Magnesiumstearat - eine kritische Rezension

Magnesiumstearat, Hypothese, Nocebo und schädlicher "Halo-Effekt" - eine kritische Rezension

28 Min. Lesezeit Aktualisiert am 29. September 2026
Das Wichtigste in Kürze
Magnesiumstearat ist ein Hilfsstoff (E470b), der in Tabletten und Kapseln meist nur in Milligramm-Mengen steckt und dafür sorgt, dass das Pulver nicht an den Maschinen klebt. Die Europäische Behörde für Lebensmittelsicherheit sah 2018 bei den üblichen Mengen keine Sicherheitsbedenken und hielt keine Höchstmenge für nötig (EFSA, 2018). Belegte Nebenwirkungen gibt es kaum: Beschrieben ist ein Einzelfall einer allergischen Hautreaktion (Tammaro et al., 2012). Als Magnesiumquelle spielt der Hilfsstoff keine Rolle.

Eine kleine Anzahl an Klinikmitarbeitern, Herstellern und Gesundheitslobbyisten vertritt die Ansicht, dass Magnesiumstearat, das von der Nahrungsergänzungsmittel- und Pharmaindustrie seit über 50 Jahren sicher verwendet wird, ein schädlicher und unnötiger Inhaltsstoff sei. Darüber hinaus machen Kritiker negative Folgen für das Immunsystem geltend und behaupten, dass Magnesiumstearat die Magen-Darm-Flora nachteilig verändern und so die Verdauungsfunktion und Nährstoffabsorption beeinträchtigen könnte.

Das brisante Thema Magnesiumstearat

Reißerische Artikel, die auf unfaire Weise Hilfsstoffe an den Pranger stellen oder anderweitig die Grenze zwischen Wahrheit und Unwahrheit verschwimmen lassen, sind nicht im öffentlichen Interesse.

Und selbstverständlich muss eine Hypothese, die aufgestellt wird, begründet werden. Schließlich ist eine Hypothese nichts anderes als eine Erklärung für ein Phänomen, das getestet werden kann. Idealerweise stützt oder widerlegt das Testergebnis die Hypothese. Für den Testzeitraum wird sie als wahr angenommen. Ziel der Wissenschaftler ist es nun, die Grenzen der Hypothese genau auszutesten.

Die Annahme, dass Magnesiumstearat ein Risiko für die menschliche Gesundheit darstellen könne, muss auf substanziellen, reproduzierbaren und überprüfbaren Erklärungen beruhen. Zumindest sollte sie relational sein - also auf Beobachtungen und Erklärungen basieren, die wissenschaftlich plausibel sind. Eine Hypothese ist demnach eine plausible, mögliche Erklärung für einen Vorgang, ein Ereignis oder eine Einheit. Selbstverständlich sind nicht alle Hypothesen gültig oder korrekt.

Meinungsbildner  können jedoch aufgrund des sogenannten „Halo-Effekts“ eine uneingeschränkte Unterstützung für ihre Hypothese erhalten. Damit wird das Phänomen beschrieben, das darin besteht, dass wir davon ausgehen, dass Menschen, die Sache A gut machen, auch B, C und D gut machen werden (oder umgekehrt - weil sie Sache A schlecht erledigt haben, werden sie auch bei B, C und D schlechte Resultate liefern).

Negative Meldungen über angebliche Probleme im Zusammenhang mit Magnesiumstearat in Nahrungs- und Arzneimitteln werden im Internet so verbreitet, dass sie mittlerweile für einen „Nocebo“-Effekt verantwortlich sind. Zu einem Nocebo-Effekt kommt es, wenn nachteilige Nebenwirkungen aufgrund negativer Erwartungen auftreten, sozusagen ein negativer Placebo-Effekt. Placebo- und Nocebo-Effekte demonstrieren auf eindrucksvolle Weise wie sehr der therapeutische Kontext und verschiedene Gehirnbereiche miteinander in Verbindung stehen.

Es besteht kein Zweifel daran, dass Nocebo-Effekte existieren und den Verlauf von Standardbehandlungen negativ beeinflussen, selbst wenn keine Placebos verabreicht wurden. Nocebo- und Placebo-Effekte, die direkt die Funktionstüchtigkeit eines Menschen beeinflussen, sind das Ergebnis des psychosozialen Kontextes bzw. der therapeutischen Umgebung für den Geist, das Hirn und den Körper des Patienten. Beide Phänomene können durch verschiedene Faktoren ausgelöst und verstärkt werden: schriftliche Stellungnahmen, mündliche Empfehlungen, frühere Erfahrungen usw. Derartige Effekte spielen nicht nur eine Rolle bei der Behandlung, sondern verkomplizieren auch die Gültigkeit von Studien, wenn sie im Zusammenhang mit unbegründeten Hypothesen stehen.

Insofern muss ein Gleichgewicht zwischen der Informationsweitergabe relevanter Nährstoffwerte und der Sicherstellung bestehen, dass unbegründete negative Angaben minimiert und negative therapeutische Zusammenhänge verringert werden. Dieses Gleichgewicht muss die Selbstständigkeit des Patienten oder Konsumenten berücksichtigen, eine Entscheidung aufgrund der relevanten Informationen selbst zu treffen, während Informationen auf eine nicht-täuschende, aber dennoch beruhigende Art und Weise vermittelt werden. In diesem Sinne sind die folgenden Informationen gedacht.

Zunächst ein kleiner Einblick in die Chemie

Seit Jahrzehnten wird Magnesiumstearat, chemisch das Magnesiumsalz der Octadecansäure (Stearinsäure), bei der Herstellung von Lebensmitteln, pharmazeutischen Tabletten und Kapseln verwendet. Die chemische Formel lautet: Mg(C18H35O2)2.

Es handelt sich dabei um ein Salz mit zwei Äquivalenten Stearat (die negativ geladenen Anionen der Stearinsäure) und einem positiv geladenen Magnesiumkation (Mg2+). Magnesiumstearat ist also eine neue Verbindung, die entsteht, wenn sich die negativ geladenen Stearat-Ionen mit Magnesium verbinden.

