Das Nährstoff-Dilemma: Unterernährt und dick?

Das Nährstoff-Dilemma: Unterernährt und dick?

9 Min. Lesezeit Aktualisiert am 30. September 2026
Das Wichtigste in Kürze
Das Nährstoff-Dilemma beschreibt, dass viele Menschen genug oder sogar zu viele Kalorien essen und trotzdem bei einzelnen Vitaminen und Mineralstoffen unterversorgt sind. Hauptgrund ist ein hoher Anteil stark verarbeiteter Lebensmittel: Je mehr davon, desto weniger Vitamine, Magnesium und Zink enthält die Ernährung. Dass Gemüse heute bei einigen Nährstoffen etwas weniger liefert als 1950, erklären Forschende vor allem mit ertragreicheren Sorten, nicht mit ausgelaugten Böden.

Die meisten Menschen in Deutschland, Österreich und der Schweiz haben jeden Tag genug zu essen. Trotzdem kennen viele diese Beschwerden:

  • Häufige Kopfschmerzen
  • Blähungen und Verdauungsprobleme
  • Oft ein starkes Verlangen nach Süßigkeiten
  • Schon morgens beim Aufwachen müde
  • Trockene, raue oder schuppige Haut und Unreinheiten
  • Starke Stimmungsschwankungen bis hin zu depressiven Verstimmungen
  • Konzentrationsschwierigkeiten

Solche Beschwerden haben viele mögliche Ursachen und gehören bei längerer Dauer ärztlich abgeklärt. Eine davon kann eine unzureichende Versorgung mit Vitaminen und Mineralstoffen sein, auch bei reichlich Essen und bei Übergewicht. Genau das meint das Nährstoff-Dilemma: satt, oft sogar überernährt, und trotzdem bei einzelnen Nährstoffen unterversorgt.

Kalorien vs. Nährstoffe

Wir sitzen vor überfüllten Tellern und nehmen öfter mal über 1000 Kalorien bei einer einzigen Mahlzeit zu uns. Trotzdem bekommt der Körper nicht immer die Nährstoffe, die er braucht, um „funktionieren“ zu können. Wir sind überfüttert, aber unterversorgt, denn unsere Ernährung ist energiereich, aber nährstoffarm. Anstelle von nährstoffreichen Lebensmitteln wie Obst, Gemüse und Hülsenfrüchten landen oft stark verarbeitete Lebensmittel auf dem Teller. In einer großen US-Erhebung mit 9.317 Teilnehmenden enthielt die Ernährung umso weniger Eiweiß, Ballaststoffe, Vitamin A, C, D und E, Zink, Kalium, Magnesium und Calcium, je mehr Energie aus stark verarbeiteten Lebensmitteln kam (Martínez Steele et al., 2017).

Solche Lebensmittel verleiten außerdem dazu, mehr zu essen: In einer randomisierten Studie aßen 20 Erwachsene mit stark verarbeiteter Kost rund 500 kcal mehr am Tag als mit unverarbeiteter Kost und nahmen in zwei Wochen 0,9 kg zu (Hall et al., 2019). Resultat: Wir essen mehr, nehmen zu und sind trotzdem nicht besser versorgt – ein Teufelskreis.

Aufholbedarf bei Nährstoffen

Die Krux am Ganzen: Je mehr industriell verarbeitete Lebensmittel, sog. „processed foods“, auf dem Speiseplan stehen, desto schwieriger wird es, genug Vitamine, Mineralien, Ballaststoffe und gute Fette aufzunehmen. Bei manchen Nährstoffen ist eine Unterversorgung weit verbreitet, am deutlichsten bei Vitamin D: In einer bundesweiten Untersuchung des Robert Koch-Instituts lagen 61,6 Prozent der Erwachsenen unter 50 nmol/l, 30,2 Prozent sogar unter 30 nmol/l (Rabenberg et al., 2015). Auch bei Nährstoffen wie Magnesium, Vitamin C, Vitamin E und Vitamin A und auch bei Omega 3 lohnt ein genauer Blick auf die eigene Versorgung. 

