Psychobiotika

Psychobiotika - was ist das? - Probiotika gegen Depressionen entdecken

12 Min. Lesezeit Aktualisiert am 29. September 2026
Das Wichtigste in Kürze
Psychobiotika sind lebende Bakterien, vor allem Bifidobakterien und Laktobazillen, die über die Darm-Hirn-Achse die Psyche beeinflussen können (Dinan et al., 2013). In einer Auswertung von 23 Studien mit 1.401 Patientinnen und Patienten linderten Probiotika depressive Beschwerden deutlich und Angstbeschwerden moderat (Asad et al., 2025). Sie gelten als Ergänzung zur Behandlung, nicht als Ersatz; in den Studien zeigten sich Effekte nach 4 bis 8 Wochen (Nikolova et al., 2023).

Leidet unser Darm, leidet unser Gehirn – darauf deuten immer mehr Studien zum Thema Darmgesundheit und Psyche hin. Ausschlaggebend ist dabei die Arbeit unserer Darmflora – genauer gesagt – die Tätigkeit unserer nützlichen und unermüdlichen Darmbewohner. Genau deshalb haben irische Forscher im Jahr 2013 einen neuen Begriff für bestimmte Probiotika geprägt – Psychobiotika (Dinan et al., 2013).

Was sind Psychobiotika?

Wie der Name bereits vermuten lässt, geht es dabei um Probiotika für die Psyche. Diese lebenden Organismen – vor allem Bifido- und Lactobacillusstämme – sollen, wenn sie in ausreichender Menge aufgenommen werden, Menschen mit psychischen Erkrankungen einen gesundheitlichen Nutzen bringen (Dinan et al., 2013). Heute zählen Forschende auch Präbiotika dazu, also Ballaststoffe, die nützliche Darmbakterien ernähren (Heidarzadeh-Rad et al., 2020). Insbesondere bei angst- und stressbedingten sowie depressiven Störungen haben Psychobiotika das Potenzial, eine bestehende Behandlung zu ergänzen. Neben Tierversuchen gibt es inzwischen auch placebokontrollierte Studien am Menschen. 

Vom Darm zum Gehirn – eine spannende Reise

Vielleicht ist der Satz schon bekannt: „In unserem Bauch befindet sich ein zweites Gehirn.“ Damit meinen Wissenschaftler den Darm, da er ein hochkomplexes Nervensystem besitzt, das ähnlich wie unser Gehirn aufgebaut ist. Es steuert die Verdauung weitgehend selbstständig. Der Darm enthält zudem viele nützliche Darmbakterien, die ihm dabei helfen, die Nahrung aufzuschlüsseln, das Immunsystem zu stärken und neuroaktive Substanzen wie die beruhigende Gamma-Aminobuttersäure (GABA) sowie das Glückshormon Serotonin zu produzieren (Dinan et al., 2013).

Etwa 95 % des Serotonins im Körper finden sich im Darm (Banskota et al., 2019). Dieses Serotonin wirkt aber vor allem vor Ort auf die Darmbewegung und im Blut auf die Blutplättchen (Yano et al., 2015). Ins Gehirn gelangt es kaum, weil es die Blut-Hirn-Schranke nicht ohne Weiteres überwinden kann (Jones et al., 2020).

Die Verbindung zum Gehirn läuft deshalb über andere Wege der sogenannten Darm-Hirn-Achse: über den Vagusnerv, das Rückenmark und Hormonsysteme wie die Stressachse. Manche Psychobiotika wirken zudem entzündungshemmend und können die Aktivität der Stressachse dämpfen (Dinan et al., 2013). So können Darmbakterien unsere Psyche beeinflussen – positiv wie auch negativ. Mehr dazu im Ratgeber Darm-Hirn-Achse.

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Wie helfen Psychobiotika unserer Psyche?

In den letzten Jahren wurden bereits einige Studien zu diesem Thema durchgeführt und die Wichtigkeit der Berücksichtigung des Mikrobioms (Darmflora) bei der Behandlung neuropsychiatrischer Störungen entdeckt. Psychobiotische Präparate gelten seither als vielversprechende Unterstützung bei Depressionen – als Ergänzung zur ärztlichen oder psychotherapeutischen Behandlung, nicht als Ersatz dafür.