In vielen Nahrungsergänzungsmitteln, vor allem in jenen namhafter Hersteller, ist es nur in sehr geringen Mengen enthalten. Meistens macht Magnesiumstearat weniger als ein Prozent des Endproduktes aus. Die Hersteller verwenden es zusammen mit anderen Trägerstoffen, um ein akkurates Mixen unterschiedlichster Inhaltsstoffe zu ermöglichen und ein Verkleben sowie andere Komplikationen zu vermeiden. Pharmazeutisches Magnesiumstearat sollte stets den Richtlinien der cGMP (Gute Herstellungspraxis) sowohl der Lebensmittelbranche als auch der Pharmaindustrie entsprechen.

Oktadekansäure

Stearinsäure (auch Oktadekansäure genannt) ist eine der häufigsten langkettigen Fettsäuren, die sowohl in pflanzlichen als auch in tierischen Fetten enthalten ist. Sie ist auch aufgrund ihrer Struktur als Fettsäure mit 18 Kohlenstoffatomen (C18:0) bekannt; die Formel lautet C18H36O2. Sie wird als Schmiermittel bei der Herstellung von Lebensmitteln und pharmazeutischen Produkten verwendet.

Obwohl Stearinsäure als gesättigte Fettsäure (SFA) sowohl biochemisch als auch für Zwecke der Nährwertkennzeichnung und Ernährungsempfehlungen klassifiziert wird, verhält sie sich anders als andere gesättigte Fettsäuren: Im Vergleich zu ihnen senkte Stearinsäure in Studien das LDL-Cholesterin und verhielt sich beim HDL-Cholesterin neutral (Hunter et al., 2010). Stearinsäure findet sich in zahlreichen Lebensmitteln, die täglich konsumiert werden, zum Beispiel in Fleisch, Kokosnussöl und Schokolade. Ein Teil davon wird im Stoffwechsel mithilfe von Enzymen in die einfach ungesättigte Ölsäure (CH3(CH2)7CH=CH(CH2)7COOH) umgewandelt.

Stearinsäure wird im Darm aufgenommen und in sogenannte Chylomikronen eingebaut, bevor sie in der Leber verstoffwechselt wird. In der Leber wird überschüssige Stearinsäure mittels eines entsättigenden Enzyms in einfach ungesättigte 18-Kohlenstoff-Ölsäure umgewandelt. Als Ölsäure zirkuliert sie dann in Lipoproteinkomplexen. Diese Umwandlung in Ölsäure könnte erklären, warum Stearinsäure den Cholesterinspiegel im Blutplasma nicht so erhöht wie andere gesättigte Fettsäuren.

Magnesium

Magnesium (Mg) ist ein für den Menschen äußerst wichtiges Mineral. Es wird mit Stearinsäure kombiniert, um sicheres Magnesiumstearat herzustellen. Die verwendeten Herstellungsverfahren können Stearinsäure ohne irgendwelche Hydrierungsverfahren, durch die Nebenprodukte von Transfetten entstehen können, bereitstellen.

Das britische Arzneibuch (Pharmacopoeia) von 2011 beschreibt Magnesiumstearat als eine Verbindung von Magnesium mit einer Mischung aus festen organischen Säuren (Stearinsäure und Palmitinsäure), die hauptsächlich aus variablen Anteilen von Magnesiumstearat und Magnesiumpalmitat besteht. Die Fettsäuren stammen aus essbaren Ausgangsstoffen (in Nahrungsergänzungsmitteln meist pflanzlichen Ursprungs). Es sind mindestens vier Prozent und maximal fünf Prozent Magnesium enthalten (berechnet nach Trockengewicht).

Wie funktioniert Magnesiumstearat?

Magnesiumstearat liegt als tafelartige Kristalle (oder Lamellen) vor, die wie ein Stapel Karten übereinander liegen. Beim Mischen verschiedener Inhaltsstoffe oder Arzneien scheren diese Tafeln kontinuierlich ab und ummanteln umliegende Teilchen. Je höher die Konzentration an Magnesiumstearat oder je länger das Mischen anhält, desto komplexer ist die Ummantelung der umliegenden Partikel. Zur Gewährleistung hervorragender Fließeigenschaften müssen und wollen die Hersteller gar nicht alle Partikel ummanteln, da sich dadurch die Geschwindigkeit verändert, in der die Tablette oder die Kapsel bioverfügbar ist. Magnesiumstearat ist zu ungefähr einem Prozent in einer Tablette oder Kapsel enthalten. In dieser Menge ist es nicht nur sicher, sondern gewährt auch, dass die Nahrungsergänzung wirksam und bioverfügbar ist. Und wie bei allen guten Nahrungsergänzungen gilt auch hier, dass die Konzentration, der Grad und die Mischparameter genau überwacht werden müssen. Die entsprechenden Hersteller wenden dafür ihre eigenen Qualitätskriterien an und richten sich auch nach den Standards der guten Herstellungspraxis.

Pflanzlich oder tierisch: Warum die Herkunft des Magnesiumstearats entscheidend ist

Magnesiumstearat besteht zum allergrößten Teil aus Fettsäuren, vor allem Stearinsäure und Palmitinsäure. Diese Fettsäuren können aus tierischen oder pflanzlichen Quellen gewonnen werden, das fertige Produkt sieht chemisch identisch aus. Für Veganer, Vegetarier und Menschen mit religiösen Speisevorschriften ist die Herkunft jedoch ein entscheidender Punkt.

Tierisches Magnesiumstearat wird aus Rindertalg oder Schweineschmalz gewonnen. Es ist günstiger in der Produktion und in vielen Standard-Tabletten und Industriepräparaten enthalten. Der Hersteller ist nicht verpflichtet, die Herkunft auf der Verpackung anzugeben, da die chemische Endstruktur identisch ist.

