Angst als Volkskrankheit? – Wie Sie damit umgehen können

Angst als Volkskrankheit? – Wie Sie damit umgehen können

12 Min. Lesezeit Aktualisiert am 30. September 2026
Das Wichtigste in Kürze
Angststörungen sind die häufigsten psychischen Erkrankungen: In Deutschland erfüllen innerhalb eines Jahres 15,3 % der Erwachsenen die Kriterien einer Angststörung (Jacobi et al., 2014), und im Pandemiejahr 2020 stieg ihre Zahl weltweit um 25,6 % (COVID-19 Mental Disorders Collaborators, 2021). Am besten belegt sind Verhaltenstherapie und Medikamente wie SSRI (Bandelow et al., 2017); GABA, Magnesium oder Ashwagandha können ergänzen. Medikamente nie eigenmächtig absetzen, bei Brustschmerzen sofort 112 wählen – und in einer Krise hilft die Telefonseelsorge 0800 111 0 111 (Österreich 142, Schweiz 143).

Der Schein trügt leider nicht. Immer mehr Menschen leiden unter Ängsten! 

Angststörungen sind in den meisten westlichen Ländern die größte Gruppe psychischer Erkrankungen (Craske et al., 2017). In Deutschland erfüllten in einer bundesweiten Untersuchung 15,3 % der Erwachsenen innerhalb eines Jahres die Kriterien einer Angststörung – mehr als bei jeder anderen psychischen Störung (Jacobi et al., 2014). Im ersten Pandemiejahr 2020 kamen weltweit schätzungsweise 76,2 Millionen Fälle hinzu (COVID-19 Mental Disorders Collaborators, 2021). Betroffen sind alle Altersgruppen – von Kindern und Jugendlichen über Erwachsene bis hin zu Senioren.

 



Wieso treten Angststörungen heutzutage so oft auf?

Ängste haben uns schon immer begleitet. Wir machen uns Sorgen um unsere Gesundheit, Sicherheit, Finanzen, Politik und Beziehungen. Dennoch treten Angststörungen in den letzten Jahren immer häufiger auf.

Wieso ist das so?

Viele Belastungen des modernen Alltags können Ängste zusätzlich verstärken, zum Beispiel:

  • Soziale Medien
  • Ständige Erreichbarkeit
  • Nachrichtensendungen rund um die Uhr
  • Voller Terminkalender
  • Wenig Bewegung und Schlaf

Frauen sind häufiger betroffen als Männer, und auch eine familiäre Veranlagung erhöht das Risiko (Craske et al., 2017). In der Pandemie stiegen Angststörungen bei Frauen und jüngeren Menschen stärker an als bei Männern und Älteren (COVID-19 Mental Disorders Collaborators, 2021).

 



 

Was bedeutet Angst überhaupt?

Angst wird definiert als ein „Gefühl der Sorge, Nervosität oder Unbehagen“. Dies kommt meist im Zusammenhang mit bestimmten Ereignissen oder Situationen mit ungewissem Ausgang.

Es ist völlig normal, mal nervös zu sein oder Angst zu haben. Was jedoch Personen mit einer Angststörung von „gesunden“ Menschen unterscheidet, ist die Tatsache, dass diese unter ständigen Ängsten leiden. Dies beeinträchtigt das gesamte Leben – von Beziehungen, Familie, Freunde bis hin zum Arbeitsverhältnis.

Was passiert bei Angst im Gehirn und im Körper?

Angst ist ein Alarmsystem. Nimmt das Gehirn eine Bedrohung wahr, bewertet das limbische System – ein Netzwerk tief im Gehirn, zu dem der Mandelkern (Amygdala) gehört – die Lage und setzt die Stressachse aus Hypothalamus, Hirnanhangdrüse und Nebennieren in Gang. Bei Angststörungen sind genau diese beiden Systeme verändert, dazu kommen erbliche Faktoren (Craske et al., 2017). Die Nebennieren schütten Adrenalin und Cortisol aus. Das Herz schlägt schneller, die Atmung wird flach, die Muskeln spannen sich an und man beginnt zu schwitzen – der Körper macht sich bereit für Kampf oder Flucht.