Vitamin D, Omega 3 und Magnesium deckt das Perfekte Routine Paket gemeinsam ab, ergänzt um Ubiquinol, die aktive Form von Coenzym Q10.

Perfekte Routine Paket von Herbano mit Vitamin D3 Tropfen, Omega 3, Magnesium Komplex und UbiquinolPerfekte Routine Paket ansehen  ➜
✓ Vitamin D3 + Omega 3 + Magnesium + Ubiquinol Q10

Haben Obst und Gemüse heute weniger Nährstoffe?

Oft heißt es, Obst und Gemüse enthielten wegen ausgelaugter Böden kaum noch Vitamine. Die Studienlage ist differenzierter. Eine Auswertung der US-Nährwerttabellen verglich 43 Gemüse- und Obstsorten aus den Jahren 1950 und 1999. Im Mittel sanken die Gehalte bei 6 von 13 Nährstoffen, nämlich bei Eiweiß, Calcium, Phosphor, Eisen, Vitamin B2 und Vitamin C. Die Rückgänge reichten von 6 Prozent bei Eiweiß bis 38 Prozent bei Vitamin B2. Bei den übrigen 7 Nährstoffen fand sich keine verlässliche Veränderung (Davis et al., 2004).

Die Autoren erklären echte Rückgänge vor allem mit neuen, ertragreicheren Sorten, bei denen ein höherer Ertrag auf Kosten des Nährstoffgehalts gehen kann. Für einzelne Lebensmittel ließen sich die neuen Werte oft nicht sicher von den alten unterscheiden, und rund 28 Prozent der verlässlich veränderten Werte waren sogar gestiegen (Davis et al., 2004).

Ein weiterer Faktor ist der steigende CO2-Gehalt der Luft. In Feldversuchen enthielten Getreide und Hülsenfrüchte, die bei dem für die Mitte dieses Jahrhunderts erwarteten CO2-Gehalt wuchsen, weniger Zink und Eisen (Myers et al., 2014).

Obst, Gemüse und Hülsenfrüchte bleiben damit die Grundlage einer nährstoffreichen Ernährung. Die größere Lücke entsteht meist dadurch, dass zu wenig davon auf dem Teller landet und stark verarbeitete Lebensmittel ihren Platz einnehmen.

Jetzt wichtige Nahrungsergänzungsmittel bestellen!

Jetzt Kurkuma Extrakt Kapseln kaufen!

Unterernährt und dick: Wie passt das zusammen?

Übergewicht und Nährstoffmangel schließen sich nicht aus. Eine Übersichtsarbeit zeigt, dass viele Menschen mit starkem Übergewicht (Adipositas) zu wenig Eisen, Calcium, Magnesium, Zink, Kupfer, Folsäure sowie Vitamin A und B12 aufnehmen, vermutlich wegen einer Ernährung mit geringer Nährstoffqualität. Die Autoren empfehlen, bei hohem Risiko oder nachgewiesenem Mangel gezielt einzelne Mikronährstoffe oder ein Multivitamin zu ergänzen (Astrup & Bügel, 2019).

Besonders deutlich ist der Zusammenhang bei Vitamin D: In einer Meta-Analyse aus 23 Studien kam ein Vitamin-D-Mangel bei Menschen mit Adipositas um 35 Prozent häufiger vor als bei Normalgewichtigen (Pereira-Santos et al., 2015).

Ein länger bestehender Mangel kann ernste Folgen haben. Eisenmangel etwa zählt weltweit zu den Mängeln mit den größten gesundheitlichen Folgen. Eine Blutarmut ist nur eine davon, Beschwerden können auch schon ohne Blutarmut auftreten (Pasricha et al., 2021). Ob und welcher Nährstoff fehlt, zeigt eine Blutuntersuchung. Wie man dabei vorgeht, erklärt der Ratgeber Vitaminmangel und Nährstoffmangel.

Für die Grundversorgung mit Vitamin D, Omega 3 und Magnesium gibt es das Perfekte Routine Paket mit vier einzelnen Präparaten.