Pflanzliches Magnesiumstearat stammt meist aus Palmöl, Kokosöl, Sonnenblumen- oder Rapsöl. Es ist teurer, aber für vegane Ernährungsformen geeignet. Seriöse Hersteller von Nahrungsergänzungsmitteln weisen die pflanzliche Herkunft aktiv aus, oft mit Begriffen wie pflanzliches Magnesiumstearat, vegan zertifiziert oder Magnesiumsalze von pflanzlichen Speisefettsäuren.

So lässt sich die Herkunft prüfen:

  • Auf das Vegan-Siegel der V-Label-Vereinigung achten
  • Auf den Herstellerangaben nach Begriffen wie pflanzlich, vegetabil oder vegan suchen
  • Bei fehlender Angabe direkt beim Hersteller nachfragen
  • Bei Bio-Produkten ist die Wahrscheinlichkeit höher, dass pflanzliche Quellen verwendet werden

Für Menschen, die aus Tierschutzgründen oder religiösen Motiven auf tierische Bestandteile verzichten, lohnt sich der zusätzliche Blick. Der gesundheitliche Unterschied ist nach aktueller Studienlage zwar nicht relevant, der ethische und persönliche jedoch sehr.

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Magnesiumstearat ist keine Tafelkreide

Zu den unbegründeten Behauptungen einiger Kritiker gehört, dass es sich bei Magnesiumstearat um gewöhnliche Tafelkreide handeln würde. Das ist chemisch betrachtet unmöglich. Tafelkreide wurde früher hauptsächlich aus Naturkalk (Calcit) hergestellt und als Calciumcarbonat (CaCO3) bezeichnet; heute wird oft Gips oder Calciumsulfat (CaSO4·2H2O) verwendet. Beide Formen unterscheiden sich stark von Magnesiumstearat.

Welche Nebenwirkungen hat Magnesiumstearat?

In den Mengen, die in Tabletten und Kapseln stecken, sind für Magnesiumstearat keine regelmäßigen Nebenwirkungen belegt. Die Europäische Behörde für Lebensmittelsicherheit (EFSA) hat die Magnesiumsalze der Speisefettsäuren (E470b) 2018 neu bewertet und kam zu dem Ergebnis, dass sie bei den gemeldeten Verwendungen und Mengen kein Sicherheitsrisiko darstellen (EFSA, 2018). Im Verdauungstrakt zerfallen diese Salze laut EFSA in Fettsäuren und Magnesium, also in Stoffe, die der Körper ohnehin aus der Nahrung kennt.

Allergie: Eine Allergie gegen Magnesiumstearat ist sehr selten. In der Fachliteratur ist 2012 erstmals der Fall einer 28-jährigen Frau beschrieben worden, die mit Nesselsucht (juckenden Quaddeln) auf den Hilfsstoff reagierte (Tammaro et al., 2012). Wer nach der Einnahme von Tabletten wiederholt Hautausschlag oder Juckreiz bemerkt, sollte das ärztlich abklären lassen.

Erbgut und Krebs: In einer Reihe von Labortests schädigte Magnesiumstearat weder das Erbgut von Bakterien noch von Zellen, und auch bei Mäusen zeigten sich keine Veränderungen im Knochenmark (Hobbs et al., 2017). Auch die EFSA sah keine Bedenken hinsichtlich einer erbgutverändernden Wirkung von Magnesiumstearat (EFSA, 2018).

Magen und Darm: Eine Kapsel enthält in der Regel nur wenige Milligramm Magnesiumstearat (siehe unten). Hinweise darauf, dass diese Menge Verdauungsbeschwerden auslöst, gibt es in der Fachliteratur nicht.

Ist Magnesiumstearat eine Magnesiumquelle?

Nein, jedenfalls keine nennenswerte. Magnesiumstearat enthält nur vier bis fünf Prozent Magnesium, der Rest sind Fettsäuren. Stecken in einer Kapsel zehn Milligramm Magnesiumstearat, liefert das rund 0,4 bis 0,5 Milligramm Magnesium. Der Tagesbedarf eines Erwachsenen liegt bei etwa 300 bis 400 Milligramm. Der Hilfsstoff hat in einem Präparat deshalb eine rein technische Aufgabe: Er sorgt dafür, dass das Pulver gleichmäßig fließt und nicht an den Maschinen haftet. Wer seinen Magnesiumbedarf ergänzen möchte, braucht ein eigenes Magnesium-Präparat mit gut aufnehmbaren Verbindungen wie Magnesiumcitrat.

Wie sieht es mit der Sicherheit von Magnesiumstearat aus?

In den USA ist die Food and Drug Administration (FDA, Bundesbehörde zur Überwachung von Lebensmitteln und Arzneien) verantwortlich und erlässt Regeln für Inhaltsstoffe, die „allgemein als sicher anerkannt“ gelten (Zulassungsbezeichnung GRAS, die die Unbedenklichkeit von Lebensmittelzusätzen kennzeichnen). Die FDA hat Magnesiumstearat als allgemein als sicher anerkannt, solange es in Mengen verwendet wird, die der guten Herstellungspraxis entsprechen (21 CFR 184.1440).

Im oben genannten FDA-Bericht heißt es weiter: „... Führt zu der Auffassung, dass keiner der verfügbaren Beweise auf eine mögliche Gefahr hindeutet, wenn auf Magnesium beruhende Verbindungen mit GRAS-Kennzeichnung als Lebensmittelzutaten verwendet werden.“ In Anbetracht der vorstehenden Ausführungen kommt der Sonderausschuss zu folgendem Ergebnis:

Die verfügbaren Informationen über Magnesiumcarbonat, Magnesiumchlorid, Magnesiumsulfat, Magnesiumhydroxid, Magnesiumoxid, Magnesiumstearat, zweibasisches Magnesiumphosphat und dreibasiges Magnesiumphosphat geben keinerlei Hinweise darauf, dass diese Verbindungen eine Gefahr für die Allgemeinheit darstellen oder nahelegen, solange sie in Mengen und in einer Art und Weise verwendet werden, die den aktuellen Richtlinien entsprechen. Derartige Gefährdungen werden auch zukünftig nicht erwartet.