Folgende Erkenntnisse konnten bisher geliefert werden:

  • Je gesünder das Mikrobiom (Darmflora) ist, desto besser funktioniert der Austausch und die Kommunikation zwischen Darm und Gehirn. Das bedeutet aber, dass ein unausgewogenes Mikrobiom sich negativ auf die Stimmung und Emotionen auswirkt und Mitverursacher für Ängste, Depressionen sowie Stress sein könnte. Und umgekehrt sollen Experten zufolge psychische Erkrankungen tief greifende Veränderungen in der Zusammensetzung des Darmmikrobioms bewirken. Es gibt also eine bestimmte Wechselwirkung. In einer belgischen Untersuchung mit über 1.000 Menschen fehlten bei Depression vor allem Bakterien der Gattungen Coprococcus und Dialister, auch wenn man die Einnahme von Antidepressiva herausrechnete (Valles-Colomer et al., 2019). Eine Auswertung von 59 Studien bestätigt: Bei Depression und anderen psychischen Erkrankungen sind entzündungshemmende, Butyrat bildende Bakterien wie Faecalibacterium und Coprococcus seltener (Nikolova et al., 2021).
  • Präklinische Untersuchungen an Tieren deuten darauf hin, dass bestimmte Psychobiotika eine antidepressive Wirkung aufweisen (Dinan et al., 2013). Am Menschen wurden Psychobiotika bisher am häufigsten bei Patienten mit Reizdarmsyndrom untersucht. Diese Art von Patienten weist oft Anzeichen einer depressiven Verstimmung auf. In einer Studie mit 44 Reizdarm-Patienten mit leichter bis mittlerer Angst oder Depression sank der Depressionswert nach 6 Wochen mit Bifidobacterium longum NCC3001 bei 14 von 22 Teilnehmenden deutlich, unter Placebo bei 7 von 22 (Pinto-Sanchez et al., 2017). 
  • Darmbakterien steuern die Serotoninbildung im Darm mit. Bestimmte sporenbildende Darmbakterien regten in Versuchen an Mäusen die Bildung von Serotonin in der Darmschleimhaut an (Yano et al., 2015). Dieses Serotonin wirkt vor allem im Darm und im Blut. Auf das Gehirn wirken Darmbakterien eher indirekt, etwa über den Vagusnerv und die Stressachse.
  • In einer Studie von 2011 nahmen gesunde Erwachsene 30 Tage lang täglich eine Kombination aus Lactobacillus helveticus R0052 und Bifidobacterium longum R0175 ein. Psychische Belastung und der Cortisolspiegel im 24-Stunden-Urin sanken dabei stärker als unter Placebo (Messaoudi et al., 2011).
  • In einer 8-wöchigen Studie aus dem Jahr 2019 mit 110 Patienten mit Depression senkte dieselbe Kombination aus zwei Bakterienkulturen den Wert im Beck-Depressions-Inventar von 17,4 auf 9,1 Punkte, unter Placebo sank er nur von 18,2 auf 15,6 (Kazemi et al., 2019). Zugleich stieg der Nervenwachstumsfaktor BDNF im Blut (Heidarzadeh-Rad et al., 2020). 

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Probiotika in verschiedenen Formen

Was sagt die Studienlage zur Wirkung bei Depression und Angst?

Einzelne Studien sagen wenig, entscheidend ist die Gesamtschau. Eine Meta-Analyse von 2025 wertete 23 randomisierte Studien mit 1.401 Patientinnen und Patienten aus, bei denen eine Depression oder Angststörung ärztlich festgestellt war. Probiotika senkten depressive Beschwerden deutlich und Angstbeschwerden moderat. Die Ergebnisse der einzelnen Studien schwankten stark, je nach Studiendauer und Zusammensetzung der Präparate. Die Autoren sehen Probiotika als vielversprechende Ergänzung zur medikamentösen Behandlung (Asad et al., 2025).

Eine frühere Meta-Analyse mit 34 Studien fand bei Menschen mit einer Erkrankung deutlichere Effekte auf die Stimmung als in der Allgemeinbevölkerung (Liu et al., 2019). Wie Probiotika als Ergänzung wirken können, zeigt eine Londoner Studie: 49 Erwachsene mit Depression, denen ihr Antidepressivum nicht ausreichend half, nahmen 8 Wochen lang zusätzlich ein Probiotikum aus mehreren Stämmen oder ein Placebo. In der Probiotika-Gruppe besserten sich depressive Beschwerden und Angst stärker, schwere Nebenwirkungen traten nicht auf (Nikolova et al., 2023).

Wichtig: Psychobiotika ersetzen keine Behandlung einer Depression. Antidepressiva nie eigenmächtig absetzen oder verringern, sondern jede Änderung mit der behandelnden Ärztin oder dem Arzt besprechen. Wer Suizidgedanken hat, bekommt sofort und kostenlos Hilfe: Telefonseelsorge Deutschland 0800 111 0 111, Telefonseelsorge Österreich 142, Die Dargebotene Hand in der Schweiz 143, im Notfall 112.

Welche Psychobiotika sind am besten untersucht?