Perfekte Routine Paket von Herbano mit Vitamin D3 Tropfen, Omega 3, Magnesium Komplex und UbiquinolPerfekte Routine Paket ansehen  ➜
✓ Vitamin D3 + Omega 3 + Magnesium + Ubiquinol Q10

Was die Nährstoffaufnahme im Alltag beeinflusst

Wie viel von einem Nährstoff im Körper ankommt, hängt auch davon ab, was zusammen gegessen und getrunken wird. Gut untersucht ist das beim Eisen.

Vitamin C verbessert die Eisenaufnahme

Eisen aus Pflanzen nimmt der Körper schlechter auf, wenn gleichzeitig viel Phytat auf dem Teller liegt, etwa aus Vollkorn und Hülsenfrüchten. Vitamin C wirkt dieser Hemmung deutlich entgegen (Hallberg et al., 1989). Obst oder Gemüse mit viel Vitamin C passt deshalb gut zu einer eisenreichen, pflanzlichen Mahlzeit. Mehr dazu im Ratgeber Eisenmangel.

Kaffee und Tee lieber mit Abstand zum Essen

Eine Tasse Kaffee zu einer Mahlzeit senkte die Eisenaufnahme in einer Studie um 39 Prozent, Schwarztee um 64 Prozent. Wurde der Kaffee eine Stunde vor dem Essen getrunken, sank die Aufnahme nicht, eine Stunde danach dagegen genauso stark wie beim Trinken zum Essen (Morck et al., 1983). Auch Kräutertees wie Pfefferminz- oder Kamillentee und Kakao hemmten die Eisenaufnahme deutlich, Milch im Kaffee oder Tee änderte daran kaum etwas (Hurrell et al., 1999). Wer auf die Eisenversorgung achten muss, trinkt Kaffee und Tee deshalb am besten eine Stunde vor dem Essen statt dazu.

Wichtiger Hinweis

Dieser Ratgeber dient nur zur Information und ersetzt keine ärztliche Beratung.

Die Inhalte der Herbano Gesundheitsredaktion werden sorgfältig recherchiert und basieren auf aktuellen wissenschaftlichen Studien.

Inhalt mit Unterstützung künstlicher Intelligenz erstellt und von der Herbano Redaktion bearbeitet.

Häufige Fragen

Das Nährstoff-Dilemma beschreibt, dass Menschen genug oder sogar zu viele Kalorien essen und trotzdem bei einzelnen Vitaminen und Mineralstoffen unterversorgt sind. Hauptgrund ist eine Ernährung mit vielen stark verarbeiteten Lebensmitteln, die viel Energie, aber wenig Nährstoffe liefern. Deshalb können auch Menschen mit Übergewicht einen Nährstoffmangel haben.

Das hängt vom Nährstoff und von der Dauer ab. Ein länger bestehender Eisenmangel kann zum Beispiel zu einer Blutarmut führen, Beschwerden sind aber auch schon vorher möglich. Da unspezifische Beschwerden wie Müdigkeit oder Konzentrationsprobleme viele Ursachen haben, schafft erst eine Blutuntersuchung Klarheit.

Vitamin C verbessert die Aufnahme von Eisen aus pflanzlichen Lebensmitteln, vor allem weil es der Hemmung durch Phytat aus Vollkorn und Hülsenfrüchten entgegenwirkt. Obst oder Gemüse mit viel Vitamin C zu einer eisenreichen Mahlzeit ist deshalb sinnvoll.

Kaffee und Tee hemmen die Aufnahme von Eisen aus der Nahrung deutlich, in einer Studie um 39 Prozent bei Kaffee und um 64 Prozent bei Schwarztee. Auch Kräutertees und Kakao wirken so, Milch ändert daran kaum etwas. Eine Stunde vor dem Essen getrunken, beeinträchtigte Kaffee die Eisenaufnahme nicht.