Gebremst wird diese Reaktion vor allem durch den Botenstoff GABA. Er ist der wichtigste hemmende Botenstoff im Nervensystem und bildet das Gegengewicht zum erregenden Glutamat; bei Angststörungen spielt das GABA-System eine zentrale Rolle (Lydiard, 2003). Magnesium trägt zu einer normalen Funktion des Nervensystems und zu einer normalen psychischen Funktion bei. Beides kombiniert das Anti-Angst Paket.

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Wie geht es Menschen mit einer Angststörung?

Eine Angststörung bringt meist viele Symptome mit sich:

  • Herzrasen
  • Schwindel
  • Bluthochdruck
  • Verspannungen
  • Schlafstörungen, Müdigkeit und Erschöpfung
  • Starkes Schwitzen
  • Starkes Unwohlsein
  • Das Gefühl von Hoffnungslosigkeit
  • Isolation

Ängste bringen unsere Gesundheit durcheinander. Wir fühlen uns nicht mehr wohl in unserem Körper, sind gestresst und schlafen schlecht. Unbehandelt verlaufen Angststörungen meist chronisch, mit Phasen, in denen die Beschwerden stärker oder schwächer werden (Craske et al., 2017). Oft bleibt es nicht bei einer Erkrankung: 44 % der Menschen mit einer psychischen Störung hatten in einer deutschen Untersuchung mehr als eine Diagnose (Jacobi et al., 2014), häufig kommt zur Angst eine Depression hinzu.

Angst und Herz: Panikattacke oder Herzinfarkt?

Auf Dauer hängt Angst mit einem höheren Risiko für Herz-Kreislauf-Erkrankungen zusammen. In einer Auswertung von 46 Studien mit über 2 Millionen Menschen war bei Angst das Risiko für eine koronare Herzkrankheit um 41 % und für einen Schlaganfall um 71 % erhöht. Ob die Angst selbst die Ursache ist, ist noch nicht geklärt (Emdin et al., 2016).

Umgekehrt fühlt sich eine Panikattacke oft wie ein Herzinfarkt an: Herzrasen, Druck auf der Brust, Atemnot und Todesangst. Bis zu 25 % der Menschen, die mit Brustschmerzen in die Notaufnahme kommen, haben eine Panikstörung (Huffman & Pollack, 2003). Zu Hause lässt sich der Unterschied aber nicht sicher erkennen.

Wichtig: Bei Schmerzen, Druck oder Enge in der Brust, bei Schmerzen, die in Arm, Kiefer oder Rücken ausstrahlen, bei Atemnot oder kaltem Schweiß sofort den Notruf 112 wählen – auch wenn früher schon Panikattacken aufgetreten sind. Erst wenn das Herz ärztlich untersucht ist, lässt sich die Angst gezielt behandeln.

 



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Wie entsteht eine Angststörung?

Das Leben fordert uns heraus und das rund um die Uhr. Und nicht immer sind wir allen Situationen gewachsen – Stress entsteht. Von vielen Überstunden, Geldsorgen, dem Verlust geliebter Menschen, Einsamkeit oder Mobbing – das alles stresst uns und löst Ängste aus.

Auch traumatische Lebensereignisse, genetische Vorbelastung oder Hormonschwankungen machen uns zu schaffen. Dazu kommt dann noch unsere Ernährung mit übermäßigem Alkoholkonsum, hoher Koffein- oder Zuckerzufuhr sowie Drogenkonsum.

Das alles kann dafür verantwortlich sein, Angststörungen auszulösen.

Auch körperliche Erkrankungen gehen häufig mit Ängsten einher, etwa eine Schilddrüsenüberfunktion, Herzkrankheiten, Diabetes, Asthma, Migräne oder ein Reizdarm (Culpepper, 2009). Neue oder plötzlich stärker werdende Ängste deshalb immer ärztlich abklären lassen.

