Probiotika - Die natürliche Alternative zu Antidepressiva?

Probiotika - Die natürliche Alternative zu Antidepressiva?

9 Min. Lesezeit Aktualisiert am 30. September 2026
Das Wichtigste in Kürze
Probiotika sind lebende Milchsäurebakterien, die über die Verbindung zwischen Darm und Gehirn auch die Stimmung beeinflussen. In einer Auswertung von 18 Studien an Patientinnen und Patienten mit ärztlich gestellter Diagnose verringerten Probiotika depressive Beschwerden deutlich stärker als ein Scheinmedikament. Untersucht wurden meist Mischungen aus Lactobacillus- und Bifidobacterium-Stämmen über 8 Wochen, teils zusätzlich zu Antidepressiva.

Probiotika in der natürlichen Therapie von Depressionen

Könnten Probiotika (Darmbakterien) tatsächlich die Antwort auf die Frage sein, wie man Depressionen behandelt? Und wenn ja – sind sie eine sichere, preisgünstige und effektive Alternative zu Antidepressiva? 

Mehr als 50 Millionen Menschen weltweit nehmen Antidepressiva. Unglücklicherweise gibt es aber immer mehr Belege dafür, dass Antidepressiva wesentlich weniger effektiv und potenziell gefährlicher sind, als man glaubt.

Deswegen bringt eine brandneue Studie der McMaster-Universität im kanadischen Ontario gute Neuigkeiten für alle, die mit Depressionen zu kämpfen haben. Die Studie zeigte, dass es zwischen der Darmgesundheit – bzw. den Bakterien, die für den Darm „gesund“ sind – und bestimmten Gehirnfunktionen, darunter der Stimmung, einen starken Zusammenhang gibt. Mit anderen Worten: Der Darm „spricht“ sozusagen mit dem Gehirn.

Aufgrund dieser „Unterhaltungen“ hat die Anzahl gesundheitsfördernder Bakterien im Verdauungstrakt einen riesengroßen Einfluss auf die Körpergesundheit.

Gesunde Bakterien tragen offensichtlich zur Verdauungsgesundheit und damit zur Vermeidung von Übergewicht bei. Nun aber wissen wir laut der Neurowissenschaftlerin Jane Foster und ihrem Team an der McMaster-Universität, dass gesunde Darmbakterien auch mit der Vermeidung von Depressionen und anderen psychischen Erkrankungen zu tun haben.

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Die Einnahme von Probiotika

Probiotika sind Nahrungsmittel, die Organismen enthalten, die die „guten“ Bakterien im Darm ergänzen bzw. deren Zahl wieder auffüllen … und probiotische Nahrungsergänzungsmittel sind möglicherweise die beste und sicherste Alternative, Depressionen ohne die Einnahme von Medikamenten zu besiegen. 

Die Gefahren von Antidepressiva

In den Vereinigten Staaten sind Antidepressiva ein Riesengeschäft. Seit 1994 hat ihr Gebrauch um 400% zugenommen. In einem einzigen Jahr (2010) wurden 255 Millionen Rezepte ausgestellt. Der jährliche weltweite Umsatz beträgt mehr als 20 Milliarden Dollar.  

Mittlerweile enthüllen Forschungsergebnisse und auch Umfragen, dass diese Medikamente kaum effektiver als Placebo-Mittel sind, allerdings hohe Risiken für Nebenwirkungen beinhalten.

Mögliche Nebenwirkungen:

  • Sehstörungen
  • Übelkeit
  • Verstopfung
  • Schlaflosigkeit
  • Erschöpfung
  • Gewichtszunahme
  • Ruhelosigkeit, Angstzustände und Gemütserregungen
  • Sexualstörungen
  • Erhöhte Selbstmordanfälligkeit 

Wie man sieht, gleichen einige dieser Nebenwirkungen exakt den Symptomen, die diese Medikamente eigentlich behandeln sollten.