Nahrungsergänzungsmittel schließen Lücken, die die Ernährung nicht deckt. Das betrifft vor allem Nährstoffe, bei denen eine Unterversorgung häufig ist, etwa Vitamin D, von dem rund 6 von 10 Erwachsenen in Deutschland zu wenig im Blut haben. Am meisten bringen sie gezielt eingesetzt, am besten nach einer Blutuntersuchung und zusätzlich zu einer Ernährung mit viel Obst, Gemüse und Hülsenfrüchten.

  1. [1]
    Martínez Steele E, Popkin BM, Swinburn B, Monteiro CA (2017) The share of ultra-processed foods and the overall nutritional quality of diets in the US: evidence from a nationally representative cross-sectional study. Population Health Metrics, 15(1):6. doi: 10.1186/s12963-017-0119-3. https://doi.org/10.1186/s12963-017-0119-3
  2. [2]
    Hall KD, Ayuketah A, Brychta R, et al. (2019) Ultra-Processed Diets Cause Excess Calorie Intake and Weight Gain: An Inpatient Randomized Controlled Trial of Ad Libitum Food Intake. Cell Metabolism, 30(1):67-77.e3. doi: 10.1016/j.cmet.2019.05.008. https://doi.org/10.1016/j.cmet.2019.05.008
  3. [3]
    Rabenberg M, Scheidt-Nave C, Busch MA, Rieckmann N, Hintzpeter B, Mensink GB (2015) Vitamin D status among adults in Germany – results from the German Health Interview and Examination Survey for Adults (DEGS1). BMC Public Health, 15:641. doi: 10.1186/s12889-015-2016-7. https://doi.org/10.1186/s12889-015-2016-7
  4. [4]
    Davis DR, Epp MD, Riordan HD (2004) Changes in USDA food composition data for 43 garden crops, 1950 to 1999. Journal of the American College of Nutrition, 23(6):669-82. doi: 10.1080/07315724.2004.10719409. https://doi.org/10.1080/07315724.2004.10719409
  5. [5]
    Myers SS, Zanobetti A, Kloog I, et al. (2014) Increasing CO2 threatens human nutrition. Nature, 510(7503):139-42. doi: 10.1038/nature13179. https://doi.org/10.1038/nature13179
  6. [6]
    Astrup A, Bügel S (2019) Overfed but undernourished: recognizing nutritional inadequacies/deficiencies in patients with overweight or obesity. International Journal of Obesity, 43(2):219-232. doi: 10.1038/s41366-018-0143-9. https://doi.org/10.1038/s41366-018-0143-9
  7. [7]
    Pereira-Santos M, Costa PR, Assis AM, Santos CA, Santos DB (2015) Obesity and vitamin D deficiency: a systematic review and meta-analysis. Obesity Reviews, 16(4):341-9. doi: 10.1111/obr.12239. https://doi.org/10.1111/obr.12239
  8. [8]
    Pasricha SR, Tye-Din J, Muckenthaler MU, Swinkels DW (2021) Iron deficiency. The Lancet, 397(10270):233-248. doi: 10.1016/S0140-6736(20)32594-0. https://doi.org/10.1016/S0140-6736(20)32594-0
  9. [9]
    Hallberg L, Brune M, Rossander L (1989) Iron absorption in man: ascorbic acid and dose-dependent inhibition by phytate. American Journal of Clinical Nutrition, 49(1):140-4. doi: 10.1093/ajcn/49.1.140. https://doi.org/10.1093/ajcn/49.1.140
  10. [10]
    Morck TA, Lynch SR, Cook JD (1983) Inhibition of food iron absorption by coffee. American Journal of Clinical Nutrition, 37(3):416-20. doi: 10.1093/ajcn/37.3.416. https://doi.org/10.1093/ajcn/37.3.416
  11. [11]
    Hurrell RF, Reddy M, Cook JD (1999) Inhibition of non-haem iron absorption in man by polyphenolic-containing beverages. British Journal of Nutrition, 81(4):289-95. PMID: 10999016. https://pubmed.ncbi.nlm.nih.gov/10999016/

Kommentare

Kommentar(e)
herbano-cms-block-one
herbano-cms-block-two