In Großbritannien beaufsichtigt die britische Arzneimittelbehörde MHRA (Medicines and Healthcare products Regulatory Agency) Inhaltsstoffe für Lebensmittel und Arzneien. Sie wird dabei von der FSA (Agentur für Lebensmittelnormen) unterstützt. Das britische Pharmacopoeia ist die führende Sammlung von Standards für britische Medizinprodukte und pharmazeutische Substanzen. Alle bestätigen, dass Magnesiumstearat für den menschlichen Verzehr geeignet, sicher und zugelassen ist. Innerhalb der EU ist die Europäische Behörde für Lebensmittelsicherheit (EFSA) zuständig. Sie bewertet Lebensmittelzusatzstoffe und Zutaten; Magnesiumstearat darf in Nahrungsergänzungsmitteln und Arzneien verwendet werden.

Was die Wissenschaft wirklich zu Magnesiumstearat sagt

Die häufig zitierte Studie, die angeblich belegt, dass Magnesiumstearat das Immunsystem schädigt, stammt aus dem Jahr 1990 (Tebbey & Buttke, Immunology). Bei genauer Betrachtung zeigt sich: Die Forscher arbeiteten mit isolierten Immunzellen im Labor, nicht mit Menschen. Untersucht wurde zudem reine Stearinsäure, nicht Magnesiumstearat (Tebbey & Buttke, 1990).

Die Europäische Behörde für Lebensmittelsicherheit (EFSA) hat Magnesiumstearat als Teil des Lebensmittelzusatzstoffs E470b 2018 neu bewertet und dabei keinen zahlenmäßigen ADI-Wert für nötig gehalten. ADI steht für Acceptable Daily Intake, also die maximale tägliche Aufnahmemenge ohne Gesundheitsrisiko. Schon 1991 hatte der Wissenschaftliche Lebensmittelausschuss der EU für diese Fettsäuren und ihre Salze einen ADI „nicht festgelegt“ vergeben (EFSA, 2018).

Auch die amerikanische FDA bewertet Magnesiumstearat als sicher. Die häufig genannte Zahl von 2.500 Milligramm pro Kilogramm Körpergewicht pro Tag stammt aus einem Fütterungsversuch an Ratten: Bei 5 Prozent Magnesiumstearat im Futter über drei Monate zeigten sich keine Effekte (Sondergaard et al., 1980). Auf einen Erwachsenen mit 70 Kilogramm umgerechnet wären das 175.000 Milligramm täglich, also rund 17.500 Kapseln mit je 10 Milligramm Magnesiumstearat. Realistisch enthält eine Kapsel etwa 1 bis 15 Milligramm Magnesiumstearat.

Der Hilfsstoff zählt zu den am besten untersuchten Tabletten-Komponenten überhaupt. Die Ergebnisse aus Erbguttests flossen in die Sicherheitsbewertungen der japanischen Regierung und des gemeinsamen Sachverständigenausschusses von FAO und WHO ein; die Autoren sehen bei der derzeitigen Aufnahme kein Risiko für das Erbgut (Hobbs et al., 2017).

Probleme mit der Bioverfügbarkeit

Studien haben gezeigt, dass Magnesiumstearat die Freisetzungszeit aktiver Inhaltsstoffe in Tabletten beeinflussen kann. Bei Tabletten mit 0,77 und 1,1 Prozent Magnesiumstearat unterschied sich zum Beispiel, wie schnell sich der Wirkstoff auflöste (Uzunović & Vranić, 2007). Deshalb legen Hersteller Menge und Mischzeit genau fest und prüfen die Auflösung ihrer Tabletten. Abermillionen Nahrungsergänzungsmittel und Arzneien, die Magnesiumstearat enthalten, werden jeden Tag eingenommen.

Beeinflusst Magnesiumstearat die Immunfunktion?

Unser Immunsystem ist für unser Überleben bzw. die Aufrechterhaltung gesunder Körperfunktionen unerlässlich. Dabei handelt es sich um den am weitesten entwickelten Bereich der menschlichen Biologie. Dessen Komplexität wurde von einigen Kritikern angeführt, um einen zweifelhaften Einfluss von Magnesiumstearat auf die Immunfunktion anzudeuten bzw. diesen daraus ableiten zu können. Dabei beziehen sie sich häufig auf einen Artikel, der 1990 in der Fachzeitschrift Immunology veröffentlicht wurde; aus dem sie unbedingt ein immunologisches Risiko aus einer Einnahme herleiten wollten.

Oftmals werden dann natürliche Killerzellen im Zusammenhang mit dieser Verunglimpfung genannt. Dabei wird die Schlussfolgerung gezogen, dass diese von Magnesiumstearat unterdrückt werden und damit eine Einnahme von Nahrungsergänzungsmitteln oder Medikamenten, die diesen Hilfsstoff enthalten, zu einer Immunsuppression führt. Natürliche Killerzellen (NK) spielen eine wichtige Rolle bei der unmittelbaren Immunabwehr. Sie gelten als prototypische angeborene Immunzellen, die sofort funktionieren, und sind adaptiven T-Zellen ähnlich. Letztere müssen jedoch erst durch Reize aktiviert werden. Damit sind NK und T-Zellen nicht dasselbe. Natürliche Killerzellen stellen die dritte Lymphozytenart dar. Bei den anderen beiden handelt es sich um T- und B-Zellen.

Die Verbindung zu diesem Artikel sowie die erhobenen Vorwürfe gegen Magnesiumstearat sind im besten Fall fadenscheinig, im schlimmsten Fall offenbaren sie mangelnde Kenntnis, wie wissenschaftliche Forschung zu verstehen und zu interpretieren ist. Der Artikel in der Fachzeitschrift Immunology bezieht sich auf die Verwendung isolierter Stearinsäure - das ist nicht dasselbe wie Magnesiumstearat - die im Labor aktivierten T- und B-Zellen zugefügt wurde. Die T-Zellen bauten die Stearinsäure in ihre Zellmembran ein; die B-Zellen konnten sie dagegen in ungesättigte Ölsäure umwandeln. Im Endergebnis brach bei den T-Zellen innerhalb von acht Stunden die Membranspannung zusammen.