Wie man Depressionen mit Probiotika natürlich behandelt

Die McMaster-Studie und einige andere Studien suggerieren, dass Probiotika zur Behandlung von Depressionen, Angstzuständen, Schlaflosigkeit und anderen Unausgewogenheiten innerhalb des zentralen Nervensystems wesentlich besser geeignet seien. Eine Studie am Zentrum für Pharmabiotische Ernährungswissenschaften der Universität Cork (Irland) hat das erste Mal aufgezeigt, dass Probiotika eine „direkte Auswirkung auf die chemischen Vorgänge im Gehirn haben.“ Die Ergebnisse deuten an, dass probiotische Organismen über ein großes Potenzial als optionale Behandlungsmethode für durch Stress verursachte psychische Störungen verfügen.

Die Behandlung von Depressionen mit Probiotika, die sich positiv auf die Stimmung auswirken, funktioniert auf zweierlei Weise: 

  • Sie generieren einen Neurotransmitter namens Gamma-Aminobuttersäure (GABA).
  • Sie verbessern die Funktion der entsprechenden Gehirnrezeptoren. 

Dazu Dr. Emily Deans: „GABA ist ein schönes Glas Wein vor dem Kamin. GABA ist erholsamer Schlaf. GABA ist Ruhe und Yoga zugleich.“

Natürlich produzierte GABA tut dem Körper gut, unter anderem:

  • beruhigt sie das Nervensystem,
  • fördert ruhigen Schlaf,
  • verringert Angstzustände und
  • mildert Depressionen.

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Was zeigen neuere Studien zu Probiotika bei Depressionen?

Seit der ersten Fassung dieses Artikels sind viele weitere Studien dazugekommen. Drei große Auswertungen der letzten Jahre fassen sie zusammen:

  • 23 Studien mit 1401 Patientinnen und Patienten: Bei ärztlich diagnostizierten Beschwerden verringerten Probiotika depressive Symptome deutlich und Angstsymptome mäßig (Asad et al., 2025).
  • 72 Studien mit rund 6100 Teilnehmenden: Probiotika, Präbiotika und Synbiotika verringerten depressive Beschwerden und Ängste stärker als ein Scheinmedikament, Probiotika verbesserten zudem die Schlafqualität (Zhang et al., 2025).
  • 42 Studien im Vergleich mit Antidepressiva: Bei einer Major Depression lagen Probiotika in der Rangfolge der wirksamsten Behandlungen auf Platz zwei hinter dem Antidepressivum Escitalopram. Über 8 Wochen und länger wurden sie ebenso gut vertragen wie Antidepressiva (Zhao et al., 2025).

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Welche Probiotika-Stämme wurden bei Depressionen untersucht?

In den Studien kamen vor allem Milchsäurebakterien der Gattungen Lactobacillus und Bifidobacterium zum Einsatz, meist als Mischung aus mehreren Stämmen:

StudieBakterienDauerErgebnis
Akkasheh et al., 2016 (40 Personen mit Depression)L. acidophilus, L. casei, B. bifidum8 WochenDepressionswert (Beck-Fragebogen) sank um 5,7 Punkte, unter Placebo um 1,5 Punkte
Kazemi et al., 2019 (81 Personen mit Depression)L. helveticus, B. longum8 WochenDepressionswert sank von 17,39 auf 9,1, unter Placebo von 18,18 auf 15,55
Nikolova et al., 2023 (49 Personen, zusätzlich zu Antidepressiva)Mischung aus mehreren Stämmen, 8 Milliarden KBE täglich8 WochenDepressive Beschwerden gingen stärker zurück als unter Placebo, bereits nach 4 Wochen messbar

KBE steht für koloniebildende Einheiten, also die Zahl lebender Bakterien. Wie stark die Wirkung ausfiel, hing laut der Auswertung von Asad et al. unter anderem von der Studiendauer und der Zusammensetzung der Probiotika ab.

Welche pflanzlichen Mittel wurden bei Depressionen untersucht?