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Wie werden Angststörungen behandelt – und was hilft natürlich?

Angststörungen sind gut behandelbar. Am besten belegt ist die kognitive Verhaltenstherapie; als Medikamente der ersten Wahl gelten SSRI und SNRI. Benzodiazepine werden wegen der Gefahr einer Abhängigkeit nicht für die Dauerbehandlung empfohlen. Nach einer Besserung sollten Medikamente noch 6 bis 12 Monate weiter eingenommen werden (Bandelow et al., 2017). In einer Auswertung von 234 Studien mit 37.333 Patientinnen und Patienten linderten Medikamente, Psychotherapie und auch Sport die Angst; welche Behandlung passt, entscheiden Betroffene gemeinsam mit ihrer Ärztin oder ihrem Arzt (Bandelow et al., 2015).

Wichtig: Beruhigungsmittel wie Benzodiazepine nie plötzlich absetzen. Ein abruptes Absetzen kann lebensgefährlich sein (Fluyau et al., 2018), deshalb wird die Dosis nur unter ärztlicher Begleitung schrittweise verringert.

Ergänzend zur Behandlung können natürliche Nahrungsergänzungsmittel unterstützen:

GABA (Gamma Aminobuttersäure)

GABA ist der körpereigene Bremsbotenstoff, der überreizte Nervenbahnen beruhigt. In einer Studie erhöhte GABA als Nahrungsergänzung schon nach 60 Minuten die entspannungstypischen Alpha-Wellen im EEG. Menschen mit Höhenangst, die eine Hängebrücke überquerten, hatten mit GABA mehr Abwehrstoff (Immunglobulin A) im Speichel als mit einem Placebo (Abdou et al., 2006).

Im Anti-Angst Paket ist GABA mit einem Magnesium Komplex kombiniert. Magnesium trägt zu einer normalen Funktion des Nervensystems bei – eine Kombination für Menschen, die innere Unruhe und Anspannung natürlich begleiten möchten.

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5 HTP (5 Hydroxytryptophan)

5 HTP ist die direkte Vorstufe des Botenstoffs Serotonin, der an der Verarbeitung von Stress und Angst beteiligt ist (Graeff et al., 1996). Zusammen mit Antidepressiva, die ebenfalls den Serotoninspiegel erhöhen, kann es zu einem Serotonin-Syndrom kommen (Turner et al., 2006). 5 HTP deshalb nur nach ärztlicher Rücksprache mit solchen Medikamenten kombinieren.

Johanniskraut Tropfen

Johanniskraut wird schon seit Jahrhunderten bei Müdigkeit, Angstzuständen oder Schlafstörungen eingesetzt. Am besten untersucht ist es bei gedrückter Stimmung: In einer Auswertung von 35 Studien mit 6.993 Patientinnen und Patienten wirkte Johanniskraut bei leichter und mittelschwerer Depression besser als ein Placebo und ähnlich gut wie Antidepressiva, bei weniger Nebenwirkungen (Apaydin et al., 2016).

Johanniskraut beschleunigt allerdings in der Leber den Abbau vieler Medikamente und kann so zum Beispiel die Wirkung der Antibabypille, von Blutverdünnern wie Warfarin oder des Beruhigungsmittels Alprazolam abschwächen (Nicolussi et al., 2020). Wer Medikamente einnimmt, verwendet Johanniskraut deshalb nur nach Rücksprache mit der Ärztin, dem Arzt oder der Apotheke.

CBD Öl 5 %

In einer Studie mit Menschen mit sozialer Angst senkte eine einmalige Gabe CBD die Angst vor einer simulierten öffentlichen Rede deutlich stärker als ein Placebo (Bergamaschi et al., 2011).

Ashwagandha oder Johanniskraut – was passt bei Angst?