Die Autoren erklären den Effekt damit, dass T-Zellen ein bestimmtes Enzym (Stearoyl-CoA-Desaturase) fehlt, mit dem andere Zellen Stearinsäure umwandeln können (Tebbey & Buttke, 1990). Eine Aussage über Menschen, die Magnesiumstearat mit einer Kapsel schlucken, macht die Studie nicht.

Die Schlüsselaspekte lauten wie folgt:

  • Der Versuch wurde „in vitro“ durchgeführt - ein bekanntermaßen unzuverlässiger Indikator für Rückschlüsse auf die menschliche Gesundheit.
  • Es wurde reine Stearinsäure und nicht Magnesiumstearat verwendet.
  • Die Zellen wurden direkt mit Stearinsäure versetzt; eingenommenes Magnesiumstearat wird dagegen erst im Verdauungstrakt aufgespalten.
  • Es wurden adaptive T-Zellen verwendet und keine angeborenen NK-Zellen. Die Membranen beider Zellformen sind einander ähnlich, aber nicht gleich.

Magnesiumstearat ist nicht dasselbe wie Stearinsäure, sondern eine Verbindung, die daraus gewonnen wird. Stearinsäure ist eine gesättigte Fettsäure, die in allen Pflanzen, Samen, Nüssen und tierischen Fetten enthalten ist. Stearinsäure kann aus vielerlei Quellen gewonnen werden, einschließlich Rindfleisch. Für die meisten Nahrungsergänzungsmittel wird jedoch pflanzliche Stearinsäure aus Kokosnüssen oder Palmöl verwendet. In Studien am Menschen senkte Stearinsäure im Vergleich zu anderen gesättigten Fettsäuren das LDL-Cholesterin (Hunter et al., 2010).

Verursacht Magnesiumstearat Biofilme?

Manche Kommentatoren vertreten die Ansicht, dass Magnesiumstearat einen Biofilm im menschlichen Darm bildet. Die Bildung eines solchen Biofilms wird aus Ablagerungen pflanzlichen Stearins im Bad oder Waschbecken geschlussfolgert. Dieser sogenannte „Schaumring“ in der Badewanne, im Waschbecken oder in manchen Toiletten besteht aus Mineralien, die im Wasser, in Schmutz, in Körperfetten, Hautschuppen und Bakterien enthalten sind.

Die Verbindung zu Magnesiumstearat wird wieder einmal nur dadurch erreicht, dass das Feld der wissenschaftlichen Plausibilität verlassen wird; es gibt keinerlei Forschung, die die Bildung eines Biofilms aufgrund von Magnesiumstearat im menschlichen Verdauungstrakt vermuten lässt oder gar beweisen könnte. Abgesehen von einem einzelnen beschriebenen Allergiefall gibt es keine Studien am Menschen, die ein Risiko durch die Einnahme von Magnesiumstearat zeigen.

Als Biofilm bezeichnet man die engmaschigen Kolonien, die einige Bakterien auf Oberflächen bilden, um sich selbst vor antimikrobiellen Angriffen zu schützen. Biofilme tragen zur Fähigkeit von Bakterien bei, als Gruppe für soziale Interaktionen wie ein multizellulärer Organismus zu kommunizieren und sich zu verhalten. Das hilft ihnen bei der Kolonisierung von Wirtsorganismen, der Verteidigung gegen Konkurrenten und bringt ihnen bei der Anpassung an sich verändernde Umgebungen erhebliche Vorteile. In der allgemeinen Hysterie, dass alle Biofilme schlecht seien, wird oftmals übersehen, dass sie tatsächlich nützlich sein können und lebensnotwendig für die menschliche Mikrobenflora sind.

Der Dickdarm ist das Organ, das am meisten von Mikroorganismen besiedelt ist. Üblicherweise wird die Mikrobenflora im Dickdarm als homogene Einheit betrachtet. Dies ist jedoch eine starke Vereinfachung. Die Bakterien existieren in einer Vielzahl unterschiedlicher Mikrohabitate und Stoffwechselnischen in der Schleimschicht, die den Darm auskleidet, in der Schleimhaut sowie auf den Oberflächen von Verdauungsresten an der Darmwand. Diese Mikrokosmen ändern sich ständig, je nachdem ob und welche Nährstoffe verdaut werden oder ob neue Nahrungsquellen verfügbar sind. Umweltfaktoren, Nährstoffzusammensetzung, die chemische Zusammensetzung des Nährbodens sowie Abwehrmechanismen in Zusammenhang mit dem adaptiven und angeborenen Immunsystem spielen bei der Entstehung und dem Abbau von Biofilmen eine Rolle. Die Oberfläche der Darmwand ist durch die Auswahl von Lebensmitteln modifizierbar. Ernährung, Präbiotika, Probiotika und Antibiotika sind wahrscheinlich die wichtigsten äußeren Modifikatoren bakterieller Gemeinschaften. Die Annahme, dass einzig die Einnahme von Magnesiumstearat einen schädlichen Biofilm bilden könnte, offenbart ein mangelndes Verständnis von der komplexen Dynamik von Bakterien und Hefen in der Darmwand.

Kontaminierung von Magnesiumstearat?

Das Rohmaterial für pflanzliches Stearat stammt meist von Palmbäumen. Immer wieder wird die Vermutung geäußert, dass eine Kontaminierung mit Pestiziden nicht nur möglich ist, sondern auch ein Gesundheitsrisiko darstellt, da einige Plantagen Pestizide einsetzen. Andere vermuten, dass aufgrund eines einzigen Falles kontaminierten Magnesiumstearats (der übrigens keine gesundheitsschädlichen Nebenwirkungen hatte) alle Nahrungsergänzungsmittel unbrauchbar werden, die diesen Bestandteil zur Verbesserung der Qualität und Konsistenz verwenden. Das „Risiko“ sei einfach zu hoch.

