Was ist eine Endometriose?

Was ist Endometriose?

13 Min. Lesezeit Aktualisiert am 29. September 2026
Das Wichtigste in Kürze
Endometriose ist eine chronische Erkrankung, bei der gebärmutterschleimhautähnliches Gewebe außerhalb der Gebärmutter wächst; sie betrifft rund 6 bis 10 % der Frauen (Abokhrais et al., 2020). Diagnose und Behandlung gehören in die gynäkologische Praxis: Schmerzmittel, hormonelle Therapie und Operation sind die Möglichkeiten der Leitlinie (Becker et al., 2022). In den Wechseljahren werden die Beschwerden meist ruhiger, doch 2 bis 5 % der Frauen nach der Menopause sind weiter betroffen (Ladanyi et al., 2019). Omega-3, Vitamin D und Kurkuma können eine Behandlung begleiten, ersetzen sie aber nicht.

Von der Pubertät bis hin zu den Wechseljahren dürfen wir sie jeden Monat aufs Neue begrüßen: die Periode. Würde es sie nicht geben, würde es die Menschheit nicht geben. Dieser natürliche Prozess grenzt an ein Wunder. Trotzdem bedeutet die Periode für manche von uns aber auch Komplikationen. Denn es gibt eine Krankheit, die oft nicht diagnostiziert wird, aber sehr häufig vorkommt – die Endometriose.

Typische Anzeichen einer Endometriose sind:

  • Starke, oft krampfartige Schmerzen während der Periode
  • Starke und unregelmäßige Monatsblutungen oder Zwischenblutungen
  • Häufige, wiederkehrende Schmerzen im Unterleib und das vor allem in der zweiten Hälfte des Monatszyklus
  • Bauch- und Rückenschmerzen, die bis in die Beine ausstrahlen
  • Schmerzen bei gynäkologischen Untersuchungen
  • Schmerzen während und nach dem Geschlechtsverkehr
  • Schmerzen beim Urinieren oder dem Stuhlgang

Wer mehrere dieser Beschwerden kennt, sollte sie gynäkologisch abklären lassen. Eine Endometriose ist häufig – Betroffene sind damit nicht allein.

 



 

Was ist eine Endometriose?

Eine Endometriose ist eine chronische und oftmals schmerzhafte Erkrankung mit wucherndem Gewebe außerhalb der Gebärmutter. Häufig sind die Eierstöcke, der Darm sowie das Gewebe im Becken von diesem wuchernden Gewebe betroffen.

Das Gewebe ähnelt dem der Gebärmutterschleimhaut und wird genauso im weiblichen Zyklus jeden Monat neu aufgebaut und während der Periode wieder abgestoßen. Allerdings kann diese abgelöste Schleimhaut nicht, wie die Gebärmutterschleimhaut, einfach abfließen, sondern verbleibt im Körper.

In Folge entstehen Entzündungen, Blutungen, Verwachsungen und Zysten. Betroffene erfahren dadurch meist sehr heftige Schmerzen und starke Regelblutungen, die auf die Erkrankung hindeuten können. Diese Schmerzen sind weit stärker als jene einer "normalen" Regelblutung.

Niemand kennt die genaue Ursache für eine Endometriose, doch hormonelle Ungleichgewichte (wie etwa ein hoher Östrogenspiegel) und genetische Veranlagung, spielen Experten zufolge, für die Entstehung eine große Rolle.

An der genetischen Veranlagung lässt sich nichts ändern, aber jede kann etwas zur Wiederherstellung des hormonellen Gleichgewichts im Körper beitragen.

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Warum die Diagnose oft Jahre dauert

Obwohl eine Endometriose häufig ist, wird sie oft spät erkannt. Denn das Erscheinungsbild einer Endometriose ist extrem unterschiedlich. Starke Regelschmerzen und Co. werden oft als Frauenleiden abgetan und nicht ernst genommen. In einer Studie aus Österreich und Deutschland vergingen vom ersten Symptom bis zur Diagnose im Mittel 10,4 Jahre, und 74 % der Frauen hatten vorher mindestens eine falsche Diagnose erhalten (Hudelist et al., 2012).