Neben Probiotika sind drei Pflanzen bei leichten bis mittelschweren Depressionen besonders gut untersucht:

  • Johanniskraut: In einer Auswertung von 27 Studien mit 3808 Patientinnen und Patienten sprachen die Beschwerden ähnlich häufig auf Johanniskraut an wie auf gängige Antidepressiva (SSRI), und die Einnahme wurde seltener abgebrochen (Ng et al., 2017).
  • Safran: Eine Auswertung von 12 Studien fand eine bessere Wirkung auf depressive Beschwerden als unter Placebo und eine ähnliche wie unter synthetischen Antidepressiva. Nebenwirkungen traten nicht häufiger auf als unter Placebo (Dai et al., 2020).
  • Rosenwurz (Rhodiola rosea): In einer placebokontrollierten Studie über 6 Wochen verbesserten sich mit 340 oder 680 mg Extrakt täglich die depressiven Beschwerden sowie Schlafstörungen und emotionale Unausgeglichenheit, in der Placebogruppe nicht (Darbinyan et al., 2007).

Wer bereits Medikamente einnimmt, bespricht pflanzliche Mittel vorher mit der Ärztin oder dem Arzt.

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Mit der natürlichen Alternative etwas gegen die Depression tun

Probiotika findet man in vielen Nahrungsmitteln wie etwa Joghurt, Kefir, Miso, Tempeh und sogar Sauerkraut. Man sollte sich aber vor Aussagen in Acht nehmen, die behaupten, es hätte eine therapeutische Wirkung, würde man diese Nahrungsmittel der Ernährung hinzufügen. 

Aktuelle Studien untermauern die Verwendung von probiotischen Nahrungsergänzungsmitteln zur Erhöhung der Anzahl gesunder Bakterien im Darm und zur Produktion von mehr GABA. Darüber hinaus raten Experten aber, sich – soweit es Depressionen betrifft – an zwei wichtige Richtlinien zu halten:

  • Jeder, der an ernsthaften Depressionen leidet, sollte immer professionelle Hilfe in Anspruch nehmen, auch bei natürlichen Behandlungsmethoden
  • Antidepressiva niemals ohne ärztliche Aufsicht und Beratung absetzen.

Natürliche Mittel zur Bekämpfung von Depressionen

Wichtiger Hinweis

Dieser Ratgeber dient nur zur Information und ersetzt keine ärztliche Beratung.

Die Inhalte der Herbano Gesundheitsredaktion werden sorgfältig recherchiert und basieren auf aktuellen wissenschaftlichen Studien.

Inhalt mit Unterstützung künstlicher Intelligenz erstellt und von der Herbano Redaktion bearbeitet.

Häufige Fragen

Untersucht wurden vor allem Milchsäurebakterien der Gattungen Lactobacillus und Bifidobacterium, zum Beispiel L. helveticus mit B. longum oder L. acidophilus, L. casei und B. bifidum. Meist kamen Mischungen aus mehreren Stämmen zum Einsatz, die über 8 Wochen täglich eingenommen wurden.

Die meisten Studien liefen über 8 Wochen. In einer Studie mit Menschen, die zusätzlich Antidepressiva nahmen, war der Unterschied zur Placebogruppe bereits nach 4 Wochen messbar.

In einer Studie mit 49 Personen, deren Antidepressiva nicht ausreichend halfen, gingen die depressiven Beschwerden mit einem zusätzlichen Probiotikum stärker zurück als mit Placebo. Eine große Vergleichsanalyse von 42 Studien sieht Probiotika sowohl als Ergänzung wie auch als eigenständige Möglichkeit bei einer Major Depression.

Schwere Nebenwirkungen traten in den Studien nicht auf, und über 8 Wochen und länger wurden Probiotika ebenso gut vertragen wie Antidepressiva. Zu Beginn sind leichte Blähungen, Durchfall oder Verstopfung möglich, die meist nach einigen Tagen bis Wochen verschwinden.

Eine Auswertung von 72 Studien zeigte, dass Probiotika, Präbiotika und Synbiotika depressive Beschwerden und Ängste stärker verringerten als ein Scheinmedikament. Probiotika verbesserten zudem die Schlafqualität.

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