Diese Annahme ist jedoch nicht begründet und zudem äußerst fraglich. Die meisten Pflanzen, die für die Herstellung von Nahrungsergänzungsmitteln verwendet werden, ziehen ihre Mineralien und Schadstoffe aus dem Boden oder der Luft. Wir alle verzehren nahezu täglich solche Pflanzen, selbst wenn wir nur Bioprodukte konsumieren. Das Gefährdungspotential muss immer im Zusammenhang gesehen werden. Toxische Chemikalien gelangen in den Körper nicht nur durch äußere Quellen (Luft, Wasser, Ernährung, Medikamente und Strahlung), sondern auch durch Prozesse, die im Inneren unseres Körpers ablaufen. Dazu zählen Entzündungen, Lipidperoxidation, oxidativer Stress, bestehende Erkrankungen, Infektionen und die Darmflora. Wir verfügen über ein hoch anpassungsfähiges homöostatisches Managementsystem, um damit fertig zu werden.

Magnesiumstearat in Nahrungsergänzungsmitteln besteht aus einer nicht hydrogenisierten Fettsäure auf Pflanzenbasis und Magnesium. Es wird jeden Tag von Abermillionen Menschen überall auf der Welt eingenommen - abgesehen von sehr seltenen Allergien ohne bekannte oder wissenschaftlich bestätigte Nebenwirkungen. Nocebo-Effekte könnten jedoch durch unangemessene und unbegründete Betonung eines Risikos durch Meinungsbildner hervorgerufen worden sein.

Tatsächlich existieren viele bedenkliche Schadstoffe in unseren Lebensmitteln und der Umwelt, die nicht nur unabhängig auf unsere Gesundheit einwirken, sondern auch kollektiv agieren. Ein neues Modell, das Exposom genannt wird, bildet die Gesamtheit der Belastung beginnend mit der Schwangerschaft ab und gewinnt in Umwelt- und Gesundheitswissenschaften zunehmend an Bedeutung. Dieses Modell hilft uns, eine bessere klinische Versorgung zu entwickeln. Befürworter des Exposom-Konzepts unterscheiden diesen Ansatz als eine breit angelegte Bewertung aller Belastungen im Gegensatz zum traditionell provinziellen Ansatz von Umweltwissenschaftlern und Aktivisten, die jeweils nur ein Toxin oder eine Gruppe von Belastungen betrachten.

Mit welchen Wirkstoffen Magnesiumstearat chemisch nicht zusammenpasst

Die meisten Diskussionen drehen sich um die Frage, ob Magnesiumstearat selbst gesundheitsschädlich ist. Eine weitaus relevantere Frage wird selten gestellt: Beeinträchtigt der Hilfsstoff die Wirkung anderer Inhaltsstoffe in derselben Kapsel?

Die pharmazeutische Forschung kennt Wirkstoffe, mit denen Magnesiumstearat nicht ideal kombiniert werden sollte.

Acetylsalicylsäure (ASS), bekannt aus Aspirin und ähnlichen Schmerzmitteln, kann mit Magnesiumstearat reagieren. Wird ASS zusammen mit Magnesiumstearat warm und feucht gelagert, zerfällt es schneller; die Forscher führen das auf eine Veränderung des pH-Werts durch den Hilfsstoff zurück (Mroso et al., 1982). In ASS-Tabletten wird Magnesiumstearat deshalb oft durch andere Schmiermittel ersetzt.

Andere empfindliche Wirkstoffe werden aus demselben Grund in der Entwicklung einer Tablette auf ihre Verträglichkeit mit dem Hilfsstoff geprüft, bevor die Rezeptur feststeht.

Für den Alltag bedeutet das: Diese Unverträglichkeit betrifft die Mischung in derselben Tablette während der Lagerung, nicht die Einnahme verschiedener Präparate am selben Tag. Hochwertige Hersteller wählen für empfindliche Formulierungen bewusst alternative Schmiermittel wie Reismehl, Cellulose oder Siliciumdioxid. Wer Medikamente einnimmt und unsicher ist, kann in der Apotheke nachfragen.

Wie viel Magnesiumstearat steckt wirklich in einer Kapsel

Die Mengenfrage wird in Diskussionen oft übergangen, ist aber entscheidend für eine sachliche Einordnung. In der pharmazeutischen Tablettenproduktion liegt die übliche Anwendungskonzentration zwischen 0,5 und 2 Prozent des Tablettengewichts. Bei einer typischen 500-Milligramm-Kapsel bedeutet das 2,5 bis 10 Milligramm Magnesiumstearat.

Davon besteht der Hilfsstoff selbst nur zu rund 4 Prozent aus Magnesium und zu rund 96 Prozent aus Fettsäuren. Stearinsäure ist eine gesättigte Fettsäure, die natürlich in Kakao, Rindfleisch, Butter und vielen Pflanzenölen vorkommt. 100 Gramm dunkle Schokolade mit 70 bis 85 Prozent Kakao enthalten rund 13.600 Milligramm Stearinsäure (USDA FoodData Central), also mehrere Hundert Mal mehr als eine durchschnittliche Tagesdosis Kapseln liefert.

Wer 3 Kapseln pro Tag nimmt, nimmt damit rechnerisch maximal 30 Milligramm Magnesiumstearat auf. Das entspricht etwa 1,2 Milligramm Magnesium und 28,8 Milligramm Fettsäuren. Zum Vergleich: Schon 20 Gramm dunkle Schokolade liefern rund 2.700 Milligramm Stearinsäure, also fast das Hundertfache.

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Die kritische Grenze: Ab welcher Menge Magnesiumstearat im Präparat problematisch wird

Die Diskussion um Magnesiumstearat dreht sich oft um die Frage, ob der Hilfsstoff überhaupt enthalten sein darf. Sinnvoller ist die Frage nach der Menge. Pharmazeutische Standards geben hier eine klare Orientierung.

Die übliche Anwendungskonzentration bei der Tablettenproduktion liegt zwischen 0,5 und 2 Prozent des Gesamtgewichts. Bei einer 500-Milligramm-Kapsel sind das 2,5 bis 10 Milligramm. Zu viel Magnesiumstearat oder zu langes Mischen hat zwei messbare Effekte.

