei einer von fünf behandelten Personen ein Rückfall vermieden (Tham et al., 2016). Antidepressiva deshalb nie eigenmächtig absetzen oder die Dosis verringern, sondern jede Änderung mit der behandelnden Ärztin oder dem Arzt besprechen.

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Welche Medikamente helfen bei Altersdepression?

Ein bestes Antidepressivum für Senioren gibt es nicht. Die Ärztin oder der Arzt wählt den Wirkstoff nach Begleiterkrankungen, den übrigen Medikamenten und dem Nebenwirkungsprofil aus. Häufig eingesetzt werden SSRI. Der Wirkstoff Duloxetin führte in Studien mit Menschen ab 65 Jahren bei wiederkehrender Depression häufiger zu einer Besserung als Placebo, verursachte aber mehr Nebenwirkungen, die im Alter problematisch sein können (Tham et al., 2016). Um ungeeignete Kombinationen zu vermeiden, nutzen Ärztinnen und Ärzte Prüflisten wie die STOPP/START-Kriterien (Kok & Reynolds, 2017).

Antidepressiva wirken nicht sofort. In den Studien mit älteren Menschen wurde der Erfolg nach 8 Wochen beurteilt (Tham et al., 2016). Wer in den ersten Wochen noch keine Besserung spürt, sollte das Mittel nicht absetzen, sondern mit der Praxis besprechen, ob Dosis oder Wirkstoff angepasst werden. Eine schwere Depression lässt sich mit Antidepressiva und, wenn diese nicht ausreichen, mit einer Elektrokrampftherapie wirksam behandeln. Psychotherapie und Bewegung helfen bei leichter bis mittelschwerer Depression und eignen sich auch für Menschen, die keine Medikamente möchten oder für eine medikamentöse Behandlung zu gebrechlich sind (Kok & Reynolds, 2017).

Für Frauen und Männer gelten dieselben Wirkstoffe und Grundsätze. Bei Frauen nach den Wechseljahren, die ohnehin ein höheres Osteoporoserisiko haben, lohnt der Blick auf die Knochen, denn SSRI erhöhten in einer Studie mit Frauen zwischen 40 und 64 Jahren das Bruchrisiko (Sheu et al., 2015). Bei älteren Männern ist dagegen das Suizidrisiko am höchsten, Warnzeichen verdienen dort besondere Aufmerksamkeit (Conejero et al., 2018).

Pflanzliche Mittel: Safran, Johanniskraut und 5-HTP

Am besten untersucht ist Safran. In einer Meta-Analyse von 9 randomisierten Studien mit Menschen mit leichter bis mittelschwerer Depression wirkte Safran-Extrakt deutlich besser als Placebo und ähnlich gut wie die verglichenen Antidepressiva (Tóth et al., 2019). Das Schlaf- & Stimmungspaket verbindet Safran-Extrakt mit einem Magnesium Komplex für Stimmung und Schlaf.

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Johanniskraut wird seit Langem bei leichter bis mittelschwerer Depression eingesetzt (Tóth et al., 2019). Es beschleunigt aber in der Leber den Abbau vieler Medikamente und kann so die Wirkung etwa von Blutverdünnern wie Warfarin, dem Herzmittel Digoxin, Cholesterinsenkern wie Simvastatin oder Beruhigungsmitteln wie Alprazolam abschwächen (Nicolussi et al., 2020). Gerade ältere Menschen, die mehrere Medikamente einnehmen, sollten Johanniskraut deshalb nur nach Rücksprache mit der Ärztin, dem Arzt oder der Apotheke verwenden.

5-HTP ist eine Vorstufe des Botenstoffs Serotonin. Zusammen mit Antidepressiva, die ebenfalls den Serotoninspiegel erhöhen, kann es zu einem Serotonin-Syndrom kommen (Turner et al., 2006). 5-HTP und Johanniskraut deshalb nie ohne ärztliche Rücksprache mit Antidepressiva kombinieren. Pflanzliche Mittel können eine ärztliche Behandlung ergänzen, bei einer schweren Depression aber nicht ersetzen.

Senioren können Depressionen mit körperlicher Bewegung lindern

Eine Depression ist immer eine ernstzunehmende Erkrankung, die unbedingt einer wirksamen Behandlung bedarf. Neben Medikamenten und Psychotherapie gibt es weitere wirksame Bausteine. Körperliche Bewegung ist einer davon.

In einer 11-jährigen Studie mit rund 34.000 gesunden Erwachsenen erkrankten diejenigen, die regelmäßig in ihrer Freizeit Sport trieben, seltener an Depressionen. Schon mindestens eine Stunde Bewegung pro Woche hätte rechnerisch 12 % der späteren Depressionen verhindern können (Harvey et al., 2018). Eine Meta-Analyse von 33 Studien mit 1.877 Probanden zeigte zudem, dass Krafttraining zu einer signifikanten Reduktion von depressiven Symptomen führte, und zwar unabhängig vom Gesundheitszustand der Teilnehmenden, dem Trainingsumfang oder dem Kraftzuwachs (Gordon et al., 2018).

Statistisch mussten vier Menschen trainieren, damit eine Person zusätzlich deutlich profitierte (Gordon et al., 2018).