Die meisten Studien nutzen Bifidobakterien und Laktobazillen. Die Ergebnisse gelten zunächst für die jeweils untersuchte Kombination. Am häufigsten untersucht sind:

  • Lactobacillus helveticus R0052 und Bifidobacterium longum R0175: Die Kombination senkte psychische Belastung bei Gesunden (Messaoudi et al., 2011) und depressive Beschwerden bei Menschen mit Depression (Kazemi et al., 2019).
  • Bifidobacterium longum NCC3001: Senkte depressive Beschwerden bei Menschen mit Reizdarm und dämpfte im Hirnscan die Reaktion der Mandelkerne auf negative Reize (Pinto-Sanchez et al., 2017).
  • Bifidobacterium infantis: Zeigte in Studien mit Reizdarm-Patienten positive Effekte (Dinan et al., 2013).
  • Präparate mit mehreren Stämmen: Sie wurden zusätzlich zu Antidepressiva getestet und besserten depressive Beschwerden und Angst stärker als Placebo (Nikolova et al., 2023).

Wer Darm und Stimmung gemeinsam unterstützen möchte, findet im Reizdarm Reset-Paket Probiotika mit lebenden Milchsäurebakterien, dazu Akazienfaser und L-Glutamin für einen empfindlichen Darm.

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Wie lange dauert es, bis Psychobiotika wirken?

In den Studien nahmen die Teilnehmenden die Präparate täglich über 30 Tage bis 8 Wochen ein (Messaoudi et al., 2011; Kazemi et al., 2019). In der Londoner Studie waren erste Unterschiede zu Placebo nach 4 Wochen messbar (Nikolova et al., 2023). Sinnvoll ist daher eine regelmäßige Einnahme über mindestens einige Wochen. Wie sich die Darmflora dauerhaft stärken lässt, zeigt der Ratgeber Darmflora aufbauen.

Probiotika gelten in der Regel als gut verträglich. In den ersten Tagen können vermehrte Gasbildung, vorübergehende Blähungen oder selten weicher Stuhl auftreten, die meist rasch abklingen. Menschen mit stark geschwächtem Immunsystem sprechen die Einnahme vorher mit ihrem Arzt ab.

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Unser Probiotika Forte Plus enthält 13 wertvolle lebensfähige Milchsäurekulturen aus Bifido- und Lactobacillusstämmen. Darunter sind Bifidobacterium longum und Bifidobacterium infantis, zwei Arten, die in der Psychobiotika-Forschung häufig untersucht werden. Zusätzlich enthält es Bio-Inulin aus der Chicorée-Wurzel als Präbiotikum, das den nützlichen Darmbakterien direkt als Nahrung zur Verfügung steht und ihr Überleben bis in den Dickdarm unterstützt. So hilft die Rezeptur, ein gesundes Mikrobiom zu unterstützen.

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Wichtiger Hinweis

Dieser Ratgeber dient nur zur Information und ersetzt keine ärztliche Beratung.

Die Inhalte der Herbano Gesundheitsredaktion werden sorgfältig recherchiert und basieren auf aktuellen wissenschaftlichen Studien.

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Häufige Fragen

Bei Menschen mit Depression sind vor allem Butyrat bildende Bakterien seltener, etwa Coprococcus und Faecalibacterium, dazu Dialister. Das zeigte sich auch dann, wenn die Einnahme von Antidepressiva berücksichtigt wurde. Butyrat ist eine kurzkettige Fettsäure, die Entzündungen im Darm dämpft.

In einer Auswertung von 23 Studien senkten Probiotika depressive Beschwerden bei Menschen mit diagnostizierter Depression deutlich. Am besten untersucht sind sie als Ergänzung zur bestehenden Behandlung. Antidepressiva sollten dafür nie eigenmächtig abgesetzt werden.

Die Studien zeigen einen moderaten Effekt: Probiotika senkten Angstbeschwerden bei Menschen mit ärztlich festgestellter Angst oder Depression. Bei gesunden Erwachsenen sank die psychische Belastung nach 30 Tagen mit Lactobacillus helveticus und Bifidobacterium longum stärker als unter Placebo.

In Studien waren erste Unterschiede zu Placebo nach etwa 4 Wochen messbar, die meisten Studien liefen 30 Tage bis 8 Wochen. Psychobiotika sollten deshalb regelmäßig über mehrere Wochen eingenommen werden, bevor man die Wirkung beurteilt.

In einer Studie nahmen Menschen mit Depression 8 Wochen lang ein Probiotikum zusätzlich zu ihrem Antidepressivum ein, schwere Nebenwirkungen traten dabei nicht auf. Wer Antidepressiva nimmt, bespricht die zusätzliche Einnahme am besten mit der behandelnden Ärztin oder dem Arzt und setzt das Medikament nie eigenmächtig ab.

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