Erstens verlangsamt sich die Auflösung der Tablette im Magen. Magnesiumstearat ist hydrophob, also wasserabweisend. Beim langen Mischen bildet es einen Film um die anderen Bestandteile, der die Freisetzung des Wirkstoffs verzögert und die Zerfallszeit der Tablette verlängert (Uzunović & Vranić, 2007).

Zweitens wird die Tablette mechanisch weicher (Uzunović & Vranić, 2007). Die Wechselwirkungen zwischen den Pulverpartikeln werden geschwächt, die Tablette neigt zu Bruch und Zerfall bei Lagerung.

Für Endverbraucher bedeutet das: Solange ein Präparat sich an die pharmazeutische Norm von 0,5 bis 2 Prozent hält und der Hersteller die Auflösung prüft, ist die Wirkstoff-Aufnahme nicht eingeschränkt. Hochwertige Hersteller geben die genaue Zusammensetzung auf Nachfrage transparent an oder veröffentlichen sie direkt in den Produktinformationen.

Praktische Faustregel: Wenn die Hilfsstoffliste auf der Verpackung kürzer ist als die Wirkstoffliste, ist das ein gutes Zeichen. Bei Präparaten mit 5 und mehr Hilfsstoffen lohnt sich ein zweiter Blick auf die Dosierung des eigentlichen Wirkstoffs.

Magnesiumstearat in Lebensmitteln und Kosmetik: Wo es täglich unbemerkt aufgenommen wird

Der Fokus der Diskussion liegt fast immer auf Nahrungsergänzungsmitteln. Dabei ist Magnesiumstearat in der Industrie viel breiter im Einsatz als die meisten ahnen. Wer nur die Kapsel im Blick hat, übersieht den größeren Teil der täglichen Aufnahme.

In der Kosmetikindustrie dient Magnesiumstearat als Anti-Caking-Mittel. Es verhindert, dass Pulverprodukte verklumpen, und sorgt für gleichmäßiges Auftragen. Zu finden ist es in Make-up-Pudern, Lidschatten, Babypuder, Foundation und Deodorant. In der Liste der Inhaltsstoffe steht es meist unter dem englischen Namen Magnesium Stearate.

In der Lebensmittelindustrie ist Magnesiumstearat als Zusatzstoff E470b zugelassen. Es wird unter anderem in Süßwaren, Gewürzen und Backzutaten verwendet (Hobbs et al., 2017).

In der Pharmaindustrie ist Magnesiumstearat das am häufigsten verwendete Schmiermittel bei der Tablettenherstellung (Uzunović & Vranić, 2007). Viele Tabletten aus der Apotheke enthalten es, von Schmerzmitteln über Blutdrucksenker bis zu Antibiotika. Wer regelmäßig Medikamente einnimmt, nimmt darüber meist mehr Magnesiumstearat auf als über Nahrungsergänzungsmittel.

Die Summe aus all diesen Quellen bleibt dennoch klein: Laut EFSA machten die Fettsäuren aus E470a und E470b höchstens 5 Prozent der gesamten Aufnahme gesättigter Fettsäuren aus der Nahrung aus (EFSA, 2018). Genau deshalb ist die Sicherheitsbewertung der EFSA so aussagekräftig: Sie berücksichtigt die Aufnahme aus der gesamten Ernährung, nicht nur aus einer einzelnen Kapsel.

Etiketten-Check in 30 Sekunden: So lässt sich Magnesiumstearat unter seinen 7 Bezeichnungen erkennen

Wer Magnesiumstearat in einem Produkt vermeiden möchte, scheitert oft an der Bezeichnung. Hersteller verwenden je nach Land, Branche und Zielgruppe unterschiedliche Namen für denselben Stoff. Hier sind alle gängigen Bezeichnungen auf einen Blick.

1. Magnesiumstearat

Der gebräuchlichste Name in Deutschland. Steht meist direkt in der Zutatenliste deutscher Nahrungsergänzungsmittel und Medikamente.

2. Magnesium Stearate

Die englische Schreibweise. Häufig in Kosmetika und importierten Produkten zu finden.

3. E470b

Die europäische E-Nummer für Magnesiumstearat als Lebensmittelzusatzstoff. Steht oft in Lebensmittel-Zutatenlisten, vor allem bei Pulverprodukten, Bonbons und Brausetabletten.

4. Magnesiumsalze von Speisefettsäuren

Die offizielle deutsche Bezeichnung für die E470b-Gruppe. Klingt harmlos und wird deshalb oft übersehen.

5. Magnesiumdistearat

Eine synonym verwendete chemische Bezeichnung. Beschreibt dasselbe Molekül mit zwei Stearat-Resten am Magnesium-Ion.

6. Magnesium salts of fatty acids

Die englischsprachige Variante der offiziellen Bezeichnung. Standard in internationalen Produkten.

7. Octadecanoic acid, magnesium salt

Die wissenschaftliche IUPAC-Bezeichnung. Erscheint vor allem auf Sicherheitsdatenblättern und in Fachinformationen.

Praktische 30-Sekunden-Checkliste vor dem Kauf:

  • Auf der Verpackung nach Begriffen wie ohne Magnesiumstearat oder ohne Hilfsstoffe suchen
  • Bei E-Nummer-Listen gezielt nach E470b scannen
  • Bei englischsprachigen Produkten auf Magnesium Stearate achten
  • Auch auf die Bezeichnung Magnesiumsalze von Speisefettsäuren achten
  • Bei fehlender Hilfsstoff-Angabe beim Hersteller nachfragen, idealerweise per E-Mail mit der konkreten Charge

Diese Liste lässt sich als Foto auf dem Handy speichern. Beim nächsten Einkauf reicht ein kurzer Vergleich mit der Zutatenliste, um in unter 30 Sekunden Klarheit zu schaffen.