Die Forscher untersuchten zudem die Auswirkungen von Bewegung, insbesondere bei Senioren mit Depressionen. In einer Studie mit depressiven Menschen zwischen 60 und 84 Jahren sanken die Werte im Beck-Depressionsinventar nach zehn Wochen Krafttraining von 21,3 auf 9,8 Punkte, in der Vergleichsgruppe nur von 18,4 auf 13,8 Punkte. Diese Beobachtung veranlasste die Forscher zu dem Schluss, dass „Progressives Widerstandstraining ein wirksames Antidepressivum bei Senioren mit Depressionen sei und gleichzeitig Kraft, Moral und Lebensqualität der Menschen verbessere.“ (Singh et al., 1997)

In einer weiteren Studie – ebenfalls mit Senioren mit Depressionen – halbierten sich die depressiven Beschwerden bei 61 % derjenigen, die acht Wochen lang drei Tage die Woche ein hochintensives Krafttraining durchführten, gegenüber 29 % bei leichtem Training und 21 % bei üblicher hausärztlicher Betreuung (Singh et al., 2005). Separate Untersuchungen zeigten, dass ein Bewegungsprogramm mit Kraft-, Ausdauer-, Gleichgewichts- und Beweglichkeitsübungen auch bei Senioren hispanischer/ lateinamerikanischer Abstammung die depressiven Symptome über 24 Monate senkte (Hernandez et al., 2019).

Ein weiterer Vorteil körperlicher Aktivität besteht darin, dass Sport weitere gesundheitliche Vorteile bietet. In einer Auswertung von 15 Studien mit depressiven Menschen über 65 Jahren verbesserte Bewegung neben der Stimmung auch die körperliche Leistungsfähigkeit und verringerte Ängste; am meisten brachten Ausdauertraining, Tai-Chi/Qigong und kombinierte Programme (Alowaydhah et al., 2024). Bewegung ergänzt die ärztliche Behandlung, sie ersetzt sie bei einer schweren Depression aber nicht.

Professionelle Hilfe bei Altersdepression

Wer an Depressionen leidet oder mit depressiven Symptomen zu kämpfen hat, sollte sich Hilfe suchen – erste Anlaufstelle ist die Hausarztpraxis, weiter geht es bei einer Fachärztin oder einem Facharzt für Psychiatrie oder bei einer psychologischen Psychotherapeutin oder einem Psychotherapeuten. Beschwerden nicht als gegeben hinnehmen, sondern die ersten Schritte in Richtung eines besseren Lebens gehen. Ein erhöhtes Suizidrisiko unter Antidepressiva betrifft vor allem Menschen unter 25 Jahren; bei Menschen ab 65 Jahren senkten Antidepressiva in den Zulassungsstudien sogar das Risiko für Suizidgedanken und Suizidversuche (Stone et al., 2009). Antidepressiva sind dennoch nicht die einzige verfügbare Behandlungsmethode.

Bewegung, guter Schlaf und eine ausgewogene Ernährung unterstützen die Behandlung. Omega-3-Fettsäuren linderten in einer Auswertung von 26 Studien mit 2.160 Teilnehmenden depressive Beschwerden (Liao et al., 2019). Magnesium und die B-Vitamine B6 und B12 tragen zu einer normalen psychischen Funktion bei, und ob ein Mangel an Vitamin D vorliegt, lässt sich über einen Bluttest klären. Nahrungsergänzungsmittel können eine Behandlung ergänzen, ersetzen sie aber nicht.

Wer tief in einer Depression gefangen ist, schafft es kaum, sich selbst zu positiven Änderungen des eigenen Lebensstils zu bewegen. Deshalb nicht im Verborgenen leiden: Professionelle Hilfe kann aus dem Krisenmodus herausführen hin zu einer Denkweise, die gesunde Veränderungen möglich macht. Angehörige können unterstützen, indem sie Veränderungen ansprechen, zum Arztbesuch begleiten und bei Äußerungen über Suizid sofort Hilfe holen: Telefonseelsorge Deutschland 0800 111 0 111, Österreich 142, Schweiz 143, im Notfall 112.

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Häufige Fragen

Ein bestes Mittel gibt es nicht: Die Ärztin oder der Arzt wählt das Antidepressivum nach Begleiterkrankungen, anderen Medikamenten und Nebenwirkungen aus, häufig ist es ein SSRI. Bei schwerer Depression sind Antidepressiva gut untersucht, bei leichter bis mittelschwerer Depression wird vor allem Psychotherapie empfohlen. Bewegung ergänzt beides.

Am wichtigsten ist das höhere Sturzrisiko: Unter SSRI stürzten ältere Menschen in Studien etwa doppelt so häufig. Dazu kommen ein erhöhtes Risiko für Knochenbrüche und Diabetes Typ 2. Deshalb beginnt die Behandlung meist mit einer niedrigen Dosis und wird ärztlich kontrolliert.

Antidepressiva brauchen mehrere Wochen; in Studien mit älteren Menschen wurde der Erfolg nach 8 Wochen beurteilt. Wer bis dahin keine Besserung spürt, bespricht mit der Praxis eine Anpassung. Das Mittel nie eigenmächtig absetzen, denn die Depression kann zurückkehren.

Für Safran-Extrakt zeigt eine Meta-Analyse von 9 Studien bei leichter bis mittelschwerer Depression eine deutliche Wirkung gegenüber Placebo. Johanniskraut wird seit Langem eingesetzt, verändert aber die Wirkung vieler Medikamente. Pflanzliche Mittel ergänzen eine Behandlung, ersetzen sie bei schwerer Depression aber nicht.

Johanniskraut kann die Wirkung von Blutverdünnern, Herzmitteln wie Digoxin, Cholesterinsenkern und Beruhigungsmitteln abschwächen. 5-HTP kann zusammen mit Antidepressiva ein Serotonin-Syndrom auslösen, deshalb 5-HTP und Johanniskraut nie ohne Rücksprache mit Antidepressiva kombinieren. Bei mehreren Medikamenten gehört jedes zusätzliche Mittel vorher in ärztliche oder pharmazeutische Absprache.

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