Wird sie erkannt, richtet sich die Behandlung nach den Beschwerden, der Ausdehnung und einem möglichen Kinderwunsch. Häufig werden hormonelle Präparate eingesetzt, die den Zyklus ruhigstellen und das Wachstum der Herde bremsen, etwa ein Gestagen oder die Pille. Auch eine Operation ist bei Schmerzen und bei unerfülltem Kinderwunsch eine Möglichkeit (Becker et al., 2022). Grundlage ist in Deutschland, Österreich und der Schweiz die gemeinsame S2k-Leitlinie der gynäkologischen Fachgesellschaften (DGGG, OEGGG & SGGG, 2025).

Die Gefahr einer nicht erkannten Endometriose:

  • Chronische Entzündungen
  • Vernarbungen und Verwachsungen an Gebärmutter, Eierstöcken etc.
  • Blutungen in der Bauchhöhle
  • Unfruchtbarkeit


 

Warnzeichen: Wann Beschwerden gynäkologisch abgeklärt werden sollten

Regelschmerzen, die mit gängigen Schmerzmitteln nicht besser werden oder den Alltag Monat für Monat lahmlegen, sind kein normales Frauenleiden. Eine Abklärung ist vor allem bei diesen Zeichen sinnvoll:

  • Regelschmerzen, die von Jahr zu Jahr stärker werden oder zu Fehltagen in Schule, Studium oder Beruf führen
  • Schmerzen beim Geschlechtsverkehr, beim Stuhlgang oder beim Wasserlassen, besonders rund um die Periode
  • Blut im Stuhl oder Urin während der Periode
  • Ein Kinderwunsch, der sich über ein Jahr nicht erfüllt
  • Neue Unterbauchschmerzen oder Blutungen nach der Menopause

Zur Diagnose gehören das Gespräch über die Beschwerden, die gynäkologische Tastuntersuchung und ein Ultraschall, bei Bedarf eine MRT. Eine Bauchspiegelung ist heute nicht mehr in jedem Fall nötig, um die Diagnose zu stellen (Becker et al., 2022).

Endometriose in den Wechseljahren

Endometrioseherde wachsen unter dem Einfluss von Östrogen. Weil der Östrogenspiegel in den Wechseljahren sinkt, galt die Erkrankung lange als etwas, das sich mit der Menopause von selbst erledigt. Das stimmt nur zum Teil: Auch nach der Menopause kann eine Endometriose wiederkehren (Gemmell et al., 2017). Betroffen sind 2 bis 5 % der Frauen nach der Menopause (Ladanyi et al., 2019).

  • Meist ruhiger: Nach der Menopause ist die Endometriose in der Regel weniger aktiv und weniger ausgedehnt als vorher. Manche Frauen haben weiter chronische Unterbauchschmerzen, bei anderen fällt sie nur zufällig bei einer Ultraschall- oder MRT-Untersuchung auf (Chamié et al., 2024).
  • Hormonersatztherapie: Häufiger ist eine Endometriose nach der Menopause bei Frauen, die Hormone gegen Wechseljahresbeschwerden nehmen oder Tamoxifen erhalten (Chamié et al., 2024). Wird eine Hormonersatztherapie begonnen, empfehlen Fachleute bei Endometriose eine Kombination aus Östrogen und Gestagen statt Östrogen allein – auch nach einer Entfernung der Gebärmutter (Ladanyi et al., 2019). Eine laufende Hormontherapie wird nie eigenmächtig abgesetzt, sondern immer mit der gynäkologischen Praxis besprochen.
  • Frühere Menopause: Frauen mit einer per Bauchspiegelung gesicherten Endometriose kamen in einer großen Kohortenstudie mit über 100.000 Frauen häufiger vor dem 45. Lebensjahr in die Wechseljahre; das Risiko war um rund 50 % erhöht (Thombre Kulkarni et al., 2022).
  • Eierstöcke im Blick behalten: Frauen mit Endometriose erkranken statistisch etwa doppelt so häufig an Eierstockkrebs (Kvaskoff et al., 2021). Nach der Menopause ist das Risiko einer bösartigen Veränderung höher als in jüngeren Jahren, besonders bei einer Hormonersatztherapie mit Östrogen allein (Chamié et al., 2024). Neue Zysten, Schmerzen oder Blutungen nach der Menopause gehören deshalb immer abgeklärt.

Endometriose-Schmerzen und typische Wechseljahresbeschwerden lassen sich gut auseinanderhalten: Hitzewallungen, Schlafstörungen und Stimmungsschwankungen kommen vom sinkenden Östrogen. Schmerzen im Becken, beim Geschlechtsverkehr oder beim Stuhlgang gehören dagegen nicht zu den normalen Wechseljahren.