Die beiden Pflanzen setzen an unterschiedlichen Stellen an. Ashwagandha zählt zu den Adaptogenen, also Pflanzen, die den Körper in Stressphasen unterstützen. In einer Meta-Analyse von 12 randomisierten Studien mit 1.002 Teilnehmenden senkte Ashwagandha sowohl Angst als auch Stress deutlich stärker als ein Placebo (Akhgarjand et al., 2022). Johanniskraut ist dagegen vor allem bei gedrückter Stimmung untersucht.

Stehen Anspannung, Stress und innere Unruhe im Vordergrund, passt deshalb eher Ashwagandha. Überwiegt die niedergeschlagene Stimmung, kommt eher Johanniskraut infrage – wegen der Wechselwirkungen aber nur nach Rücksprache, wenn Medikamente eingenommen werden. Bei häufigen Panikattacken ersetzt keine der beiden Pflanzen eine ärztliche oder psychotherapeutische Behandlung.

Was hilft sonst noch, um Ängste und Stress abzubauen?

  • Entspannungstechniken anwenden
  • Stress reduzieren, da sich dieser negativ auf Ängste auswirkt, beispielsweise mit Rhodiola Rosea (Rosenwurz) oder Ashwagandha (Schlafbeere)
  • Regelmäßig bewegen
  • Gesund und ausgewogen ernähren
  • Genug schlafen
  • Den Tag planen
  • Gedanken und Sorgen in einem Tagebuch festhalten
  • Übermäßigen Alkohol-, Koffein- und Zuckerkonsum vermeiden
  • Einer Selbsthilfegruppe anschließen

 

PS: Jeder, der an ernsthaften Angstzuständen leidet, sollte immer professionelle Hilfe in Anspruch nehmen, auch bei natürlichen Behandlungsmethoden. Medikamente niemals ohne ärztliche Aufsicht und Beratung einfach absetzen.

Wer in einer akuten Krise ist oder an Suizid denkt, bekommt sofort und kostenlos Hilfe: Telefonseelsorge Deutschland 0800 111 0 111, Telefonseelsorge Österreich 142, Die Dargebotene Hand in der Schweiz 143, im Notfall 112.

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Wichtiger Hinweis

Dieser Ratgeber dient nur zur Information und ersetzt keine ärztliche Beratung.

Die Inhalte der Herbano Gesundheitsredaktion werden sorgfältig recherchiert und basieren auf aktuellen wissenschaftlichen Studien.

Inhalt mit Unterstützung künstlicher Intelligenz erstellt und von der Herbano Redaktion bearbeitet.

Häufige Fragen

Angststörungen betreffen so viele Menschen wie kaum eine andere Erkrankung: In Deutschland erfüllen innerhalb eines Jahres 15,3 % der Erwachsenen die Kriterien einer Angststörung, mehr als bei jeder anderen psychischen Störung. Dazu kommt, dass die meisten Angststörungen nicht erkannt und nicht behandelt werden.

Bei Angst schütten die Nebennieren Adrenalin und Cortisol aus. Das Herz schlägt schneller, die Atmung wird flach, die Muskeln spannen sich an und man schwitzt. Hält die Angst lange an, folgen oft Schlafstörungen, Erschöpfung und Verspannungen.

Das limbische System mit dem Mandelkern bewertet Gefahren und startet die Stressachse aus Hypothalamus, Hirnanhangdrüse und Nebennieren. Gebremst wird die Reaktion vor allem durch den Botenstoff GABA. Bei Angststörungen sind diese Systeme verändert, dazu kommen erbliche Faktoren.

Menschen mit Angststörungen haben ein höheres Risiko für koronare Herzkrankheit und Schlaganfall, ob die Angst die Ursache ist, ist aber noch offen. Eine Panikattacke fühlt sich zudem oft wie ein Herzinfarkt an. Bei Brustschmerzen deshalb immer sofort den Notruf 112 wählen.

Häufig mit Angst verbunden sind eine Schilddrüsenüberfunktion, Herzkrankheiten, Diabetes, Asthma, Migräne und ein Reizdarm. Auch viel Alkohol oder Koffein kann Ängste verstärken. Neue oder stärker werdende Ängste deshalb immer ärztlich abklären lassen.

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