Magnesium-Präparate: Worauf es neben den Hilfsstoffen ankommt

Wer sich trotz der wissenschaftlichen Sicherheitsbewertung gegen Magnesiumstearat entscheiden möchte, hat heute eine wachsende Auswahl an Alternativen. Entscheidend ist dabei nicht nur die Abwesenheit eines Hilfsstoffs, sondern die Form, in der Magnesium und andere Mineralstoffe vorliegen. Schlecht verfügbare Magnesium-Verbindungen ohne Magnesiumstearat sind dem Körper weniger nützlich als gut bioverfügbare Formen mit minimalen Hilfsstoffmengen.

Magnesiumcitrat gilt als eine der am besten resorbierbaren Magnesium-Formen. In einer Studie mit gesunden Freiwilligen löste sich Magnesiumcitrat besser und wurde besser aufgenommen als Magnesiumoxid (Lindberg et al., 1990). Magnesiumcitrat wird häufig bei Muskelkrämpfen und Verspannungen eingesetzt.

Magnesium als Mineralstoff trägt laut EFSA-Health-Claim zu einer normalen Muskelfunktion, einem normalen Energiestoffwechsel und der Reduktion von Müdigkeit bei. Die Tagesempfehlung liegt bei etwa 300 bis 400 Milligramm, je nach Alter und Belastung.

Vitamin B6 wird häufig in Kombination mit Magnesium angeboten.

Kalium wirkt eng mit Magnesium zusammen, vor allem bei der Reizweiterleitung in Nerven und Muskeln. Wer auf Magnesium achtet, sollte auch die Kalium-Versorgung im Blick behalten.

Vitamin D3 und Vitamin K2 sind ebenfalls Mineralstoff-Begleiter. Vitamin D3 reguliert die Calcium-Aufnahme, und Vitamin K2 sorgt dafür, dass Calcium in die Knochen und nicht in die Gefäße gelangt. Beide arbeiten im Mineralstoff-Haushalt eng mit Magnesium zusammen.

Qualitativ hochwertige Präparate verwenden heute oft pflanzliche Kapselhüllen aus Cellulose und kommen mit minimalen Mengen Hilfsstoff aus, oder ersetzen Magnesiumstearat durch Reismehl, Acerola-Extrakt oder Cellulose.

Abschlussbemerkung zu Magnesiumstearat

Magnesiumstearat verfügt über kein belegtes Risiko für den Menschen, solange es entsprechend der Empfehlungen in geringen Mengen über Nahrungsergänzungsmittel oder Arzneien eingenommen wird; die einzige beschriebene Ausnahme ist ein seltener Allergiefall. Keine Webseite der verschiedenen Kritiker bietet einen haltbaren Beweis, dass diese Aussage nicht korrekt sei.

Wer Nahrungsergänzungen oder Arzneien mit diesem Trägerstoff trotzdem meiden möchte, kann das tun. Das ist dann eine persönliche Entscheidung und keine, die sich auf wissenschaftliche Belege stützt.

Wichtiger Hinweis

Dieser Ratgeber dient nur zur Information und ersetzt keine ärztliche Beratung.

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Häufige Fragen

In den üblichen Mengen nein. Die EFSA sah 2018 bei den gemeldeten Verwendungen keine Sicherheitsbedenken und hielt keine Höchstmenge für nötig. Eine Kapsel enthält meist nur wenige Milligramm des Hilfsstoffs.

Nur zu einem kleinen Teil: Magnesiumstearat besteht zu vier bis fünf Prozent aus Magnesium, der Rest sind Fettsäuren. Zehn Milligramm Magnesiumstearat liefern rund 0,4 bis 0,5 Milligramm Magnesium, bei einem Tagesbedarf von etwa 300 bis 400 Milligramm. Für die Magnesiumversorgung braucht es deshalb ein eigenes Magnesium-Präparat.

Bekannt ist eine chemische Unverträglichkeit mit Acetylsalicylsäure (ASS): Werden beide in derselben Tablette warm und feucht gelagert, zerfällt ASS schneller. Das betrifft die Herstellung und Lagerung, nicht die Einnahme verschiedener Präparate am selben Tag. Bei Fragen zur eigenen Medikation hilft die Apotheke weiter.

Das ist sehr selten. In der Fachliteratur ist 2012 erstmals der Fall einer 28-jährigen Frau beschrieben, die mit Nesselsucht reagierte. Wer nach Tabletten wiederholt Hautausschlag oder Juckreiz bemerkt, sollte das ärztlich abklären lassen.

Dafür gibt es keine Hinweise. In Labortests und bei Mäusen schädigte Magnesiumstearat das Erbgut nicht, und auch die EFSA sah keine Bedenken hinsichtlich einer erbgutverändernden Wirkung.

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Kommentare

3 Kommentar(e)
Dietrich S.
Jan 18, 2019 14:12
Ich finde es gut, dass es hier mal zu einer anderen Sichtweise zu Magnesiumstearat kommt. In den Medien gibt es meist nur eine Meinung, die dann fleißig wiedergekäut wird. Toll, dass hier noch recherchiert wird!
Dr. Wolfgang Windmann
Sep 18, 2018 11:10
Dieses ist ein sehr erfreulicher Artikel, sachlich und neutral. Endlich einmal nicht die übliche Netz-Hetzjagd auf irgend etwas, was selbsternannte "Experten" mit günstigenfalls mäßigem Halbwissen per Pendel oder Energiefeldern meinen, entdeckt zu haben und daraus ein Weltverschwörung zusammenbasteln.
Ich habe den Artikel mit Genuss gelesen und darin den aktuellen, wissenschaftlichen Stand über Magnesiumstearat abgebildet gesehen. Es gibt sie noch, die "guten" Quellen, die sich kritisch mit etwas auseinandersetzen und alle Seiten sehen, nicht nur die, die helfen, den Horizont eng zu halten.
Bitte machen Sie so weiter.
Yildiz
Feb 06, 2018 21:35
Guten Tag! Endlich mal eine qualifizierte Aussage zu diesem Thema. Jeder kommt mit soviel Halbwissen zu Magnesiumstearat, wahnsinn! Ich finde die neutrale Betrachtung sehr achtungsvoll. Jeder kann für sich entscheiden, ohne Hetzjagd! Yildiz
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