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Was hilft?

Um Endometrioseherde loszuwerden, kann eine Bauchspiegelung gemacht werden (Laparoskopie), bei der die Herde operativ entfernt werden. Ob eine Operation sinnvoll ist, hängt von den Beschwerden, der Lage der Herde und einem Kinderwunsch ab. Eine Endometriose kann auch nach einer Operation wieder zurückkommen.

Daneben werden Schmerzmittel und hormonelle Behandlungen verschrieben (Becker et al., 2022). Wie jedes Arzneimittel können sie Nebenwirkungen haben; Nutzen und Risiken werden deshalb gemeinsam mit der gynäkologischen Praxis abgewogen. Eine hormonelle Therapie wird nie eigenmächtig abgesetzt.

Ergänzend machen viele Betroffene gute Erfahrungen mit komplementärer Medizin, etwa Akupunktur und Pflanzenheilkunde (Phytotherapie). In der Phytotherapie werden bei Zyklusbeschwerden vor allem Mönchspfeffer und Frauenmantel eingesetzt.

  • Mönchspfeffer wird schon seit über 2500 Jahren bei vielen gynäkologischen Beschwerden verwendet. Am besten untersucht ist er beim prämenstruellen Syndrom (PMS): In sieben von acht Studien schnitt er besser ab als die Vergleichsbehandlung (van Die et al., 2013).
  • Frauenmantel gilt nicht umsonst als der beste Freund der Frau. Er wird traditionell bei Menstruationsbeschwerden eingesetzt. In einer Tierstudie an Ratten verkleinerte ein Extrakt aus Frauenmantel künstlich erzeugte Endometriose-Zysten (Küpeli Akkol et al., 2015); Studien am Menschen fehlen noch.

 

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Mönchspfeffer bei Endometriose: Was belegt ist

Mönchspfeffer (Vitex agnus-castus) wirkt über die Hirnanhangdrüse auf das Hormonsystem. In Studien senkte er leicht erhöhtes Prolaktin, normalisierte eine verkürzte zweite Zyklushälfte und hob das Progesteron in der Zyklusmitte an (van Die et al., 2013). Nebenwirkungen waren in diesen Studien mild und selten. Deshalb wird er begleitend bei zyklusabhängigen Beschwerden eingesetzt, die viele Frauen mit Endometriose kennen, etwa PMS und Brustspannen.

Studien speziell an Frauen mit Endometriose gibt es bisher nicht. Wichtig ist die Kombination mit Medikamenten: Weil Mönchspfeffer in das Hormonsystem eingreift, kann er die Wirkung hormoneller Präparate wie der Pille, eines Gestagens oder einer Hormonersatztherapie beeinflussen. Wer eine solche Therapie bekommt, nimmt Mönchspfeffer deshalb nur nach Rücksprache mit der gynäkologischen Praxis oder einer Heilpraktikerin bzw. einem Heilpraktiker ein. In Schwangerschaft und Stillzeit wird er nicht eingenommen. Mehr zur Pflanze steht im Ratgeber Mönchspfeffer.

Omega-3, Vitamin D und Kurkuma als Begleiter

Endometriose geht mit chronischen Entzündungen einher. Einige Nährstoffe mit entzündungsdämpfender Wirkung wurden deshalb in Studien untersucht – als Ergänzung zur Behandlung, nicht als Ersatz.

  • Omega-3-Fettsäuren: Bei Regelschmerzen ohne erkennbare Grunderkrankung linderten Omega-3-Fettsäuren in einer Meta-Analyse randomisierter Studien die Schmerzstärke (Mohammadi et al., 2022). Bei Endometriose selbst läuft die Forschung noch; in einer ersten Pilotstudie über acht Wochen traten keine Nebenwirkungen auf (Abokhrais et al., 2020).
  • Vitamin D: In einer placebokontrollierten Studie mit 60 Frauen mit Endometriose senkte Vitamin D (50.000 I.E. alle zwei Wochen über zwölf Wochen) die Unterbauchschmerzen und den Entzündungswert hs-CRP (Mehdizadehkashi et al., 2021).
  • Kurkuma: In einer doppelblinden Studie mit 86 Frauen bekamen alle das Gestagen Dienogest, die Hälfte zusätzlich Curcumin. Nach acht Wochen hatte die Curcumin-Gruppe deutlich weniger Regelschmerzen, weniger Schmerzen beim Geschlechtsverkehr und im Becken sowie eine bessere Lebensqualität (Sargazi-Taghazi et al., 2025).

Omega-3 und Kurkuma sind in Kombination mit hormonellen Präparaten unproblematisch. Wer blutverdünnende Medikamente nimmt, stimmt beides trotzdem vorher ab. Alle drei Präparate aus dem Paket haben ihre eigene Dosierung und lassen sich einzeln anpassen.

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4 einfache Schritte für den Alltag mit Endometriose

  1. Entspannung: Stress und Schmerz verstärken sich oft gegenseitig, und Verspannungen im Unterleib können Beschwerden verschlimmern. Hilfreich sind Massagen, Akupunktur oder Heilkräuter und Nahrungsergänzung gegen Stress (z.B. Ashwagandha, Rhodiola Rosea oder Vitamin B-Komplex).
  2. Bewegung: Regelmäßige und sanfte Bewegung durch Spaziergänge oder Yoga sind ideal, da sie den Körper in Schwung bringen.
  3. Gezielte Ernährung: In den letzten Jahren wurden zum Thema Endometrioseherde ernährungsmedizinische Ansätze untersucht. Da die Krankheit mit Entzündungen und oxidativem Stress einhergeht, wird eine antientzündliche und antioxidative Ernährung empfohlen (z.B. mit Omega-3-Fettsäuren, Astaxanthin).
  4. Pflanzliche Begleiter: Pflanzen wie Frauenmantel, Mönchspfeffer, Nachtkerzenöl oder Cannabidiol (CBD-Öl) werden traditionell bei Zyklusbeschwerden eingesetzt – ergänzend zur Schmerztherapie, nicht an ihrer Stelle.

Regelmäßige starke Schmerzen während der Periode sollte niemand einfach abtun, sondern ernst nehmen! Eine Beratung beim Arzt oder Heilpraktiker hilft, auch natürliche Alternativen gut einzuordnen.

Wichtiger Hinweis

Dieser Ratgeber dient nur zur Information und ersetzt keine ärztliche Beratung.

Die Inhalte der Herbano Gesundheitsredaktion werden sorgfältig recherchiert und basieren auf aktuellen wissenschaftlichen Studien.

Inhalt mit Unterstützung künstlicher Intelligenz erstellt und von der Herbano Redaktion bearbeitet.

Häufige Fragen

Meist werden die Beschwerden mit der Menopause ruhiger, weil Endometrioseherde Östrogen zum Wachsen brauchen und der Östrogenspiegel sinkt. Ganz verschwinden muss die Erkrankung aber nicht: 2 bis 5 % der Frauen nach der Menopause sind weiter betroffen, häufiger bei einer Hormonersatztherapie.

In einer großen Kohortenstudie kamen Frauen mit gesicherter Endometriose häufiger vor dem 45. Lebensjahr in die Wechseljahre; das Risiko lag um rund 50 % höher. Auch Operationen an den Eierstöcken können die Eizellreserve verringern. Wer früh Wechseljahresbeschwerden bemerkt, lässt das gynäkologisch abklären.

Eine Hormonersatztherapie kann eine ruhende Endometriose wieder aktivieren, vor allem wenn nur Östrogen gegeben wird. Fachleute empfehlen bei Endometriose deshalb eine Kombination aus Östrogen und Gestagen, auch nach einer Entfernung der Gebärmutter. Ob und welche Hormontherapie passt, wird in der gynäkologischen Praxis entschieden.

Hitzewallungen, Schlafstörungen und Stimmungsschwankungen sind typische Wechseljahresbeschwerden. Schmerzen im Becken, beim Geschlechtsverkehr oder beim Stuhlgang gehören dagegen nicht dazu und können auf eine Endometriose hinweisen. Neue Schmerzen, Zysten oder Blutungen nach der Menopause gehören immer abgeklärt.

Grundlage sind Schmerzmittel, hormonelle Medikamente oder eine Operation – je nach Befund und in Absprache mit der gynäkologischen Praxis. Begleitend wurden Omega-3-Fettsäuren, Vitamin D und Curcumin in Studien untersucht; Curcumin verringerte zusätzlich zu Dienogest die Schmerzen. Sanfte Bewegung und Entspannung helfen zusätzlich im Alltag.

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